Wenn man selbst ungewollt war

    • (1) 14.09.17 - 07:55
      Komma1

      Hallo,
      Ich möchte meine Geschichte hier teilen, da die Kinder, die ungeplant und dann teilweise auch ungewollt waren , ja nicht gefragt werden können wie es ihnen ergangen ist.
      Hier endet die Story ja dann meist, wenn eine Frau trotz Zweifeln und schlechten Voraussetzungen sich für das Kind entscheidet.
      Aber was kommt danach?
      Ich bin ein ungeplantes Kind, mein Vater wollte die Abtreibung, war nicht interessiert an mir.
      Meine Mutter hat sich gegen einen Abbruch entschieden, aber das heißt nicht, dass sie sich gefreut hat schwanger zu sein bzw. Mutter zu werden.
      Sie ist nie zum Arzt gegangen und hat die Schwangerschaft verdrängt.
      Nach der Geburt hatte sie keine Muttergefühle für mich, das ist mir wichtig zu sagen, da es halt nicht automatisch so ist, dass Frauen nach der Geburt in den Muttermodus umswitchen.
      Mein Vater wollte nie was von mir wissen, ich hab ihn nur zweimal gesehen.
      Ich hatte das Glück, dass meine Großeltern mich betreut haben, zumindest da hab ich Essen und auch mal ein paar liebe Worte bekommen.
      Meine Mutter hat mich dort abgeladen und meine Großeltern hatten gar keine Wahl, denn sie wusste dass ich bei meiner Muttee nicht gut aufgehoben sein würde.
      Es ist nicht so, dass meine Mutter mir aktiv geschadet hat, sie hat sich einfach nicht interessiert.
      Mit 12 bin ich dann in eine Pflegefamilie gekommen , die mich auch nicht wollten.
      Meine Mutter hab ich vor über 20 Jahren das letzte Mal gesehen, als ich 18 wurde.
      Bin mit 16 schon ausgezogen und hab mein Leben immet allein bewältigen müssen.
      Ich selbst war auch ungeplant schwanger und hatte einen Abbruch, da auch ich das Kind nicht wollte.
      Man wird auch ohne Eltern erwachsen, man lernt mit der Ablehnung zu leben und es bleiben mehr oder weniger große Narben auf der Seele zurück.
      Allerdings halte ich es für eine naive Vorstellung, dass eine Frau, nur weil sie nicht abtreibt , das Kind automatisch annehmen oder lieben kann.
      Es kann so sein, aber muss nicht.
      Schwierige Umstände machen es eben oft schwer, sich auf ein ungeplantes Kind einzulassen , denn wenn eine Frau selbst mit ihrem Leben nicht klar kommt, wie soll sie es schaffen für ein Kind zu sorgen?
      Die Kinder dieser Frauen sind unsichtbar und es kommt niemand auf die Idee, dass eine Mutter ihr Kind ablehnen oder schlecht behandeln könnte.
      Sie hat es jst geboren, also wird sie es schon auch lieben.
      Mein Schicksal ist sicher kein Einzelfall, aber diese Menschen haben keine Stimme.

      • Ich glaube schon, dass viele Kinder ungeplant waren. Meine Tochter war nicht geplant, ich liebe sie aber abgöttisch und werde keinen Unterschied zum jetzigen Wunschkind fühlen.

        Ich selbst bin auch nicht geplant, meine Mutter hat es immer schön verpackt, ein ungeplantes Wunschkind. Meine Eltern haben aufgrund dessen geheiratet, hielt aber nicht.

        Es tut mir leid, dass du solche Erfahrungen machen musstest und du hast Recht, nicht bei jedem stellen sich elterliche Gefühle ein und Kinder sollten natürlich kein akzeptierter Fehler sein. Ob das grundsätzlich zu weniger Liebe und Vernachlässigung führt, kann ich schwer beurteilen.

        Dafür kenne ich zuviele Frauen, die sich über ihr Kind dennoch gefreut haben, jedoch kenne ich auch viele Frauen, die ihr einstiges Wunschkind misshandelt und vernachlässigt haben ( arbeite im sozialen Sektor). Da spielen viele Faktoren eine Rolle und besonders die psychische und soziale Verfassung.

        Zu kompliziert um es so zu pauschalisieren, dass es unmittelbar mit ungeplanten und unerwünschten Kindern zusammen hängt.

        Was wäre denn besser? Also was würdest du dir wünschen? Trotzdem ist es doch gut, dass du im Hier und Jetzt bist, oder?

