Grobe Behandlung beim neuen Tierarzt (aengstlicher Hund)

    • (1) 08.09.10 - 14:43

      Hallo ihr,

      ich bin immer noch total aufgewuehlt vom heutigen Tierarztbesuch mit unserem kleinen Hund (2 Jahre alt, Ruede, Havanesermix). Er hatte immer schon panische Angst vor dem Tierarzt, seit er als Welpe eine Spritze gesetzt bekam und darauf bereits ueberempfindlich reagierte.
      Unser letzter Tierarzt nahm sich immer viel Zeit und war sehr einfuehlsam. Auf Spritzen jedoch reagierte unser Hund weiterhin mit viel Angst und das aeusserte sich auch in aggressiver Weise, z.B. versuchte er sich mit schnappen und biestigem Knurren zu verteidigen.
      Da wir nun umgezogen sind, mussten wir heute den neuen Tierarzt aufsuchen, da unser Hund einen Hautausschlag am Hals hat. Leider hatten wir davor keine Zeit, ihn an die neue Praxis zu gewoehnen. Wir sind einfach zur naechstliegenden Praxis gefahren, um Frosty so schnell wie moeglich behandeln zu lassen.
      Schon im Wartezimmer auesserte unser Hund seine Angst mit exzessivem Zittern. Mein Mann weigerte sich jedoch, mir den Hund zu geben, damit ich zur Ueberbrueckung der Wartezeit ein bisschen mit ihm spazieren gehe und er wieder ein bisschen "runterkommt" . Mein Mann war der Meinung, er muesse sich daran gewoehnen und nur so koenne er seine Angst verlieren. Als wir dann dran waren, sagte ich dem Tierarzt schon, dass Frosty aus Angst aggressiv werden koennte. Sie setzten ihn auf den Behandlungstisch und wollten ihm gleich einen Maulkorb anlegen. Frosty wehrte sich nach Kraeften- es war furchtbar mit anzusehen. Es standen ungefaehr 5 Helfer um ihn herum und hielten ihn fest, waehrend er immer panischer und aggressiver wurde. Ich musste dann rausgehen, weil ich es nicht mit ansehen konnte- ich war ziemlich emotional und weinte auch(muss dazu sagen, dass ich im 9. Monat schwanger bin und deshalb sowieso sehr empfindlich). Als ich dann im Vorraum hoerte, wie Frosty vor Angst quieckte und schrie hielt ich es nicht mehr aus: ich dachte nur, den Hund holst du da sofort raus und gehst nach Hause. Ich, die Tuer aufgerissen und sah meinen Hund zwischen seinem eigenen Kot und Urin- den er aus Angst verloren hat. Ich war voellig ausser mir. Waere mein Mann nicht dagewesen und haette mich aus dem Behandlungszimmer geschickt, haette ich mir meinen Hund gegriffen und waere abgehauen. Ich wartete dann voellig verzweifelt im Wartezimmer bis die Schreie aus dem Behandlungsraum aufhoerten. Frosty hatte wohl aufgegeben und liess sich nun behandeln. Spaeter hatte mir mein Mann gesagt, er haette Frosty selber den Maulkorb angelegt und danach haette er sich beruhigt. Sogar eine Spritze hatte er sich setzen lassen, ohne gr0ssartig dagegen zu protestieren.

      Meine Frage nun waere: Auch wenn die Behandlung an sich am Ende erfolgreich war, war die grobe Vorgehensweise des Tierarztes wirklich notwendig und gerechtfertigt? Wie sind eure Erfahrungen mit einem angstaggressiven Hund beim Tierarzt?

      • (2) 08.09.10 - 15:10

        Ohne das gesehen zu haben kann man das nicht beurteilen.

        Ob er nun völlig verstört war und deswegen nichts mehr machte oder ob er einfach kapiert hat dass es kein Theather gibt kann man nicht sagen.

        ABER: Viele Hundehalter meinen ihren Liebling trösten und verhätscheln zu müssen. Sie reden ihm gut zu, nehmen ihn hoch.. ach der Kleine hat ja solche ANgst. Damit verschlimmert man die Situation oft, als dass man sie bessert.

        Eine klare Ansage in der Form: "Bis hier hin und nicht weiter" finde ich nicht schlimm und gerade die kleinen Tölen 8nicht böse gemeint ;-) ) wehren sich oft mit Leibeskräften und wollen einfach nicht nachgeben. Das ist nicht (nur) Ansgt, sondern einfach rumgezicke.

        Wenn man das dann mal ausdikutiert hat, gehts meist problemlos.

