Wie unsicheren Hund noch besser stärken?

    • (1) 16.02.14 - 23:07
      Inaktiv

      Hallo liebe Urbia-Gemeinde,

      Nach reichlicher Überlegung ist nun bei uns ein zweiter Hund eingezogen. Wir hatten ja zu unserer überdrehten Hündin und zu uns als Familie eine Ergänzung gesucht - und wir haben ihn gefunden. Ein unsicherer Rüde zwar, aber sehr lieb und zurückhaltend im Umgang mit Hunden, Kindern, Katzen.... aber etwas größer als geplant. Es war Liebe auf dem 1. Blick. Nun haben wir in den ersten Tagen daran gearbeitet, dass er erstmal eine Bindung zu uns aufbaut. Und hier ist meine 1. Frage: Woran erkennt man, dass man hier eine stabile Basis geschaffen hat?

      Bei unserer ersten Begegnung wollte er sich im hintersten Loch verstecken - jetzt kommt er zumindest schon freudig angelaufen und lässt sich uneingeschränkt anfassen (ging erstaunlich schnell). Habe mich trotzdem noch nicht getraut ihn auch mal im Garten frei zu lassen, da ich Angst habe, dass er doch noch ein Schlupfloch findet und wegrennt. Wir waren natürlich schon ausführlich in Wald und Flur unterwegs und haben da festgestellt, dass er noch nicht leinenführig ist, auch scheint er in seinem früheren zu Hause nicht kennengelernt zu haben - also keine Autos, Motorräder, verschiedene Menschen, anderes Getier, rennende Leute, Fahrräder. Auf alles reagiert er nervös, als will ausweichen, sich verstecken. Aber er zeigt in allen Fällen keinerlei Aggression, habe ihn noch nicht bellen oder knurren gehört. Mein erster Gedanke war - selber sicher weitergehen und versuchen, seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken (was aber wahrscheinlich ohne ausreichende Bindung nur unzureichend ist). Ich wäre hier über ganz viele Tipps super dankbar!
      Vielleicht hat ja der ein odere andere auch solch einen Hund zu sich genommen und kann mir berichten, wie es bei euch geklappt hat.

      VG#winke

      • (2) 16.02.14 - 23:34

        Wiederholungen und kleine Schritte.

        Wenn er Fahrräder nicht kennt, dann z.B. mit ihm nur bei einem stehenden Fahrrad entlang. Dann eines, dass im Weg steht. Ein eines, das gestossen wird. Dann eines, dass gefahren wird, usw.

        Im Prinzip müsst ihr nichts anderes machen, als mit ihm die Welt erkunden und dabei euch - wenn es geht - seinem Lerntempo anpassen, damit er nicht überfordert ist und Negativerlebnisse hat.

        Belohnung, wenn er es gut gemacht hat.

        Und Wiederholungen... endlose Wiederholungen. Besser mehrmals am Tag kurz als einmal am Tag über längere Zeit.

        • Leider ist Gewöhnung nicht immer der richtige Weg. Besonders bei schlecht sozialisierten Hunden kannst Du durch das erlebte Wiederholen nicht unbedingt eine Verbesserung erreichen.

          Grund dafür sind sogenannte Deprivationsschäden im Gehirn. Das sind Entwicklungsschäden im Gehirn, die durch den Entzug von Erfahrungen in den ersten Lebenswochen des Hundes entstehen. Durch diese Schäden kommt es zu Verhaltensstörungen weil bis zu 50% weniger Verknüpfungen im Gehirn stattfinden.

          Der Hund hat durch diese fehlerhafte Verknüpfung eine gestörte Lernleistung. Sie können bei Angstproblemen nicht durch Gewöhnung und das stetig wiederholte Erleben einer eigentlich ungefährlichen Situation verknüpfen, dass diese "ungefährlich" ist.
          Sie können ihn entspannten Situationen durchaus lernen, wie andere Hunde auch. Allerdings führt jede Störung dazu, dass das Verhalten nicht mehr abrufbar ist. Jede andere Situation wirft den Hund wieder auf Null zurück.

          Es gibt eine interessante Studie die Tierärztlichen Hochschule Hannover zu diesem Thema. Ängstliche Hunde gehören immer in erfahrene Trainerhände.

          LG

          • Das ist interessant. Allerdings steckt da ja immer mehr hinter dem Hund, denn wir konnten das teilweise durchaus verbessern. Gerade haben wir eine Hündin, die wenig sozialisiert war und vieles gar nicht kennt, aber sie macht durch Wiederholungen kleine Fortschritte und keine Rückschritte.

            Hunde, die grundsätzlich ängstlich sind - auch solche hatten wir und wurden dann aus ihrer Ausbildung ausgeschieden - werden auch immer Stress haben, da ist klar mehr Erfahrung gefragt. Die müssen schlichtweg aus der Situation herausgenommen werden.

            Gewöhnung und Wiederholung ist trotzdem ein durchaus legitimes Mittel, das man nicht einfach ignorieren sollte.

            Ich finde risalas Rat auch gut.

            Es ist natürlich schwierig auf die Entfernung eine Diagnose abzugeben, wir können ihr nun Ratschläge geben und sie muss selber wissen, ob das auf ihren Hund passt und ob die Anwendung möglich ist.

