Rechtlich fragwürdig, aber moralisch topp <3

    • (1) 15.03.13 - 14:04

      Hallo!

      Wo es hier grad um das (fremd)kastrieren von freigängerkatzen geht, ist mir eine begebenheit eingefallen, die ein paar jahre zurück liegt.
      Ich war damals noch tierarzthelferin in einer tierklinik. Der betrieb strotzte nicht gerade vor mitarbeiterfreundlichkeit, aber in dieser Situation war ich doch ganz stolz auf unseren Chef.
      Wie der Kater wirklich hieß, weiß ich nicht mehr, aber ich nenne ihn mal Felix, denn der gute hat eine riesenportion glück gehabt.

      Ich hattee Frühschicht und war, wie immer, etwas eher da um auf Station zu helfen, die Neuzugänge der Nacht zu versorgen.
      Es gab diesmal nur einen Neuzugang: Felix. Ein grau getiegerter, 10 Monate alter Kater, dessen beide Vorderpfoten bis zu den Ellenbogen dick einbandagiert waren und dessen gesicht recht.. verbeult wirkte.
      Auf dem Stationszettel stand nur "Fenstersturz - NICHT FÜTTERN"

      Neugierig wie ich war (hatte ja noch zeit) ging ich an den computer und rief die Datei auf.
      +Felix war gestern abend gekommen. aus dem 3. Stock gestürzt und hatte beide Vorderpfopten und den Unterkiefer frakturiert (daher das verbeulte gesicht...)
      Aber moment!
      + Felix? Wieso +Felix?
      + stand bei uns immer vor den Tieren, die euthanasiert wurden, oder gestorben sind.
      Tatsächlich war für +Felix eine Euthanasie abgerechnet.
      Ich ging noch mal zum käfig: +Felix spielte mit seinen Pfoten Mikado. Der war quicklebendig und sah, meiner meinung nach, auch nicht so aus, als müsse er heute euthanasiert werden....
      Manche tierärzte schreiben wahre romane in die datei der Tiere. Aber die Nachtärztin hatte sich kurz gefasst.

      Leider musste ich mich erst mal um meine Arbeit kümmern und musste meine Neugier bis 8:00 zügeln.

      Bei der Visite werden immer zuerst die Neuzugänge der Nacht vorgestellt und danach das was sonst noch ansteht.
      Chefchen forderte die Nachtärztin mit gespielter Neugier auf, sich doch mal zu den Nachtzugängen zu äußern.
      Felix war also aus dem 3. Stock gefallen. Die Besitzer kamen als vollzählige Familie (2 Kinder und die Eltern) und liesen ihn untersuchen. Als feststand, dass für den Kater - zumindest was die Unterkieferfraktur anging - eine kostspielige Operation notwendig war, entschieden sich die Eltern für eine Euthanasie.

      Nach einigem Hin und her und vielen, vielen Tränen der Kinder, entwickelte die Nachtärztin einen Plan, lies ihn vom Chef absegnen und erklärte den Besitzern, dass sie sich von Felix verabschieden sollten, die Euthanasie würde ohne ihre Anwesenheit vorgenommen.
      Felix wurde in eine klinikeigene transportbox verladen und in ein nebenzimmer gebracht. Die Besitzer bezahlten die Kosten für Untersuchung und Euthanasie und verließen die Klinik.

      Danach wurden die Vorderbeine von +Felix fest bandagiert und eine OP für den frakturierten Unterkiefer eingetragen.

      So verbrachte +Felix ca. 8 Wochen bei uns auf Station. Wurde von allen nach Leibeskräften beschmust. Seine Beine heilten problemlos zusammen. Der fixateur externa wurde von seinem Unterkiefer entfernt. 2 Wochen später wurde er kastriert und fand ein Zu Hause bei einer Freundin einer Kollegin.

      Ich weiß nicht, ob das rechtlich so OK war. Vermutlich hätte man nicht die Euthanasie abrechnen dürfen. Aber es bezahlte ja auch keiner den Stationsaufethalt und die Kiefer-OP.
      Aber ich fand es nur fair für Felix. Er war zu jung, er hatte einen Sturz aus dem 3. Stock überlebt - wieso sein Leben wegwerfen?

      Ichh habe in meiner Ausbildungspraxis erleben müssen, wie ein 6 Monate alter, quietschlebendiger Hundewelpe wegen eines Beckenbruches eingeschläfert wurde.
      Dann lieber so.

      • (2) 15.03.13 - 14:41

        Hallo,

        ich finde die Geschichte von Felix auch toll!:-) Es freut mich für ihn, dass er seine Chance bekommen hat.

