Wie wichtig sind die Deutschkenntnisse der Tagesmutter

Hallo. Wir haben uns heute eine Tagesmutter für unseren Sohn angesehen, der bei Betreuungsbeginn 1 Jahr und 2 Monate alt sein wird. Die Tagesmutter war wirklich sehr nett und abgesehen davon, dass sie anscheinend nicht täglich zusammen rausgehen, hat sie auf uns einen liebevollen und guten Eindruck gemacht. Allerdings spricht sie kein einwandfreies Deutsch.. macht also schlimme Grammatikfehler, sucht ständig nach Wörtern usw. Meine Frage ist nun: würde sich das in dem Alter nachteilig auf die Sprachentwicklung meines Sohnes auswirken? Da dies mein erstes Kind ist, bin ich immer noch sehr darauf bedacht alles richtig machen zu wollen und ihn so gut es geht zu fördern.. hat da vielleicht jemand von euch schon Erfahrungen zu gemacht oder weiß etwas zu dem Thema? Vielleicht mache ich mir auch mal wieder viele Gedanken um nichts😵
Ich würde mich über eine Antwort freuen. Liebe Grüße 🌸

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Mh also ich habe damit keine Erfahrungen gemacht. Und wirklich einwandfreies Deutsch würde ich nicht erwarten. Schlimme Grammatikfehler und eher gebrochenes Deutsch würde mir allerdings auch Sorgen machen und ich hätte große Bedenken, mein Kind dort hinzuschicken.

So als harmloses Beispiel: bei uns in der Kita ist eine Erzieherin, die viele Redewendungen und Ausdrücke eines Dialekts benutzt und meine Tochter (die Zuhause mit Hochdeutsch aufwächst) übernimmt automatisch davon einiges! Ich würde befürchten, dass das für Grammatikfehler etc auch gelten würde...

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Eine Familie mit der ich einmal gearbeitet habe, hatte ihre älteste Tochter (ab einem Jahr) bei einer russischstämmigen Tagesmutter, die mit starkem Akzent und nur eingeschränkt Deutsch gesprochen hat.
Leider hat die Kleine (sie wurde dort bis nachmittags betreut) sehr viel von ihr übernommen (unter anderem tatsächlich den Akzent), als ich die Kleine damals kennen lernte bin ich von einem Migrationshintergrund ausgegangen, den sie nicht hatte. Die Eltern waren unglücklich und die Probleme zogen sich bis ins frühe Schulalter.
So nett die Frau sein mag, ich würde mein Kind dort nicht hingeben. Die Zeit des Spracherwerbs ist kostbar, äusserst eigenwilllig und zu wichtig.
Mein Arbeitgeber unterhält mehrere Kindertagesstätten, wir sind sehr multikulturell, aber in jeder Gruppe muss ein deutscher Muttersprachler (nicht zwangsläufig deutsch von der Herkunft, aber es muss fehlerfrei gesprochen werden können) sein um einen reibungslosen Spracherwerb möglich zu machen.

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Für mich würde es darauf ankommen, wie oft dein Kind von dieser Tagesmutter betreut werden würde.
Täglich mehrere Stunden würde ich auch nicht wollen. Gerade in so einem jungen Alter nehmen die Kleinen ja sehr viel Sprache auf.

Wenn es nur tageweise über wenige Stunden gehen würde, dann wäre für mich der liebevolle Umgang wichtiger, da das Kind ja dann den überwiegenden Teil der Zeit mit z.b den Eltern beisammen wäre.

Freue von uns kommen ursprünglich aus Kroatien. Sie selbst sprechen akzentfrei Deutsch. Die oma allerdings sehr gebrochen und schlecht. Die passt aber auch regelmäßig auf ihre Enkel auf, verbringt viel Zeit mit ihren. Und keines der Kinder hat einen kroatischen Akzent oder so! 🤷🏼‍♀️

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Hallo 🤗
Wir haben unter anderem - aber nicht nur - aus diesem Grund einen Platz in der Großtagespflege abgelehnt. Es war eine russisch-deutsche Einrichtung mit 2 Erziehern die ausschließlich russisch gesprochen haben und einer Erzieherin, die mit Kindern Deutsch gesprochen hat. Da sie aber selbst aus Russland kam, hatte sie einen Akzent den man nicht überhören kann und hat ebenfalls viele Grammatikfehler gemacht. Das wollten wir für unseren Kind nicht.
Jetzt geht sie in die Krippe mit 11 Kindern ohne Zweitsprache und wir sind glücklich. Sie nimmt vieles sehr schnell auf und redet zuhause so wie die Erzieher mit ihr sprechen. Wenn ich mir vorstelle, dass sie die falsche Aussprache gelernt hätte, denke ich es war eine gute Entscheidung gegen die Tagespflege.

Hört auf euren Gefühl und entscheidet dann.
Viele Grüße

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Würde ich definitiv nicht machen.
Wie die anderen schon geschrieben haben, beginnt jetzt der richtige Spracherwerb und die kinder schauen sich alles ab was sie täglich sehen. Damit könnt ihr später echt Probleme bekommen.
Wenn allerdings die Tagesmutter eine andere Muttersprache hat und diese auch immer spricht, könnte euer Kind von einer anderen Sprache profitieren. Aber das kommt dann natürlich darauf an wie oft euer kind dort ist.

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Ich würde es definitiv auch nicht machen, so nett und kompetent die Frau auch sein mag.

