Trotzphase oder doch was anderes?

Hallo zusammen,

ich war bisher stille Mitleserin, aber da in der momentanen Situation mir manchmal wirklich der Austausch mit anderen Eltern fehlt, versuche ich es jetzt doch einmal online :-)

Zu Frage (wird leider etwas länger, aber ich bin gerade echt ratlos):
Seit ein paar Wochen ist unser Kind (etwas über 1,5 Jahre) in einer, ich nenne es mal "Trotzphase", auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob es das überhaupt trifft. Es wehrt sich mit Händen und Füßen gegen alles mögliche (in den Hochstuhl gesetzt zu werden, angezogen zu werden, auf den Arm genommen zu werden, in den Buggy gesetzt zu werden, selbst laufen zu können, ins Auto gesetzt zu werden,...).
Meine Vermutung ist, dass es viel damit zu tun hat, ob es gerade Lust darauf hat, etwas zu tun oder nicht, und ich versuche auch, das soweit möglich zu berücksichtigen (im strömenden Regen auf dem Parkplatz ist das natürlich aber nicht immer so gut möglich). Oft ist es auch so, dass ich merke, dass es gerade zu müde ist, um selbst zu entscheiden ob es etwas möchte oder nicht (Beispiel: beim Anholen aus der Krippe will es nicht selbst laufen, nicht in den Buggy/ins Auto, nicht auf den Arm, aber mehr Alternativen hab ich ja auch nicht #kratz also denke ich mir dann, Augen zu und durch, irgendwie müssen wir ja nach Hause, damit es was essen/schlafen kann). Wir haben letztens eine halbe Stunde gebraucht, bis es im Auto saß (20 Meter Fußweg), weil es sich auf dem Weg zum Auto ca. alle zwei Meter hat fallen lassen, sich auf dem Arm aber auch hin- und hergeschmissen hat und dann mit aller Kraft dagegen gewehrt hat, ins Auto gesetzt zu werden.
Zuhause bin ich bei solchen Phasen vorallem damit beschäftigt zu gucken, dass es sich nicht verletzt: Ich merke, ich soll es nicht festhalten, versuche auch Freiraum zu geben - aber so kopflos, wie es manchmal durch die Gegend rennt, muss ich ja auch irgendwie aufpassen, dass nichts passiert und halte es natürlich dann auch fest.
Zusätzlich kommt bei uns hinzu, dass wir eine "Geschichte" bzgl. Affektkrampf (so hat unser Kinderarzt das genannt), also Schreien bis es nicht mehr atmen kann bis hin zur Ohnmacht, haben, sodass ich bei jedem Mal "Trotzanfall" (oder was auch immer das ist) auch gleich Angst habe, dass es wieder aufhört zu atmen und dementsprechend noch unsicherer bin, wie ich reagieren soll.

Ich würde gerne wissen, ob so etwas normal ist (es ist unser erstes Kind, und wie gesagt, der Austausch im echten Leben fehlt gerade, deswegen kann ich das überhaupt nicht einschätzen, ob das vielleicht völlig normal ist), und wie ihr mit solchen Situationen umgeht.
Habt ihr vielleicht ein paar Ideen woran es liegen könnte (ich habe mich auch schon gefragt, ob es vielleicht auch einfach noch Nachwirkungen der Zeitumstellung sind, dass es immer noch müde ist, oder ob die Backenzähne gerade schmerzen) und Tipps, wie ich damit umgehen kann?
Ich fühle mich manchmal wie die furchtbarste Rabenmutter, wenn ich mein Kind unter Zwang in den Buggy / ins Auto setze und die ganze Umgebung zusammengeschrien wird (abgsehen davon, dass ich mittlerweile auch echt Angst hab, dass es mir irgendwann runterfällt, weil ich es nicht halten kann, wenn es sich so wehrt), aber ich weiß mir dann eben auch nicht mehr zu helfen und denke, irgendwie muss ich ja jetzt auch nach Hause kommen, damit es besser wird (und es z.B. was zu essen bekommt oder schlafen kann).
In der Krippe ist das (bisher) übrigens noch nicht vorgekommen...

Vielen Dank schon einmal fürs Lesen und Antworten!

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Ja, klingt nach Trotzphase. Begann hier mit 12 Monaten 😅

Mir half es, mich darüber zu belesen (hab einen Workshop besucht und einiges gelesen, u.a. „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“). Ich verstehe also gut, warum Motte manchmal nicht anders kann (ist trotzdem anstrengend).

