Warum werden manche Pferderassen oft nicht kastriert ?

    • (1) 16.02.15 - 11:41

      Hallo,

      ich stöbere gerne in Pferdrverkaufsanzeigen und mir kommt es so vor, als ob viele P.R.E. Pferde ( auch die reinen Freizeitpferde ) als Hengste verkauft Werden. Auch in der spanischen Hochreitschule kommen ausschließlich Lipizzanerhengste zum Einsatz.
      Nun sind Hengste ja oft im Umgang und Haltung komplizierter als Wallache und Stuten.
      Bei anderen Rassen werden im Verhältnis viel weniger Hengste verkauft.
      Kann mir das jemand erklären? Gibt es Rassen, die, obwohl sie nicht gelegt sind, trotzdem wenig Hengstmanieren an den Tag legen?

      Bringen Hengste im Dressursport bessere Leistungen?

      Eigentlich fällt es mir aber hauptsächlich bei den P.R.E.s auf, da werden teilweise 10 auch ältere Hengste als superlieb und anfängertauglich angeboten. Viele Grüße

      • (2) 16.02.15 - 12:29

        Hallo,

        Ich denke mir, dass bei den P.R.E. das Temperament erwünscht ist... Auch der rassetypische Hals bildet sich bei früher Kastration nicht so stark aus. Ich habe aber in meiner Reitlaufbahn auch schon verschiedene Hengste gepflegt und geritten und ich kann nicht sagen, dass diese Pferde schlechter zu handhaben waren, als die kastrierten oder die Stuten. Wenn man sie artgerecht hält, sind keine Unterschiede bemerkbar. "Meine" Hengste hatten Koppelgang, Deckakte (es waren Zuchthengste) und Bewegung mit oder ohne Reiter. Es waren alles umgängliche Tiere. Ich kann nicht verstehen, warum in vielen Köpfen die Angst vor Hengsten festgenagelt ist. Stuten können genauso schwierig sein, wenn man sie einsperrt, keine Impulse bietet und sie nicht Pferd sein lässt, von daher...

        • Hmm, okay, dass sich das Aussehen anders entwickelt und Hengste oftmals schöner, imposanter, was auch immer wirken, kann ich als Grund nachvollziehen. Aber ist das dsnn nicht bei jeder Rasse so? Ich muss zugeben, dass ich auch das Bild vom schwierigen Hengst vor mir habe.

          Findest du, man kann auch Kinder und Anfänger auf Hengsten reiten lassen( vorausgesetzt das Verhalten passt€)? Was ist denn, wenn eine rossige Stute in der Nähe ist? Besteht dann nicht bei jedem Hengst die Gefahr, dass er nicht mehr zu kontrollieren ist? Oder kann man das komplett mit der von dir beschriebenen Auslastung kompensieren ?

          • (4) 16.02.15 - 15:09

            Die Anfängertauglichkeit hängt doch sehr vom einzelnen Tier ab und nicht in erster Linie vom Geschlecht. Mein erster Hengst, den ich pflegte und ritt, war 3-jährig und ich erst 13. Ich war also noch ein Kind und auch noch nicht der erfahrenste Reiter. Das Tier wurde in einer Hengst-/Wallach-Gruppe gehalten und war total brav. Ein anderer Hengst aus der selben Gruppe, den traute ich mir nicht zu zu reiten, der sprudelte regelrecht vor Temperament. Später besaß ich eine Stute, die unberechenbar sein konnte und daher nicht als echtes Anfängerpferd taugte. Dagegen war sie auf dem Platz mit Kindern total brav...usw. Ich könnte wohl von unzähligen Pferden berichten, was sie so anstellten usw. und ich muss sagen: es gab keinen Zusammenhang mit dem Geschlecht. Ich hatte schon einen unberechenbaren Kaltblutwallach und eine brave Warmblutstute....Es gibt bei einem Fluchttier wie dem Pferd einfach keine Garantie und auch ein Anfängerpferd mit einem Anfänger sollte von einer erfahrenen Person begleitet werden, damit alle Beteiligten ihre Freude am Sport haben können.

      Ich hab früher auch Hengste geritten und muss sagen, dass ich gerne mit ihnen umgegangen bin. Das a und o ist Auslastung und eine gute Erziehung. Ein Hengst braucht klare Grenzen und ist als "Kuschelpferd" in meinen Augen nicht geeignet. Ich habe also auch nur gute Hengsterfahrungen gemacht.

      Als Kinder- und Anfängerpferd würde ich doch eher nein sagen, zum handling gehört dann doch einiges an Erfahrung.

