Wie reagieren ..

    • (1) 11.08.19 - 19:00

      Wir haben einen "eigensinnigen" dreijährigen.

      Wenn er etwas nicht möchte, dann passiert das auch nicht. Anziehen, rausgehen, Hände waschen, teilen, etc. Es geht dann nur mit GANZ viel Gerede und häufig auch mit Gummibärchen.

      Gerade die Situation zum Hände waschen. Die waren wirklich schmutzig.
      Will er nicht! Schreit, trampelt, windet sich.

      Was machen??

      Manchmal verliert man die Geduld und man geht gegen das Kind an. Mittlerweile nicht mehr ohne Kraftaufwand.

      Dass das falsch ist, wissen wir.

      Was macht man stattdessen?

      Nicht Hände waschen? Umbringen wird es ihn nicht. Fängt er dann an uns auf der Nase herum zu tanzen? Tut er schon.

      Was hätte Jesper Juul wohl gesagt?

      • Vielleicht versucht ihr die Sachen nicht zu betonen? Ich meine immer mit Nebensätzen zu sprechen, z.B.: "jetzt gehen wir Hände waschen und dann essen wir lecker zum Mittag.." so in etwa. Verstehst du was ich meine?
        Das Anziehen sehr einfach ansprechen, oder das Händewaschen auch. Keine so große Bedeutung den Sätzen geben.
        Hm.. Ich hoffe du hast mich verstanden.

        Kompromisse eingehen.

        Zum Beispiel beim anziehen. Da hat meine fast 3 Jährige auch oft keine Lust drauf. Am WE sag ich dann eben, gut, dann gehen wir jetzt nicht zum Spielplatz. Meist überlegt sie sich das dann in 5 Minuten doch anders. Unter der Woche, wenn wir morgens los müssen gibt es kein "nicht anziehen" aber wenn sie sich gerne auf dem Sofa die Windel wechseln lassen will oder im Flur auf dem Boden, ist das für mich auch ok. Ich lasse sie auch beim Kleidung auswählen mit gucken und die Hose kann sie sich schon super alleine anziehen...

        Hände waschen will sie nicht? Gut, dann eben auf dem Höckerchen sitzend mit einem nassen Waschlappen und etwas Seife. Meist spült sie den Schaum dann doch freiwillig unterm Wasserhahn ab.

        Also ich mache da einen Mix aus Kompromiss und Konsequenz, am Ende komm ich zumindest fast immer zum Ziel ;-)

        Ganz viel Gerede ist es bei mir dann ja auch irgendwie, nur mit Bestechung fang ich nicht an. Das gibt es nur in ganz wichtigen Situationen, wo es kein wenn und aber gibt. Zum Beispiel als ich sie an ihre Brille gewöhnen musste, da gab es anfangs auch Gummibärchen, aber nach 2 Wochen waren wir mit dem Thema durch. Jetzt trägt sie sie freiwillig.

        • Ja, das klingt sehr ähnlich wie bei uns.
          Wir wechseln schon seit Monaten, vielleicht seit mehr als einem Jahr die Windel morgens vor dem Fernseher. Ohje! Man muss dazu sagen, dass der Kindergarten bei uns immer noch ein Reizthema ist und das hat sich so eingespielt und wir sind froh dass es so einigermaßen geht.

          Wir gehen auch wirklich viele Kompromisse ein.
          Wie gesagt, das klingt ähnlich wie bei euch. Aber manchmal eskaliert es dann einfach, weil man nicht mehr reden kann.

          Manchmal hab ich das Gefühl ich bin schon heiser wenn ich beim Kindergarten ankomme. Vom reden. Nicht vom brüllen.

          Auf einem Kindergeburtstag kürzlich wieder total blöd gefühlt, weil unserer immer aus der Reihe tanzt. Und die Eltern mit ruhigen Kindern vorwurfsvoll gucken. Dabei ist er echt zuckersüß!!

      Wenn ich mir das so überlege mach ich das auch viel mit Kompromissen und Alternativen.
      Bsp: wir kommen von draußen rein... ich: „prima hast du dir die Schuhe ausgezogen. Magst du jetzt deine Hände im Bad oder in der Küche waschen?“

      Bsp 2: er besteht voll beladen drauf, 4 Kuscheltiere mit raus auf den Spielplatz zu nehmen. Nachdem der erste Versuch (die bleiben bitte im Bett) nix gebracht hat darf er sich eins aussuchen....
      ich rede und rede und rede... 🤷‍♀️

    Beim Händewaschen ist das vielleicht ganz einfach: Wenn die Hände gewaschen werden sollen, weil es Essen gibt, dann gibt es so lange kein Essen, bis sie gewaschen sind. Logische Konsequenzen sind halt echt wichtig und die sollten auch möglichst immer durchgesetzt werden.