          • (5) 17.02.14 - 22:04

            Darüber habe ich auch schon einiges gelesen und Infos gesammelt.

            Erfahrung mit Hunden haben wir reichlich, da in unserer Familie Hunde leben solange ich zurückdenken kann. Ich bin mir durchaus bewußt, dass er nie zum Schutzdienst oder als Wachhund taugen wird. Trotzdem hat er einfach eine Chance verdient. Aktuell macht er täglich Fortschritte - heute war er ohne Schleppleine im Garten und ich habe jedes zu mir Rankommen honoriert mit ner Party und Leckerei. Positiv ist, dass er mittlerweile doch eher neugierig zurückhaltend reagiert, wenn wir unterwegs sind. Allerdings leben wir ländlich und waren in eher ruhigeren Ecken unterwegs, wo nur leichter Puplikumsverkehr herrscht. Bin ganz gespannt, wie es weitergeht und bin froh über alle Erfahrungsberichte.

            Über die Herkunft ist leider gar nichts bekannt, Alter wird auf etwa 2 Jahre geschätzt, obwohl seine noch schwach ausgeprägte Muskulatur auch ein Hinweis auf noch ewas jünger sein könnte. Da er ein Fundtier ist, weiß man natürlich nichts über seine Sozialisation. Verdacht des Tierpflegers war, dass es ein Junghund aus einer Showlinie ist, wo Aussehen wichtiger ist als Wesensstärke.

      (6) 17.02.14 - 09:43

      Hi,

      eine echte Bindung aufzubauen dauert manchmal Monate / Jahre... Ganz wichtig ist: solange er unsicher reagiert KEINESFALLS von der Leine lassen - uU kann er nie ohne Leine laufen. Kontrolliere euren Zaun - lass den Hund erstmal nur beaufsichtigt und mit Schleppleine in den Garten, dann siehst Du, wie er reagiert und kann notfalls eingreifen.

      Versteckt sich Dein Hund, reagiert unsicher - übergeh dieses Verhalten, da Du es anstonsten verstärkst / verstärken könntest. Übergehen heisst aber nicht, den Hund einfach hinter sich herzuziehen. Das kann auch einfach heißen: stehen bleiben und gucken lassen. Er darf sich durchaus davon überzeugen, dass nichts schlimmes passiert.

      Wichtig ist auch, den Hund nicht zu überreizen. Stadtgänge würde ich die nächste Zeit noch vermeiden, genauso stark frequentierte Wanderwege. Andererseits natürlich auch nicht unter die Glasglocke packen.

      Helfen kann euch auch eure Hündin, wenn sie solche Situationen souverän meistert.

      Ganz wichtig ist einfach: Zeit habe und geben.

      Gruß
      Kim

      • (7) 17.02.14 - 22:16

        Danke für deine Tipps. Ähnlich handhaben wir es auch - gestern ging es noch mit Schleppleine in den Garten. Da er nicht ängstlich reagierte, sogar sich etwas zum Toben animieren lies und auch immer wieder zu mir kam, hatten wir ihn heute so laufen lassen (im Garten). Er orientierte sich auch an meiner Kleinen, die hört ja super. Hatte mit ihr und dem Dummy gespielt und da ist er mitgelaufen. Aber leider lässt er sich nicht anmieren irgendwelches Spielzeug ins Maul zu nehmen.

        Die Schleppleine ist wieder unser treuer Begleiter, damit er sich wenigstens austoben kann. Da wir Urlaub haben, sind wir nun täglich Stunden in Ruhe und entspannt in der Natur unterwegs. Er findet es toll... Mit jedem Menschen, der uns begegnet, reagiert er etwas weniger. Heute gab es nur noch neugierige Blicke - aber trotzdem Distanz wahrend. Es ist schon erstaunlich, wie rasant er gerade Fortschritte macht. Es ist gerade so, als ob er versucht schnell alles nachzuholen.

        • (8) 18.02.14 - 08:21

          Das hört sich doch schon gut an! Ein zweiter Hund wirkt echt Wunder - haben wir bei unserer Sana auch festgestellt. Sie schauen sich viel ab.

          Das wird schon, wenn ihr Geduld habt und so weiter macht!

    (9) 17.02.14 - 11:22

    Hallo,

    ich habe gerade nicht viel Zeit, aber ich wollte Dir noch schnell folgenden Link ans Herz legen:

    http://cavecani.de/wissenswertes/hund-angst-nie-troesten-ammenmaerchen/

    Es geht zwar um Silvester, ist aber auf jede Situation übertragbar, in der Hunde Angst haben.

    Ich selbst handhabe es so, dass ich mich in Situationen, die unseren Hunden nicht ganz geheuer sind, neben sie hocke und meinen Arm um sie lege, meine Hand liegt dann auf ihrer Schulter, und so mit ihnen beobachte. Körperkontakt und jemand, der selbst keine Angst hat, sind die besten Hilfsmittel, um entspannen zu können und mutiger zu werden.

    Viele Grüße, Alex

    • (10) 17.02.14 - 22:22

      Dankeschön für deinen wertvollen Tipp - intuitiv habe ich auch so gehandelt #hicks also mich nah an den Hund gestellt, Hand angelegt und geschaut, was da so auf uns zukommt

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