Kaninchen-Problem mit der Eingewöhnung - Hilfe!

    • (1) 04.05.12 - 16:31

      Hallo zusammen,

      wir haben letzten Samstag, hauptsächlich für unsere Söhne, zwei Kaninchen aus dem Tierheim geholt, ein Weibchen und einen kastrierten Bock.

      Sie ist sehr zutraulich, kommt, wenn man die Hand hinhält, frisst aus der Hand und lässt sich streicheln. Mehr wollen wir nach einer Woche noch nicht strapazieren.
      Der Bock allerdings ist echt ein Sorgenkind. Er frisst nicht aus der Hand, nur aus der Schüssel usw., versucht sich ständig zu vergraben und duckt sich, wenn man an den Käfig kommt.
      Sie haben einen zweietagigen Käfig im Garten mit Auslauf, den wir nur bei dem guten Wetter in der letzten Woche angeboten haben (den Auslauf, meine ich).
      Bei dem Böckchen haben wir Sorge, dass das nie was mit dem Vertrauen wird und das wäre schade.
      Habt ihr noch Ideen? Wie lange kann so eine Gewöhnung dauern?

      LG, 3Raupen

      • (2) 04.05.12 - 16:41

        Hallo!

        Kaninchen sind Fluchttiere und damit von Antur aus eher vorsichtig. Dabei ganz wichtig ist genug Platz, der Auslauf sollte also Raubtiersicher gebaut sein und auch gegen Untergraben gesichert werden, dann aber IMMER zur Verfügung stehen.

        Sie auch nur stundenweise in einen Stall sperren ist schrecklich für Kaninchen und macht das Vertrauen eher zunichte! Es sind Bewegungs- und Fluchttiere, die am ehesten dann näher kommen, wenn sie die Möglichkeit haben, auch weg zu gehen.

        Streicheltiere werden aber bei weitem nicht alle Kaninchen, da ist das einfach die falsche Tierart. vielleicht haben Deine Kinder eher Spaß dran, ihnen kleine Kunststücke wie "Hürdenlauf" beizubringen.

        der Trick am Futter aus der Hand: Besondere Leckerbissen darf es dann wirklich auch NUR aus der Hand geben, nicht nach wenigen Minuten die Lust verlieren und es doch in den Napf legen. Grundfutter wie Heu, Gras, Karotten muss es natürlich auch so zur freien verfügung geben.

        Bitte sorgt für mindestens 6m² Platz 24 Stunden am Tag, gebt kein Trockenfutter und sehr viel Heu, so leben sie lange und gesund.

        • Warum gibt man Kaninchen kein Trockenfutter? Ich hatte 3 Kaninchen und einen deutschen Riesen. Die haben von mir auch Trockenfutter bekommen. Bis auf den deutschen Riesen haben alle ein langes und gesundes Leben gehabt.

          Würde mich nur mal so interessieren, aktuell haben wir keine Kaninchen.

          #danke

          LG Janette

          • Hallo!

            Trockenfutter ist aus der haltung von Mastkaninchen übernommen. Die bekommen Trockenfutter, damit sie schnell wachsen und Schlachtreife erreichen. Das ist aber nicht das, was man bei Haustieren haben möchte - die sollen in aller Ruhe langsam wachsen, damit ihre Knochen und Gelenke sich korrekt ausbilden, die Muskulatur gut dazu passt.

            Noch dazu macht Trockenfutter sehr sehr satt, dadurch wird weniger Heu aufgenommen und damit ist die Abnutzung der Zähne schlechter. Wird ein Kaninchen nach einem halben Jahr sowieso in den Kochtopf gesteckt ist das egal, aber wenn es jetzt viele Jahre leben soll können dadurch kleine Zahnfehlstellungen zum massiven gesundheitlichen Problem werden, Operationen und Zahnkorrekturen werden notwendig. Natürlich nicht bei jedem Kaninchen, aber eben bei sehr vielen.

            Die viele Stärke im Trockenfutter kann auch die Verdauung belasten und zu Aufgasungen und Durchfällen führen. Zu einer sinnvollen Ernährung trägt Trockenfutter in keiner Weise bei, es ist einfach nur billig. Will man von seinen haustieren lange was haben verzichtet man besser darauf sondern gibt ihnen sehr viel Heu, Gras und frisches Gemüse, das ist wesentlich sinnvoller.

