Kind (15 Monate) will nicht mehr zur Tagesmutter (Großtagespflege)

Guten Morgen,

unser Sohn (15 Monate) geht seit zwei Monaten in eine Großtagespflege. Die Eingewöhnung hat vier Wochen gedauert und fast ohne Tränen geklappt. Nur zwei mal habe ich ihn früher abgeholt, weil er geweint hat. Das Abgeben war aber immer unproblematisch. Im Gegenteil: Sofort wollte er von meinem Arm, um zu spielen.
Nach der Eingewöhnung blieb er dann jeden Tag drei Stunden dort. Er ist sehr gerne hingegangen.
Bis letzte Woche Montag. Da hat eine Tagesmutter mich angerufen und gesagt, ich solle ihn abholen, weil sie ihn nicht beruhigen könne. Dienstag und Mittwoch ließ er sich noch ohne Tränen bringen, blieb aber an beiden Tagen nur eine Stunde, bevor ich wieder angerufen wurde. Seitdem weint er, sobald wir das Gebäude betreten, klammert sich an mich und wehrt sich massiv, wenn ich ihn abgebe.

Gestern haben wir versucht, den Übergang möglichst sanft zu gestalten. Wir haben ein paar Minuten gespielt, bevor ich gegangen bin, aber es hat nichts gebracht. Dann heute "kurz und schmerzlos", wie die Tagesmutter gesagt hat, aber schmerzlos war es leider überhaupt nicht. Gestern habe ich ihn schon nach einer Stunde abgeholt - ohne Anruf; das hatten wir vorher so vereinbart. Heute soll ich nach zwei Stunden kommen.

Ich frage mich, ob etwas vorgefallen ist. Ich habe zwei Tagesmütter gefragt, die das beide verneint haben. Er habe letzte Woche Montag ohne ersichtlichen Grund angefangen, zu weinen. "Vielleicht Zähne", hat eine Tagesmutter gesagt, aber dann hätte er ja auch zuhause Schmerzen und hier ist er immer zufrieden.

Jetzt ist es so, dass er sich dort nach ein paar Minuten beruhigt, aber in kurzen Abständen immer wieder anfängt, zu weinen und nach mir zu rufen.

Kennt ihr so ein Verhalten? Woran könnte das liegen?

Ich weiß nicht, wie ich weiter vorgehen soll. In vier Wochen bin ich auf die Betreuung angewiesen. Wir wollten die Zeiten bis dahin eigentlich noch etwas steigern, so dass er an zwei Tagen dort Mittagsschlaf gemacht hätte. Das erscheint mir gerade unrealistisch. Oder kann es sein, dass es nur eine Phase ist, die schnell wieder vorbei geht?

Ich bin für alle Erfahrungen und Ratschläge dankbar.
Paulee

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Huhu,

ich bin Erzieherin und kann dir vll ein wenig aus meinen Eingewöhnungen berichten 😄
Wir haben es oft, dass die Kinder während der Eingewöhnung super mitmachen. Es gibt keine Tränen, es wird vll nur mal gejammert oder kurz gemeckert und dann wird gespielt. Das klappt die ersten Wochen oftmals wirklich super - bis die Kinder die Veränderungen realisieren und beginnen richtig zu verarbeiten. Auf einmal gibt es Tränen, auf einmal will man nicht mehr bleiben, auf einmal ist Spielen doof und auf einmal klappt hinten und vorne nichts mehr und man muss Mamas und Papas nach Hause schicken, obwohl sie sich daneben setzten und mit weinen könnten.

Leider, ist dieses Verhalten oftmals normal - sofern nichts dramatisches vorgefallen ist natürlich.
Dann werden die Veränderungen bemerkt, dann stellt man fest, dass es ja doch gar nicht so toll ist den ganzen Tag von Mama/Papa getrennt zu sein. Dass es doof ist, wenn man sein Spielzeug mit zig anderen Kindern auch mal teilen muss, dass es noch blöder ist, wenn andere auf einmal das Essen/Trinken bereitstellen und dann darf man nicht einmal in seinem eigenen Bett schlafen.
Das ist viel zu verarbeiten und da es so viele Grundbedürfnisse betrifft, kann es auch ein sehr sensibler Übergang für die Kinder sein. Und da kommen dann die Tränen.