        Allerdings kenne ich das Vorgehen von Tierkliniken in solchen Situationen etwas anders - eben um sich rechtlich abzusichern. Zufällig hatten wir dieses Thema letztens erst vor der Schule unserer Großen, denn die Tochter der Mitinhaber einer großen Tierklinik hier aus der Nähe ist in der Klasse unserer Tochter. Die Mutter erzählte mir, dass es regelmäßig vorkommt, dass Besitzer die Kosten für die Behandlung nicht übernehmen wollen oder können. Sieht der Tierarzt aber durchaus eine gute Chance für das Tier, wird den Besitzern eine Abtretungserklärung vorgelegt - wenn sie unterschreiben, müssen sie zwar keinerlei Kosten mehr tragen, das Tier gehört aber dann der Tierklinik.

        Die Tiere finden i.d.R. ein schönes Zuhause bei einem der Mitarbeiter der Tierklinik oder deren Verwandten oder Freunden oder Freunden der Tante der Nachbarin...;-) Gerade die Tierarzthelferinnen, aber auch die Tierärzte selbst haben wohl zwischen einem und ganz vielen Tieren zu Hause, deren ehemaligen Besitzer solch' eine Abtretung unterschrieben haben.

        Dass soetwas vorkommt, gut, hat mich nicht gewundert. Aber dass es zumindest so häufig vorkommt, dass es schon Routine für die Tierklinik ist, fand ich dann doch erschreckend. ...und wenn man nun noch die Tiere hinzunimmt, die gar nicht erst dem Tierarzt vorgestellt werden...:-(

        Viele Grüße, Alex

        • (3) 15.03.13 - 14:56

          Unser Chef hat das mit der Abtretung bewusst abgelehnt. Wenn das ein Mal passiert, passiert das öfter. Dann "schmeißen uns die Leute massenhaft schwerkranken Tiere über den Zaun".
          Wie schon angedeutet. Mein Chef war nicht unbedingt ein Engel. Bei den 200 EUR für +Felix konnte er ein Auge zudrücken, weil grad zufällig ein Tierarzt zur Facharztausbildung für Chirugie zu unserem Team gehörte. Der durfte sich an +Felix ausprobieren.

          Aber es wurden schon diverse Hunde mit Magendrehung eingeschläfert, weil die Besitzer die Kosten für die OP nicht bezahlen konnten (Kostenpunkt ca. 1500-2000 EUR).

      (4) 15.03.13 - 14:46

      hallo

      toll das felix leben darf...

      was ich aber nicht verstehen kann

      >> Nach einigem Hin und her und vielen, vielen Tränen der Kinder, entwickelte die Nachtärztin einen Plan, lies ihn vom Chef absegnen und erklärte den Besitzern, dass sie sich von Felix verabschieden sollten, die Euthanasie würde ohne ihre Anwesenheit vorgenommen.
      Felix wurde in eine klinikeigene transportbox verladen und in ein nebenzimmer gebracht. Die Besitzer bezahlten die Kosten für Untersuchung und Euthanasie und verließen die Klinik.<<

      warum durfte felix nicht zu seinen besitzer zurück?

      sicher viel es den eltern nicht leicht diesen endschluss zu fassen, aber so eine behandlung kostet sehr sehr viel geld und ich kann mir vorstellen die eltern dieses einfach nicht hatten. so toll es ist das felix lebt..... find ich es unmoralisch den kindern und den eltern gegenüber.

      lg

          • aber die "neue" Person ist mit Sicherheit bereit, künftige Tierarztkosten zu tragen. Ich habe keine Ahnung, wieviel so eine OP gekostet hätte, aber mit ein bischen gutem Willen und evtl. Ratenzahlung wäre es bestimmt bezahlbar gewesen. Wenn aber jemandem sein Tier das nicht wert ist, ja dann ist das Tier bei jemandem, der es zu schätzen weiss, besser aufgehoben

            • ich sehe einfach die kinder und ihre trännen....
              warum die eltern so endschieden haben weiss ich nicht und will mir da auch kein urteil erlauben.

              • (9) 16.03.13 - 13:00

                Und wegen ein paar heulender Kinder soll man ein Tier wieder zu verantwortungslosen Haltern geben?

                Sicher nicht!

                • (10) 16.03.13 - 14:58

                  Woher weisst Du das die Halter verantwortungslos sind?

                  Für mich haben sie sehr verantwortungsvoll gehandelt indem sie das Tier zum Tierarzt gebracht haben.

                  Verantwortungslose Tierhalter hätten den Kater wahrscheinlich sich seinem Schicksal überlassen und ihn verrecken lassen.

