Rechtliche Frage zur Kastration bei Hunden

    • (1) 22.02.14 - 11:45

      Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen:
      Mich würde interessieren, ob Vertragsklauseln in Übernahme-/Kaufverträgen von Tierschutzorganisationen/Züchtern rechtswirksam sind, die dem alleinigen Besitzer Vorschreiben bzw Verbieten, den Hund/die Hündin zu kastrieren. Zum Beispiel verpflichten manche Tierschutzorganisationen die Besitzer zur Kastration des Hundes, manche Züchter verbieten im Vertrag, die Hündin zu kastrieren.

      Bitte keine Diskussion bzgl den Sinn einer Kastration, mir gehts hier ausschliesslich darum, ob solche Zusatzklauseln erlaubt sind!
      Vielen Dank, jolaci

      • (2) 22.02.14 - 13:15

        Natürlich sind solche Klauseln erlaubt und auch erwünscht. Und der Vertrag, der abgeschlossen wird, ändert sich ja durch jeden neuen Besitzer.

        Beispiel: Du kaufst einen wertvollen Zuchthund vom Züchter, der Dir eine Kastration untersagt. Du behälst den Hund eine Weile und gibst ihn dann ins Tierheim. Dadurch verlierst Du Deine Eigentumsrechte an dem Hund und trittst sie an das Tierheim ab. Neuer Eigentümer ist das Tierheim, das wiederum selbst über neue Vertragsbedingungen entscheiden kann.

        Tierschutzhunde werden fast ausschließlich kastriert übergeben oder vertraglich zur Kastration verpflichtet. Grundgedanke ist natürlich kontrollierte Zucht, weniger Ups-Würfe und Vermeidung von Geldmacherei durch Vermehrung.

        LG

        • (3) 22.02.14 - 13:36

          Danke für Deine Antwort,

          für mich ist es leider nicht so ganz klar und nachvollziehbar, deshalb frage ich, ob jemand den rechtlichen Hintergrund kennt!
          Eine wertvolle Züchthündin ist nur für den wertvoll, der auch damit züchten will. M.M. hat der Züchter eben nicht das Recht, den Besitzer vorzuschreiben, was sie mit der Hündin machen, ausser sie steht im Doppelbesitz, das ist dann noch mal was anderes.

          Wenn ich Eigentümer einer Sache bin, kann ich doch allein darüber entscheiden, was ich damit mache!
          Blödes Beispiel, aber das Autohaus kann mir doch auch nicht vorschreiben, dass ich mein gekauftes Auto nach zwei Jahren umlackieren muss!
          Wie gesagt, Sinn und Unsinn von Kastration lass ich aussen vor! Mir gehts einfach darum, ob Züchter so in das Eigentumsrecht/Entscheidungsrecht des Besitzers eingreifen dürfen.

          • (4) 22.02.14 - 13:48

            Grad bei der Klausel bzgl. der Tierschutzhunde hab ich nämlich schon mal gehört, dass das angeblich nicht ok sein soll! Kastration ist ja gesetzlich nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt (mediz. Indikation und zur Verhinderung unkontrollierte Vermehrung), und zur Verhinderung der unkontrollierten Vermehrung muss Kastration nicht immer die erste Wahl sein!

          • (5) 22.02.14 - 16:02

            Generell stehe ich auf dem Standpunkt, dass man sich vor der Unterzeichung eines Vertrages darüber im Klaren sein sollte, ob einem die Vertragsklauseln schmecken oder nicht. Und wenn jemand ein Tier unter der Voraussetzung abgibt, dass dieses bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kastrieren ist, und mir das als Vertragspartner nicht gefällt, dann lasse ich das Tier da wo es ist und suche mir einen anderen "Anbieter", mit dem ich mir vertragsmäßig einig werden kann.

            Wenn ein Kauf- bzw. Übernahmevertrag im korrekten Wortlaut abgefasst wird, dann ist eine entsprechende Klausel rechtmäßig. Wobei letztendlich nicht die Kastration eingeklagt werden kann. Wohl aber eine bei Vertragsabschluss vereinbahrte Vertragsstrafe, und wenn die entsprechend hoch angesetzt wird dann werden es sich die meisten Leute überlegen, ob sie dagegen verstoßen werden. LG

            • (6) 22.02.14 - 16:12

              Gehe voll konform mit Dir, dass man sowas nicht unterzeichnet, wenn einem die Klauseln nicht gefallen.
              Nur finde ich halt nix schwarz auf weiss, dass es erlaubt ist, sowas vom Käufer zu verlangen.

