Leinenführigkeit - Leinenruck?

    • (1) 31.03.14 - 20:36

      Hallo an alle,

      wir haben einen eineinhalbjährigen kleinen Mops. Unser Sohn und unser Mops lieben sich und kommen wunderbar miteinander aus. Es ist sehr schön, die beiden gemeinsam aufwachsen zu sehen und es bereichert unser Familienleben ungemein. :-)

      Schwierigkeiten haben wir allerdings an der Leine. Er zieht, was natürlich unser Verschulden ist. Wenn ich mit meinem Sohn im Park unterwegs war (er ist jetzt zweieinhalb), war es oft schwierig, dem Ziehen an der Leine nicht nachzugeben, weil ich ja auch dem Kind hinterher musste. Wir haben das Üben einfach versäumt und er hat gelernt, dass er ans Ziel kommt, wenn er nur genug zieht (und er wollte schon immer meinem Sohn hinterher).

      Also haben wir uns dazu entschieden, mit einer Hundetrainerin zu üben.

      Wir hatten letzte Woche ein Beratungsgespräch, aber irgendwie fühle ich mich unsicher in ihrer vorgeschlagenen Methode.

      Sie erklärte uns, Leinenführigkeit sowohl an der langen Leine (mit Orientierungsübungen, d.h. die Richtung zu wechseln, wenn der Hund zieht. Ziel: der Hund soll lernen, dass wir die Richtung an der Leine angeben und somit eine Orientierung für ihn darstellen) als auch an der kurzen Leine zu üben. An der kurzen Leine schlug sie vor, den Hund zu rucken, wenn seine Aufmerksamkeit von uns abgelenkt wird, er schnüffeln will oder zieht. Nach dem Rucken sollen wir die Richtung wechseln. Wenn er nicht mitkommt, wird noch einmal geruckt.

      Ich weiß nicht, aber irgendwie ist mir diese Methode etwas suspekt. Gibt es erfahrene Hundebesitzer unter euch? Wie kann ich Leinenführigkeit noch üben? Ich wäre dankbar für Tipps, Links oder Videos. Da es so viele Methoden im Internet zu lesen gibt, wollte ich euch mal nach persönlichen Meinungen fragen.

      Danke schonmal!

      • Hallo,

        ich halte gar nichts von solchen Methoden. Vor allem dann nicht, wenn der Hund nie gelernt hat, was man von ihm will und er keine Chance bekommt, es "nett" zu lernen.

        Die reine Leinenführigkeit (also, an lockerer Leine laufen, aber ohne Fuß zu gehen) haben wir über Stehenbleiben trainiert. Sobald unser Hund an der Leine zog, sind wir stehengeblieben und erst weitergegangen, sobald er den Druck selbst weggenommen hat. Am Anfang habe ich ihn schon mal "unterstützt", in dem ich ihn angesprochen habe und er dadurch den Druck weggenommen hat.

        Als wir unseren Hund bekamen, waren unsere Kinder auch noch sehr klein (4 Jahre, 2 Jahre und der Kleine 7 Monate). Da gab es auch durchaus Situationen, in denen ich nicht alle 2m stehen bleiben konnte. Unsere Hunde haben ein Geschirr mit insgesamt drei Ringen - wir haben es dann so gelöst: War die Leine hinten, in dem "typischen Geschirrring", eingehakt, habe ich auch keinen Wert auf Leinenführigkeit und Co. gelegt. Das ist bis heute so, da dort die Leine beim Mantrailing eingehakt wird und der Hund dabei ja schon in der Leine hängt. Hatte ich Zeit, zu üben, wurde die Leine in den Ring zwischen den Schulterblättern eingehakt. Unser Hund hat den Unterschied recht schnell verstanden.

        "Bei Fuß" habe ich dann mit Hilfe des Clickers eingeführt - lief er zufällig bei Fuß kamen in ganz kurzen Abständen ganz viele Clicks und entsprechend viele Leckerchen. Die Abstände zwischen den Clicks wurden größer, dafür wurde das "Bei Fuß" drübergelegt.