                  Wie schnell man hier über wildfremde Leute urteilen kann ist mir echt ein Rätsel#klatsch

                  • (11) 16.03.13 - 15:02

                    Verantwortungsvolle Halter hätten sich erst gar kein Tier angeschafft wenn sie es sich nicht leisten können! Mit hohen Tierarztrechnungen muss man IMMER rechnen!

                    Verantwortungsvolle Halter hätten ihre Fenster gesichert! (Regelmäßig kann man von Katzen lesen die aus dem Fenster oder vom Balkon fallen, oder aber in einem gekippten Fenster elendig krepieren)!

                    Verantwortungsvolle Halter hätten sich nicht für's Einschläfern entschieden, sondern hätten alle Hebel in Bewegung gesetzt an Geld zu kommen!

                    • (12) 16.03.13 - 15:10

                      Du hast dann also paar Tausender auf nem Extrasparbuch für Dein Tier falls mal eine übergroße Rechnung ansteht und Du Dein Tier auf Biegen und Brechen egal wieviele Operationen nötig sind operieren lassen könntest (mal abgesehen davon das jede Op für ein Tier auch sehr stressig und schmerzhaft ist).

                      Du rechnest dann also mit allem was passieren könnte! Bist ja dann ein sehr vorrausschauender Mensch. Ich hoffe Dir passiert mal nix womit Du nicht gerechnet hat:-p.

                      >>>Verantwortungsvolle Halter hätten ihre Fenster gesichert! (Regelmäßig kann man von Katzen lesen die aus dem Fenster oder vom Balkon fallen, oder aber in einem gekippten Fenster elendig krepieren)!<<<

                      Schonmal dran gedacht das die Besitzer auch Kinder haben die aus Versehen ein Fenster offen gelassen haben KÖNNTEN?

                      >>>Verantwortungsvolle Halter hätten sich nicht für's Einschläfern entschieden, sondern hätten alle Hebel in Bewegung gesetzt an Geld zu kommen!<<<

                      Nunja sie hätten das Tier auch wieder mitnehmen können und zuhause mit dem Spaten erschlagen können! Ich finde eine Einschläferung nicht unbedingt verantwortungslos!

                      • (13) 16.03.13 - 15:23

                        Stell Dir vor, wir sparen tatsächlich monatlich einen Betrag auf ein extra Sparbuch nur für evtl. anfallende Tierarztkosten - ich selbst hab ja schließlich auch eine Krankenversicherung!

                        Kinder haben an Fenstern auch nichts verloren, die fallen da auch oft genug raus! Es gibt wirklich nicht viel was ich in meinem Haus kindersicher gemacht habe, aber Fenster gehören dazu!

                        < Nunja sie hätten das Tier auch wieder mitnehmen können und zuhause mit dem Spaten erschlagen können! Ich finde eine Einschläferung nicht unbedingt verantwortungslos! >

                        Und das wäre moralisch dann okay gewesen?

                        • (14) 16.03.13 - 15:33

                          Nach der Aussage von Dir das sich niemand ein Tier anschaffen sollte der vieleicht hohe Tierarztrechnungen nicht bezahlen kann und sich noch kein Geld zurückgelgt hat,hätte ich jetzt bei Dir gedacht Du hättest schon vor der Anschaffung Deines/Deiner Tieres schon genug gespart.

                          Wir legen auch monatlich was zur Seite ,denn schließlich kann nicht nur eines unserer nicht menschlichen Familienmitglieder krank werden sondern auch die Waschmaschine oder das Auto kaputt gehen.

                          >>>Kinder haben an Fenstern auch nichts verloren, die fallen da auch oft genug raus! Es gibt wirklich nicht viel was ich in meinem Haus kindersicher gemacht habe, aber Fenster gehören dazu<<<

                          Über das Alter der Kinder stand nirgentwo etwas,mein Kleinster ist 11 Jahre alt und bei uns sind die Fenster nicht gesichert, wie bei vielen anderen auch nicht die schon etwas ältere Kinder haben!

                          >>>< Nunja sie hätten das Tier auch wieder mitnehmen können und zuhause mit dem Spaten erschlagen können! Ich finde eine Einschläferung nicht unbedingt verantwortungslos! >

                          Und das wäre moralisch dann okay gewesen?<<<

                          Nunja Spaten vs Einschläfern? Ja da ist das Einschläfern für mich moralischer!

      (17) 15.03.13 - 15:02

      In unserer Klinik wurden die Tiere grundsätzlich erst nach Begleichen der Rechung an den Besitzer zurückgegeben.
      Ohne Geld kein Tier.

