Freundin schwanger, selber keinen Kinderwunsch

    • (1) 19.12.17 - 08:55

      Hallo,
      da ich schon viel hier gelesen und nachgedacht habe muss ich mir einfach mal kurz was von der Seele schreiben und vielleicht auf ein paar Kommentare hoffen ob ich mich "einigermaßen" richtig verhalten habe...

      Ich bin mit meiner Freundin schon etwas über 5 Jahre zusammen (sie damals 25, ich 34). Am Anfang und eigentlich auch bis jetzt läuft die Beziehung harmonisch und wir lieben uns auch. Am Anfang spricht man natürlich nicht gleich darüber aber nach einem Jahr sind wir zusammen gezogen und haben dann auch über Kinderwunsch gesprochen. Sie hat gesagt das sie "irgendwann" schon mal ein Kind haben möchte, ich habe ihr von Anfang gesagt das ich keinen Kinderwunsch habe. Das Thema ist und war eigentlich auch das einzige bei dem es immer mal wieder Diskussionen gab. Sie hat halt auch gehofft das sich meine Meinung irgendwann mal ändert. Ich habe ihr auch gesagt das sie sich selber fragen muss ob sie ggf. ein Leben ohne Kind auch erfüllen würde und falls nicht werden wir unsere Beziehung vielleicht irgendwann auf den Prüfstand stellen müssen so lange sie noch Zeit hätte jemand anders zu finden.
      Vor knapp 2 Jahren musste sie die Pille absetzen (Gesundheitliches Problem) und wir haben mit Kondomen verhütet. Ich habe auch angeboten mich sterilisieren zu lassen aber das wollte sie nicht, weil falls ich meine Meinung doch noch ändern sollte es ja nicht gesagt ist das es nochmal rückgängig gemacht werden kann.
      Nun ist es halt doch passiert und sie ist schwanger geworden (5-6 SSW), da es ungeplant war ist sie auch ein wenig geschockt gewesen aber irgendwo hat sie sich doch gefreut, obwohl ich auch gemerkt habe das sie es mir mit einer gewissen Unsicherheit erzählt hat.
      Ich habe es erstmal sachlich "zur Kenntnis" genommen ohne groß darüber zu reden weil ich erstmal etwas Zeit brauchte darüber nachzudenken. Gestern haben wir dann drüber geredet und ich habe ihr gesagt das ich mir das Kind nicht wünsche, es war und ist halt nicht mein Lebensplan. Allerdings habe ich ihr auch gesagt das es allein ihre Entscheidung ist ob sie es behalten will oder nicht und sie es nicht "für mich" abtreiben lassen soll ohne gut darüber nachzudenken ob sie im Anschluss auch damit klar kommen wird. Ich liebe sie und falls sie es behalten will würde ich auch die Verantwortung übernehmen (Vaterschaft anerkennen ect.) und auch mit ihr zusammen bleiben und schauen ob es funktioniert. Es kann so oder so laufen aber ich wäre, was ich so gelesen und gehört habe, nicht der erste Mann der nie Kinder wollte und wenn es da ist ändert sich das schlagartig... von daher muss man(n) dem ganzen ja zumindest mal eine Chance geben. Wie ich mich selber kenne (bin leider ziemlich egoistisch und freiheitsliebend) kann es aber auch sein das ich nicht damit klar komme und das würde dann wohl zum zerbrechen der Beziehung führen.
      All diese Gedanken habe ich ihr gestern mitgeteilt und natürlich war sie sehr traurig darüber aber ich muss ja auch ehrlich sagen wie es mir dabei geht und wie es für uns in diesem oder jenem Falle weitergehen kann, oder?