    • Das wäre mir etwas zu doll, denk ich.

      • Was ist daran zu doll? Das Kind ist alt genug, solche logische Konsequenzen zu verstehen und es stirbt nicht, wenn es mal nicht nach seiner eigenennase läuft. Ganz im Gegenteil. Regeln und Grenzen bringen Sicherheit (sofern sie durchgesetzt werden).

        • Ich bin da zwiegespalten. Weiter unten in einem Post steht "Grundbedürfnis". Ich sag ja auch nicht, "du kannst erst schlafen, wenn die Zähne geputzt sind", wenn er müde ist.

          Dafür ist mir das Händewaschen und das Zähneputzen wohl nicht richtig genug. Kommt wohl auch darauf an wie dreckig die Hände sind.

          Vielleicht ist nichts wichtig genug, dass ich ihm Schlaf und Essen verweigere.

          Aber wie gesagt, ich bin da zwiegespalten.

          • Ja klar sollte man unterscheiden, ob was wirklich wichtig/notwendig ist, oder eben nicht. Aber Fakt ist: Wenn Du möchtest, dass Dein Kind sich an Regeln hält, dann musst Du auch kosequent sein.

            Wenn die Regel lautet "vor dem Essen Hände waschen", dann würde ich das auch wie oben beschrieben durchsetzen. Wenn es Dir eigentlich egal ist - warum stellst Du dann so eine Regel auf?

            Zähne putzen sehe ich anders. Das ist ein abolutes Muss. Klar kommt es vor, dass das Kind einschläft, bevor man dazu kam. Das passiert uns auch mal. Wir wecken unser Kind dann auch nicht mehr. Dann ist das so. Aber das sollte die Ausnahme sein. Warum Zähne putzen so wichtig ist, solltest Du wissen....

            • Bei Hände waschen, Zähne putzen, anschnallen im Auto oder auf dem Fahrrad, Helm aufsetzen etc gibt es hier auch null Kompromisse. So hab ich es schon vor vielen Monaten kommuniziert und mein 3jähriger weiß, dass er nicht mal anfangen braucht zu diskutieren. 😉

          Also bei Schlaf und Essen drohe ich auch keine Konsequenzen an. Finde "sonst gehst du ins Bett" ganz schlimm. Und die Eltern wundern sich warum das Kind ein komisches Verhältnis zum Schlafen hat. Aber man kann ja das Eis als Nachtisch oder die 10 Min Fernsehen vorm Schlafengehen zum Bestechen nutzen.
          Mittlerweile weiß er, dass es bei 3 Mama ernst meint und zu 99% klappt es. Aber nur weil wir immer konsequent waren am Anfang. Ich bin halt auch mit einem weinenden Kind vom Spielplatz losgegangen. Punkt. Es gibt dann heute kein Eis. Punkt. Wenn du dich jetzt nicht anziehst, können wir halt nicht runter zu deinem Freund spielen. O.ä.

Wir arbeiten hier gar nicht mit Belohnung in Form von Süßkram sondern mit zuerst erklären warum es sein muss und wenn das nichts bringt mit Erpressung (finden wir besser, wenn auch nicht optimal). Also nach dem Motto, „Händewaschen ist wichtig, weil man sonst mit Bakterien an den Händen krank werden kann“. Bei fehlender Einsicht: „ Wenn du nicht Hände wäschst, kannst du mit dreckigen Händen auch keine Blaubeeren essen/ ein Buch mit anschauen/ Spielzeug anfassen etc. Im Notfall - z.B. Tomatensoßenfinger nähern sich Bett auch einfach packen, Hahn auf, Hände darunter auch bei Gegenwehr. Eigentlich entscheide ich meistens situativ und wie wichtig es mir ist, ob etwas gemacht werden muss. Bei Händewaschen, Schuhe ausziehen, Zähne putzen sowie bei Versprechen bin ich sehr konsequent. Wenn ich sage so und so wird es gemacht, bin ich eigentlich immer sehr konsequent. Dafür überlege ich mir sehr oft schon bevor ich es ausspreche, ob ich es auch wirklich durchziehe und damit ausspreche. Damit fahre ich eigentlich gut, weil meine Kinder wissen, dass ich konsequent bin und es dann oftmals kein Theater gibt. Bei einer Nachspeise lasse ich schon mal mit mir verhandeln, ob es statt 3 Gummibärchen noch ein 4. gibt oder ob nach einem Buch noch eines vorgelesen werden soll. Jacken/Pullover/Handschuhe...können auch erst draußen nach einer gewissen Zeit des Kälte fühlens angezogen werden, falls in der Wohnung diese anzuziehen verweigert werden.

