Hoffnungslos und überfordert

    • (1) 16.03.19 - 22:15
      avaukas

      Hallo, ich habe vor 3 Tagen erfahren dass ich schwanger bin. Bin heute rechnerisch bei 5+1, also noch ganz am Anfang. Ich schwanke seitdem zwischen Panik- und Heulattaken, zur Freude, wieder zur Panik. Ich schwanke zwischen „es muss sofort weg“ und „wie wäre es, es doch zu behalten. Ich kann seit 4 Tagen nichts mehr essen, nicht mehr schlafen und bin wie in Trance.

      Zum Hintergrund: Ich bin alleinerziehende Mutter eines 9 Jährigen Jungens und habe schlimme anstrengende Zeiten hinter mir. Ich war von Anfang an alleine, habe schwanger mein Abi und anschließend mit Kind meine Ausbildung gemacht und danach direkt Vollzeit gearbeitet, um alles bezahlen zu können. Mutterschutz vor der Entbindung hatte ich keinen und mit 3 Monaten hab ich meinen Sohn zur Tagesmutter gegeben, um mein Abi fertig zu machen. In den Pausen habe ich Milch abgepumpt. Ohne Familie und Freunde in einer neuen Stadt, in die ich wegen meinen beruflichen Wünschen frisch gezogen bin. Der Vater bei der Bundeswehr 500km weit weg.
      Ich hab mich von ihm getrennt, als mein Sohn 8 Monate war und war anschließend 6 Jahre mit einem Narzissten zusammen. Eine Beziehung, die mich psychisch ans unerträgliche gebracht hat. Vor 3 Jahren hab ich den Absprung geschafft und mich wieder in mein Leben gekämpft! Neue Stadt, 300 km weit weg, da hin, wo meine beste Freundin wohnt, neuer Job, neue Wohnung, Neuanfang. Ich bin gerade wieder angekommen, habe wieder Freiheiten, mein Sohn kann mal alleine bleiben, ich arbeiten oder zum Sport. Er ist aus allem raus und es ist so entspannt geworden. Endlich mal durchatmen und das Leben leben. Finanziell unabhängig, keine Geldprobleme mehr. 10 Jahre Kampf und endlich im ruhigen Gewässer unterwegs.

      Jetzt der Schock: schwanger! Völlig ungeplant!
      Ich bin mit dem Vater seit knapp einem Jahr zusammen. Wir leben in getrennten Wohnungen. Die Beziehung immer wieder vor dem Aus, weil er einfach scheiße ist. Er kümmert sich super um meinen Sohn und mein schlechtes Gewissen meinen Sohn wieder sowas zuzumuten (Trennung, wo alles sonst läuft, ließ mich bei ihm bleiben und um die Beziehung kämpfen. Vor 6 Wochen habe ich herausgefunden dass er mich ein Jahr lang nur belogen hat. Komplette Lebenslügen was seinen Job etc. betrifft, um besser dazustehen. Minderwertigkeitskomplexe, weil er mit mir mithalten wollte. Kurz um: ich vermute schon länger, dass er Tendenzen zum verdeckten Narzissmus hat und spreche viel mit meiner Therapeutin drüber. Ich kann mir nicht vorstellen mit ihm jetzt ein Kind zu bekommen. Er hat mich schon immer bedrängt wenn ich Abstand brauchte und vorgestern, als ich eine Panikattacke hatte und wollte dass er geht, hat er mich so feste an den Handgelenken gepackt und gegen die Wand gedrückt, dass mein Arm jetzt blau ist. Das ist maximal grenzüberschreitend!!! Dafür gibt es auch keine Entschuldigung! Er verspricht mir gerade alles vom Himmel, dass es nicht mehr vorkommt, dass uns das Kind zusammen schweißt, dass wir eine tolle Familie werden.
      Die Vorstellung ist schön, die Realität ist eine andere! Ich kann mich auf ihn nicht verlassen, ich vertraue ihm nicht und ich will nicht wieder alleine alles durchziehen. Ich weiß wie das ist ohne Geld, ohne Familie ein Kind groß zu ziehen. Ich habe gerade eine Beförderung bekommen und lebe für meine Arbeit. Habe mir Anfang der Woche ein neues Auto geholt. Ich MUSS arbeiten, um das alles so bezahlen zu können. Mit Elterngeld geht das nicht! Dazu kommt, dass meine erste Schwangerschaft so schlimm war. Ich hing bis zur Entbindung nur über dem Klo. Ich war zu nichts mehr in der Lage. So kann ich nicht arbeiten und mich nicht um meinen Sohn kümmern. Und wenn ich krankgeschrieben bin, bekomme ich irgendwann nur noch Elterngeld und kann meine Miete nicht mehr bezahlen.
      Ich will auch keinen Terror wegen späterem Sorgerecht. Der „Vater“ ist ein Blender und völlig unerwachsen. Wir sind nicht auf Augenhöhe.
      Ich habe gestern lange mit meinen Freunden gesprochen und natürlich liegt die Entscheidung bei mir - es spricht nichts für das Kind 🥺.
      Ich hab so eine panische Angst vor einer Abtreibung. Ich fühle mich gerade wie in einem Horrorfilm! Ich kann mich nicht beruhigen und bin nur am Weinen. Ich hab mich heute vom „Vater“ getrennt, weil es für mich nicht mehr tragbar ist und ich die Schuld auf ihn projiziere. Wäre er anders, wäre er eine starke Persönlichkeit und wäre all das nicht in der Vergangenheit passiert, was er mir regelmäßig mit seiner scheiß Art angetan hat, würde ich mich für das Kind entscheiden. Dann wäre ich nicht alleine....
      Morgen mache ich einen Termin bei Profamilia und dann muss ich mich schnell entscheiden. WENN, dann muss die Abtreibung diese Woche erfolgen.