        Lg

        (3) 14.09.17 - 10:17

        Liebe Komma1,
        Du bist nicht allein, denn Dein Schicksal ist kein Einzelfall, wie Du schreibst. Und nun hast Du für Dich gesprochen und auch für die Menschen, denen es ähnlich geht wie Dir. Mit Deiner Stimme.:-)
        Ein bisschen hast Du also damit Dein Schicksal schon gelenkt.
        Die Ablehnung zieht sich wie ein „roter Faden“ durch Dein Leben. Obwohl man ja sonst den „roten Faden“ immer mit etwas Positivem in Verbindung bringt. Oder jedenfalls mit dem, was das Leben bestimmt. Und ja – oft löst eine Ablehnung die nächste aus. Deine Mutter wurde von Deinem Vater abgelehnt. Sicher hätte sie sich gewünscht, dass sie Dich im Schutz und in der Geborgenheit seiner Liebe großziehen könnte. Und dann wäre ihr Gefühl zu Dir vielleicht auch anders „geflossen“. Du wolltest es für Dein Kind erst gar nicht riskieren. Vielleicht weil Dein eigener Schmerz so groß war.

        Natürlich ist es so: Die Grundgeborgenheit und das Vertrauen ins Leben bekommen wir von den Eltern – die einen mehr, die anderen weniger. Manche Menschen bekommen wenig und es wird doch viel draus im Lauf des Lebens. Bei manchen ist es umgekehrt: Da sind sehr liebevolle Eltern, die alles geben, aber das Kind (die Kinder, auf die Du vielleicht oft mit Sehnsucht geschaut hast) kann es in seiner Seele nicht so aufnehmen. Und dann gibt es die Lebensläufe, wo es einfach passt: Liebevolle kraftvolle Eltern und ihre Kinder, die mutig ins Leben gehen und alles wieder weitergeben. Natürlich super! Vieles aber sieht man nicht. Das Glück nicht und den Schmerz auch nicht. Du sagst, dass Kinder unsichtbar sind. Sich so fühlen: Niemand sieht mich wirklich. Du zeigst heute Deinen Schmerz und machst darauf aufmerksam. Mit Deiner Stimme. Du hast eine. Und ich hoffe, es war Dir nach dem Schreiben leichter ums Herz!
        Es ist, wie Du sagst, dass Liebe nicht einfach automatisch ist. Es gibt Verliebtheit – zwischen Mann und Frau – die sich mit der Zeit in Liebe wandeln muss. Auch zwischen Mutter und Kind ist es vielleicht so etwas. Und auch das reicht nicht aus. Also: in beiden Beziehungen ist Verliebtheit am Anfang schön, nicht immer da oder nicht sooo stark, aber auch nicht tragfähig. Mit Kindern geht man durch harte Zeiten, seien es Sorgen um sie oder wirklich „Kampf“, weil sie eigene Menschen sind und ganz anders als man selbst. Die Verliebtheit des Anfangs, wenn man sich daran erinnert, gibt Kraft für solche Zeiten und blitzt immer wieder auf. Das ist dann schön. Aber schon eher so: Dauerglück is nich. So stellt man es sich vielleicht vor, wenn man Dauerunglück spürt.
        Liebe Komma, Du hast nicht sooo viel bekommen in Deinem Leben. Wirklich nicht. Und Du verstehst Menschen, denen es ebenso geht wie Dir. Das ist übrigens schon ein Schatz! Wenn ich so lese, sehe ich auch Momente, wo Du etwas bekommen hast. Du bist nicht leer ausgegangen. Aus den wenigen guten Momenten und Begegnungen kannst Du Dich nähren. Da war etwas! Da war Schönes.
        Ich habe mal eine sehr berührende Geschichte gelesen. Ein Musiker (das wurde er natürlich erst später) wurde nach der Geburt von seiner Mutter in einem Hotelzimmer zurückgelassen. Er erfuhr aber doch Liebe in seinem Leben und hat es in ganz besonderer Weise gestaltet. Vielleicht gerade deswegen. Wegen seines Schmerzes. Der hat ihn auch besonders aufnahmefähig und sensibel gemacht. Und ausdruckstark. Seine Stimme wurde eben durch ein Instrument hörbar.
        Liebe Komma, Du bist wichtig auf dieser Welt! Sammle in Deiner Erinnerung die Momente, wo Dir wohl war, bei den Großeltern vielleicht. Wo Du Dich doch geliebt und angenommen gefühlt hast. Aus dem Wenigen kann etwas wachsen. Auch in Deinen roten Faden sind goldene Fäden eingewoben.
        Wenn Dich die Geschichte interessiert – ich google mal, ob ich sie finde. Kannst mich gerne anschreiben, dann schicke ich Dir den link.
        Für heute: halte Ausschau nach dem Lichtblick, nach dem Sonnenstrahl. Oder sende selbst. :-D Die Wolken hast Du mit Deinem Schreiben heute schon bisschen weggeschoben.
        Sei ganz sicher: Da ist jemand in Deinem Leben, der hat sich über Dich gefreut!
        Ganz lieben Gruß Dir #liebdrueck Kyra