        ABER: das darf man nicht verallgemeinern. Man muss merken ob der Hund wirklich panisch ist oder einfach nur rumprollt.


        Ich selbst habe mit meinem hund erleben müssen, dass ihn eine Hundetrainerin mit der "Hau Ruck" Methode behandeln wollte, was allerdings bei ihm zu dem Zeitpunkt absolut nicht angebracht war. Das hat mir Monate Arbeit verschafft, aber nun bin ich schlauer.

        Wenn du dir nicht 100 % Sicher bist was das Verhalten eines Hundes angeht... such dir jemand Erfahrenes der es dir erklärt.

        denn viele Hundebesitzer schätzen ihre Lieblinge absolut falsch ein.

        • (3) 08.09.10 - 15:35

          Hi,

          grundsätzlich gebe ich Dir Recht, aber was mich davon abhalten würde diesen TA nochmals aufzusuchen

          "Als ich dann im Vorraum hoerte, wie Frosty vor Angst quieckte und schrie hielt ich es nicht mehr aus: ich dachte nur, den Hund holst du da sofort raus und gehst nach Hause. Ich, die Tuer aufgerissen und sah meinen Hund zwischen seinem eigenen Kot und Urin- den er aus Angst verloren hat."

          DAS deute ich nicht als Protest - kein Hund lässt einfach Urin und Kot so laufen.

          Ich selbst habe eine kleine Fußhupe (Dackelmix und ehemaliger Straßenhund). Den bekamen wir mit der Info "beim TA lässt er sich nicht untersuchen und beisst" - bei ihm war es zum einen Unsicherheit / Angst das Motto "Angriff ist die beste Verteidigung". ABER unser TA ging / geht darauf ein, indem er erst versucht ihn ohne Zwang und Maulkorb zu untersuchen. die ersten Mal brauchten wir z.B. bei Spritzen noch einen Maulkorb - danach reichte es, dass ich ihn festhalte und ablenke.

          Zu diesem TA wir der Hund niemals mehr ein Vertrauensverhältnis aufbauen - erst Recht nicht, wenn der Mann der TE dabei ist. Denn dieser hat MIT dafür gesorgt, dass der Hund diese angst und den Zwang aushalten musste.

          Und ich habe auch kein Verständnis dafür, wenn ein Ta bei einem neuen Patienten, der als "Angsthase" vorgestellt wird so rabiat vorgeht. Stellt sich während der Behandlung raus, dass er einfach nur "prollt", kann man beim nächsten Mal anders reagieren.

          Gruß
          Kim - mit einem ganz tollen u geduldigen TA!

      Hallo,
      wir sind nicht dabei gewesen um es beurteilen zu können,aber einem ängstlichen Hund mit Zwang einen Maulkorb anzulegen,ihn mit 5 Menschen zu belagern und IHn weiter so zu Verängstigen das er seine Exkremente nicht mehr halten kann halte ich für sehr bedenklich.Besser wird die Situation dadurch in Zukunft bestimmt nicht.Es gibt sicherlich Tiere die sofort behandelt werden müssen(nach Unfall usw.)ob bei einem Hautausschlag so eine Vorgehensweise gerechtfertigt ist muss jeder für sich selber entscheiden.Mich würde so ein TA aber ehrlich gesagt nicht wieder sehen.Ich persönlich fahre ja zu meinen Patienten nach Hause,da sind viele schonmal ruhiger,aber gerade bei angstaggresiven Tieren nehme ich mir noch mehr Zeit als sonst.
      LG KImchayenne

    • (5) 08.09.10 - 15:50

      Hi

      ich kann mich zwar nur an Deine Schilderung halten, aber ich würde zu diesem TA nie und nimmer mehr gehen - und meinem Mann die Leviten lesen!

      Für mich liest es sich wirklich so, dass Dein Hund totale Panik hatte und da geht so ein Umgang gar nicht.

      Mein Tipp:

      Such Dir einen neuen TA, bitte um einen Termin und geh erstmal ohne Hund hin und besprich die Situation (allerdings würde ich den Namen des TA nicht nennen, der so gehandelt hat) und ob es eine Möglichkeit gibt, Deinen Hund vorzubereiten. Ich denke da z.B. an Rescue-Tropfen oder ähnliches. Der TA wird da besser Rat wissen. Dann übe zu Hause in aller Ruhe und mit viel Lob das anziehen des Maulkorbs (damit er den nicht nur mit TA in Verbindung bringt) und zieh ihn immer mal wieder für wenige Minuten an, wenn er ihn akzeptiert hat - auch nach erfolreichen TA-besuchen.