      • So habe ich das auch immer gesehen, wenn man als Anfänger ein Pferd kaufen will, dann doch lieber einen Wallach als einen Hengst. Aber in den Anzeigen die ich so durchlese sind halt schon viele PRE Pferd die über lange Zeit angeboten werden und eben oftmals als absolute Verlasspferde und kinder- oder anfängertauglich. Darum habe oh mich gefragt, ob es bei diesen Rassen, warum auch immer, weniger notwendig ist sie zu kastrieren, vielleicht sind die tatsächlich viel umgänglicher als andere Rassehengste.
        Grundsätzlich ist es doch aber einfacher einen tollen Freizeitwallach an den Mann zu bringen?

        • Ich kenne mich auf dem aktuellen Pferdemarkt überhaupt nicht aus - aber ich schätze mal, dass Hengste mehr einbringen und auch viel Prestigedenken dahinter steckt.

          • Einen Zusammenhang zwischen Preis und Geschlecht konnte ich bisher nicht feststellen. Die Pferde liegen allgemein so zwischen 3000( roh) und 15000€.

            Kathyys Erkältung scheint mir aber logisch.

    Hallo!
    Hengste im Sport KÖNNEN bessere Leistungen bringen, müssen es aber nicht zwingend. Ich kenne einige Hengste, die erst nach ihrer (späten) Kastration im Sport richtig gut geworden sind. An Ausdruck bringen sie bestimmt eine ganze Menge mehr von Hause aus mit, zumindest sieht man es ja doch meist auf den 1. Blick, wenn ein Hengst in die Bahn kommt, er ist einfach "da", präsenter.
    P.R.E.´s kommen tatsächlich öfter als Hengste auf den Markt, einfach weil sie in Spanien seltener kastriert werden als in Deutschland und daher als Hengste importiert werden.
    Ich habe in meiner bald 30-jährigen Pferdekarriere mit vielen Hengsten zu tun gehabt und viele geritten und ich persönlich gehen lieber mit einem Hengst um als mit einer Stute. Hengste sind geradliniger. Man muss allerdings immer selber 100%ig anwesend sein und darf sich keine Nachlässigkeiten erlauben, das verzeihen Hengste seltener, finde ich.

    Und natürlich ist die Haltung eines Hengstes, zumindest, wenn sie artgerecht passieren soll, IMMER aufwändiger als die einer Stute oder eines Wallachs. Viele Reitställe nehmen gar keine Hengste als Einsteller auf! Ich persönlich kann auch der Hengsthaltung als reine REITpferde nichts abgewinnen, ich denke, artgerecht ist nur die Hengsthaltung, wenn er als Deckhengst oder in Kombi (Reitsport + Deckgeschäft) gehalten werden kann.

    Und zu guter letzt: auf gar keinen Fall gehört ein Hengst in die Hände von Kindern oder Anfängern, egal, wie lieb und brav oder "anfängertauglich" er ist. Zumindest nicht ohne Aufsichtsperson, die unmittelbar eingreifen kann.

    • (10) 16.02.15 - 14:55

      Okay, in Spanien wird seltener kastriert, das wäre mal eine Erklärung für die vielen Hengste auf dem Markt. PRE Stuten findet man auch nicht so oft, verbleiben die dann zur Zucht in Spanien ?
      Da fällt mir grade ein Urlaub in Tunesien ein, den ich als Kind mit meinen Eltern gemacht habe. Das Hotel hatte einen Reitstall mit ca 30
      Pferden, davon eine Stute und ein Wallach, der Rest waren Hengste. Die Pferde wurden alle für Ausritte für die Touristen, auch Kinder und Anfänger genommen. Vielleicht weiß man in Ländern, in denen traditionell her nicht kastriert wird besser mit Hengsten und deren Haltung umzugehen.

(11) 16.02.15 - 15:24

Hi,

in vielen Ländern ist Hengsthaltung absolut normal (ob diese dann gut ist, steht auf einem anderen Blatt) und deshalb kommen diese Pferde (P.R.E. / Lusitano / Andalusier etc.) dann oftmals unkastriert nach Deutschland. Auch haben Züchter in Deutschland oftmals bessere Haltungsmöglichkeiten für Hengste und kastrieren deshalb nicht oder nur auf Wunsch.

Ich kenne viele Hengste, die oftmals händelbarer und angenehmer im Umgang sind als Wallache oder Stuten. Vielleicht liegt es an der konsequenteren Erziehung, weil Hengste eher dazu tendieren Grenzen zu testen? Ich weiß es nicht.

