Verhaltensstörung beim Hund

    • (1) 28.10.11 - 14:20

      Hallo,

      haben uns vor 6 Wochen einen 10 Wochen alten Mischlingswelpen geholt.
      Schon am Anfang weißte er extreme Verhaltensstörungen auf.
      Sie verhielt sich Männern sehr aggressiv gegenüber.Selbst meinen Vater fletschte sie an.
      Dadran haben wir geübt und sie lässt sich nun ohne Probleme von ihm anfassen,freut sich sogar manchmal.
      Trotzdem kommt es manchmal immer wieder durch,sobald Jemand unsicher ihr gegenüber ist,
      fängt sie an mit Zähne fletschen,knurren und Bellen.Jetzt letztens auch bei einem Kind,was natürlich gar nicht geht!!!!
      Auch hat sie dieses Verhalten bei Pferden und Gegenständen,wie Staubsauger und Besen.
      Bei anderen Tieren,wie Rehe oder Bisons kann man sie gut mit Leckerlie ablenken und sie hat dann auch kein Interesse mehr an denen.Aber sobald Pferde da sind oder wie gesagt unsichere Menschen geht gar nichts mehr.

      Und wurde schon vom Tierarzt und auch vom Hundetrainer,dass es wohl so aussieht,dass sie geschlagen wurde und das mehrmals!

      Was meint ihr dazu?Und wie können wir uns in solchen Situationen Verhalten,weil noch kann sie es ja lernen?!

          • Also in meiner Vorstellung ist ein Hund - und auch ein Welpe - dann aggressiv, wenn er jemanden anknurrt, die Leftzen hochzieht und sich nicht anfassen lässt.

            Ich weiß ja nicht, wie es in Deiner Welt so ist...#kratz

            • Lool,
              passt ja prima zu dem Beitrag weiter unten,Hund knurrt,also Hund böse und agressiv.Ich denke das man das durchaus differenzierter sehen sollte.Anhand einer blossen Beschreibung dürfte es wohl nicht zuverlässig möglich sein zu sagen ob der Hund agressiv ist oder nicht.Und Deine Ratschläge in Bezug auf Erziehung und Dominanz kann man auch geteilt betrachten.

      • Hallo,der Hund kommt aus Blumenthal bei Hamburg.
        Die Züchter waren sehr freundlich und machten nicht den Eindruck,als ob sie ihre Hunde schlagen würden.Was uns aber schon etwas stutzig macht,dass sie uns beim abholen von Maya noch gesagt haben,sie rufen jeden Tag an und nerven.Naja und nun haben sie sich nicht einmal gemeldet.
        Sie war mit ihren 10 Wochen aggressiv gegenüber Männern.Hat es gezeigt in dem sie gebellt hat,geknurrt und ihre Bürste hoch gestellt hat.

        • Hallo,
          also erstmal macht mich stutzig das Du bei einem Mischling von Züchter sprichst,komisch das sie sich nicht melden,da ast Du die Elterntiere gesehen und darf ich fragen was Du bezahlt hast,wie sah es mit Impfungen,Entwurmung usw. aus?Aus der Ferne ist es wie schon geschrieben schwer zu beurteilen ob der HUnd agressiv ist,mein Hund hat mit 10 Wochen auch mal geknurrt und gebellt und ist weggelaufen wenn man ihn anfassen wollte,deshalb war und ist er noch lange nicht agressiv.Meine Vermutung ist das ihr einem Tierhändler ins Netz gegangen seid und dort werden die Tiere meistens alles andere als gut behandelt.Sie sollte positive Erfahrungen mit euch machen,und sich natürlich auch austoben dürfen,in deinem anderen Beitrag hattest Du geschrieben das sie unsicher ist,also wäre es auch möglich das sie aus Unsicherheit so handelt,Du musst Ihr zeigen das Du alles im Griff hast und wenn sie Angst vor anderen Menschen hat,haben diese sie nicht anzufassen,da musst Du sie beschützen,ansosten macht sie es halt selber.Alles anknabbert schreibe ich mal dem normalen Kautrieb von Welpen zu und vielleicht auch Langeweile,versuch sie geistig zu fordern,und lass es bitte mit dem Erkältungsbalsam(siehe Antwort im anderen Beitrag).
          LG KImchayenne

          • Nur mal so ganz nebenbei (in einem nicht pöbelnden Tonfall):

            Der Sinn Deiner Aussage entspricht im Großen und Ganzen den Ratschägen von mir, die Du anzweifelst. Nur bin ich mehr ins Detail gegangen. Deine Antwort ist oberflächlicher. Du sagst, sie soll aufpassen und sie beschützen. Aber eine Erklärung, wie sie das machen soll, lieferst Du nicht.