      • (2) 16.03.19 - 22:32

        Oh man, bei dir ist ja totales Gefühlschaos!
        Du erinnerst dich gerade stark an deine Erfahrungen mit dem ersten Kind, aber du kannst das nicht mit jetzt vergleichen!
        Du bist jetzt älter und reifer, hast finanziell und beruflich eine völlig andere Ausgangslage und jede Schwangerschaft ist anders. Nur weil dir in der ersten so übel war, heißt das lange nicht, dass das wieder passiert.
        Bitte überstürze jetzt nichts! Du musst dein ganzes restliches Leben mit dem Resultat deiner Entscheidung leben. Versuch bitte, erst mal etwas Abstand zu gewinnen, wieder zu schlafen und zu essen. In deinem jetzigen Zustand solltest du keine wichtige Entscheidung treffen!

        • (3) 16.03.19 - 22:40

          Ich hab ja noch das Gespräch mit profamilia und muss dann ja eh noch 3 Tage warten. Ich bin innerlich komplett zerrissen 😥

      Das ist wirklich eine ganz blöde Situation. Du Arme :(

      Einerseits weißt du, wie hart es ist, ein Kind alleine groß zu ziehen. Andererseits weißt du auch, dass du das schaffen kannst - denn du hast es schon einmal geschafft! Wenn du das Kind möchtest, findet sich auf jeden Fall ein Weg, da bin ich mir sicher.

      Dass du dich getrennt hast, finde ich gut. Auch wenn er sich gut um deinen Sohn kümmert - wer weiß, wie lange das noch so bleibt und zudem, er tut dir nicht gut! Das wird auch irgendwann dein Sohn merken.

      Also lieber zu früh als zu spät trennen.

      Finanziell müsste er natürlich trotzdem aufkommen. Aber das kannst du ja alles mit dem Jugendamt oder auch woanders besprechen (auch Kinderschutzbund wäre z.B. eine Anlaufstelle. Meine Mama hat dort jahrelang gearbeitet, sie ist Psychologin und die Leisten dort wirklich tolle Arbeit!).

      Egal wie du dich entscheidest, ich könnte beides nachvollziehen. Keiner der Wege wird einfach sein, aber du wirst den für dich richtigen Weg finden, davon bin ich überzeugt!

      Ich wünsche dir alles Gute und ganz viel Kraft!

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      • Ich finde es unglaublich was du dir hier rausnimmst!
        Unglaublich, was für einen Ton du hier anschlägst- da vergeht einem wirklich alles !
        Die TE hat nie erwähnt, dass sie kein Bock auf ihr Kind hat- woher nimmst du dir das heraus sie so garstig anzufahren?
        Sie macht sich sorgen, hat Ängste und eine Menge Erfahrung als alleinerziehende Mama!!
        Sie ist in einer sehr ungünstigen Situation und ich glaube nicht, dass du dir das Recht dazu nehmen kannst, so zu urteilen.
        Ich finde die TE hat sehr gute Gründe. Hinterher schreien alle! Gewalttätiger Vater, keine finanzielle Absicherung usw usw.
        Draufhauen kann man dann jetzt leichter.
        Ich wünsche der TE alles Gute und eine Entscheidung mit der sie am besten leben kann.