        Heute kann er natürlich auch am normal eingehakten Geschirr bei Fuß gehen - die Ansage "Bei Fuß" zählt heute deutlich mehr als die Position der Leine. Aufgrund des Mantrailings mache ich es aber trotzdem nicht - der hintere Ring ist einfach reserviert bei uns.

        Viele Grüße, Alex

        • Naja ich würde es auch mti Stehenbleiben und sitz machen verbinden, immer wenn er zieht. Auch kannst du mit Leckerlis arbeiten.

          Aber Hunde wissen eigentlich recht schnell was man von Ihnen will, deswegen kann man auch ruhig mal mit einem Ruck arbeiten. Man muss halt auch vorsichtig sein, das es dem Hund nicht irgendwann egal ist. Manche Hunde kommen damit prima zurecht, wenn Sie sich erstmal dran gewöhnt haben. :)

          • Ich sehe das anders und werde definitiv niemals über Leinenruck o.ä. arbeiten. Und mit Leckerlies arbeite ich bei unserem Großen nur deshalb ausschließlich, weil ihn Bällchen, Spiele und Co. nicht interessieren - eigentlich bin ich eher ein Freund von bedarfsgerechter Belohnung. Viele Hunde, die sich vom Jagen abrufen lassen, sind mit einem schnellen Bällchenspiel viel besser belohnt als mit einem Leckerchen.

            Ich persönlich würde das Stehenbleiben aber auch nicht mit einem Sitz verbinden - es gibt genug Hunde, die dann ganz schnell die Verhaltenskette "ziehen, stehenbleiben, hinsetzen, weiterziehen" drin haben.;-) Generell achte Ich bei unserem Ridgeback sehr penibel darauf, alles einzeln aufzubauen und nur nach wirklichem Bedarf zusammenzuziehen, da bei ihm ganz schnell Verhaltensketten (auch unerwünschte...) aufgebaut sind. Bei unserem Labrador sieht das wieder anders aus - sie ist da phlegmatischer...;-) Es kommt also sicher auf den Hund an, aber da ich da "vorbelastet" bin, habe ich es mir halt generell angewöhnt, den Aufbau von Verhaltensketten zu vermeiden, wo immer es geht.

        Danke für Deine Antwort!
        Wir hatten auch schon mal versucht mit Geschirr und Halsband zu üben. Geschirr hieß, dass er auch mal ziehen darf. Am Halsband bin ich immer stehen geblieben, wenn er zog, habe ihn zu mir zurück geholt und bin erst dann weiter gelaufen. Nach einer Woche ohne Erfolg haben wir dann aufgegeben. Waren sicher nicht geduldig und konsequent genug.

        Vielleicht versuchen wir es noch einmal so. :-)

    Hallo,

    na ja, alleine wenn der Hund zieht, entsteht schon ein Ruck und wenn du auch noch kurz ziehst, wird der Hund definitiv entgegenhalten und weiter ziehen.

    Ich sag's mal so: hast du einen sehr sensiblen Hund, dann wird ihn dieser Ruck von dir schnell stören/weh tun und er lässt es im besten Fall bleiben.
    Die meisten Hunde sind davon aber unbeeindruckt.

    Ich hab gute Erfahrungen gemacht, wenn ich mich meinem Hund in dem Fall in den Weg stelle und ihn blockiere.
    Wir haben jetzt 2 Jahre den steten Richtungswechsel/stehen bleiben durch, das hatte uns nichts gebracht!

    LG Pechawa

Ich bin der Meinung, das Leinenführigkeit eines der schwersten Hundeübungen (die gaaaaanz viel Konsequenz gefordert) ist, die dennoch mit ganz einfachen Mitteln umgesetzt werden kann.

Ich bin kein Fan der Hau-Ruck Methode aber ich denke man muss gut aufpassen, was für einen Zieher man da am anderen Ende der Leine hat. Grundsätzlich sollte klar sein, dass ein an der Leine laufen für einen Hund ersteinmal vollkommen unnatürlich ist. Egal, ob Welpe, unerzogener Junghund, alter Kettenhund oder ehemaliger Straßenstreuner. Für keinen ist es angenehm oder gar selbstverständlich, sich derart einengen zu lassen.