              Wie ich hier auch sehe, gehen die Meinungen auseinander, aber es "denkt" halt jeder, und keiner weiß es genau, so wie ich auch.

              • (7) 22.02.14 - 16:25

                Es gibt Gerichtsurteile zu diesem Thema - aber auch da wirst Du keine definitives Ja oder Nein finden. Weil es einfach Auslegungssache ist. Wobei Du speziell bei Tierschutztieren meistens keine Chance haben wirst, dagegen angehen zu können, da die Kastration alleine schon durch die Vermehrungsgefahr gerechtfertigt ist.

                Wenn Du gut (rechtschutz-)versichert bist, könntest Du es drauf ankommen lassen...

                (8) 23.02.14 - 18:37

                in Deutschland herrscht Vertragsfreiheit und da Tiere rechtlich als Sachen zählen sind alle möglichen Klauseln erlaubt wenn sie denn im Einklang mit dem Tierschutzgesetz stehen. gefallen dir die Klauseln bei Verkäufer Eins und Zwei nicht musst du eben das Angebot von Verkäufer Drei oder Vier annehmen.........

      hallo!
      da tiere ja vor dem gesetz als sache gelten, kann ich mir nicht vorstellen das es rechtens ist.
      wenn du z.b. den hund gekauft hast, ist es dein eigentum und bist dafür verantwortlich. ich glaube nicht, das im vertrag so eine klausel rechtens ist. aber es würde doch sowieso keiner kontollieren. außerdem wäre es ja auch möglich, dass eine kastration wegen zb gebärmutterentzündungen medizinisch nötig werden-von dem her schon....

      lg sportskanone

      (10) 22.02.14 - 14:48

      Solche Klauseln sind rechtlich genauso wenig haltbar wie z.B. ein Rückkaufsrecht bei Pferden oder ein Verbot des Weiterverkaufes von Tieren oder ein Schlacht-/Euthanasieverbot (das wäre ja auch das Absurdeste..). Wenn du ein Tier (vor Gestz eine Sache..) erwirbst, bist du befugt, vollständig und unabhängig zu entscheiden, wie du mit dieser "Sache" umgehst.

      Und ich finde, das ist so auch nur gut und richtig. Wenn man etwas verkauft, dann trennt man sich davon, und das muss mit allen Konsequenzen erfolgen, finde ich. Und wenn ich ein Tier kaufe, dann möchte ich auch alle weiteren, anstehenden Entscheidungen treffen können, ohne dass mir Vorbesitzer reinquatschen..!
      Etwas anders stellt sich die Sache dar, wenn du ein Tier nur übernimmst und nicht kaufst, z.B. Beistellpferde oder Pflegehunde. Die bleiben Eigentum ihres Vorbesitzers, der dann wiederum immer noch die Regeln festlegt.

      (11) 22.02.14 - 16:00

      Die meisten solchen Verträge sind rechtlich nicht 100% sicher, aber: da kommt es immer auf den Richter an, den man erwischt.

      Gerade beim Tierschutz gilt diese Klausel mit Kastrationspflicht als sinnvoll und auch die Urteile gehen in diese Richtu
      ng.

      Daher ist Kastration auch zur Vermeidung ungewollten Nachuchses erlaubt, so viele Kreuzdämliche Hundehalter wie da draußen rumlaufen ist das die EINZIGE wirklich 100% sichere Variante um Nachwuchs zu vermeiden.

      Auch wenn Du persönlich sehr verlässlich bist, stell Dir zwei Fälle vor:

      Erster Fall: Dir begegnet ein 70 Kilo-Bernhardiner wenn Du mit Deiner Hündin in der Standhitze draußen bist, die muss schließlich auch mal pieseln - und der Besitzer hilft Dir nicht, sondern steht grinsend daneben. Selber mit dem Rüden kämpfen ist ab einer gewissen Größe einfach zu gefährlich.