        (4) 15.09.17 - 10:54

        Ich war auch ungewollt und ungeplant. Meine Erzeugerin war 18 und mein Erzeuger 21.
        sie haben es noch 2,5 Jahre versucht und dann (zu meinem Glück) aufgegeben.

        Ich wurde von den wundervollsten Menschen adoptiert ❤️ Sie sind jetzt stolze Großeltern ❤️

        Ich habe kein Bedürfnis meine Erzeuger kennenzulernen. Meine Eltern würden mich allerdings dabei unterstützen falls ich doch irgendwann mal das Bedürfnis haben sollte. Die Adoption wurde bei uns immer offen besprochen. Ich weiß es von Anfang an.

      • (5) 15.09.17 - 10:54

        Ich war auch ungewollt und ungeplant. Meine Erzeugerin war 18 und mein Erzeuger 21.
        sie haben es noch 2,5 Jahre versucht und dann (zu meinem Glück) aufgegeben.

        Ich wurde von den wundervollsten Menschen adoptiert ❤️ Sie sind jetzt stolze Großeltern ❤️

        Ich habe kein Bedürfnis meine Erzeuger kennenzulernen. Meine Eltern würden mich allerdings dabei unterstützen falls ich doch irgendwann mal das Bedürfnis haben sollte. Die Adoption wurde bei uns immer offen besprochen. Ich weiß es von Anfang an.

        (6) 15.09.17 - 16:12

        Hallo!

        ich bin auch ein ungeplantes Kind - das Dritte, wo nur zwei geplant waren, und das mit recht kurzem Abstand. Meine Eltern haben mich trotzdem geliebt, ich war immer gut versorgt, allerdings waren sie schon öfter überfordert mit der Belastung von Arbeit und drei Kindern, insbesondere da meine Omas schon bald darauf gestorben sind, und damit auch keinerlei Entlastung mehr möglich war. Kindergarten ging erst ab 3 Jahren und das auch nur Vormittags, und nach der Schule gab es auch keine Betreuung.

        es kann also auch anders kommen, es gibt einfach keine Patentlösung sondern es kommt immer auf den Einzelfall an.

      • (7) 15.09.17 - 21:29
        Auchnichtgewollt

        Hallo,

        meine Mutter hat mich auch nicht gewollt... ich war zwar ein Wunschkind, aber hatte das falsche Geschlecht. Diese Ablehnung habe ich so durch meine Jugend gezogen. Mittlerweile kann man es auch nicht anders sagen. Sie hat mich wahnsinnig vernachlässigt. Essen bekam ich nur wenn sie mal gute Laune hatte, ansonsten war ich für den Haushalt zuständig. Es gab auch Schläge und Drohungen... nicht oft, aber sie wollen trotzdem nicht aus meinem Kopf verschwinden. Mit 19 zog ich dann bei der ersten Gelegenheit weit weg. Das ist nun schon ein halbes Jahrzehnt her und immer wieder habe ich das Problem, dass mich diese grausige Kindheit einholt. Einige Zeit war ich deswegen auch in psychiatrischer Behandlung, weil ich nur noch um Hilfe bitten konnte. Dieses Loch, das entstehen kann, ist so furchtbar tief.

        Das wirklich einzig Gute, dass ich aus diesen 19 Jahren mitnehmen konnte (bzw. versuche positiv zu betrachten) ist, dass ich einen perfekten Haushalt führen kann ohne überfordert zu sein.

        Mittlerweile habe ich auch meine eigene Familie mit 2 Wunschkindern und ich habe mir geschworen, dass ich ihnen eine wundervolle Kindheit schenken werde. Eben damit sie niemals das selbe durchmachen müssen wie ihre Mama.

        Ich wünsche dir alles Gute #liebdrueck

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