      • (2) 19.12.17 - 09:27

        Also ich finde du handelst sehr sachlich und vernünftig. Es gibt andere Männer, die ihre schwangere Freundin rauswerfen und mit dem Kind nix zu tun haben wollen. Ich finde es toll, dass du es probieren möchtest.
        Ich kann mir vorstellen, dass die neue Situation jetzt hart für dich ist, aber gib deiner Freundin trotzdem Halt und Unterstützung. Lass sie nicht alleine in den Vorbereitungen. Für sie ist das sehr wahrscheinlich gerade genau so angsteinflößend, wie für dich. Ihr müsst als Team arbeiten. Geh nicht mit der Einstellung ran: macht ihr beide mal, ich werde mir in der Zwischenzeit überlegen, ob mir das ganze hier gefällt. Du darfst nicht im vornherein schon abblocken, dann kommen auch keine Gefühle auf. Sei einfach offen und setze dich nicht unter Druck.
        Und wenn das Baby dann da ist, erwarte nicht von jetzt auf gleich Glücksgefühle. Das hatte ich auch nicht und ich bin eine Mutter. Als Erstlingsmama ist man einfach tierisch nervös. Ich habe die ersten Tage im KH die ganze Zeit meine Tochter angeguckt und gedacht: und was soll ich jetzt damit? Und sie war ein absolutes Wunschkind.
        Vllt wird es deiner Freundin ähnlich wie mir gehen und dann braucht sie auch deine Unterstützung. Es liest sich in deinem Text so, als ob ihr beide ganz schön überrumpelt wurdet. Ihr müsst euch also beide daran gewöhnen und das macht sich im Team, wenn man über seine Ängste redet und verstanden wird, doch viel besser.
        Und wie gesagt. Gib dir und deinem Baby selber Zeit. Am Anfang ist es oft nicht so toll. Was richtig starke Muttergefühle sind, habe ich erst nach ca. 3 Monaten gewusst. Da soll nicht heißen, dass ich meine Tochter vorher nicht geliebt habe, sondern nur, dass es erst dann so richtig richtig toll wurde.
        Ich glaube bei euch wird alles gut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du nicht irgendwann dahin schmelzen wirst. Und mein Freund hat immer noch ziemlich viel Freiheiten, finde ich. Die Hauptarbeit hängt ja nun mal doch an der Mutter.
        Ich wünsche euch alles Gute.

        (3) 19.12.17 - 10:00

        Hallo!

        Unverhofft kommt oft. Ich finde es schön dass du deine Partnerin zu nichts zwingst. Es gibt genügend Männer die auf eine Abtreibung drängen und danach ist die Beziehung meistens vorbei. Du schreibst auch sehr liebevoll über deine Partnerin und ich denke es wird bei euch klappen. Gib dir und dem Kleinen Zeit. Ich kenne auch Männer die sich nie ein Kind vorstellen konnten und dann wurden sie die Besten Väter die man sich wünschen konnte für sein Kind.

        Ich wünsche euch von Herzen alles Gute!
        lg Gabi

        (4) 19.12.17 - 10:29

        Hallo,

        Deine Haltung finde ich aufrichtig und korrekt. Du setzt sie nicht unter Druck und bist für dich ergebnisoffen.

        Ich denke auch, lass das auf dich zu kommen und dann wirst Du mit der Zeit merken, ob du dich für den Gedanken, deinen Sohn oder deine Tochter aufwachsen zu sehen, etwas abgewinnen kannst.

        Mein persönlicher Rat an dich wäre, dann aber jetzt doch den Schritt zur Vasektomie zu gehen, wenn du nach der Geburt merkst, dass Kinder nicht dein Ding sind.

        LG

      • (5) 19.12.17 - 11:25

        Ich finde deine Herangehensweise verantwortungsvoll und fair. Es ist womöglich nicht, was sie hören wollte, weil sich sich vermutlich von dir emotional etwas anderes wünscht, Begeisterung, Zustimmung, die Sicherheit, dass es dir schon gefallen wird.

        Leider sehe ich such nicht, was du anders machen könntest. Diese Unsicherheit muss sie, müsst ihr nun aushalten.

        Alles Gute euch.

        Wow!
        Ich finde es toll wie fair du bleibst in dieser Situation. Deine Freundin hat echt Glück mit dir, es gibt genug Männer, die dann einfach gehen oder am besten noch zur Abtreibung drängen.