    Huhu,

    du hast eine Menge Kraft in der Vergangenheit bewiesen um nun da zu stehen im Leben, wo du heute stehst. Aber es hat alles auch seine Spuren hinterlassen.

    Natürlich kann man heute sagen: finanziell bist du gefestigter, damit ist schon mal ein anderer Grundstein gelegt als damals.

    Aber dieses Mal hast du einen Vater zum Kind, der dich nach deiner Schilderung auch nach der aktuellen Trennung nie in Ruhe lassen wird. Er wird seine Machtspielchen über das Kind dann ausleben können, denn rational betrachtet, kann er sich das Sorgerecht holen und dir eine Menge Steine in den Weg legen, die du mühsam mit Anwalt und Co wieder aus dem Weg räumen darfst. Solange er deinem Kind nichts antut, würde er immer Umgangsrecht haben und du müsstest dich damit 18 Jahre mit ihm auseinander setzen.
    Bei aller Überlegung und ggf Liebe zu dem ungeplanten Kind - dieser Aspekt sollte unbedingt berücksichtigt werden.
    Hast du die Kraft und innere Stärke, dem Ex 18 weitere Jahre die Stirn zu bieten?
    (Davon ab, wenn deine Handgelenke blau sind, bitte gehe zur Polizei und zeige ihn an! Sollte er sich wirklich als Narzist entpuppen, ist das ein gutes Beweismittel um später Ruhe rein zu bringen!)

    Wovor hast du genau Angst bei einer Abtreibung?
    Gerade weil es so frisch ist, würde man es auch mit Tabletten machen können. Dann blutet es ab wie bei einer verstärkten Periode und ich denke nicht, dass man da irgendetwas groß erkennen wird, weil du noch so zeitig bist! Noch schlägt kein Herz, es ist (in meinen Augen) noch kein Kind, sondern nur werdendes Leben.
    Natürlich ist es seelisch erst einmal schmerzhaft, aber hier kannst du dir helfen lassen das zu überstehen.
    18 Jahre möglicher Psychoterror durch den Ex stehen dem gegenüber. Zudem die Sorgen, die der Alltag als alleinerziehende Mutter mit sich bringt - du kennst sie alle.

    Den Traum mit der intakten Familie lebst du nicht mit dem Ex, egal wie du dich entscheidest. Dafür braucht es den richtigen Mann an deiner Seite. Du bist noch jung genug, um gute Chancen auf die Umsetzung deines Familientraumes zu haben mit dem richtigen Mann zur richtigen Zeit.

    LG

    • (9) 17.03.19 - 09:40

      Genau das was du beschreibst sind meine Gedanken! Genau das!
      Finanziell bin ich jetzt gefestigt. Das war ein langer Weg und mein Sohn war immer vollzeit in Betreuung. Es hat mir damals schon das Herz zerrissen. Ich hab für ihn schon wenig Zeit und oft keine Nerven. Er braucht mich auch! Wird mir wieder so schlecht oder ist das Baby da, kann ich meine laufenden Kosten nicht mehr tragen. Ich zahle 1100€ Miete und 350€ alleine schon für mein Auto. Meine Wohnung ist zu klein, für ein weiteres Kind und umziehen fast nicht möglich. Mein Sohn kann jetzt von hier eigenständig zur Schule gehen und es war eh schon ein Kampf als alleinerziehende mit Hund (den gibt es auch noch) eine Wohnung zu bekommen.

      Zu meinem Ex: es sind nicht meine Handgelenke die blau sind, sondern mein Ellenbogen. Er hat mich gegen die Wand gedrückt. Macht es nicht besser, ich weiß. Ich kenne diese „Spielchen“ mit dem Reue zeigen und schwören dass alles gut wird und der ernüchterten Wahrheit die dann folgt. Ich muss damit rechnen mit allem alleine dazustehen und ihn am Arsch zu haben. Das werde ich auch ausführlich bei profamilia thematisieren.

      Ich bin jetzt 30 und habe 30 Jahre immer kämpfen müssen. Ich wollte immer ein zweites Kind, aber nur in gefestigten Umständen.

