Hund schnappt - wie richtig reagieren?

    • (1) 29.06.14 - 09:44

      Hallo an alle erfahrenen Hundebesitzer, #hund

      mein Schwager und seine Familie haben sich vor ca. 2 Monaten einen Golden Retriever (ca. 1,5 Jahre alt) geholt. Die Herkunft des Hundes ist etwas nebulös. Angeblich ist er ein "Scheidungshund" gewesen aber dann hört man wieder, dass er irgendwo aus Jugoslawien oder Kroatien kam und hier eine zeitlang in einer Pflegefamilie lebte, zwecks Weitervermittlung. #kratz Der Hund ist übrigens auch kastriert. Ich tendiere fast dazu zu sagen, dass er wahrscheinlich doch eher ein Straßenhund war, denn er schlingt sein Futter (was ja für STraßenhunde sehr typisch ist), ist immer hungrig und er reagiert sehr extrem auf kleine Lieferwagen. Soviel zu den Hintergründen.

      Nun zu meinem Problem:
      Wenn wir zu Besuch sind und ins Haus wollen, dann schnappt er sofort nach den Handgelenken, obwohl man ihn begrüßt und streicheln will und springt an einem hoch. Neulich hab ich meine Nichte und den Hund unterwegs getroffen, hab bisschen mit ihr geredet und plötzlich springt er auf und will ins Gesicht schnappen und in die Hände. Einfach so. Meine Nichte konnte den HUnd gerade noch an der Leine zurückziehen.

      Ich muss sagen, mittlerweile mag ich den Hund nicht mehr,(obwohl ich ansonsten absoluter Hundefan bin) hab sehr gemischte Gefühle, wenn ich ihm begegne und würde am liebsten jeden Körperkontakt zu ihm vermeiden und versuche ihn zu ignorieren, damit er mich gar nicht erst wahrnimmt. Er schnappt übrigens nicht nur nach mir. Ich habs auch schon bei anderen gesehen z.B. Schwiegervater (obwohl der oft mit ihm rausgeht und spielt)

      Es sei gesagt, dass mein Schwager mit ihm zur HUndeschule geht.

      Ich hab keine Ahnung wie ich mich gegenüber dem HUnd richtig verhalte. Kennt das jemand und weiß, was da eventuell dahintersteckt? Oder hat jemand Tips, zwecks Erziehung, die ich weitergeben kann? Ich würde den Hund nämlich gern mögen. Aber ehrlich gesagt, entwickelt sich derzeit bei mir ein bisschen ANgst, was ja leider auch nicht gerade förderlich ist. #augen

      LG und vielen Dank für eure Hilfe!

      #winke

      • Guten Morgen,

        also da dein Schwager mit ihm ja schon in die Hundeschule geht ist er da auf dem richtigen Weg, er sollte es auf jedenfall dort auch sagen damit an genau diesem Problem gearbeitet werden kann.
        Zum schnappen selber kann man aufgrund eines Forumeintrags nicht vernünftig Antworten, da es für das Schnappen vielerlei Gründe gibt die man erst in Kombination mit Situation, Körpersprache von Hund und Mensch etc. richtig beurteilen kann, und je nach dem Grund sollte man da auch auf ganz unterschiedlichen Wegen daran arbeiten. (Es kann Angstschnappen sein, es kann sein dass er sein Rudel / Familie verteidigen möchte etc.... da gibt es viele Gründe.)
        An deiner Stelle würde ich mit deinem Schwager und dessen Familie reden dass du aufgrund des Verhaltens von dem Hund Angst von ihm bekommst und sie ihn doch bitte in ein anderes Zimmer bringen sollen oder etwas von dir weg halten wenn du zu Besuch kommst. Ist sich dein Schwager sicher dass er nicht mehr schnappt nach diversem Übungen in der Hundeschule bist du bereit einen neuen Versuch zu wagen.

        Liebe Grüße und viel Erfolg beim "Hund hinbiegen". Das wird schon, braucht nur Geduld...

        Mimi

        • Hallo!
          Vielen Dank für deine Antwort. Ja, ich hatte schon befürchtet, dass man so pauschal nicht sagen kann, was mit dem Hund los ist und was man da machen kann. Ich werde meinen Schwager auf jeden Fall bitten, das bei der Hundeschule anzusprechen. Momentan hab ich allerdings den Eindruck (vom Erzählen her) dass da eher Sitz, Platz, Bleib und bei Fuß gehen geübt wird. Ich glaube auch ehrlich gesagt manchmal, dass mein Schwager die Problematik des Schnappens gar nicht als solche wahrnimmt. Denn effektiv beißen tut er nicht und wenn er dann das Handgelenk mal erwischt, dann trägt man ja auch keine Verletzungen davon. (unangenehm ist es trotzdem und für mich hat das auch nix mit Spielen zu tun, und im Gesicht hat er mich zum Glück bisher noch nie erwischt #zitter)