Ich hatte selbst 4 Jahre lang einen Shagya-Hengst (selbstgezogen). Gandhi war immer absolut unproblematisch und selbst unser Sohn, der bei Gandhi Geburt gerade mal 4,5 Jahre alt war, konnte ihn problemlos putzen und führen (später natürlich und unter ständiger Aufsicht). Ich selbst hätte ihn nicht legen lassen, weil ich perfekte Bedingungen für die Hengsthaltung hatte (Herde/Offenstall/Weide) und das Risiko der OP bei so einem unproblematischen Hengst nicht eingegangen wäre.

Gandhis Vater war genauso leichtführig - auch als gestandener Deckhengst direkt neben Stuten. Mein Sohn hat mit 3,5 Jahren auf ihm voltigiert...

ABER: als ich Gandhi vierjährig verkaufte wurde er noch bei mir im Stall gelegt, weil die neue Besitzerin einfach keinen artgerechten Platz für einen Hengst finden konnte. Viele Ställe lehnen Hengste per se ab.

Ob sie bessere Leistungen im Sport bringen? Ich weiß es nicht. Ich denke, das hängt einfach sehr vom Pferd ab - wie bei jedem Wallach, jeder Stute auch.

Ein Hengst, der total unter Strom steht, wenn er Stuten sieht oder andere Hengste wird sicherlich weniger Leistung bringen können, als Hengste, die mit diesen Situationen entspannt umgehen können.

Gruß
Kim

  • (12) 16.02.15 - 15:45

    Wie du ja sagst, Hengsthaltung erfordert andere Voraussetzungen als die von Wallachen und Stuten. Ich denke viele Freizeitreiter hierzulande können diese nicht gewährleisten.

    Dein Pferd war ja dann bei der Kastration schon recht alt, wird das normalerweise nicht früher gemacht? Meine Freundin hat auch einen spät gelegten Wallach, aber wenn ihre Stute rossig ist, wird der er ganz wuschig. Auch hat er recht viel Testosteron im Blut, was laut Tierarzt der späten Kastration geschuldet ist.

    Was mich immer noch interessien würde: warum werden in der Hofreitschule in Wien nur Hengste ausbildet? Weißt du das ?

    • (13) 16.02.15 - 17:15

      Hi,

      Gandhi war 4 als er gelegt wurde. Früher wäre bei ihm zu früh gewesen von der körperlichen Entwicklung her. Und ich kenne viele, die ihre Fohlen/Jungpferde erst dann legen lassen, wenn es die Haltungsbedingungen erfordern. Ein zu spät gibt es aus meiner Sicht nicht - nur ein zu früh.

      Gandhi ist bis heute ein absolut problemloses Pferd. Stuten haben ihn schon zu Hengstzeiten nicht interessiert. Außer, als mit etwa 8 Monaten die Hormone anfingen "einzuschießen" - deshalb wurde er dann doch auch mit 9 Monaten abgesetzt. eigentlich sollte er länger bei seiner Mutter bleiben, aber das Risiko war mir damit dann zu groß.

      Es gibt einfach Pferde, genau wie Rüden, die müssen nicht gedeckt haben oder spät kastriert worden sein, um zu wissen, was man mit rossigen Stuten oder läufigen Hündinnen anstellt... unser Rüde, mit 6 Monaten früh kastriert, reagiert auf JEDE läufige Hündin...

      Testosteron ist nichts schlechtes - es sorgt für männliche Austrahlung etc.

      In der Wiener Hofreitschule werden zum einen aus Tradiotion nur Hengste ausgebildet.

      Andere Gründe hat das nicht. Wobei ich es auch sinnvoll finde, einen Stall voller Hengste Stutenfrei zu halten. Und es gibt einfach keinen Grund, die Hengste dort zu kastrieren. Lippizaner sind sehr spätreife Pferde und oft erst im Alter von 10-12 Jahren (oft noch später) "fertig" mit der Ausbildung. Und sie sind oft mit über 20 noch fit und gehen die Vorführungen mit.

      Gruß
      Kim

(14) 21.02.15 - 10:01

Hallo,

In Spanien werden Hengste im Allgemeinen seltener kastriert. Eigentlich nur, wenn sie sehr dominant und schwer führbar sind. Daher sollte man in Deutschland eher aufpassen, wenn Wallache ausSpanien importiert und verkauft werden sollen. Durch die kastration hört zwar relativ schnell das hormongesteuerte Verhalten auf, aber Dominanz und gewisse Unarten bleiben
Lg

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