Ich erkläre unseren Eltern oft, dass das Ziel der Eingewöhnung nicht ist, dass die Kinder ohne Tränen, Wut und Geschrei bleiben. Dazu braucht es Zeit, Vertrauen und das Gefühl angekommen zu sein. Und das dauert. Das Ziel der Eingewöhnung ist es, dass die Kinder eine Bezugsperson finden, zu ihr Vertrauen aufbauen und sich vom Trennungsschmerz trösten lassen. Man darf weinen, man darf schreien, das sind Gefühle, die in diesem Moment raus müssen. Schafft es dein kleiner Mann sich trösten zu lassen und etwas zu spielen, dann ist das super. Es fühlt sich zwar dennoch schwer an, aber es zeigt, dass er Vertrauen gefasst hat, zumindest genug um den Trost durch die neue Bezugsperson zuzulassen. Dass dann zwischendurch mal wieder geweint wird, ist auch in Ordnung. Es kommt eben immer drauf an, wie lang weint das Kind, lässt es sich trösten, nimmt es die Bezugserzieher an?
Wenn das alles gegeben ist, dann lass ihm noch Zeit. Geht es langsam an, überfordert ihn nicht, lasst nun Alltag einkehren und dann wird das langsam werden. Bei manchen klappt es schneller, bei manchen langsamer. Aber wenn ihr noch vier Wochen habt, dann ist auch noch viel Zeit 😊

Liebe Grüße und noch viel Erfolg bei der Eingewöhnung
nakaomi93

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Vielen Dank für deine Perspektive. Vielleicht habe ich einfach falsche Erwartungen. Dein Blickwinkel hilft auf jeden Fall. Ich hoffe, dass er bald wieder gerne hingeht.

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Hallo nakaomie..Ich lese deine Beiträge total gern, du schreibst immer wunderbar einfühlsam gerade wenn es um eingewöhnungssachen geht. Man merkt du machst deinen job total gern. Bei dir wäre ich auch gern kitakind 🥰

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Mein Zwerg ist genau so alt ( oder jung?)
Ich bin kein Profi, bin das erste mal Mutter und bin kein Betreuer oder ähnliches.
Aber ich habe ja meinen lütten bei der tagesmutter auch beobachtet und mir von der tagesmutter erzählen lassen wie es läuft.
Ich denke das das Phasen von allem und nix sind.
Zähne, Unwohlsein, Mama vermissen, Wut , Trauer, bockig sein.
Die Laune der lütten kann ja so schnell umschlagen.
Ich seh das täglich bei meinem lütten, er hat einen Plan im Kopf und wenn ich ihn davon abhalten will, wird laut geblockt oder wild geschrien.

Ihr habt ja noch 4 Wochen, da kann sich ja noch einiges tun.
Wir hatten durch private Umstände nun nicht das Glück von so langer Eingewöhnungszeit. 9 Tage insgesamt und jetzt 2 Wochen Pause, dann muss lütten vollzeit hin.
Ich hoff das klappt.

Und euch drück ich die Daumen das es besser wird!

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Da hattet ihr ja wirklich eine kurze Eingewöhnung vor der Pause. Ich drücke die Daumen, dass das klappt.
Danke für deine Antwort.

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Hallo Du,

wir hatten genau das Gleiche. Morgens ein fröhliches Kind abgegeben und zwei Stunden später ein heulendes und fertiges Mäuschen abgeholt. Davor immer alles ohne Tränen und dann ging nichts mehr. Eine schwere Zeit von vier Wochen lag vor uns. Aber seit ca einer Woche gibt es keine Tränen mehr und sie hat viel Spaß, spielt, lacht, redet (2 Jahre und 4 Monate alt).
Haltet durch, es wird wieder gut. Ich denke, bei uns war es so, wie es die Erzieherin in dem obigen Beitrag geschildert hat. Vorgefallen ist angeblich bei uns eben auch nichts.
Ich drücke die Daumen.

LG Ninis

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Vielen Dank für deine Antwort. Dann hoffe ich einfach, dass es bei uns auch wieder besser wird.