          Hund wegsperren wäre zwar ne Alternative, aber das will er nicht. Waren letzte Woche zum Geburtstag beim Neffen und da war der Hund die ganz Zeit dabei. (für mich ok, ich versuche halt tatsächlich so wenig wie möglich mit ihm in Kontakt zu kommen. Aber beim Ankommen steht der Hund halt auch in der Tür und "begrüßt" Neuankömmlinge mit freudigem Schnappen. #aerger Und da ich meine 2-jährige Tochter dabei hatte, versuche ich in den Fällen natürlich dann schon lieber, den Hund auf jeden Fall von der Kleinen abzulenken und lieber mich als "Zielscheibe" zu präsentieren. Weil ich natürlich zum einen vermeiden will, dass er der Kleinen im Übereifer weh tut, was zum Glück noch nie passiert ist und zum anderen will ich nicht, dass sie irgendwann mal Angst vor Hunden entwickelt) Jedenfalls kam später dann noch weiterer Besuch (unter anderem eine Frau, die im 5. Monat schwanger ist) und da hat der Hund sich auch wieder übereifrig aufgeführt und da wurde er weggesperrt. Aber mein Schwager hat direkt gesagt, dass er das eigentlich nicht möchte, denn der Hund soll schließlich nicht immer weggesperrt werden sondern lieber lernen, sich zu benehmen. Naja, so unrecht hat er damit ja nicht. Ist ne blöde Situation.

          Ich werde ihn aber auf jeden Fall darauf ansprechen, dass er in der Hundeschule auf die Schnapperei eingeht. Denn das seh ich persönlich als das größte Problem an. Schließlich soll der Hund ein Familienhund werden. Vor dem niemand Angst haben muss.

          Bin gespannt was draus wird. Danke dir! #winke

          • Gerne, ansonsten probiere es wirklich mal aus wie in der Nachricht nach meiner Beschrieben, den Hund absolut ignorieren.
            Ich versteh auch deinen Schwager das der Hund dabei sein soll, sehe ich persönlich genauso. Wenn bei mir zu Hause allerdings Besuch kommt der Angst vor Hunden hat (hab da auch so eine Freundin...) müssen meine 3 in der Zeit auch im Schlafzimmer warten.
            Ich glaube es ist wichtig dass du deinem Schwager verdeutlichst dass die "Schnapperei" (evtl. ja auch nur im Spiel) von anderen als "Bedrohung" angesehen wird, woran er arbeiten sollte....
            Und ja, in der Hundeschule wird in erster Linie am Grundgehorsam geübt, außer man sagt natürlich dass es dieses und jenes Problem gibt, je nach Situation wird da ein vernünftiger Trainer auch Einzelstunden anbieten da dass ja nicht das Problem der Gruppe ist ;-)

      Hallo!

      Naja für so einen jungen Hund hat das Tier ja offenbar schon einiges durch gemacht. Retriever neigen übrigens immer dazu ihr Futter förmlich zu inhalieren, so schnell ist das weg, und Hunger und Übergewicht sind Rassetypisch, das kann durch eine schlimme Vorgeschichte natürlich noch verstärkt werden.

      Was Du tun kannst: dreh dem Hund den Rücken zu, zeig ihm die kalte Schulter. NICHT anschauen, NICHT begrüßen oder streicheln, weg schauen, weg drehen. Probier das mal und schau wie er reagiert.

      Ich vermute mal, dass er einfach denkt, er ist der Mittelpunkt, alle sollen mit ihm spielen, toben und ihn streicheln, und sobald Du dann mehr mit Deiner Nichte redest als mit ihm will er unbedingt Deine Aufmerksamkeit erreichen. Einfach Respektlos und Rüpelhaft, aber nicht böse. Könnte das in die Richtung gehen?

      • Hallo hasipferdi,

        ja das könnte durchaus sein. Da es auch im Spiel vorkommt, denke ich auch eher, dass er rüpelhaft ist (vielleicht auch zu früh von der Mutter getrennt und daher die "Grundregeln" von Mama nicht gelernt), nicht boshaft. Aber es ist halt unschön, weil er ja auch nicht gerade klein ist. Und wenn er dann in Richtung Gesicht springt und schnappt, dann könnte das u.U. eher zu Verletzungen führen, als wenn er "nur" ins Handgelnk schnappt.

