Abbrauch/Pause/Weiter mit der Eingwöhnung bei schwieriger Familiärer Situation

Hallo zusammen,

ich stecke gerade in einer schwierigen Situation und hoffe, dass eventuell jemand Erfahrung/Wissen hat wie man damit umgehen könnte. Mein Sohn (18 Monate) soll bei einer Tagesmutter betreut werden. Es sind momentan nur zwei andere Kinder dort. Meine Tochter war früher auch bei der Tagesmutter und wir waren grundsätzlich zufrieden. Der erschwerende Punkt ist, dass meine Frau leider aus gesundheitlichen Gründen momentan in Krankenhaus/Reha behandelt werden muss. Sie ist zwar Hauptbindungsperson, aber mein Sohn fühlt sich auch bei mir sicher. Das war der bisherige Ablauf:
* Tag 1-3: er hat sich wohl gefühlt, sich sofort von mir entfernt und mit der Tagesmutter und zum Teil auch mit den anderen beiden Kindern gespielt. Wir waren jeweils 1h dort.
* Tag 4: erster Trennungsversuch nach 10min. Ich habe mich von ihm verabschiedet, aber er war stark ins Spiel vertieft und hat nur gewunken ohne mich anzusehen. Vermutlich hat er nicht realisiert, dass ich gehe. Nach 10 Minuten bin ich wiedergekommen und habe ihn (leicht) protestieren gehört.
* Tag 5+6: zweiter+dritter Trennungsversuch: ich war 10 Minuten mit drin, mein Sohn war aber schon etwas unsicherer, hat sich aber gelegentlich von mir entfernt. Bei Verabschiedung sofort heftigster Protest. Beide Male wurde ich nach 10 Minuten angerufen um ihn abzuholen.
* Nun musste meine Frau (geplant) ins Krankenhaus und ich habe Mittwoch-Freitag mit der Eingwöhnung pausiert.
* Tag 7: mein Sohn hat sich keinen Zentimeter von mir entfernt. Die Tagesmutter wollte eigentlich trotz der schwierigen Situation eine Trennung durchführen, aber das habe ich nicht akzeptiert. Wir waren dann 1h da, aber er saß nur in meinem Schoß und hat von dort gespielt.
* Tag 8: nach 10 Minuten wollte die Tagesmutter wieder die Trennung durchführen, aber mein Sohn hatte sich während dieser Zeit nicht von mir entfernt, hat mit nichts gespielt. Ich habe einer Trennung wieder nicht zugestimmt. Dann wurde mir allerdings ein Ultimatum gestellt, dass ich entweder die Trennung durchführe, oder wieder nach Hause fahren soll und wir die Eingwöhnung abbrechen. Ich bin dann nach Hause gefahren.

Nun bin ich pädagogisch nicht ausgebildet, aber mein Gefühl sagt mir, dass eine derart forcierte Trennung für meinen Sohn sehr schlimm wäre, und vermutlich auch nicht wirklich einen Erfolg hätte. Er versteht ja garnicht, warum seine Mutter auf einmal weg ist, und dann soll ich ihn auf diese Art und Weise zurücklassen?

Würdet ihr die Eingwöhnung pausieren/abbrechen?
Ich habe vorgeschlagen, dass wir einen erneuten Trennungsversuch durchführen, sobald mein Sohn sich an die geänderte Familiäre Situation gewöhnt hat und wieder mehr vertrauen zu der Tagesmutter/Umgebung aufgebaut hat. Die Aussage der Tagesmutter war aber, dass das kontraproduktiv sei und der Eingwöhnung hinderlich. Macht das Sinn?


Viele Grüße und danke fürs Lesen des langen Textes.

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Ach du Schande. Da stelle ich immer wieder fest, wie unsensibel manche Erzieherinnen sind. Ich bin selbst eine Erzieherin und meine Eingewöhnungen in der Kita gestalte ich sehr behutsam und sensibel. Ich nehme mir ganz viel Zeit und gebe dem Kind viel Zeit und Raum (wenn die Eltern auch mitmachen). Es gibt Eltern, die leider nur drei bis vier Wochen Zeit haben.

Ich bin so dankbar, dass du auf dein Bauchgefühl gehört hast. Schade, dass die Tagesmutter ein Ultimatum gestellt hat.