        Zu meiner Geschichte:
        Ich (damals 18 Jahre alt) und mein „Freund“ (damals 20 Jahre alt), waren seit 2-3 Monaten in einer einfach Sexbeziehung. Wir haben uns eigentlich nur auf Partys gesehen und ab und zu mal zum „Film gucken“ verabredet. Gefühle waren zu dem Zeitpunkt noch nicht großartig im Spiel.
        Aufeinmal habe ich erfahren müssen, dass ich seit 3 Monaten schwanger bin, und in der 13. ssw war. (Ich hatte eine Spirale und dadurch eh kaum meine Regel)
        Ich durfte also nicht mehr abtreiben.
        Ich habe es ihm erzählt und er war am Anfang auch total geschockt und hat es auch erstmal nur zur Kenntnis genommen. Ich hatte in dem Moment so große Angst dass er mich mit dem Kind sitzen lässt.
        Nach ein paar Tagen haben wir auch offen darüber geredet, wir waren auch bei einer Familienberatung und haben kurzzeitig über Adoption nachgedacht. Da musste ich ihm aber gestehen das ich das nicht könnte und es mir das Herz zerreißen würde, das hat er auch verstanden.
        Er hat sich in der ganzen Schwangerschaft nie gefreut oder mit mir Namen rausgesucht, er hat sich immer gedrückt vor einem Gespräch aber er hat alles für mich getan. Er war mit beim Ultraschall, Beinfreiheit Familienberatung, beim Geburtsvorbereitungskurs etc.
        Und als der Kleine dann vorn11 Monaten auf die Welt kam, war er schlagartig verliebt in den kleinen.. sogar mehr als ich, so kam es mir jedenfalls vor :) obwohl er sich das hätte nie vorstellen können.

        Wir sind immer noch zusammen und mussten feststellen, dass Kinder gar nicht so schlimm sind wie wir dachten, wir sind in der Mama Papa Rolle sehr gut aufgegangen und lieben unseren Kleinen. Und das obwohl wir beide gar nicht begeistert waren.

        Ich würde dir raten, deine Freundin bei den Vorbereitungen zu begleiten, Ultraschall dies das. Auch wenn du nicht gerade Freude und Glück verspürst, er bringt dich Stück für Stück dem Kind näher.. und es hilft ihr auch im ganz großen Maße!

        Aber in meinen Augen hast du absolut alles richtig gemacht bisher!
        Und ich glaube auch dass ihr das beide super hinbekommen werdet!

        Viel Glück noch 🍀

      • (7) 19.12.17 - 14:04

        Vielen Dank für Eure Antworten und an denisefinn für Deine Geschichte. Wäre das ganze mit 20-25 passiert weiß ich nicht ob ich gleich gehandelt hätte... aber man wird ja älter und auch dadurch ändern sich viele Dinge und man hat andere Sichtweisen und auch schon seine Erfahrungen gemacht.

        Wir haben wie gesagt ja auch schon das ein oder andere mal über Kinderwunsch gesprochen und so wie ich von meiner Freundin verlangt habe darüber nachzudenken ob sie mit einem Leben ohne Kinder glücklich werden könnte habe ich im Gegenzug versprochen auch über das Leben mit Kind nachzudenken. Im Freundes-/Familienkreis gibt es ja bereits einige Kinder und auch wenn bei mir nie der Wunsch für ein Kind kam war es zumindest so das ich mir ab und an mal dachte "wenn da jetzt noch eine(r) mehr mit rumhüpft dann wäre es auch nicht schlimm".
        Ob aus diesem "ab und an / nicht schlimm" dann ein wirkliches Interesse entsteht das Kind aufwachsen zu sehen wird mir niemand sagen können, das ist klar aber ich will mir später nicht eingestehen müssen es gar nicht versucht zu haben. Warten wir mal ab wie sich alles so weiter entwickelt, es ist ja auch noch relativ früh in der SS und von daher ja auch nicht sicher ob das Kind bleiben wird auch wenn es bleiben dürfte.