            Es macht mir nichts aus, wenn Dir mein Tonfall nicht passt. So ist das bei Urbia. Wenn man gegensätzliche Ansichten oder Vorschläge nicht akzeptieren kann, sollte man die Finger von öffentlichen Foren lassen.

            Ich bin eine erwachsene Frau und kann Dir versichern, dass ich mit beiden Beinen im Leben stehe und keinen Frust schiebe. Hier im Tierforum habe ich zu gewissen Themen, feste Meinungen - sicherlich genau wie Du. Und wenn diese Meinungen mit anderen kollidieren, weil sie einfach ganz gegensätzlich sind, dann ist das halt so. Ich vertrete meine Meinung nach Außen hin, versuche sie jemanden der fragt, näher zu bringen. Aber ich kann damit leben, wenn andere User einen anderen Weg gehen würden. Das nennt man Toleranz. Ein Forum lebt vom Gedankenaustausch - auch wenn nicht jeder hier sofort alle Tips umsetzt oder gutheißt.

            In diesem Sinne

            Gruß

            Minimöller

            • Hallo,
              vom Sinn her meinen wir vielleicht das gleiche aber die Art der Umsetzung scheint eine gänzlich andere zu sein.Du empfiehlst das was immer empfohlen wird wenn der Hund Dominanz zeigt(angeblich),das wird es für einen unsicheren HUnd aber nicht umbedingt besser machen.Es spielt keine Rolle wer zu erst durch die Tür geht und ein intelligenter Hund wird halt nach dir durch die Tür gehen wenn du das so willst aber es ändert rein garnichts an deiner Stellung im Rudel.Wobei ich von diesem ganzen Dominanzgeschwaffel eh nichts halte(gutes Buch zum Thema,Wölfisch für Hundehalter von Günther Bloch).Aber jeder kann durchaus seine Meinung zu dem Thema haben,mir ist nur sauer aufgestoßen das ich der TE eine Frage gestellt habe um die Geschichte etwas zu hinterfragen und du meintest es beantworten zu müssen als ob ich des lesens nicht mächtig wäre.Und so einfach ist es halt nicht zu beurteilen ob ein Hund agressiv ist,deshalb die Nachfrage bei der TE um ihre Sichtweise zu kennen,den das empfindet mit sicherheit jeder anders,für mich ist ein Welpe nämlich nicht gleich agressiv wenn er das beschriebene Verhalten zeigt.Und ich hasse Pauschalisierungen.
              LG KImchayenne

              • Achja,vergessen,
                bei wirklichen Verhaltensproblemen gibt es durchaus auch naturhéilkundliche Möglichkeiten,allerdings würde ich nie Bachblüten in Globuliform verwenden.;-)

    Dein Hund hat in der entscheidenden Prägephase schlechte Erfahrungen (wahrscheinlich mit Männern) gesammelt. Zudem hat der Hund u.U. einen eher änglichen und unsicheren Charakter und diese Kombination mit schlechter Prägung ist tasächlich eine tickende Zeitbombe - wenn ihr nichts unternehmt.

    So ein unsicherer Hund sollte unbedingt in eine Hundeschule. Denn dort lernt Ihr als Halter, wie man richtig mit ihm umgeht. Das A und O bei solchen Hunden sind klare und unmissverständliche Ansagen Eurerseits. Damit meine ich keine Gewalt. Aber der Hund muss unmissverständlich lernen, dass er keine Entscheidungen zu treffen hat. IHR SEIT DER CHEF IM RING.

    Dazu gehören ganz viele Kleinigkeiten. Der Hund sollte nicht auf der Couch liegen (oder mit im Bett schlafen), er darf nur nach Aufforderung fressen, wenn ihr Treppen geht, darf der Hund nur hinter Euch her gehen und nicht vor düsen. Das gleiche gilt für die Tür. Wenn es klingelt, seit Ihr diejenigen, die den Besuch empfangen, nicht der Hund.

    Das sind alles nur Kleinigkeiten, aber enorm wichtig für Eure Beziehung zum Hund. Die Struktur Eures Familienrudels muss sein: Erst die Menschen - dann der Hund.

