Erziehung mit "schlechtem Gefühl"

Hallo ihr Lieben,

Normalerweise sind mein Mann und ich uns relativ einig was Erziehungsfragen angeht, aber heute waren wir uns zum ersten Mal gravierend "uneins". Ich fühle mich tatsächlich so getroffen von der Situation, dass ich mit ihm nicht darüber reden kann und nun allein ins Bett gegangen bin 😶.

Zur Situation: Meine Tochter (22 Monate) hatte heute Abend eine Mama-Phase, sprich sie wollte nur mit Mama spielen, Zähne putzen und ins Bett gebracht werden. Normalerweise wechseln mein Mann und ich uns damit ab, besonders da auch der kleine Bruder (9 Wochen) seit Kurzem mit Ritual ins Bett gebracht wird. Einer von uns bringt die Große, einer den Kleinen ins Bett. Unsere Tochter wollte jedoch heute "nur Mama!", obwohl eigentlich mein Mann sie ins Bett bringen sollte. Sie hat, aus welchem Grund auch immer, sehr geweint und nach mir verlangt. Ich sagte ihr, als Kompromiss, dass ich jetzt erstmal den Bruder wickele und ihr dann nochmal Gute Nacht sage. Sie ging unter Protest und Tränen mit dem Papa Zähne putzen und umziehen. Als ich mich von ihr verabschiedet habe, ging das Weinen und Schreien wieder los, so laut, als würde ihr Leben davon abhängen. Ich verabschiedete mich trotzdem von ihr und versprach ihr morgen etwas schönes mit ihr zu unternehmen.

Ich brachte dann den Bruder ins Bett. Dabei hörte ich jedoch die ganze Zeit (Zimmer liegen übereinander), dass sie sich absolut nicht beruhigte, sondern immer lauter schluchzte. Nach einiger Zeit (15 Minuten) rief ich 2x meinen Mann an und bot ihm an zu ihr zu gehen und sie zu beruhigen. Er lehnte das ab, da sie "sonst immer ihren Willen durchsetzen wird". Nach einer halben Stunde weinen rief ich ein 3. Mal an, aber er ging nicht mehr ans Handy. Nach 10 weiteren Minuten beruhigte sich unsere Tochter anscheinend und schlief ein.

Ich bin super unglücklich mit der Situation... Klar haben wir ihr nun gezeigt, dass wir auf unserem Standpunkt beharren, aber sie hat sich deshalb in den Schlaf geweint. Mein Herz blutet, wenn ich daran denke. Ich würde sie am liebsten wecken und in den Arm nehmen (mache ich natürlich nicht...). Ich finde es ganz schlimm, wenn jemand traurig zu Bett geht. Tja, heute gehen insgesamt 3 Menschen traurig zu Bett (Tochter, Mann, ich). War es das "wert"? Wie hättet ihr gehandelt? Würde mich einfach mal interessieren. Vielen Dank für eure Antworten!

Lg, babyelf mit babygirl (22 Monate) und babyboy (9 Wochen)

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Eure "Große" muss ja erst seit Kurzem ihre Eltern teilen. Da finde ich solche Reaktionen total normal. Ich hab bei meinen Kindern oft beobachtet, dass sich dieser Entthronungskonflikt auch nicht am Baby entlädt, sondern an uns Eltern. Manche Kinder kleben dann nur noch an der Mama, andere werden aufmüpfig und suchen die Konfrontation.

Letztendlich ist ja die Frage, wie man so einen Konflikt bewertet und welches Motiv man in das Verhalten des Kindes hinein interpretiert. Wenn dein Kind störrisch ist und seinen Kopf in einer indiskutablen Sache durchsetzen will, dann sollte man konsequent sein und auf seinen "Standpunkt beharren" wie du so schön schreibst. In eurem Fall glaube ich jedoch, dass deine Tochter heute nochmal spüren wollte, dass sie trotz Baby von dir geliebt wird.