        Vielen Dank nochmal und alles Gute auch für Euch

        • (8) 22.12.17 - 00:07

          Mein Mann wollte zwar immer Kinder allerdings habe ich ihn nie in der Vaterrolle sehen können. Aber mab liebt sich und da wir beide wollten, sind wir nun bald zu fünft.
          Und was soll ich sagen...er ist ein toller Vater, aich wenn er moch mit seiner Art der Erziehung manchmal ziemlich auf die Palme treibt. Männer erziehen eben anders, was nicht heißt, dass es weniger verantwortungsbewusst oder liebevoll ist. Einfach anders ;)

          Ich finde deine Reaktion ehrlich und toll. Und ich finde es super, dass du es angehst und abwartest, was passiert. Vielmeicht fragst du dich ja tatsächlich irgendwann, warum du so lange anderer Meinung warst. Ich glaube, aif irgendeinem Weg werdet ihr ein tolles Gespann werden, weil ihr ehrlich zueinander zu sein scheint.

      Lieber TE,

      Ich muss mich meine Vorrednerinnen anschließen. Ich bin begeistert. Von dem, was du berichtest. Über dich und über euch. Über die große Aufrichtig und Transparenz mit der ihr das Ganze angeht. Ich denke, ihr tut etwas grundlegend richtiges. Jeder von euch bleibt bei sich und gleichzeitig bleibt ihr beieinander. Lasst es auf euch zukommen. Manchmal läuft es anders als man so denkt.

      Und egal, was am Ende dabei raus kommt. Ich bin sicher, dass ihr einen guten Weg finden könnt - als Partner (mit oder ohne Beziehung), denn so klingt es. Ebenbürtig, respektvoll.

      (10) 20.12.17 - 15:52

      Hallo, ich find’s gut, dass du dir dein momentanes Befinden von der Seele schreibst und einfach mal schaust, wie deine Gedanken hier so rüberkommen!

      Du scheinst ein sehr ehrlicher und gewissenhafter Mensch zu sein. Wie das „Vatersein“ so ist, kann man sich vorher ja nie vorstellen... vor allem, wenn es so ungeplant und absolut überraschend kommt wie bei euch. Demnach ist ein genereller Kinderwunsch bei Männern ja auch meistens eher weniger zu spüren...

      Deine Einstellung ist aber echt klug und reif, wo euer Kind doch schon mal unterwegs ist, es nun der Natur zu überlassen, wie sich alles „im Ganzen“ so anfühlt und entwickelt.

      Du wirst merken, deine Freundin und du, ihr werdet mit fortschreitender Schwangerschaft in die neue Mama und Papa-Rolle hineinwachsen. Es treten ganz neue Qualitäten daraus hervor und andere Dinge rücken eben in den Hintergrund. Es wird auf jeden Fall spannend werden und ihr werdet viele neue, glückliche und schöne Eindrücke zusammen erleben.

      Wie geht’s deiner Freundin? Überlegt sie denn, es vielleicht nicht zu behalten? - Was sind genau ihre Sorgen und Ängste? Ich kann mir echt vorstellen, dass es bei ihr noch mehr auf’s und ab’s der Gefühle gibt! Sie wird ja grade von so vielen verrückten Hormonen überflutet... was sie jetzt braucht, ist immer wieder in den Arm genommen zu werden und die Sicherheit, dass sie einen Partner hat, der zweifellos zu ihr steht!

      Du verhältst dich sehr ehrlich und fair deiner Freundin gegenüber. Richtig auf Augenhöhe. Ich hab' aber das Gefühl, sie braucht jetzt noch zusätzlich viel Liebe und dein absolutes Verständnis für die ganze Situation. Für sie war die Babynachricht sicher erst ein riesiger Schock und sie musste befürchten, dich vielleicht zu verlieren, wenn sie die "kleine Überraschung" behält. Es wäre ganz wichtig, ihr wirklich die Sicherheit spüren zu lassen, dass du in jedem Fall zu ihr zu stehst. Sonst kann sie sich ja gar nicht "frei" entscheiden! ;-)

      Sehr herzliche Grüße von Emilia

      • (11) 22.12.17 - 13:51

        Danke auch weiterhin für Eure Kommentare!

        Meiner Freudin geht´s ganz gut und bisher bekomme ich auch nichts von irgendwelchen Hormonschwankungen mit (außer das ihr die Brüste weh tun ;-) ), ich muss auch noch dazu sagen das sie schon einmal einen Abbruch gemacht hat. Das war aber lange vor unserer Zeit (sie war damals 16) und hatte auch entsprechende Gründe. Sie hat natürlich gebraucht das zu verarbeiten aber es war die richtige Entscheidung und es sind auch keine "Spätfolgen" geblieben (zumindest habe ich davon nie etwas gemerkt).