Daher gehört ein wenig Fingerspitzengefühl, viel Geduld, Freude an der Arbeit und viel Lob dazu, einem Hund die Leine und deren korrekte Handhabung verständlich zu erklären.

Ergo muss ich meinem Hund erklären, warum und wofür er überhaupt an die Leine muss und welche Regeln an selbiger gelten. Die Leine sollte immer positiv für den Hund sein, Anleinen eine Selbstverständlichkeit und dies sollte man sich durch rucken, würgen, zerren oder gar Schlagen mit der Leine nicht verderben. An der Leine sein bedeutet Sicherheit zu haben, beschützt zu sein, keine Entscheidungen treffen zu müssen, sorglos mittraben zu können.

Kennt Dein Hund die Kommandos "Langsam" und "Hier"? Das wäre hilfreich, da Du durch die Worte Aufmerksamkeit bekommst und Dir das Leinen-Rucken sparen kannst.

Läuft der Hund vor kann ich

- ihn rechtzeitig mit einem "Langsam" ausbremsen.

- mit der Hand ans Bein klopfen und aufmunternd "Hier" sagen.

- die Richtung wechseln, dabei ein "Hier" nicht vergessen.

- bevor er zieht (je nach Hund) leicht an der Leine zupfen, nur so, dass er aufmerksam wird.

Verlangsamt er sein Tempo ,bleibt er an Deiner Seite, schaut er Dich an: loben – ruhig und freundlich – ab und zu mit Leckerli.

Zu Anfang das Training abwechslungsreich gestalten. Nicht einfach stundenlang geradeaus laufen. Mal rechts mal links gehen, meist kennt man die „Zeitungsecken“, geht gezielt hin und lässt Hundi schnuffeln. Dann wieder konzentriert ein paar Meter weiter, ein paar Lockerungsübungen, mal zügig und - ganz schwer -, 5 m in Zeitlupe.

Schmeisst er sich dennoch mal in die Leine (wobei ich bei einem „Herrchen !! Da kommt Herrchen, ich muß da hin !!“-Geziehe beide Augen zudrücke), kommentiere ich das mit einem „Hey“ und dezentem Zupfen.

Bleib ruhig, gelassen, sag und zeig ihm deutlich auf was Du hinaus willst, konsequent aber gerecht. Alleine schon in einem ernsten, aber dennoch fröhlichen Ton zu reden bewirkt Wunder, gute Laune steckt an und dann läuft Hundchen doch viel lieber neben Frauchen, als sich auf ein Kräftemessen einzulassen.

Ein Hund der an der Leine zieht schnürt sich selber die Luft ab, das Gehirn wird unterversorgt und schüttet sofort Streßhormone aus, die Haltung (nach vorne, aufrecht) bedeutet für andere Hunde Provokation/Angriff und wird entsprechend kommentiert, der Hund zieht noch mehr, der gestresste Halter wird noch gestresster... der Kreislauf beginnt !

Fazit: Rupfen/Rucken ist ein seeeeehr dehnbarer Begriff. Da solltest Du ein Augenmerk darauf legen, was Deine Trainerin damit meint. Gewaltvolles Rucken ist absolut kontraproduktiv ein dezentes Erinnern mit aufmunternden Worten ist erlaubt.

LG

  • Vielen Dank für diese sehr hilfreiche und ausführliche Antwort!
    Die Trainerin betonte schon, dass ich ruhig kräftig rucken soll, wenn er beim ersten Rucken nicht reagiert und hat das auch vorgeführt. Sie sagte aber auch, dass sie nicht so sehr mit positiver Belohnung oder Bestärkung arbeitet. Auch riet sie uns, den Hund zu zwicken, wenn er an der leine andere Hunde anbellt. Sie sagte, das sei hündisch.

    Ich glaube, dass ihre Methoden auch effizient sind, aber man muss schon der Typ dafür sein.

    An der kurzen Leine sollten wir auch nicht mit dem Hund reden (also auch kein Lob).

    Ich versuche es mal so wie du es beschrieben hast. :-)

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