Die Bindung ist die Basis. Ohne Bindung kann sich dein Kind dort nicht frei entfalten und wohlfühlen.

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Ich kenne mich damit „leider“ nicht aus, da mein Sohn von Tag 1 ohne Probleme in der Kita geblieben ist (mit 3 Jahren) aber wollte dir sagen, dass ich genau wie du gehandelt hätte. Gerade in dieser Situation hätte ich mein Kind nicht einfach so allein gelassen wenn er auch noch so protestiert.
Die Frage ist ja auch wie nötig und schnell muss er eingewöhnt werden? (arbeit etc.)
Ich hoffe du bekommst noch viele Antworten von Menschen mit Ahnung :)
Ich weiß noch wie ich mit meinem zweiten Sohn nach seiner Geburt noch ein paar Tage länger in der Klinik bleiben musste, Sein Vater hatte Urlaub genommen und zusammen mit Oma und Opa haben sie den „großen“ verwöhnt. Er war glücklich und zufrieden aber nachts ist er trotzdem fast täglich weinend aufgewacht. (vorher und nachher nie) .solche Veränderungen nehmen die kleinen auch mit.

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Hallo. Ich kenne es in ähnlichen Zügen,dass man eine Trennung vorzeitig abbricht und die Vertrauensperson zurückholt,wenn das Kind sich unwohl fühlt. In der Regel ist dann für ein bis zwei Tage ein zurückrudern,also gemeinsames da sein ,ohne Trennung angedacht,ehe man einen erneuten Trennungsversuch startet.

Bemerkt man danach jedoch,dass das Kind sich gar nicht mehr auf die Situation einlässt und eine Stunde nur auf Papa's schoß sitzt,dann ist eben die Frage wie weiter verfahren wird. Denn auf diese Weise können sich Erzieherin/Tagesmutter und Kind nicht näher kommen. Wenn noch Zeitdruck der Eltern hinzu kommt,dass die Eingewöhnung im selben Monat abgeschlossen sein soll,dann muss man andere Optionen abwägen.
Z.b. eine zeitnahe Trennung,dafür kurz ,ohne danach weiteres gemeinsames spielen. Und bei Erfolg zeitliche Ausdehnung der Trennungszeit.

Bei euch ist es natürlich eine besonders Situation. Wenn ihr genügend Zeit habt und du derzeit ein schlechtes Gefühl mit einer Trennung,dann ist eine Pause vielleicht der richtige Weg. Denn wenn es sich für die Eltern falsch anfühlt,ist es für die Kinder meist auch deutlich schwieriger. Hast du negative Gefühle zu dem generellen System Fremdbetreuung,oder schwingen Sorgen wegen deiner Frau evt. In diesem Prozess mit? Das solltest du vielleicht nochmal genau betrachten.

Aber man sollte auch bedenken,dass die Tagesmutter im Folgemonat evt. Schon eine weitere Eingewöhnung geplant hat und sich eure Eingewöhnung nicht unbegrenzt verschieben lässt.

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Ich würde nicht pausieren. Ist erst die Mama wieder da oder ubernimmt gar die Eingewöhnung dann weiter, wird es noch schwerer, zumal die Mama grad fehlt und dann das Kind möglicherweise sich erst Recht nicht mehr trennen lässt.
Erklärt dem Kind auf jeden Fall, was mit Mama ist und wo sie ist. Immer wieder. Und dass Mama noch da ist. Es wird das verstehen.
Zur Eingewöhnung. Natürlich ist es mies ein Ultimatum zu stellen. Dennoch muss man jedes Kind individuell betrachten und kann nicht nach Schema F jedes Kind eingewöhnen. (Sie kennt eure familiäre Situation??)

Aber.... Dieses nicht loslassen oder das Weinen beim Loslassen, ist normal. Es ist eine fremde Umgebung. Sprich mit der Tagesmutter. Sage, du magst es weiter durchziehen und auch Trennungen versuchen, aber du wartest draussen im Auto. Bei uns waren das Trennungen von 10 min, dann 15, dann wieder 15 und dann mal 30 min.
Die Tagesmutter sollte aber auch bemüht sein, auf das Kind einzugehen und es in ein Spiel zu verwickeln.
Bei uns wurde auch nicht aus dem Spiel heraus getrennt, sondern nach den 4 Tagen gemeinsam mit Mama im Gruppenraum, übergab ich das Kind von meinem Arm in den Arm der Erzieherin und da fand die Trennung statt. Nicht am Boden. Ich ging nciht einfach und ließ das Kind da. Evt wäre das eine Möglichkeit.