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Ich bin der Meinung dass es mit der eigenen Einstellung steht und fällt. Ich kann dir mehrere Beispiele aus meiner Familie berichten:

1. Ich. Meine Mutter hat erst mit 30, also kurz vor meiner Geburt, Deutsch gelernt, hat einen (mittlerweile leichten) Akzent und macht hier und da Grammatikfehler. Als meine Hauptbezugsperson, würde man meinen das hätte auf mich abgefärbt. Spoiler: nein. Ich spreche einwandfreies Deutsch, und zwar sogar Hochsprache, obwohl ich in eine Tiroler Krippe gegangen bin, in der Dialekt gesprochen wurde. Das nörgeln und korrigieren daheim hat also was gebracht.

2. Meine Nichte. Ebenfalls hier in Tirol geboren, gleiches set-up, meine Mama war nach meiner Schwester Hauptbetreuungsperson. Sie spricht eine Mischung aus unserem Hochdeutsch und dem Wienerischen ihres Vaters. Tiroler Dialekt beherrscht sie genauso wie ich, spricht es aber sehr ungern. Unsere Familien-Muttersprache spricht sie nicht aktiv, versteht aber auch mit fast 20 immer noch alle Feinheiten wenn wir uns unterhalten.

3. Meine Tochter: die 3. in der Tirol Saga. Geht in eine Krippe, in der die Leitung starken Dialekt spricht. Die anderen beiden Damen sind aus Italien respektive Bosnien. Erstere mit starkem Akzent und tw. Grammatikfehlern, zweitere mit einem leichten Akzent, ich kann es gar nicht beschreiben, es ist dieser sanfte Balkan-Singsang den ich eigentlich ganz charmant finde. Auch bei ihr ist es so, (hab ich tatsächlich gestern im entwicklungsgespräch erfahren) dass sie dort sehr wohl Tiroler Dialekt raushaut. Zuhause jedoch entweder Hochdeutsch mit mir, oder oberösterreichischen Einschlag mit unserem Mitbewohner.

Und hier kommt eigentlich das spannende für mich. Ich bin 30, meine Nichte fast 20. Wir haben eine gefestigte Sprache, und wurden beide als Chamäleons bezeichnet, weil wir uns an die betreffende Person anpassen, mit der wir gerade sprechen. Meine Tochter jedoch ist 20 Monate alt. Sie spricht nicht wirklich viel, altersbedingt, dafür aber mit hervorragender Aussprache. Kein gewurschtel, murmeln, Buchstaben verschlucken. Es ist jedoch auffällig, dass sie bei den Sachen die sie rausbringt, genauso die Intonation ändert, je nach Gegenüber. Aber nur bei den Menschen die ihr wichtig sind, spricht sie zb. außerhalb der Krippe jemand auf tirolerisch an, antwortet sie in generischem Hochdeutsch.

Langer Text, kurzes Fazit: Kinder vollbringen beim Spracherwerb Höchstleistungen. Und sie sind ein bisschen klüger als wir ihnen zutrauen, denn Lob ist toll, und den geliebten Menschen zu gefallen ist recht hoch in der Prioritätenliste. Ich würde mir also im Gegensatz zu den anderen Antworten keine so großen Sorgen machen, denn Hauptbezugspersonen seid ja immer noch ihr als Familie. Und euer Sohn wird (zumindest als Kleinkind) immer lieber euch gefallen wollen, als jemand anderem. Wenn ihr ihn für die richtige Aussprache lobt, und die falsche korrigiert, wird sich vieles auch von selbst einrenken.

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Jetzt weiß ich wieso mir deine Beiträge meist so sympathisch sind, wenn ich drüber stolpere: mit Migrationshintergrund in AT lebend :D

Spaß beiseite, ich stimme dir zu. Unser Kind wächst durch mich zweisprachig auf und hat im Kiga eine Betreuerin mit polnischen Background und Akzent. Es hat Kontakte zu Großeltern und Freunde und dadurch bereits ein breites Spektrum an Sprache gehört. Soweit man es jetzt schon feststellen kann (redet fürs Alter doch recht viel) wirkt sich ein fremder Akzent gar nicht negativ aus. Meine Schwester, hier geboren, spricht Hochdeutsch... nicht einmal Wienerisch konnten wir uns aneignen, verstehen dafür alle Dialekte.

Ich sehe das daher überhaupt nicht als problematisch an.

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Ich sehe das entspannter als die meisten hier. Meine Mutter hat mit mir immer gebrochenes Deutsch gesprochen. Ich konnte eine Weile zwischen dem Deutsch aller anderen und ihrem wechseln. Und manche sehen schon Dialekt als Gefahr, dann könnten wir in der Schweiz ja gar nie Deutsch lernen...

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Unsere Tagesmutter kommt auch aus Russland,hat einen leichten Dialekt und findet nicht immer die passenden Worte oder macht mal Fehler bei der Grammatik. Sie ist aber total offen und liebevoll den Kindern gegenüber,nimmt sich für alle viel Zeit und wir reden auch viel miteinander. Ich bin Deutschlehrerin und natürlich darauf bedacht,dass mein Kind "richtig " sprechen lernt. Dennoch denke ich,dass wir dafür zu Hause Ja auch viel tun und deshalb mache ich mir da weniger Sorgen. Außerdem geht sie auch nur bis zum Sommer dort hin und wechselt dann in die Kita. Vielleicht sehe ich das deshalb auch ein wenig entspannter.