        Ich werde es auf jeden Fall probieren. Ich versuche ja jetzt schon, ihn einfach zu ignorieren. Das wird aber zunehmend schwer, wenn gleich die halbe Family um den Hund und meine Kleine rumsteht und sie dazu bringen wollen, den Hund zu sttreicheln. Da kann ich ihn nicht ignorieren, da ich dann doch lieber ein Auge auf Hund UND Kind habe. #auge

        Übergewichtig ist er übrigens (noch) nicht. Finde ihn sogar eher klein. Man könnte ihn eher für ne Hündin als für nen Rüden halten.

        Ich werde aber definitiv meinen Schwager bitten, die Problematik bei der Hundeschule anzusprechen. Und sei es auch nur, um Tips zu kriegen, wie man das unerwünschte Verhalten aus dem Hund herausbekommt.

        Vielen lieben Dank!

        #winke

        • Hallo!

          Wenn er zu klein ist hat er wahrscheinlich in den entscheidenden Monaten des Wachstums zu wenig bekommen, kann sein, dass er immer ein bisschen kleiner bleibt.

          Mach Deinem Schwager wirklich klar, dass JETZT der richtige Zeitpunkt ist dieses Rüpelverhalten anzugehen. Der Hund hatte genug Zeit in der neuen Familie anzukommen, und bevor er sich solche Unarten richtig angewöhnt kann man noch am mesten dagegen machen - wenn er das erst mal 2 Jahre so durch ziehen durfte wird es schwieriger das nochmal in den griff zu bekommen.

          Am besten mit Einzelstunden mit dem Hundetrainer und ein paar eingeweihten Besuchern, die die nötige Konsequenz beherrschen den Hund wirklich zu ignorieren. Da wärst Du natürlich toll als Trainingsbesuch, weil es ja in Deinem Sinne ist, wenn das zukünftig besser klappt.

          So ein Rüpelverhalten bei Besuchern ist für Hundehalter einfach auch ganz schwer abzuerziehen, weil es in der Situation entscheidend drauf ankommt, wie die Besucher sich verhalten - und da gibt es einfach zu viele die den Hund dann eben anspringen und beißen lassen oder gar dieses verhalten noch mit Zuwendung belohnen.

    Für mich klingt das nach einem distanzlosen und recht unerzogenen aber definitiv nicht bösartigen Verhalten.

    Typisch für einen 1,5 Jahre alten Hund, der noch wenig Positives im Leben erfahren hat und wenig Konsequenz und Führung durch seine Menschen erleben durfte. Aber das Gute an der Sache ist, dass man das ganz wunderbar durch eine gute Hundeschule in den Griff bekommen kann.

    Ganz typisch für so ein respektloses Verhalten ist die nicht vorhandene Beißhemmung - die aber auf keinen Fall bösartig ist sondern lediglich unter "Unverschämtheit" verstanden werden sollte. Ich persönlich liebe ja solche Hunde, weil man denen soooo wunderbar einfach beibringen kann, wie ein anständiger Junghund alttagsauglich wird.

    Du solltest diesen Hund bestenfalls ignorieren. Es ist nicht Deine Aufgabe, ihn zu erziehen, dass müssen die Besitzer tun. Wenn er wieder nach den Handgelenken schnappt, wird er mit einem strengen "Lass das" weggeschoben. Ruhig mit einer konsequenten aber nicht gewaltvollen Strenge.

    Stell Dir einfach vor, Du gehst einkaufen und ein wildfremder Mensch drängelt sich an der Kasse vor. Ist nicht lebensbedrohlich oder gar gefährlich - aber eben unverschämt. Dem würdest Du doch wahrscheinlich auch kurz eine Ansage reinreichen, oder? Kurz, straight und ohne viel Zipp und Zapp. Klare Worte mit eindeutiger Körpersprache wirken oft Wunder - und ganz besonders bei Hunden.

    • Vielen lieben Dank auch für deine Antwort!
      Nein, keine Sorge, ich halte den Hund keinesfalls für bösartig. Ich finde es auch toll, dass er nach der vermutlich schweren Zeit, die er schon hat durchmachen müssen, nun endlich eine richtige Familie gefunden zu haben.

      Ich versuche nun definitiv dem Hund keine Beachtung zu schenken.

      Und ich werde meinen Schwager bitten, bei der Hundeschule zu fragen, was er gegen die Schnapperei tun kann.

      #winke

(10) 29.06.14 - 16:03

Hallo #winke

Wir haben einen 12 Wochen alten Golden Retriever ;-).
Vieles kann sein, nichts muß!

Sam hatte 11 Wurfgeschwister.
Im Fressen hat er ein weltmeisterliches Tempo drauf.
Das ist, so habe ich mir sagen lassen (wurde hier ja auch schon erwähnt) rassetypisch :-p.