        Ich denke die einzige Angst die sie hat ist das unsere Beziehung daran zerbricht wenn ich feststelle das ein Leben als Familie einfach nichts für mich ist. Das kann ich eben nicht ausschließen weil es einfach noch nie mein Lebensplan war und so ehrlich wie ich sein kann, so kompromisslos bin ich wenn ich mit etwas nicht glücklich werde (sicherlich schmeiß ich dabei nicht bei der ersten kleinen Krise hin aber wenn nach z.B. 2 Jahren sich kein "Familiensinn" einstellt muss man halt eine Entscheidung treffen). Eine Lösung für das Kind werden wir dann sicher auch finden aber es wird dann halt nicht die sein die sie sich wünscht. Andere Sorgen gibt es nicht groß, von den Voraussetzungen her könnte es sogar wohl kaum besser sein (große Wohnung mit Garten, Familie und Freunde (die meisten auch mit kleinen Kindern) in direkter Umgebung, Finanziell quasi unabhängig (jetzt keine Millionäre aber sorgenfrei)).

        Auf der einen Seite versteh ich natürlich ihre Bedürfnisse, auf der anderen Seite mach ich mir natürlich auch Gedanken und bin nicht jeden Tag "gleich gut drauf", manchmal sogar richtig traurig beim Gedanken Papa zu werden. Ich bin da eher "Mann" und brauche da keinen Trost oder Zuwendung sondern einfach meine Ruhe aber ich kann in der Zeit natürlich auch nichts geben...

        Jetzt machen wir uns aber erstmal ein paar schöne Weihnachtstage und die wünsche ich Euch auch!

        • (12) 22.12.17 - 19:33

          Hallo schvogel,

          lass mich dir von mir/uns erzählen: Als ich vor inzwischen 8 Jahren schwanger war, war unsere Situation ähnlich. Der Vater des Kindes wollte nicht so dringend wie ich ein Kind, lehnte es aber auch nicht so rigoros ab wie du. Aber mit Anfang 30 wird es dann eben auch langsam Zeit.
          Als ich ihm berichtete, dass er Vater würde hatte ich ganz schön Muffengang... ich konnte seine Reaktion nicht einschätzen, auch wenn wir zu dem Zeitpunkt schon 14 Jahre ein Paar waren. Im ersten Moment freute er sich... irgendwie...
          Es ergab isch immer wieder, dass er wohl zweifelt, ob er bereit dafür sei, ob es das Richtige sei, ob er ein guter Vater sein könne, ob er ein Vater sein wolle....
          Ziemlich am Anfang sah ich ihm seine Zweifel an. Ich konnte nicht anders, ich stellte ihn vor die Wahl: Wir können die Sache mit dem Kind gemeinsam machen oder er kann auch gehen (wenn er meint das nicht zu schaffen), aber er müsse sich entscheiden. Ein Hin- und Her kann ich nicht akzeptieren, das ist für mich nicht auszuhalten. Er entschied sich zu bleiben.
          Wir sahen uns nur an den Wochenenden. Immer das gleiche "Ritual": Ich hatte unter der Woche eine lange Namensliste mit meinen Favoriten angelegt, die ich voller Erwartung präsentierte: Mit großem Rotstift wurden alle Namen gestrichen, die ich gewollt hatte. Wir legten die Namenswahl auf Eis, obwohl wir schon in der 16. Woche ein Outing hatten. Unser Kind blieb namenlos bis 2 Wochen vor dem errechneten Termin. Noch im Kreisssaal fragte ich noch mal nach, ob ihm inzwischen was anderes besser gefiele (war nicht so, ein Glück :-D )
          Er ging mit zum Ultraschall, ab und zu (es passte meistens nicht, wegen der Wochenendbeziehung), aber es bereitete ihm nicht wirklich Freude.
          Den Geburtsvorbereitungskurs machte ich allein. Das war auch gut so. Es gab nur eine einzige Schwangere, die ihren Partner jedes Mal dazu verdonnerte anwesend zu sein. Dabei war es unter uns Mädels viel lustiger und entspannender als wenn die Kerle mit dabei gewesen wären.
          Als es an den Geburtstermin ging, war unser Kind plötzlich zu klein. Da wurde er hellhörig, aufmerksam... er wollte wissen, was mit unserem Kind ist, zu dem er mir mal gesagt hatte, dass es noch nicht wirklich real für ihn sei. Er wisse, dass es in mir sei und trotzdem werde es erst greifbar für ihn, wenn es auf der Welt sei... (das solltest du dir gut merken. Ich denke, den meisten Männern geht es so.)
          Die Geburt fiel auf ein Wochenende, so dass er tatsächlich dabei war (obwohl er mir hinterher mal erzählt hat, dass er gehofft hatte, es würde in der Woche passieren). Er stand mir sehr zur Seite. Hat mir jeden Wunsch erfüllt, mir seine Hand zum Quetschen gegeben (die war hinterher wirklich blau), hat mir im sehr wichtigen, entscheidenden Moment gesagt, dass ich jetzt keinen eigenen Kopf haben solle, sondern genau das machen, was die Hebamme sagte (denn unser Kind hatte die Nabelschnur 2 mal um den Hals gewickelt. Er hatte das gesehen, ich ja nicht...)
          Er wollte ihn nicht abnabeln, aber er war der erste, der ihn gesehen hat. Er war vom ersten Augenblick an verliebt und er liebt ihn immer noch mehr als alles auf der Welt (auch wenn er nie solch emotionales Geplapper von sich geben würde). Dieses Kind ist unser beider Glück, unsere Liebe und manchmal (in stürmischen Zeiten, die eine Partnerschaft eben auch erlebt) der einzige Grund, warum wir uns nicht sofort trennen und auseinander rennen. Wir sind immer noch ein Paar, wir sind die Eltern eines wundervollen Jungen und wir sind froh einander zu haben, auch wenn, das manchmal in den Wirren des Alltags untergeht....