    Desweiteren muss so ein Hund immer in Gegenwart von Kindern beobachtet werden. Denn wenn doch mal was passiert, seit Ihr haftbar und die Probleme fangen erst richtig an.

    Den Charakter Eures Tieres könnt Ihr leider nicht ändern. Aber Ihr habt es in der Hand, aus dem kleinen Angstbeisser einen umgänglichen Hund zu machen. Er wird wahrscheinlich niemals ein großer Menschenfreund werden, aber dass muss er ja auch gar nicht.

    Also bitte auf jeden Fall weiterhin zur Hundeschulen gehen.

    LG

    Minimöller

    • (18) 29.10.11 - 13:26

      ***Dazu gehören ganz viele Kleinigkeiten. Der Hund sollte nicht auf der Couch liegen (oder mit im Bett schlafen), er darf nur nach Aufforderung fressen, wenn ihr Treppen geht, darf der Hund nur hinter Euch her gehen und nicht vor düsen. Das gleiche gilt für die Tür. Wenn es klingelt, seit Ihr diejenigen, die den Besuch empfangen, nicht der Hund.***

      Dass das in irgendeiner Form etwas an dem Verhalten ändern wird, wage ich arg zu bezweifeln. Gut, ich muss zugeben, dass ich von der Dominanztheorie, wie sie häufig durch die Hundeszene geistert, nichts halte. Das Gleiche gilt für die Rudelführertheorie. Aber gerade, wenn es um einen unsicheren, ängstlichen Welpen geht, weiß ich nicht, in welchem Zusammenhang das miteinander stehen soll - außer, dass Menschen, die diese Regeln durchsetzen, meist sehr konsequent sind, bzw. erst mit einführen der Regeln konsequent werden. Habe ich weniger Regeln, die aber hundgerecht sind, und halte mich an diese genauso konsequent, habe ich mindestens den gleichen Erfolg...;-)

      Gerade so Dinge wie "wer futtert als erster", "wer läuft vorne" usw. werden häufig als deshalb "richtig" angepriesen, weil diese Dinge in einem Wolfsrudel doch auch dem Alphatier zustehen. Aber das stimmt nicht. Es gibt inzwischen genügend gegenteilige Beobachtungen. David Mech hat gesagt, ein Wolfsrudel würde in einer "qualifizierten Demokratie" leben - es fressen teilweise sogar die Welpen als erstes. Grundvoraussetzung für aussagekräftige Beobachtungen ist, dass es sich um freilebende Wolfsrudel handelt - Wolfsrudel in Gefangenschaft leben in einem künstlich erschaffenen Rudel, aus dem sie nicht rauskönnen, in dem enormer Stress herrscht und dadurch sind die Strukturen total instabil. Nicht gerade ideal, um aussagekräftige Beobachtungen machen zu können...

      Wo ich evtl. (je nach Verhalten des Hundes) durchaus einen Sinn drin sehe, ist es, ihm das Bett oder das Sofa zu verbieten. Prinzipiell sehe ich da kein Problem, wenn der Hund auf die Couch darf, so lange er sich auch wieder hinunter schicken lässt. Selbst in einem Wolfsrudel sagt die Höhe oder Qualität des Liegeplatzes nicht zwangsläufig etwas über die Position im Rudel aus. Das nahe Zusammensein und Kuscheln fördert aber das Zusammengehörigkeitsgefühl und gibt Sicherheit. Hat man aber einen Hund, der sehr schreckhaft ist, berührungsempfindlich, ein Angstbeißer o.ä., wäre es natürlich denkbar schlecht, ihn z.B. nachts im Bett liegen zu haben, wo er im Schlaf mal aus Versehen berührt werden könnte - ihn dann im Bein hängen zu haben wäre wohl eher kontraproduktiv, außerdem lebt so ein Hund auch im Dauerstreß und empfindet häufig eine Box als sehr angenehm, da er sich auch im Schlaf geschützt und sicher fühlen kann. Aber ansonsten besteht doch kein Zusammenhang zwischen Hund schläft im Bett/auf dem Sofa, also nimmt er seinen Besitzer nicht ernst...

      Aber gut - hat halt jeder seine eigenen Vorstellungen, wäre ja langweilig, wenn immer alle einer Meinung wären...:-)

      Viele Grüße, Alex

      • (19) 29.10.11 - 14:23

        Dank für Deine Antwort.