      Zweiter Fall: Du bist mit Deinem Rüden auf der Hundewiese wo er natürlich auch mit anderen Hunden spielen darf. Da taucht jemand mit einer Hündin auf und erwähnt mit keinem Ton,d ass die in der Standhitze ist, und bis Du nur recht schaust hängt Dein Rüde auch schon drauf - Trennen unmöglich ohne die Hunde zu verletzen. Der Halter der Hündin sagt "ach ist das schön ich wollte unbedingt Welpen und ihrer ist ja so hübsch"

      In beiden Fällen hast Du KEINE Möglichkeit das zu verhindern. Klar gibt es dann Abtreibungsspritzen, aber die ziehen so oft Gebärmutterentzündungen nach sich,d ass man eigentlich auch gleich die Gebärmutter entfernen lassen kann.

      Die meisten Tierschutzvereine kennen solche Geschichten echt zur Genüge!

      • (12) 22.02.14 - 16:20

        Danke für die Beispiele!
        Klar kann immer was passieren, aber man kann die Gefahr wirklich sehr gering halten! Ich hab diesbezüglich noch keine schlechte Erfahrungen gemacht, kommt natürlich immer auf die Verlässlichkeit der Besitzer und des Lebensumfeldes an!
        Ich bin heute noch dankbar, dass ich meinen TS Hund unkastriert und ohne Vertragsklausel bekommen habe! Die Entscheidung der Kastration wurde uns freigestellt!

        Aber wie geschrieben, ich such verzweifelt nach einer Rechtsgrundlage, ob solche Klauseln erlaubt sind, oder nicht!

        LG, Jolaci

    (14) 22.02.14 - 22:13

    Ich habe mich als Züchter ja auch mit solchen Dingen beschäftigen müssen.

    NEIN solche Klauseln sind nicht verboten, aber sie haben in der Regel rechtlich KEINEN Bestand, sofern die Nichteinhaltung nicht gegen das TSG verstößt.
    Du hast den Hund erworben, und damit geht er in dein Eigentum über, über das du im Rahmen des gängigen TSG verfügen kannst. Das heißt, du kannst kastrieren oder auch nicht, du kannst ihn verkaufen oder behalten...

    ABER, wenn eine solche Klausel im Vertrag steht, und du sie akzeptiert und unterschrieben hast und sie nicht einhältst, dann verstößt du gegen den Vertrag. DAFÜR kann der Verkäufer dich haftbar machen, wenn er darauf im Vertrag hinweist und darauf folgende Sanktionen im Vertrag festgehalten hat, und du die ebenfalls akzeptiert und unterschrieben hast. Unterschreibst du also, dass du den Hund nicht kastrieren lässt, und tust es doch, verstößt du gegen den Vertrag.
    Diese Variante nutzte ich für meine Kaufverträge.

    Alles in allem ist das Ganze jedoch hirnrissig. Du kaufst ein Tier wie eine Sache. Eine Reglementierung in der Nutzung wäre vergleichbar mit dem Kauf eines TV-Gerätes, und der Verkäufer des Fernsehers lässt dich dafür unterschreiben, dass du mit dem Gerät nicht ARD, ZDF, RTL oder was immer gucken darfst. Das ist genau so wenig sinnig und durchsetzbar, wie Kastrationsvorschriften und Rückkaufsrechte bei Tieren.

    Es gibt aber Formulierungen/Verträge, bei denen das TH oder der Züchter der eigentliche Eigentümer bleibt. Man erkennt das nicht gleich im Schriftstück. Dann darfst du nicht ohne weiteres über das Tier verfügen. Sowas unterschreibt man am besten gar nicht erst.

    #winke Ute

    (15) 26.02.14 - 21:08

    Was definitiv nicht haltbar ist sind Kastrationsverpflichtungen. Da die Kastration (ausser aus medizinischen Gründen) ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz darstellt. Kein Vertrag kann dich dazu verpflichten gegen das Gesetz zu verstoßen.

    Es gibt zwar teilweise anderslautende Urteile, aber diese sind entweder vom Amtsgericht (Berufung hätte sich gelohnt), oder älter. Das Tierschutzgesetz wurde in Bezug auf Kastrationen vor einigen Jahren geändert.

    Aber letztenendes ist es alles eine Frage wie streitbar man ist...

    Nach meinen Erfahrungen mit Tierschutzvereinen und dubiosen Schutzverträgen kommt für mich nur noch ein Tier mit KAUFvertrag ohne seltsame Klauseln in Frage. Man lebt so stressfreier.

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