      Na ja, Du weißt ja nicht, was das Kaninchen im Leben schon so erlebt hat... Kaninchen sind, wie schon geschrieben, Fluchttiere und eigentlich keine Kuschel- uns Streicheltiere. Und wie jedes andere Tier auch, ist eins menschenbezogener, das andere wiederum nicht.

      Wir haben 3 Katzen. Eine davon, obwohl ich die schon seit Baby habe, lässt sich auch nur sehr ungern streicheln und ist mega ängstlich. Bei ihr ist es halt der Charakter, der ist jetzt 15 Jahre alt, da wird sich auch bestimmt Zeit seines Lebens nichts mehr dran ändern.

      ICH würde auch das scheue Kaninchen nicht zum Streicheln drängen. Die können nämlich vor Aufregung und Angst nen Herzkasper kriegen.

      Vielleicht schafft Ihr es mit Liebe und Geduld.

      Vorsicht: Kaninchen können auch aus Angst beissen! Und das ist nicht sehr angenehm. Ich hatte mal ein Hermelinkaninchen (weiß mit blauen Augen), was uns von Privat mal angeboten wurde. Sie war ca. 2 Jahre alt, als sie zu uns kam.

      Mein Vater steckte seine Hand in den Käfig und wollte sie streicheln und eine Rübe reichen. Was macht das kleine Karnickel, fängt an zu knurren und schießt nach vorne und beißt meinem Vater voll in den Finger.

      Ich möchte diese Erfahrung nur Deinen Kindern ersparen!

      Deshalb, das Kaninchen besser nicht bedrängen!

      Ja, auch mit dem, was Ihr füttert, ganz vorsichtig sein. Keine Nachtschattengewächse fressen lassen. Z. B. Kartoffelschalen oder auch Tomatenstiele. Die sind giftig für Hasen und Kaninchen.

      Die Tiere können in manchen Dingen nicht unterscheiden, was gut und nicht so gut für sie wäre. Ich spreche da LEIDER aus eigener Erfahrung. Freunde von mir meinten es mal mit unserem deutschen Riesen gut und fütterten es mit Kartoffelschale. Das Tier verreckte Stunden später! Wegen der Giftigkeit der Kartoffelschale.

      Ihr müsst auch immer kontrollieren, ob die Tiere fressen. Gerade "neue" Kaninchenzuchten haben häufig Probleme mit den Zähnen. Sind sie zu lang, stellt das Kaninchen das Fressen ein, der Tierarzt kann dann die Zähne wieder abschleifen.

      Wichtig ist, dass die Tiere immer fressen können. Sonst sterben sie.

      LG Janette

      (6) 04.05.12 - 20:13

      Hi,
      wenn man sich bei den richtigen Quellen vorher informiert weiß man, dass es Kaninchen gibt, die schlicht und einfach immer scheu bleiben werden.

      Die sich nie streicheln lassen. Hochheben lassen sich eh die allerwenigsten gerne, so viel ist nach jahrzehntelanger Haltung als Haus- und nutztier von den Instinkten noch übrig geblieben.

      Vielleicht ist Euer Rammler einfach so ein Tier.

      Vielleicht hat er auch schon Sachen erlebt, von denen ihr nichts wisst. Vielleicht gerade mit Kindern.

      Warum spricht man nach einer knappen Woche schon von einem "Sorgenkind", wenn sich ein Kaninchen vollkommen normal (normal als Fluchttier gegenüber einem möglichen Feind) verhält?

      Das verstehe ich nicht.

      Die Gewöhnung kann endlos dauern, wenn es für dich bedeutet, dass das Tier zutraulich ist. Sie kann bereits beendet sein, wenn es (wie für mich) bedeutet, dass das Tier sich wohl fühlt in seiner neuen Umgebung.

      Der Käfig ist zu klein, die Tiere brauchen permanent Fläche zum Rennen. Gerade abends und oft auch nachts sind die Kleinen oft aktiv (v.a. dann, wenn es tagsüber warm ist).

      Meine Idee wäre, dass ihr Euch mit dem natürlichen Verhalten Eurer neuen Mitbewohnern auseinandersetzt und mit Grundlagen der artgerechten Haltung. Und das bedeutet automatisch, dass man sich damit auseinandersetzen MUSS, dass es unter den Kaninchen "Kandidaten" gibt, die nie wirklich handzahm werden. Weil sie eben noch mehr vom Instinkt behalten haben als andere - und das Streicheln durch Menschen ist in der Natur halt nicht vorgesehen als etwas "gutes".

