einseitiger Kinder Wunsch nach Abtreibung

hallo, ich wende mich an euch in einer wirklich emotional furchtbaren Lage. Ich weiß nicht nach vorn oder hinten und würde mich über Meinungen freuen.

Ich hatte einen Schwangerschaftsabbruch, ich war schwanger als ich mit meinem jetzigen Partner erst wenige Wochen zusammen war. Ich habe damals sechs Wochen überlegt ob ich abtreiben soll oder nicht und letztendlich auf mein Gefühl gehört. Mein Partner hat sich im Laufe der Zeit für das Kind entschieden.

Rückblickend ist mein Gefühl eine Mischung aus inneren Konflikten und Ängsten gewesen... das langsam aufgeht und sich zeigt und furchtbar weh tut, da ich meine Entscheidung bereue.

Das ist aber nicht worüber ich heute schreiben möchte, ich bin da rum auch in therapeutischer Betreuung.




nach der Abtreibung dachten wir, wir hätten es ganz gut verdaut (Verdrängung) und haben sogar mit Familienplanung begonnen und lose darüber geredet wie wir eine Familie gründen und wie das so sein wird. Das war für mich ganz wundervoll und für meinen Partner auch....




im Winter hat es uns dann aber richtig erwischt, langsam ging das alles auf die ganze Wut und Trauer kam heraus, wir haben gestritten viel geweint und verarbeiten seitdem all das was passiert es auf unterschiedliche Art und Weisen. Jeder für sich aber auch viel gemeinsam, da sind wir auf einem sehr guten Weg und ich bin stolz dass wir das zusammen schaffen.



allerdings gibt es ein furchtbar schlimmes Problem, für das ich gerade keine Lösung finde.

Ich habe nach wie vor einen sehr starken Kinderwunsch, ich werde mir bewusst was das für ein Konflikt war aus dem ich das Kind nicht bekommen habe und merke das ich es mir eigentlich sehr wünsche. Auch wenn ich weiß, dass es aktuell nicht okay wäre, weiß ich aber dass es für meine Zukunft ein Wunsch sein wird.


bei meinem Partner ist es irgendwie genau andersrum. Er hat ein Kind aus früherer Beziehung, wo es viel Ärger und Streit gibt, aktuell gibt es auch ein Streit um Sorgerecht. Er hat anscheinend gerade im Laufe der Verarbeitung gemerkt, dass er sich für das Thema Kinder nicht mehr öffnen möchte, da er mit unserer Erfahrung jetzt die zweite für ihn schlechte Erfahrung gemacht hat. Er sagt, dass er jetzt Kinder für sein Leben ausschließen möchte.


für mich ist das ein absoluter Albtraum. Denn ich liebe ihn sehr und wir kämpfen gerade so sehr in unsere Beziehung und ich glaube auch dass wir das schaffen.

Aber die Vorstellung, dass diese nicht ausgetragene Schwangerschaft meine einzige Chance bleiben wird. Ist für mich nicht auszuhalten und macht mich wirklich sehr sehr schlimm traurig...


Ich bin 32 und fange plözlich an Panik zu schieben, dass ich bald zu alt sein werde für Kinder.

Ich frage mich wie ich nun damit umgehen soll?

In ruhigen Momenten denke ich, dass erst mal Zeit haben muss, dass alles verarbeitet werden sollte und wir zur Ruhe kommen müssen und dann noch mal gesund über dieses Thema zu sprechen.

Allerdings ist seine aktuelle Aussage so final, dass ich mir keine falsche Hoffnung machen möchte. ich muss allerdings auch sagen, dass alles gerade sehr in Wut und Trauer getränkt ist.

Was soll ich nur tun? Ich möchte ihn nicht verlassen aber ich weiß auch nicht wie ich mit dem Gefühl leben soll nie wieder schwanger sein zu können...

vielleicht steigere ich mich sehr rein, vielleicht drehen wir beide ein bisschen durch. Ich würde mir so wünschen dass jemand von außen etwas dazu sagt weil ich weiß einfach nicht weiter..

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Hallo

Fand deine Abtreibung letzten Sommer statt? Dazwischen Verarbeitungstherapie und im Winter der 'Totalzusammenbruch' bei euch als Paar? Und seitdem will dein Partner keine Kinder mehr, richtig?

