Wie "Gefühle spiegeln"?

U.a. im Rahmen von bedürfnisorientierter Erziehung ist vom Spiegeln der kindlichen Gefühle in Konfliktsituationen die Rede. Mir fällt es schwer, das nachzuvollziehen. Ich weiß doch prinzipiell nicht, wie es sich genau fühlt. Klar, es wird wohl eine negative Emotion sein, aber ob es sich überfordert, frustriert oder hauptsächlich hungrig (und deshalb quengelig) fühlt, kann man doch nicht wirklich wissen? Zumal nicht davon ausgegangen werden kann, dass kindliche Emotionen ähnlich differenziert werden können wie die von Erwachsenen. Ich finde, dass wir intuitiv meist recht gut deeskalieren. Teilweise versuche ich das Spiegeln, aber es kommt mir wie ein sinnloses Ratespiel oder im schlimmsten Fall einfach Einreden von Gefühlen("Aha, das ungute Gefühl was ich habe, ist also Wut...") vor. Nicht verstanden zu werden frustriert doch dann zusätzlich.

Wo liegt der Denkfehler? (Disclaimer: Ich habe altersunabhängig Probleme Gestik und Mimik zu deuten, sodass das eh nicjt die Technik erster Wahl für mich wäre. Aber bereits das Konzept an sich ist wegen des genannten Risikos einer regelmäßigen "Fehldiagnose" mir unklar.)

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Also ich kann oftmals denke ich recht gut erkennen, was in meinem Kind vorgeht. Trotzdem ist es natürlich wichtig - wie du sagst - dem Kind keine Gefühle "einzureden", die es vielleicht gar nicht hat.
Ich frage dann eigentlich mehr, als dass ich etwas unterstelle. Oft versuche ich einfach die Situation aus der Sichtweise des Kindes zu sehen, lebe ihm also Empathie vor und sage, wie ich mich in der Situation fühlen würde.
Das kann dann zB so klingen: "Ohje, du siehst aber traurig aus, was ist denn da passiert?" - an der Reaktion merke ich dann, ob mein Kind bereit ist, darüber zu reden und auch gerade nachdenken kann oder ob es emotional eh zu aufgebracht ist. "Du hast gerade mit diesem Bagger da gespielt hab ich gesehen und hattest richtig viel Spaß damit, oder? Und dann hat das andere Kind ihn einfach genommen, als du kurz nicht hingesehen hast? Uff, also da wäre ich ganz schön wütend geworden, das hätte mich richtig geärgert. Gehts dir auch so?"
Dabei geht es denke ich nicht darum, genau das Gefühl zu treffen, vielleicht war das Kind ja in dem Fall eher traurig als wütend? Aber es kann dann trotzdem einfach gelernt haben, dass ein "negatives" Gefühl in dem Fall völlig normal und angebracht ist und dass andere sich auch so fühlen. Und mit der Zeit siehst du an der Reaktion, ob sich das Kind verstanden fühlt oder nicht. So gesehen ist es manchmal schon ein Ratespiel, aber damit zeigst du deinem Kind ja auch, dass du dir Mühe gibst, es zu verstehen. Kinder verzeihen sehr viel, man muss das nicht perfekt beherrschen.

Aber wenn es dir nicht passend erscheint und du das Gefühl hast, du frustrierst dein Kind eher, dann lass es. Du kannst ja trotzdem mit ihm über Gefühle reden, zB in ganz normalen Alltagssituationen schildern, wie du dich fühlst. Das mache ich sowieso mehrmals täglich, dass ich meinem Kind quasi einfach Auskunft darüber gebe, wie es in mir gerade so aussieht und was mich bewegt.