  • Unserer bekommt alles erklärt. Nickt auch alles immer mit "ja" ab, versteht auch wirklich alles. Will nur halt dann einfach Mal nicht. Vielleicht ist es auch zu viel erklärt. Ich weiß nicht.

    Die beste Vokabel der letzten Zeit war "na gut, Mama" darüber freu ich mich jedesmal riesig.

    Oh man. Wenn man so drüber "redet" wird's auch schon wieder gut und witzig. Dabei es zwischen durch wirklich gar nicht lustig.

Ich habe zwei Töchter unterschiedlich im Charakter. Bei der einen, bald 3, hätte ich einfach nur gesagt dass es ohne saubere Hände kein Mittagessen / nicht gespielt werden kann. Kann man in dem Fall super kurz begründen und dann stehe ich dazu. Wenn sie dann weint, tobt etc biete ich ihr meine Hilfe nochmal an und erkläre es auch nochmal. Aber ich diskutiere es nicht zu tode. Das sind unsere Regeln und fertig. Die Größe, bald 5, mag nicht bevormundet werden. Ihr sage ich "nur nebenbei" das sie die Hände trotzdem waschen muss (auf dein Beispiel bezogen) und gebe ihr durch meine Aktion zu verstehen das ich darauf vertraue das sie es tut. Ich gehe dann nämlich schon mal vor, weil ich ja weiß das sie es tun wird. Klappt super mit ihr auf diese Art. Sonst kannst du noch überlegen ob es sich tatsächlich immer um die gleichen Dinge handelt, bei dem ihr Probleme habt und es eventuell kindgerechte und spielerischer gestalten. Meine Mädels haben z.b. zum Duschen jeder einen coolen Schwamm und freuen sich schon auf das Duschen, bettfein machen etc.
Lg

Wenn das zb mit dem essen in Verbindung steht. Hände waschen vorm Essen. Wäre ich jemand der sagt "du bekommst erst was zu essen, nachdem du deine Hände gewaschen hast". Anfangs würde sich Junior wie king of 3käsehoch fühlen und einfach sagen "dann ess ich eben nix"... essen ist ein Grundbedürfnis... irgendwann würde der Hunger siegen und freiwillig die Hände waschen. Gut ich hab damit keine Probleme aber ich wende generell bei Unwillen ein "wenn - dann" Prinzip an. Es gaukelt Wahlfreiheit vor, ist aber eigentlich ne Sackgasse. Die meisten Wutanfälle von Kleinkindern sind nämlich darin begründet, den zeitpunkt/Ablauf selbst entscheiden zu wollen. Viele Eltern haben aber keine Geduld.

Natürlich gibt es Dinge da geht Geduld nicht, weil Termindruck gegeben ist. Das ist aber max in einem von 10 Fällen der Fall, beim Rest ist es egal ob das jetzt oder mach 30 Minuten stattfindet. Mit Süßigkeiten Köder ich irre selten. 1. Ist mein Kind kein Hund. 2. Hat er weitestgehend freien Umgang damit, etwas jederzeit verfügbares, eignet sich nicht als Leckerli, nur Dinge die rar sind. Manchmal droh ich auch sanktionen an. Zb du willst keine Zähne putzen, dann darfst du auch nicht xyz anschauen (er darf zwischen zähne putzen und ins Bett gehen eine kindersendung auf dem Tablett anschauen zum runterkommen). Wenn man aber mit sanktionen kommt, müssen diese unmittelbar greifen. Eine Sanktion die weiter in der Zukunft liegt ist zwecklos und sinnlos. Also nix ala "wenn du x nicht machst dann gehen wir morgen eben nicht zu xyz hin". Kleinkinder leben im hier und jetzt.