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Vielen Dank für die Antworten!
Von der Eingwöhnungszeit her haben wir keinen Stress. Ich kann mich relativ problemlos freistellen lassen (arbeite in einem großen Unternehmen) und bekomme dann etwas Geld von der Krankenkasse als meine eigene Haushaltshilfe. Die Tagesmutter hat bei der Eingwöhnung meiner Tochter vor 2 Jahren nebenbei auch noch eine andere Eingewöhnung gemacht. Ist natürlich nicht optimal, aber das sollte jetzt kein Hinderungsgrund sein. Meine Frau wird noch ca 5-6 Wochen abwesend sein, sie ist aber auf dem Weg der Besserung.

Ich habe jetzt ausgemacht, dass wir mindestens bis Montag pausieren, je nachdem wie sich die Situation zuhause entspannt.

Was mir noch etwas unklar ist, wie wir dann weitermachen sollten. Ich fürchte fast, dass die Tagesmutter direkt wieder eine Trennung vorschlagen wird. Ich verstehe es aber nicht - ist es wirklich so hinderlich, wenn sich mein Sohn mit mir zusammen noch etwas umsehen kann? Wenn das wirklich die spätere Trennung erschwert, dann könnte ich es akzeptieren nicht mehr anwesend zu sein. Ich habe manchmal den Eindruck, dass unsere Tagesmutter extrem fixiert auf einen standard-Ablauf ist. Obwohl sie unsere Situation kennt, sagte sie zu mir "Ich mache keine 4 Wochen Eingewöhnung".

Bearbeitet von rosslau
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Wir hatten das ähnlich.

Nach 1 Woche Drama, sie wollte nicht mehr von mir weg.

Mein Tipp: erstmal keine Trennung. Du bleibst da, sitzt aber teilnahmslos "langweilig" da und beachtest auch ihn nicht so wirklich.
Du musst langweilig werden, dass er sich den anderen mehr zuwendet, spielen möchte. So baut er dann langsam Kontakt und vertrauen auf. Das dauert so ne Woche, ab da kann man es wieder versuchen mit der Trennung.aber er brauch erstmal die Sicherheit und die Bindung zu den anderen und der tagesmutter.

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Ich bin selber Erzieherin und denke es ist richtig, wenn erstmal keine Trennung stattfindet. Dein Kind muss erstmal eine Bindung zur Tagesmutter aufbauen, bevor eine erneute Trennung stattfinden sollte. Da dein Kind noch sehr an dir hängt und es sich von der Tagesmutter auch nicht trösten lässt, hat es offenbar noch keine richtige Bindung zur Tagesmutter aufgebaut aufgebaut.
Es wäre wirklich besser wenn erstmal ein paar Tage keine Trennungsversuche stattfinden.

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Die Trennung war zu früh und zu lang.
Ich finde schon das du da nicht auf deine Frau warten solltest weil du ein ungutes Gefühl hast und hoffentlich überträgst du das nicht auf dein Kind.
Einfach sanft weiter machen und das Kind in Ruhe lassen bis es sich löst.
Nicht pausieren,da machst du es dir einfach.

Bearbeitet von Sonnenliebende
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Du hast alles richtig gemacht! Wenn du gerade keinen großen Druck hast hör auf dein Bauchgefühl und auf dein Kind.
Er ist sicherlich besonders verunsichert durch dir fehlende Mama und jetzt gehst du auch noch weg. Ich finde das total verständlich.

Es gehört wohl dazu, dass ein Kind traurig ist, wenn es dich trennen muss und das ist auch völlig ok, aber das Vertrauen zur Tagesmutter muss da sein, damit sie deinen Sohn beruhigen kann. Wenn er sich vorher schon so an dich klammert, ist er offensichtlich nicht bereit.

Ich finde es absolut unprofessionell, dass sie dir da so einen Druck macht. Zumal es ihr ja auch hilft, wenn er gut eingewöhnt ist.