          Ich denke, Ihr schafft das, du auch. Du bist sehr ehrlich, das ist gut. Bleib es und allein deshalb denke ich, wird es dir ganz ähnlich gehen, wie vielen anderen Vätern, die sich nicht vorstellen konnten Vater zu sein.

          Genießt die Zeit, die Schwangerschaft und die Feiertage. Nächstes Jahr um diese Zeit, werdet ihr (wenn alles gut geht) mit einem kleinen Menschen vor dem Weihnachtsbaum stehen (und er/sie wird fasziniert sein vom Gefunkel und Geglitzer und ihr werdet allein an dem staunenden Gesicht eures Kinde eure helle Freude haben).
          Alles Gute für Euch!

          "Familie" ist doch, was ihr daraus macht... ;-)
          Findet euren ganz individuellen Weg... :-)

          Freiheit und Elternschaft schließen sich ja nun nicht aus... #cool

          (14) 30.12.17 - 23:01

          Hey :-D, hattet ihr denn schöne Weihnachtsfesttage?
          Es klingt alles so, als würde deine Freundin eure kleine Überraschung behalten und ich denke, deine vielen Gedanken sind ganz normal. Jeder „plötzlich“ werdende Vater hat vermutlich solche Bedenken... du sprichst sie halt einfach direkt aus, was auch total legitim ist ;-)!

          Ich hoffe, deiner Freundin geht’s weiterhin gut und sie muss nicht so sehr mit Übelkeit oder Dauermüde kämpfen.

          Ich schick’ dir mal ganz liebe Grüße zwischen den Jahren und hoffe du meldest dich wieder, wie's dir weiter so geht.

          Herzlichst, Emilia

    Weißt du, da macht man einen Lebensplan - und dann passiert das Leben...
    Wer weiß das besser als ich... #schein (egal)...

    du argumentierst sachlich und rational... Vater zu werden ist aber eine hammeremotionale Sache, hat wenig mit Rationalität zu tun... Die beiden sind schon manchmal fiese Sparingspartner... ;-)

    Wenn es dir um deine Freizeit geht, dass ließe sich ja bestimmt regeln. Gibt es noch andere Gründe für keinen Kinderwunsch?

    herzlichen Glückwunsch - trotz allem #schein

    lg Tanja

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