  • Essen ist ein Grundbedürfnis, sagst du selbst. Das würde ich meinem Kind ungern verwehren. Aber ich versteh natürlich ... und würde es im Notfall auch Mal testen, aber da das meistens abends ist, besteht Gefahr dass alles noch später wird, als es ohnehin schon ist. :/

    Im Bett bleiben ist nämlich noch so eine Sache, die wir allerdings selbst verschuldet haben, glaube ich. Daran arbeiten wir und es wird zusehends besser.
    Muss dazu sagen, er schläft bei uns und wir begleiten ihn in den Schlaf.

    • Du verwehrst es ja nicht. Nur legst nur die Rahmenbedingungen vor und diese sind im Kleinkindalter durchaus umsetzbar. Verwehren wäre es, wenn du deinem Kind essen zur Strafe wegnimmst und nicht rausrückst. Das sollst du aber gar nicht und wäre zudem unmenschlich. Du mein Sohn wollt letztens zum Abendessen nix essen weil kein Hunger. Dann lagen wir schon im Bett und er ist um 21 Uhr nochmal aufgestanden um was zu essen. Hat er halt seine kalten Buletten vom Abendessen gegessen und bekam dann nochmal zähne geputzt. Weil das vorab so ausgemacht war "dann musst du aber danach nochmal zähne putzen"... antwort war "ok chef" (hat es seit 2 Tagen voll drauf mich Chef zu nennen^^). 30 Minuten später kam er zu mir zurück ins Bett (Papa war im Wohnzimmer und hat alles begleitet) ... so what 30 Minuten hin oder her... zumal aktuell sind Ferien.. da kräht kein Hahn momentan der uns morgens weckt. Eingeschlafen ist er kurz nach 22 Uhr aber das ist für ihn generell nix Ungewöhnliches sobald der Mittagsschlaf tagsüber umgesetzt wurde.

Der Fehler hier ganz klar, viel Gerede und Gummibärchen.
Das Kind hört "blabla Hände waschen blabla". Was Kinder früh können ist nein sagen, gerne auch mit kleineren Wutanfällen.
Die muss man aushalten. Für bocken ein Gummibärchen hat nur den Lerneffekt, wenn ich ein Gummibärchen möchte, muss ich einfach bocken.
Das ganze Gerede kommt nur als "blablabla" an.

Klare Ansagen "wir gehen jetzt Hände waschen", vorleben, also selbst direkt losgehen und die Hände waschen. Und klare Konsequenzen, mit dreckigen Händen wird nicht gegessen (keine Sorge, du verwehrst das Grundbedürfnis ja nicht, er muss halt saubere Hände haben).

Anziehen? Tja, notfalls geht's halt im Schlafanzug in den Kindergarten. Zu Hause raus auf den Spielplatz? Klar, wenn er angezogen ist.

Teilen? Was muss er denn teilen und wieso ist das Pflicht?

Jesper Juul hätte vermutlich gesagt, dass du ihn absolut falsch verstanden hast.

  • Ok, nehme ich mal so an.

    Und wo habe ich ihn falsch verstanden?

    • Bedürfnisorientierte Erziehung heißt nicht, dass sich alles um die Bedürfnisse des Kindes dreht. Vorleben und das Kind ernst nehmen bedeuten nicht, dass es in der Erziehung keine klaren Grenzen gibt.
      Kinder dürfen bocken, was aber nicht gleichbedeutend ist zu "sie bekommen ihren Willen" (oder ein Gummibärchen), sondern in ihrem Frust begleitest du sie, nimmst sie ernst.

      Wenn du eine Grenze setzt, die für dich wichtig ist, dann kollidiert dein Bedürfnis mit dem des Kindes. Wenn die Folge daraus ist, dass das Kind unglücklich ist, ist das in Ordnung, wenn dein Kind weiterhin die Verbindung/Beziehung spürt.
      Gerade so Dinge wie Hände waschen vor dem Essen, kann man gut vorleben.
      Wenn es dann zum bocken kommt,
      Hier bin ich, da bist du, ich höre mir gerne an warum du die Hände nicht waschen willst, danach entscheide ich.
      Beim Bocken wird dann Nein, ich will nicht, das Maximum der Gefühle sein.
      "Ich habe dir zugehört, aber wir gehen jetzt Hände waschen."

      Kinder brauchen Klarheit, mit fröhlichem Diskutieren wird das nichts. Die meisten Konflikte entstehen weil du nicht klar Nein sagst. Und auch das ist wichtig.

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