Mein Sohn war damals 23 Monate als die kleine Schwester kam und ich bereue es zu tiefst, dass ich aus so vielen Konflikten einen Machtkampf gemacht habe, weil ich nicht erkannt habe, dass es ihm eigentlich um die Vergewisserung ging, dass er trotz der neuen Situation von mir geliebt wird.

Natürlich kannst du dich nicht splitten und beide Kinder ins Bett bringen. Es ist ja auch schön, dass dein Mann und du es euch aufteilt, aber vielleicht kann man beim nächsten Mal die Aufgaben auch anders aufteilen. Dein Mann wickelt das Baby und du liest ihr eine Geschichte und dann tauscht ihr erst oder sie darf sich jeden Tag jemanden aussuchen.

Falls dein Mann etwas emotionaler auf ein klärendes Gespräch reagiert, dann will ich dir noch sagen, dass es für die Väter oft total schwierig ist, dass die Mama in den ersten Jahren immer die Nummer eins ist. Es tut weh so zurückgewiesen zu werden und meistens klappen dann auch viele Sachen nicht so gut, weil die Kinder einfach unkooperativer sind. Das ist für einen Vater sehr kränkend und nicht wenige fühlen sich dadurch herabgewürdigt. In diese Kerbe solltest du lieber nicht nochmal reinhauen.
Tipps wie "Mach es doch mal so!" können da sehr kontraproduktiv sein.

Es wird besser, wenn die Kinder älter werden. Versprochen, denn dann ist auch der Papa mal beliebter und damit muss man dann als Mutter auch erstmal umgehen.

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Ach, schwer zu sagen. Wir wechseln uns in der Regel auch ab. Aber Regeln sind auch dazu da, gebrochen zu werden.
Es stand ja jetzt nichts Grundlegendes dazwischen, dass du hättest übernehmen können. Klar, für deinen Mann fühlt es sich nach Ablehnung an und er wollte es sich beweisen.
Es ist nun, wie es ist. Deine Tochter war nicht alleine. Sie hatte einen Trost bei sich und die beiden haben es ja auch hinbekommen.
Morgen ist ein neuer Tag für euch alle!

Alles Gute 🍀

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Danke dir! Ja, du hast Recht, morgen ist ein neuer Tag 😊.

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Mir wäre es genauso gegangen wie dir, ich hätte auch das Bedürfnis gehabt, hinzugehen. Gleichzeitig könnte ich mir aber auch vorstellen, dass es für den Partner sehr wichtig ist zu wissen, dass auch er in der Lage ist, die Tochter ins Bett zu bringen, egal was an dem Tag los ist. Vielleicht hatte er auch wirklich Angst, dass das dann jeden Tag so läuft. Es ist einfach eine schwierige Situation und ihr beide habt eure Tochter heute Abend lange Schreien hören und die Stresshormone im Gehirn sind sicher bei allen stark hochgefahren worden. Da fällt es dann besonders schwer, sich in den anderen hineinzuversetzen. Wenn ihr sonst ein gutes Team seid würde ich darauf vertrauen, dass ihr eine gemeinsame Lösung für solche Situationen findet, wenn ihr nochmal in Ruhe darüber redet!

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Danke dir! Ich werde morgen nochmal mit ihm darüber reden.

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Mein Mann und ich wechseln uns auch ab. Es gibt aber auch Tage an denen unser Kind sich nur von mir ins Bett bringen lassen will (meistens wenn er total übermüdet ist oder ähnliches). Je nachdem wie er dann drauf ist, bringe ich ihn zusammen mit meinem Mann ins Bett oder komme nochmal ins Zimmer, wenn ich höre, das er sich nicht beruhigen lässt (nach maximal 10 Minuten).
Das hat nichts mit "Willen durchsetzen" zu tun. Das sind einfach Ausnahmesituationen, in denen ich als primäre Bezugsperson gebraucht werde.

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Grenzen konnten wir den ganzen Tag setzen, aber abends hatte hier echt keiner Bock darauf unseren(!) Willen durchzusetzen.

Da war die Prio das Kind halbwegs entspannt ins Bett zu bekommen und natürlich (wenn möglich) zählte da auch der Willen des Kindes.
Hier hätte keiner das Kind so hochfahren lassen, wenn es auch Möglichkeit B gab. Damit sind wir immer super gefahren.