Diese "Anwandlungen", die du hier aufgeführt hast, hat unser Goldie auch.
Natürlich ist er noch viel, viel kleiner, aber er kam ja auch nicht fertig erzogen auf diese Welt. (Schön wär's :-D).
Nein Spaß bei Seite... ich bin total begeistert, wie lernfähig und leicht erziehbar diese Rasse ist. Da war es bei unserer Terrier Hündin doch eine sehr große Herausforderung.

Der Gang zur Hundeschule ist schon mal der richtige Weg.
Sam macht das mit dem Anspringen auch, besonders gerne bei unseren Kindern.
Wir lassen ihm das nicht durchgehen.
Bei mir hat er es völlig aufgegeben, bei den restlichen Familienmitgliedern geht es jetzt auch ganz gut.

Dieses auf einen zugerannt kommen und umherspringen, beachten wir nicht, d.h. wir drehen uns einfach um.
Daran muß sich einfach jeder halten.
Wenn Besuch kommt, ist das natürlich toll. Da kommen Leute, die er nicht jeden Tag sieht. Zudem finden sie ihn total putzig und wollen knuddeln.
Hier finde ich das Abruftraining vorteilhaft.
Es ist wichtig, das der Hund sich aus jeder Situation abrufen lässt.
Und so lange bei mir ist, wie ich das möchte!
Das funktioniert sogar bei Sam schon ganz gut.
(abrufen sowieso, den Blickkontakt mit MIR halten geht auch jeden Tag ein Stück länger).

Das wird #pro#winke

Viele Grüße

Hundeschule mit Trainer der Erfahrung mit solchen Problemen hat.

Und ihr, Konsequenz. Wenn du merkst er will schnappen oder springen sofort abwehren und unterbinden bevor er es machen kann. Bzw der Besitzer muß eingreifen.
Ob er nun Straßenhund war oder einfach keine Erziehung genossen hat, vielleicht auch zu früh von Mama und Geschwistern getrennt und daher kein adäquates Sozialverhalten gelernt...
Das Futterschlingen ist für die Rasse ziemlich normal, das heißt nichts. Goldies sind da ähnlich wie Labbis, die inhalieren ihr Futter (unser Hund würde verhungern wenn der meiner Schwägerin dauerhaft hier wäre. Ehe unserer 3 Brocken intus hat hätte der andere beide Näpfe leer, Labbi gegen Mischling der wirklich jeden Bissen kaut)

Unsere nachbarn haben seit kurzem einen Hund aus Marokko. Mädel, ca Kniehoch, sehr quirlig. Mit anderen Hunden sehr wild im Spiel. Aber ihr hat nie ein Mensch bei gebracht das sie mit 2Beinern nicht so spielen kann. Sprich wenn ich den Stock habe rempelt sie mich genau so an und versucht auf biegen und brechen diesen Stock zu bekommen wie sie es mit unserem Hund macht. Ok, ich weiß das nach dem 1. mal und bremse sie aus und beende das Spiel wenn sie es doch macht. Das weiß sie jetzt schon, kommt sie angeflogen reicht es scharf STOPP zu sagen und sie fest an zu sehen und sie bremst ab, nur doof wenn sie von hinten kommt und man es zu spät mitbekommt weil die ist echt schnell. Ich denke das sie in Marokko schon gelernt hat das die 2 Beiner bestimmen aber das ihre Besitzer ihr viel haben durchgehen lassen. Sie kommt wenn man sie ruft, sie macht sitz und platz usw. Aber scheinbar hat nie jemand sie beim Spiel in die Schranken gewiesen.

Und die Kinder dürfen sie streicheln, ihr Leckerlie geben. Aber nicht spielen (meine 2 sind 7 und 5 und selber kaum schwerer als die Hündin, die würde sie glatt niedermähen bei dem provozierenden Spielstiel den sie hat).

Hallo an alle, die geantwortet haben.
Vielen Dank nochmal für die vielen Antworten. Ok, ich wußte nicht, dass Goldies ihr Futter generell inhalieren, wie hier jemand so schön gesagt hat. #rofl. Und gut zu wissen, dass er wohl wirklich einfach "nur" kein Benehmen hat.

Also ich werde es tatsächlich so machen, dass ich den Hund nicht beachte. Habe leider in der Familie mitbekommen, dass eben jeder den Hund zuerst begrüßt. Also so viel hab ich in Hundeerziehung schon mitnbekommen, dass es das Falscheste ist, was man machen kann, denn somit lernt das Tier nicht, welche Rangfolge er im "Rudel" einzunehmen hat. Da bringt es wahrscheinlich leider wenig, wenn nur ich ihn ignoriere. Nun ja, dann versuche ich einfach mal ein wenig auf den Rest der Familie einzuwirken.

Liebe Grüße an alle und einen schönen Restsonntag!

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