        Ich denke, die heutige Hundeerziehung ist Meilensteine von der damaligen "Prügel es in den Hund" Theorie entfernt. Aber wie alles im Leben, gibt es Vor- und auch Nachteile.

        Ich würde mal behaupten, dass mindestens die Hälfte der User hier im Tierforum sich wenig Gedanken über irgendwelche Erziehungsmethoden von Hunden angeeignet haben, bevor sie hier posten. Warum sonst werden hier so sinnfrei Threads gestellt, wie z.B. "Hilfe mein Hund ist 4 Wochen alt und wird einfach nicht stubenrein..."

        Die große Gefahr bei der Hundeerziehung ist die Vermenschlichung. Und der einfachste Weg, jemandem ein Bewußtsein für das Leben eines Hundes zu vermitteln, ist meiner Meinung nach, ihm klar zu machen, dass ein Hund KEIN Mensch ist und auch nicht mit ihm auf einer Stufe steht. Kimchayenne z. B. behauptet, der intelligente Hund wird automatisch Deine Regeln befolgen und trotzdem seine Stellung in der menschlichen Gemeinschft behaupten. Sind dann alle anderen Hunde unintelligent?

        Dominanz darf nie mit Gewalt verwechselt werden. Aber eine faire und partnerschaftliche Hunde-Mensch Verbindung funktioniert nur reibungslos, wenn der Hund kein Entscheidungsträger ist. Und dies geht nur über Dominaz.

        Und da jede kleine Fellnase ein eigener Charakter ist, darf man sicherlich nicht alle über einen Kamm scheren. Aber Erziehung benötigen sie doch alle, die lieben Kleinen :-D

        LG

        Minimöller

        • Hallo,
          ich meine ein kluger HUnd geht halt hinter Dir durch die Tür,wenn du es halt umbedingt so willst,aber trotzdem wird er Dich nicht umbedingt als Rudelführer anerkennen,das glaubst Du vielleicht,aber wenn es drauf ankommt wäre es möglich das er dir Deine Führungsposition schnell aberkennt.Ist schwer zu beschreiben.Ich meinte jedenfalls nicht das andere Hunde dumm sind,aber auch bei Hunden gibt es schlau und weniger schlaue.
          Bei Wölfen z.B. geht auch nicht immer der Leitwolf vor,er hat es garnicht nötig seine Position dadurch in den Vordergrund zu stellen.
          LG Kimchayenne

          • Ups,schon wieder was vergessen.
            Ein Rudelführer hat es nicht nötig seine Position ständig zu behaupten.

            • Ist das wirklich so? Das frage ich mich gerade wirklich.

              In der Natur darf sich der Chef doch auch keine größeren- oder immer wieder kehrenden - Fehler erlauben.

              Und die Hundeerziehung ist doch auch ein ständiger Prozess. Natürlich ist ein alter, lebenserfahrener Hund nicht mehr ständig auf ein Kräftemessen mit seinem Menschen aus. Da spielt Routine und Vertrauen eine wichtige Rolle.

              Aber gerade die jungen Halbstarken wollen doch regelmäßig ihre Möglichkeiten testen. Und das ist doch das Alter, wo alle Weichen für das spätere Leben gestellt werden.

              Wie dem auch sei. Hundeerziehung ist eine große Gradwanderung zwischen Erfolg und Misserfolg. Aber eins ist wohl klar, der Hund ist niemals der Verursacher von Problemen. das müssen wir uns wohl auf die Fahne schreiben.

              LG

              • (23) 29.10.11 - 19:51

                ***Ist das wirklich so? Das frage ich mich gerade wirklich.***

                Den neuen Erkenntnissen der Wolfsforschung nach ist das tatsächlich so. Kennst Du David Mech? Er hat 20 Jahre (?) freilebende Wolfrudel beobachtet und vor recht kurzer Zeit die Ergebnisse veröffentlicht - das ist super-interessant! Aber zu ähnlichen Erkenntnissen wie er, kamen auch andere Forscher in jüngster Zeit.

                Bei den Wölfen ist es z.B. absolut nicht so, dass der Rudelführer alleine sämtliche Entscheidungen trifft - wann aufgebrochen wird, in welche Richtung es weitergeht usw., das sind Entscheidungen die aus dem Rudel heraus getroffen werden, da hat auch das Alphatier nicht zwangsläufig die Führung. Ein Leittier im Sinne von "ich allein entscheide, wo es lang geht", gibt es beispielsweise bei den Kühen, bei den Wölfen nicht.