      Natürlich wird der TA diese Beratung nicht umsonst machen (warum auch - er hilft ja), aber mir wäre es das wert.

      Ich wünsche dir und Frosty alles Gute und hoffe, dass er diesen Besuch besser wegsteckt als ich erwarte.

      ABER: hüte Dich davor, ihn in seiner Angst zu bestätigen. Bleibe einfach ruhig, übergeh seine Angst (ohne sie aus den Augen zu verlieren) und gib ihm einfach die sicherheit, dass Du da bist. Außerdem würde ich öfter mal einfach nur so zum TA fahren, mich 5min ins Wartezimmer setzen, wieder gehen und Hundi loben. Zeiten immer etwas weiter ausdehnen.

      alles Gute
      kim

      • (6) 08.09.10 - 16:07

        Ich habe gerade bei Frosty's alter Tierarztpraxis angerufen.Vielleicht kann seine alte Tieraerztin die Situation am Besten bewerten und weiß,was zu tun ist,da sie ihn ja auch sehr gut kennt.Frosty's Verhalten zu Hause ist unveraendert und er scheint durch den morgendlichen Vorfall nicht traumatisiert zu sein.Allerdings fuerchte ich mich nun vor dem naechsten Tierarztbesuch mit ihm und bin besorgt,dass er durch dieses Erlebnis noch aengstlicher geworden ist.Danke an alle Antwortposts!Besonders kimchayennes empfand ich als hilfreich.

        • Bitte,bitte.
          Such dir einen anderen Tierarzt oder vielleicht einen Tierheilpraktiker der zu dir kommt.Solltest Du einen finden oder es auch dann Probleme geben,wäre noch eine Möglichkeit deinen Hund vor dem Besuch beim TA Bachblüten zu geben.
          LG KImchayenne

      (8) 08.09.10 - 16:11

      Danke fuer die Tipps! Sehr hilfreich!

soo, da hat ihn der neue Tierarzt jetzt den Rest gegeben... jetzt wird er noch panischer beim TA sein...

(10) 09.09.10 - 08:59

ich kann dir nur sagen, such dir nen neuen TA.

Unser Hund hatte immer etwas Angst vor dem Tierarzt, aber als wir umgezogen sind und er sich die Daumenkralle eingerissen hatte und wir auch zu nem neuen TA mussten, das war die Hölle auf Erden. Der Tierarzt total unhöflich und hat nur rumgeschnautzt, wir sollen unseren Hund festhalten. Lennox natürlich noch ängstlicher geworden und wurde richtig aggressiv. Der Tierarzt meinte nur wir müssen dem Hund einem Maulkorb ummachen, dass wäre Besitzer-Sache. Haben es natürlich nicht hinbekommen, bei einem so aufgebrachten Hund. Dann hat der Tierarzt das gemacht mit eine Brutalität sage ich dir. Man war ich froh, als wir wieder da raus waren.
Gut nun musste ich 2 Tage später wieder hin zum Verbandswechsel. Gut, eigentlich wollte ich nicht wieder hin, aber dachte mir, probieren wir es mal. Lennox war wieder total aggressiv, da er Angst hatte. Ich stand da in der 38 SSW mit dickem Bauch und wurde vom Tierarzt angeschnauzt ich solle dem Hund den Mauskorb ummachen. Er hat es dann gemacht, aber er hat unserem Kleinen so doll an den Ohren gezogen, dass er vor Schmerzen jaulte. Mir standen die Tränen in den Augen. Wir waren dann nie wieder bei dem Tierarzt!!!!Würde auch um alles in der Welt nicht wieder hingehen!!!!

Wie der Zufall es so wollte, hat Lennox am nächsten Tag seinen Verband verloren und wir mussten zum Notdienst. Das war das Beste, was uns passieren konnte. Ein netter junger Tierarzt, mit kleiner Praxis auf einem Dorf, der auf unseren Hund eingeht, sich Zeit nimmt und alles ganz locker nimmt. Er nimmt ihn auf den Schoß, streichelt ihn und blödelt mit ihm rum. Er legt ganz in Ruhe den maulkorb um und ist einfach nur super!!!

Lennox musste ja noch 2 mal am Knie operiert werden und die in der Tierklinik waren auch super entspannt. Man weis da ja auch nie auf was für Ärzte man trifft, aber auch dort hat alles den Umständen gut geklappt. Auch die Nachsorge bei unserem Tierarzt war wieder gut. Mein Mann, der Tierarzt und Lennox sind nun schon ein eingespieltes Team. Gut, die Angst vor dem TA werden wir wohl nie wegbekommen, aber so wie es jetzt ist, damit können wir leben.

LG

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