      Ich habe Angst vor der Abtreibung, weil ich ein Gewissen habe und natürlich spüre ich die Schwangerschaft. Tabletten wäre das sinnvollste jetzt, aber der Gedanke, dass ich die nehme und es 2 Tage dauert, bis es nicht mehr lebt, der macht mich fertig. Vollnarkose und absaugen wird auch schlimm und fühlt sich feige an. Mir geht das alles nicht am Arsch vorbei und niemals hätte ich gedacht, dass ich mal so eine Entscheidung treffen muss. Für mich war eine Abtreibung immer unvorstellbar. Aber jetzt wünschte ich mir einfach, dass ich nicht schwanger bin und mit meinen Sohn ein ruhiges Leben leben kann.

(10) 17.03.19 - 08:41

Liebe avaukas,
Du hast wirklich schon eine Menge auf die Beine gestellt, ich zolle Dir Respekt. Du klingst wie der Inbegriff von „an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen“ - dazu gehören viel Stärke und Durchhaltevermögen. Ich kann nachvollziehen, wie sehr Du es genießt, daß nun endlich ruhigere Zeiten angebrochen sind und Du Dein Leben ordnen kannst.
Und nun diese Überraschung. Was für ein Schock. Ich sage Dir ganz offen, daß ich mich in Deiner Situation wohl gegen die Schwangerschaft entscheiden würde. Du hast so hart gekämpft, um das zu erreichen, was Du heute hast (damit meine ich nicht in erster Linie das Geld, sondern Deine Ausbildung, Traumjob, einfach die Fähigkeit, für Dich und Deinen Sohn zu sorgen).
Mit dem Vater des 2. Kindes scheint es keine Basis zu geben. Du wirst auf tausenderlei Arten (Unterhalt, Umgangsrecht,....) für die nächsten 18 Jahre mit ihm verbunden sein, wenn Ihr gemeinsam ein Kind bekommt.
Ich hatte selber einen Abbruch während meines Studiums. Ich wollte meine Ausbildung durchziehen, der Mann war der falsche,....die kopfmäßige Entscheidung war ziemlich leicht. Der Abbruch selbst war auch nicht „schlimm“, weil alle Beteiligten in der Praxis sehr freundlich waren. Danach gab es emotional einige Tiefen, obwohl ich meine Entscheidung nie wirklich bereut habe. Auch jetzt im Rückblick, viele Jahre später, muß ich klar sagen, daß es richtig war.
Dennoch ist es (für mich) eine traurige Entscheidung gewesen, und es hat mich lange belastet, daß ich mit niemandem darüber sprechen konnte. Große Trauer war da, aber Reue nicht. Es war wichtig, das auseinanderzuhalten.
Wenn Du Dich per PN austauschen möchtest (auch zu Einzelheiten des Eingriffs o.ä.) oder einfach ein Ohr brauchst - melde Dich gerne.
Herzlich, tatzel #blume

  • (11) 17.03.19 - 09:47

    Liebe Tazel, danke für deine Worte. Mir hilft das enorm, von euch eine Einschätzung zu bekommen. Ich weiß genau was mich bei der Abtreibung erwartet. 3 Freundinnen haben es leider auch schon erfahren und einer von denen stand ich damals zur Seite. Meine Freundin wird mich bei allen Terminen begleiten und sie sind alle da. Ich fühle mich trotzdem sehr schlecht. So eine Entscheidung ist schwerwiegend und ich hoffe sehr, dass ich damit leben kann 😥.

    • (12) 17.03.19 - 10:08

      Hey,
      ich glaube, Du wirst damit Deinen Frieden machen können, wenn Du Dir immer wieder vor Augen hältst, wieso Du Dich so entschieden hast. Du hast völlig nachvollziehbare Gründe, wie ich finde. Ich denke, wenn Du in 3 Jahren zurückschaust, wirst Du sicher sein, daß es richtig war.
      Es ist toll, daß Du Freundinnen hast, die Dich unterstützen.
      Es kann eben auch ein Zeichen von Verantwortung sein, eine Schwangerschaft abzubrechen.......ein weiteres Kind ist ganz sicher nicht immer der bessere Weg.
      Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute.

(13) 17.03.19 - 08:46

...P.S:
besorge Dir in der Apotheke die Bachblüten „Rescuetropfen“. Mehrmals täglich einige Tropfen auf die Zunge, wenn die Panik / Angst / wasauchimmer zu groß wird - hat bei mir immer gut geholfen, um in Ausnahmesituationen klarzukommen. #klee

(14) 17.03.19 - 09:15

Ganz ehrlich? Ich könnte gut verstehen, wenn Du Dich gegen das Kind entscheidest. Dir alles Gute und viel Kraft.

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