                In einem Wolfsrudel ist es auch nunmal so, dass es keine starre Rangfolge gibt, die über zig Jahre so beibehalten wird - junge Rüden wandern in einem gewissem Alter ab und verlassen das Rudel, der Wolf, der der letzte in der Rangfolge ist, ist quasi in "Warteposition", bis sich die "Hierarchien" (eigentlich nicht das richtige Wort im Zusammenhang mit Wölfen) durch z.B. neue Jungtiere ändern, wird aber nie im Leben auf ewig "der Letzte" bleiben.

                Wirkliches demostrieren der Position als Alphatier gibt es eigentlich nur im Zusammenhang mit Resourcenknappheit - ist das Futter so knapp, dass nicht alle satt werden, ja, dann holt sich das Alphatier zuerst seinen Anteil, ansonsten lässt er durchaus rangniedrigere Tiere mitfressen oder es dürfen sogar die Welpen als erste ans Futter. Alphatier zu sein hat bei den Wölfen überhaupt gar nichts mit ständigem Machtgehabe zu tun, das ist ein Trugschluss, der aus der Beobachtung von Wolfsrudeln in Gefangenschaft herrührt (und da hat es auch weniger mit Resourcen als mit Stress zu tun).

                In einem freilebendem Wolfsrudel kommt es auch quasi nie zu ernsthaften Kämpfen - das wird alles ganz harmlos und unspektakulär über Körpersprache geklärt. Ein Alphatier hat es (wie schon gesagt wurde) nicht nötig, sich ständig zu behaupten, es wird auch dann akzeptiert, wenn es Zugeständnisse macht.

                Dominanz und Rudel - das sind letztlich Begriffe, die aus der innerartlichen Beziehung stammen. Demnach ist es auf die Mensch-Hund-Beziehung überhaupt nicht so einfach übertragbar, wie es gern versucht wird. Hinzu kommt noch, dass der Hund ja gar keine Wahlmöglichkeit hat - entgegen seinem Naturell, soll er sein komplettes Leben an letzter Stelle der Rangfolge verbringen. In freier Wildbahn würde er abwandern und ein eigenes Rudel "gründen".

                Gerade die Dominanz hat hauptsächlich etwas mit dem freien Zugriff auf Resourcen zu tun - der dominanteste Wolf hat das Anrecht, zuerst ans Futter zu gehen (was er i.d.R. nur dann tut, wenn es knapp ist). Der dominanteste Wolf hat das Anrecht auf den bequemsten Liegeplatz (was er nur dann durchsetzen wird, wenn es keine nahezu gleichwertigen gibt). Der dominanteste Wolf hat das Anrecht, sich seine Sexualpartner frei zu wählen.Wenn es nun wirklich für uns Menschen so immens wichtig ist, dem Hund zu zeigen, dass wir der dominante Part in der Beziehung sind - hey, wo liegt das Problem?!? WIR entscheiden, was, wann und wieviel der Hund frisst, WIR entscheiden, wo er liegen darf - selbst wenn er auf das Sofa darf, haben wir das Recht und die Möglichkeit, ihn dort wegzuschicken, WIR entscheiden, wann wir mit ihm spielen, WIR entscheiden (i.d.R....), ob und mit wem er sich vermehren darf usw. Also, ich denke, auch ohne dieses ganze Brimborium drumherum, von wegen wer geht zuerst durch die Tür usw. (was ja nichts mit Resourcen zu tun hat, demnach auch keine große Rolle spielen kann), haben wir schon einen recht guten Stand in der Beziehung zu unserem Hund... ;-)

                Ein ganz anderer Punkt sind die Regeln, die für das gute Miteinander zwischen Hund und Mensch wichtig sind - aber das hat weniger mit Dominanz zu tun, als vielmehr damit, dem Hund zu vermitteln, dass es sich für ihn lohnt, sich diesen Regeln zu unterwerfen. Das kann ich über Strafe ("Es lohnt sich, auf mich zu hören, weil Du dann keine Schmerzen bzw. Nachteile haben wirst."), wobei das ja nun mal bekanntermaßen nicht gerade der empfehlenswerte Weg ist, kann ja auch "leider" ein paar unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen... Das kann ich aber auch über positive Verstärkung ("Es lohnt sich, auf mich zu hören, weil es dann Futter/Spiel/Zuwendung gibt."). Ob und in welchen Situationen das funktioniert hängt aber auch immer eng mit der inneren Motivation des Hundes bzw. seinen Instinken zusammen. Es wird z.B. immer Jagdhunde geben, die selbst bei der besten Erziehung in bestimmten Situationen ihre Instinkte nicht kontrollieren können und dem Reh nachhetzen.