Was ihr beide braucht, ist Zeit. Du sagst, du seist in Therapie wegen dem Abbruch, hättest hier aber ein anderes Thema. Das gehört aber alles zusammen, und ich würde die Therapeutin vollumfänglich informieren, wie es um dich/euch steht. Gerade nach einem Abbruch sollen die Hormone wild spielen und der Kiwu umso stärker sein. Mit dem Bewusstsein kannst du dir und deinem Freund (mit dem du wohl noch kein Jahr zusammen bist) den Druck vielleicht etwas herausnehmen. Akzeptiere also, daß ihr beide noch in der Verarbeitungsphase steckt und bei dir die Hormone crazy spielen. Das kann noch einige Monate dauern, zumal dein Freund sich auch mit Alltagssorgen um sein Kind sorgen muss. Da hätte ich auch gerade! keine Lust auf die Zeugung eines neuen Kindes. Je nachdem, wie sehr du Druck aufbaust diesbezüglich, würde ich vielleicht auch mit Bestimmtheit behaupten, ich wolle gar keines mehr. Das lese ich gemäß deiner Beschreibung aber aus seiner momentanen Herausforderung heraus.

Long story short: Mach deine Therapie weiter, sprich auch mit deiner FA, nimm zum jetzigen Zeitpunkt den Druck raus, schau wie eure Beziehung tatsächlich läuft, wie es deinem Freund auch geht und dann geht wieder über die Bücher. Sei dir bewusst, daß dieser Prozess einige Monate dauern kann, aber wenn du mit 32 schwanger werden konntest, wird es bestimmt auch mit 33 noch klappen. Im äußersten Fall kannst du immer noch zur Samenbank.

Sorry, daß mein Beitrag rational klingt. Ich wollte deinem emotional getränkten Post etwas entgegensteuern 🤗.

🍀

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ganz lieben Dank für deine Antwort! Das ist genau was ich brauche. Ich merke ja selber dass ich emotional extrem aufgerieben bin, dann gerate ich in Panik, ich habe Angst zu viel Hoffnung zu haben, dass sich noch etwas ändert. Blabla, alles total aufgewühlt und in Panik.

Ich danke dir sehr für deine Worte! Und mit der Therapeutin spreche ich natürlich auch darüber. Ich wollte das jetzt nur nicht so aufmachen.

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Sorry, aber ich kann nicht verstehen wenn man 6 wochen darüber nachdenkt und sich dann dagegen entscheiden, wie man dann plötzlich doch einen Kinderwunsch haben kann.leider lese ich sowas viel zu oft.
Nur weils jetzt nicht perfekt reinpasst, aber in einem Jahr is ok. Leider ist das Leben kein Wunschkonzert, es kommt öfter so wie es kommen muss. Da versteh ich deinen Partner schon. Vorher willst du nicht, dein Partner schon und jetzt willst du. Vielleicht bist du nicht bereit für ein Kind, sonst hättest du nicht diese Entscheidung getroffen. Und vl. willst du immer das was nicht geht.
Ich wünsche dir alles Gute!

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guten Morgen, ich verstehe schon was du meinst.

Aber warst du selbst mal ungeplant schwanger?
Man befindet sich leider (obwohl es einige Wochen waren) in einer sehr überfordernden, emptional stark belastenden Situation. Viele Gründe wurden mir leider sehr schmerzhaft erst nach und nach bewusst.

aber naja, Weiter möchte ich mich dazu gar nicht rechtfertigen und finde es steht dir auch gar nichts zu darüber zu urteilen. Alles Liebe

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Ich finde es mutig von dir, das einzugestehen, dass du es bereust. Man hört das ja oft und ich kann mir gut vorstellen, dass man in der Angst das Problem „schnell loswerden“ will. Das ist eine natürliche Reaktion und sich dann hinzustellen und zu sagen „ja, hättest du mal vorher drüber nachgedacht“ ist wertend, verletzend und wenig emphatisch.

Ihr seid noch beide mitten im Prozess der Verarbeitung und da reagiert jeder anders. Bei deinem Partner hat es Angst ausgelöst und aufgrund der schlechten Erfahrungen schützt er sich so, vielleicht ist es aber auch seine wirkliche Entscheidung. Das kann man von außen schwer beurteilen. Wie stand er dem Thema Kinder denn vorher entgegen?
Macht er Therapie, um alles zu verarbeiten? Oder geht ihr gemeinsam zur Beratungsstelle? Das hat uns immer sehr geholfen.
Auf jeden Fall ist reden und wie bereits vorher erwähnt, Zeit, ein wichtiger Faktor. Ich würde jetzt nichts übers Knie brechen. Mein Mann reagiert auch aus Angst öfter so, ist die wieder abgeklungen, ist die Welt eine andere.
Sollte das in 1 Jahr immer noch der Fall sein, dass ihr uneinig seid,dann kannst du dich entscheiden, was dir wichtiger ist. Ich habe einen Kumpel, der hat für seine Freundin auch auf Kinder verzichtet, auch, wenn er gern welche gehabt hätte. Er liebte sie eben. Letztlich haben sie sich irgendwann getrennt, ein Jahr später war er verheiratet und ist nun mit 42 Vater geworden. Ich glaube nicht, dass sich so verschiedene Lebenseinstellungen (wenn es wirklich so ist) auf Dauer vereinen lassen.

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