      Außerdem WOLLTEN die Besitzer Felix einschläfern lassen.
      Sie fragten nicht, ob man was machen könnte. Wir überwiesen ja auch an Tierärzte die durchaus eine Ratenzahlung zuliesen. Vielleicht wär +Felix auch mit nem schiefen gesicht klar gekommen.
      Sie beschlossen aber einfach, dass er sterben muss.

      Das war höchstens gegenüber den Kindern unmoralisch.

      • (18) 15.03.13 - 15:12

        nachtrag:
        ic rechne aber den eltern hoch an, dass sie die katze zum untersuchen außerhalb der sprechzeiten zu uns gebracht haben und das auch bezahlten.
        ich kann verstehen, dass sie nicht das nötige geld hatten.mich stört nur die mangelhafte fantasie bei der rettung von Felix.
        Es gab immer mal so ähnliche Situationen und immer wurde irgendein weg gefunden. und wenns ein tierarzt war, der nicht so genau aufs geld geguckt hat, wie unser chef.

        • (19) 15.03.13 - 15:25

          ja ich weiss was so ein tier kosten kann...

          unser kater wurde angefahren und die behandlung kostete 1500 franken #zitter
          kein gedanke diese behandlung nicht zu machen, aber ich war doch sehr froh in 3 raten zahlen zu können.

          das die eltern dies bei der eher kleinen summe nicht versuchten zu machen ist echt #wolke

          lg

      (20) 15.03.13 - 15:16

      o.k das die eltern so rabiat waren, ging aus deinem post nicht hervor.
      ich sehe einfach die kinder und ihre trauer.........

      Was heißt hier sie WOLLTEN!!!! SIE MUSSTEN wenn sie nicht genug Geld hatten. Oder meinst du jetzt sie hatten indirekt kein REcht das Tier zurückzubekommen weil sie ihn eh hätten einschläfern lassen? Mensch wenn ich meinem Tier helfen kann tu ich da auch aber wenns teurer wird als ich es mir leisten kann würde ich auch..... . Und jemanden fragen ob ers auf seine Kosten macht werden wohl die wenigsten weil sie das als frech empfinden.
      Ich finde trotzdem das dieser Kater den Kindern "weggenommen" wurde und sie nun denken er ist tot und woanders führt er ein fröhliches Leben. Ich würde, wenn ich ein Tier einschläfern lassen muß das wieder mitnehmen. Dann weiß ich wenigstens auch das es TOT ist!

      Ela

      • >>Ich finde trotzdem das dieser Kater den Kindern "weggenommen" wurde und sie nun denken er ist tot <<

        na und wer hat den Kindern den Kater genommen?

        >>und woanders führt er ein fröhliches Leben.<<

        das ist doch schön, findest du das etwa nicht?

        Blos weil jemand nicht für die Kosten einer OP aufkommen will, soll das das Todesurteil für ein Tier bedeuten? Gehts noch?

        • Obs hier noch geht darüber will ich jetzt nicht urteilen. DAs der Kater weiterlebt das verurteile ich nicht, in keinster Weise. Das ist also nicht das Thema. Besser ein Leben als das er tot wäre. So gesehen finde ich deine Meinung schon voll OK.
          Nur das der Familie vorgeworfen wird sie wollten nicht zahlen finde ich daneben. Ich meine gelesen zu haben sie konnten nicht! _Und das finde ich kann man ihnen dann auch nicht übelnehmen.

          Ich habe hier auch schon Tier und schon GEld investiert was sich "theoretisch" nicht lohnte aber ich es aus liebe zum Tier doch schon machte. Wieso auch nicht wenn einem das Tier was bedeutet und man dran hängt.

          Trotzdem bin ich der MEinung man hätte ihnen dieses Angebot machen sollen bzw. die Eltern hätten dann ja immer noch den Kindern die Wahrheit oder eben das Gegenteil sagen können.

          Gruß Ela

      Was hättest du an der Stelle der Besitzer getan?

      • Hätte ich mir die Kosten nicht leisten können dann hätte ich sicherlich auch so entschieden wie die vorhigen Besitzer, keine Frage! WEnn die nur nicht wollten ist es etwas anders.

        Fakt ist aber ich meine gelesen zu haben die konnten das Geldlich nicht und daher gaben sie ihn zum "Abschuß" frei. Das kann man ihnen dann nicht vorwerfen. Wieso hat man denen dann keine Chance gegeben in Raten zu zahlen oder weniger zu verlangen.

        Oder hat den Besitzern angeboten man übernimmt die Kosten aber sucht ne neue STelle? Ich meine die hätten ihn dann sicherlich kaum hergeben wollen aber so finde ich das einfach nicht ganz OK.

        Ela

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