      Gebt dem Tier einfach noch Zeit und ein artgerechtes Zuhause. Füttern lassen wird er sich vermutlich irgend wann. Wenn er sich an Euch gewöhnt hat. Wenn ihr ihn bedrängt kann das aber auch ziemlich schmerzhafte Folgen haben.

      Kaninchen, die nicht flüchten können, oder auch solche, die ihr Revier verteidigen können nämlich so richtig unschön beißen.

      Viele Grüße
      Miau2

    • (7) 05.05.12 - 09:44

      Vielen Dank erstmal für die Antworten.

      Artgerecht würde ich unserer Platzangebot an die beiden Ninchen schon nennen, denn draußen haben sie eine reine Auslauffläche von etwa 7 qm zu zweit. Vor zwei Tagen allerdings haben wir sie ins Haus zurückholen müssen, da sie im Tierheim noch nicht ausreichend an niedrige Temperaturen gewöhnt waren. Jetzt haben sie im Haus ein Zimmer mit etwa 12 qm und als die Kinder gestern im Bett waren, haben mein Mann und ich uns ins Zimmer auf den Boden gesetzt bzw. gelegt und waren einfach nur anwesend. Der Rammler, ein wunderschöner Hermelin mit blauen Augen und unglaublichem Profil, hat irgendwann unsere Anwesenheit akze4ptiert, aber ließ sich nicht aus der Hand füttern.
      Es ist nun auch nicht so, dass wir die Kaninchen in einer Schnellschuss-Aktion angeschafft haben. Die Jungs wollen schon seit etwa einem Jahr selbst Haustiere zum Umsorgen und Beobachten und evtl. auch zum Streicheln.
      Total unerfahren sind wir in der Haltung von Tiere nicht, auch wenn wir bei Kaninchen bisher kaum Erfahrung haben. Ich halte schon sehr lange Katzen (meine Älteste ist 20 Jahre alt geworden und ich hatte auch schon einen Kater mit Diabetes, der jeden Tag zwei Mal Insulin gespritzt bekam und leider sechs Jahre nach Diagnose an Organversagen starb - Schniief), die aber nicht zu den Ninchen dürfen, noch nicht. Außerdem haben wir lange Jahre Chinchillas gehalten und teilweise unfreiwillig gezüchtet.
      Wir haben uns sehr lange, gemeinsam mit den Kindern, vorbereitet, wissen über die Lebensdauer und daraus resultierende Verantwortung durchaus Bescheid.
      Wir machen uns nur Sorgen, dass das Zusammenleben mit uns für den Rammler unendlich Stress bedeutet. Schließlich muss am ihn auch mal anfassen, um zu schauen, ob er Verletzungen unter dem dichten Fell hat oder der körperliche Zustand muss kontrolliert werden. Ich mache mir mehr Sorgen um den Bock als darum, dass aus ihm evtl. kein zahmes Streicheltier wird. Mit unserer bisherigen Haustiererfahrung wissen wir, dass Tiere, genauso wir Menschen, Individuen sind.
      Daher war mir mit meiner Frage mehr daran gelegen, Tipps von erfahrenen Haltern zu bekommen, die uns die Annäherung leichter machen könnten.

      Lg, 3 Raupen

      • (8) 05.05.12 - 15:51

        Hallo!

        Du bist da schon auf dem richtigen Weg: einfach dabei sein, daneben sitzen, und Geduld.

        Wichtig ist aber wirklich, dass sie den Auslauf (der eben auch nur untergrenze der passenden Größe ist) wirklich 24 Stunden am Tag aufsuchen können. Kaninchen sind vor allem Dämmerungsaktiv, also zur Zeit wäre das so von 4 Uhr Nachts bis etwa 7 Uhr morgens besonders wichtig, dass sie da rumspringen können und abends auch entsprechend spät. Ich nehme mal an, da jeweils aufzustehen und den Auslauf zu überwachen (weil zu diesen Uhrzeiten auch Marder sehr aktiv sind) kommt eher nicht in frage, also sichert das Gehege passend ab und lasst die Tiere selber entscheiden, wann sie raus wollen.

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