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Hey 👋🏻 Mein großer Sohn ist gut 2,5 Jahre und ist vor 9 Wochen ebenfalls großer Bruder geworden.

Normalerweise bin ich auch jemand, der sagt, dass er nicht ständig seinen Willen mit lautem Gebrüll durchsetzen kann und bin relativ konsequent.

Da mein Sohn, genauso wie deine Tochter, aber momentan in einer Ausnahmesituation steckt (nicht nur dieses kack corona Thema sondern nebenbei auch noch entthronung), gehe ich da eigentlich derzeit auf seinen "Willen" (oder ist es in dem Fall doch ein dringendes Bedürfnis nach Mama Nähe?) ein.

Allerdings ja, die Kinder sind da manchmal kleine Schlitzöhrchen und denken mit schreien und wüten kommen sie immer durch. Es ist oft schwierig zu unterscheiden, bocken sie jetzt oder brauchen sie Mama Nähe (wobei ich in eurem Fall jetzt letzteres sagen würde).

Also ich würde da einfach intuitiv handeln und hätte meinen Mann da auch nicht angerufen sondern hätte auf mein Mutterherz gehört und wäre hingegangen.
Dann hättest du sehen können wie dein Kind reagiert.

Liebe Grüße und ich fühle mit dir 😅
Juju

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Huhu! Ich hoffe dir geht's aber sonst gut und du bist mit deinen 2 süßen Mäusen angekommen 🥰

Wir brechen grundsätzlich keine mama oder papa Phasen. Im Gegenteil, wir genießen, wenn der andere mal ne Woche ran MUSS 😂 ist doch nur ne Phase... und ihr habt ja jetzt 2 kinder, da hat doch der andere immer auch eins 😅

Ich versteh dich und für mich käme es nicht in Frage. Ich halte auch nix von Machtspielen. Sie hat ein Bedürfnis und nicht aus Jux getestet, ob ihr drauf eingeht...

Lg

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Hm schwierig.

Prinzipiell denke ich aber, dass deine Tochter eben nicht alleine war. Und es war nicht irgendwer bei ihr, sondern ihr Papa! Ich finde seine Ausdauer toll, er ist bei ihr geblieben und hat sie in ihrem Frust begleitet.

Ich persönlich finde es jetzt nicht soooo schlimm und denke, dass es für die Vater-Tochter-Bindung nicht das verkehrteste war. Deine Tochter wollte etwas, das ging aber nicht und dein Mann hat den Frust und Ärger mit ihr ausgehalten. Gezeigt, dass er da ist und das mit ihr durch steht.

So ein Trotzanfall kann einfach dauern. Motte brüllt da gerne auch mal über ne Stunde.

Wenn es jetzt ne einmalige Sache war, würde ich es als Trotzanfall verbuchen und fertig. Und nicht unbedingt, dass sie nur dich wollte. Vermutlich war wirklich das Problem, dass sie in ihrem Kopf ein anderes Programm hatte (du bringst sie ins Bett), als es tatsächlich abgelaufen ist. Ich vermute (!), dass es letztlich nicht so sehr um deine Person an sich ging, grade wenn es sonst auch gut klappt mit dem Papa.

Ihr könnt es ja weiter beobachten und dann neu entscheiden. Vllt geht es ja doch um dich, vllt ist sie doch eifersüchtig und vermisst Zeit mit dir. Dann wäre es für diese Phase doch gut, wenn du sie und er den kleinen ins Bett bringt. Das muss man dann eben sehen :)

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Hallo,

lass ihn machen. Ich finde, dass Mütter zu schnell einspringen, wenn es nach ihren Vorstellungen mit den Vätern nicht klappt. Aber auch die Väter müssen ihre Chance bekommen mit den Kindern das durchzustehen. Er war da, die Tochter war nicht allein. Es lief nicht nach ihrem Willen, sie war frustriert und hat das lauthals ausgedrückt - das ist okay.

LG