                Ein weiterer Punkt, ob der Hund sich an die Regeln hält, ist die Konsequenz. Habe ich nur eine einzige Regel, bestehe aber nicht konsequent auf die Einhaltung, wird der Hund sie auch dann nicht halten, wenn ich plötzlich einführe, dass er nicht auf´s Sofa darf, erst zu fressen bekommt, wenn ich etwas gegessen habe usw. Habe ich zwanzig Regeln, deren Einhaltung ich konsequent einfordere, wird der Hund sich auch dann an alle halten, wenn er auf´s Sofa darf, bei mir im Bett schläft und vor mir durch die Türe geht... ;-)

                Ich gebe Dir absolut Recht - ein riesiges Problem in unserer Gesellschaft ist die Vermenschlichung von Hunden. Aber ich denke nicht, dass Vermenschlichung z.B. etwas damit zu tun hat, wo der Hund schläft. Es gibt viele Hunde, die im Bett schlafen, aber ein ganz tolles, hundgerechtes Leben führen, während genug andere Hunde weder ins Bett noch auf´s Sofa dürfen, aber einem nur leid tun können, weil ihre Halter vergessen haben, dass sie einen Hund mit den entsprechenden Bedürfnissen vor sich haben.

                Genauso gebe ich Dir bei dem Punkt Recht, dass viel zu wenig Menschen sich Gedanken darüber machen, was eine artgerechte Hundeerziehung ausmacht - aber ich bezweifle, dass man dem beikommt, indem man ihnen einfache Verhaltensregeln ála "Der Hund darf erst nach Dir durch die Tür gehen" hinwirft. Es fehlen dann immer noch das Grundverständnis für das Lebewesen Hund, dessen Bedürfnisse und vorallem dessen Körpersprache.

                Wo Du die jungen Halbstarken ansprichst - so einen haben wir hier gerade rumspringen...;-) Einen 18 Monate alten Ridgebackrüden. Aus allen Ecken hört man da "Da braucht man aber eine starke Hand" oder "Das sind aber dominante Hunde". Und obwohl wir nun nicht gerade zu den Verfechtern der Dominanztheorie gehören, haben wir ihn doch ganz gut im Griff, würde ich behaupten.;-) Klar, testet er, ob ich es wirklich ernst meine, wenn ich "Sitz" sage. Aber da reichen Konsequenz und viel Arbeit. In Zeiten, in denen er sich gefragt hat, ob ein "Hier" auch wirklich so gemeint ist, war eine Schleppleine unser Dauerbegleiter. Auch ohne Erziehung nach Dominanz- oder Rudelführertheorie tanzt er uns weder auf der Nase rum noch haben wir einen unkontrollierbaren Halbstarken an der Leine.

                Puuuh, jetzt habe ich hier wieder einen halben Roman geschrieben und habe trotzdem das Gefühl, nicht auf den Punkt gekommen zu sein, den eigentlich rüberbringen wollte...#hicks;-) Ich schicke jetzt einfach mal ab.:-)

                Viele Grüße, Alex

                • (24) 29.10.11 - 20:15

                  Hallo,
                  ich finde Du hast es sehr gut auf den Punkt gebracht.Hast Dir auch echt Mühe gegeben mit Deinem Beitrag,ich gebe zu das ich heute keine Lust mehr hatte einen Roman zu schreiben.
                  LG KImchayenne

                  • (25) 29.10.11 - 20:32

                    Hallo,

                    danke Dir!:-) Dann bin ich beruhigt - denn ich hatte zum Schluss das Gefühl, alles total wirr formuliert zu haben...#hicks;-)

                    Meistens habe ich auch keine Lust, solche Romane zu tippen, aber das große Wort Dominanz ist "im echten Leben" gerade so ein großes Thema in unserem Umfeld, dass ich mich einfach äußern MUSS - ein gebrochenes Bein und daher viiiiiel Zeit vor dem Rechner tun ihr übriges...:-p;-)

                    Viele Grüße, Alex

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