Ich versuche möglichst ruhig zu bleiben und sobald sie es zulässt, zu trösten. In akuten Situationen hilft hier manchmal auch nur, Augen zu und durch. Ich kündige also an, dass ich jetzt das und das mache und dann wird’s gemacht. 20 Minuten von der Kita zum Auto? No Way! Und meist hilft genau das! Die Situation beenden. Motte schreit und wehrt sich dann, aber sobald sie im Sitz sitzt, ist Ruhe. Das sind dann 5 unangenehme Minuten, aber besser als 20-30 Minuten in dieser Spirale. Danach wird getröstet ;)

Natürlich klappt das alles nicht immer. Aber Motte ist jetzt 2 und wir fahren also nach einem Jahr immer noch recht gut damit :)

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Hallo,
vielen Dank für deine Antwort! #danke
Das bestärkt mich zumindest darin, dass ich einfach früher die Situation beende und A. ins Auto/Buggy setze. Die letzten Male ging der Protest im Auto/Buggy dann zwar weiter, aber irgendwann hat sie glaube ich resigniert und akzeptiert, dass es jetzt so ist, wie es ist. Resignation ist zwar auch irgendwie nicht mein Ziel, aber immer noch besser als so, wie es momentan läuft - zumal es ja ohnehin darauf hinausläuft.
Meine Hoffnung war bisher halt immer, dass es ihre Stimmung hebt, wenn ich sie selbst laufen und das Tempo vorgeben lasse (zumal wir meist eh keinen Zeitdruck haben), aber das war ja bisher auch nicht erfolgreich #augen, also werde ich da jetzt wohl einfach schon früher eingreifen, da ja offensichtlich eh "nichts mehr zu retten" ist #gruebel

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Sie wird aber einfach zu müde sein nach dem Kiga, um da noch groß was zu entscheiden. Zudem müssen sie sich den Kiga-Tag über permanent zusammen reißen, an alle Regeln halten usw, das ist einfach anstrengend. Da bricht es mittags bei vielen raus dann ;)

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Hi,
also Grad wenn die kleinen von der Kita kommen, sind die ja meistens schon ausgebrannt und können nicht mehr. Der Tag war anstrengend und dann lassen sie alles bei Mama raus.
Aber auch sonst klingt es ganz nach Trotzphase. 😅

Ich würde sie jedenfalls früher aus der Situation nehmen, wenn sie immer quenglig ist nach der Kita, dann würde ich sie tragen.
Wenn du vermutest, dass sie dann schon soll Hunger hat, dann hätte ich was kleines dabei.
N Muffin oder so - dann ist der größte Hunger gestillt. Das hilft ja auch schon super oft. Junior ist dann zumindest viel gelassener. 😄
Und auch sonst, wenn du sowieso nicht dran vorbei kommst, weil man ja nunmal zum Auto muss oder noch nach Hause und somit das Kind in den Buggy muss, dann ist das so und dann würde ich da gar nicht lange diskutieren. Ich würde es einfach ankündigen und dann durchziehen. Alles andere verschiebt es ja nur nach hinten. Und in der Zeit hast du auch ne das weinende Kind.
Wenn du es dann schnell auf den Arm nimmst und gegen den Willen ins Auto setzt, dann hast du zwar auch ein weinendes Kind aber kürzer.

Wenn du zu Hause etwas machen musst, was dein Kind nicht möchte, dann kannst du ja abwägen wie wichtig es ist und dann ggf. Auch lassen oder später nochmal fragen.

Und ich würde mich belesen über die Trotzphase. Ich habe mir das gewünscheste Wunschkind aller Zeiten angehört (Hörbuch) und finde es super hilfreich.

Liebe Grüße 🍀😊

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Danke für deine Antwort!
An was zu essen mitnehmen hatte ich auch schon gedacht und werde es heute gleich mal direkt ausprobieren #pro
Und vielleicht sollte ich dieses Buch wirklich mal lesen #schein hab da jetzt schon so viel gutes von gehört :-)

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Kleines Update: Ich habe es gestern mit was zu essen für den Rückweg versucht und wir sind um das Geschrei bis nach Hause gekommen #pro Die Stimmung zuhause war dann zwar immer noch angespannt aber nicht mehr ganz so schlimm wie die letzten Tage :-D
Ich war bisher nur immer damit zurückhaltend, im Auto/Buggy was zu essen anzubieten, damit keine Erwartungshaltung entsteht, dass es immer etwas gibt, wenn wir unterwegs sind und auch weil ich es auch ein bisschen als Bestechung angesehen habe, Außerdem sind viele in meiner Familie übergewichtig und das habe ich natürlich auch immer im Hinterkopf bzgl. des Umgangs mit Essen (in meiner Kindheit wurde z.B. schlechter Stimmung immer mit Essen anbieten entgegengewirkt etc., sodass ich da irgendwie nicht ganz so entspannt bin, was das angeht). Aber sie scheint ja wirklich Hunger zu haben und da darf sie dann natürlich auch was bekommen.