Hundeerziehung wirklich ausschliesslich durch positive Bestärkung?

    • (1) 19.06.15 - 18:20

      Hallo,

      ich stelle diese Frage jetzt nicht aus einer bestimmten Situation herraus ( meine Hündin ist eine ganz Liebe wenn man vom zerren an der Leine mal absieht :-). Ich wüsste nur gerne, ob ihr eure Hunde wirklich nur mit positiver Bestärkung erzogen habt, ganz ohne schimpfen oder " Strafen".

      Liegt es wirklich in der Natur des Hundes, dass er so am besten lernt? Hunde untereinander sind da ja nicht so zimperlich. Der Hund einer bekannten hat meine kleine schon Mal gezwickt, weil er gerade keine Lust auf spielen hatte. Und ich glaube auch nicht, dass irgend ein Hund einen anderen durch blosses ignorieren ermahnt.
      Nicht falsch verstehen, ich bin absolut gegen Gewalt oder Schläge. Aber sollte man dem H und nicht in gewiser Weise auch körperlich die Grenzen zeigen.

      Mein Stiefsohn ist neun, und wird gerne von der Kleinen gezwickt. Und wenn er keine Lust zum spielen hat, schubst er sie auch sc hon mal zur Seite. Ob ich das tolerieren soll, weiss ich nicht,

      Auch bei anderen Dingen wie anspringen etc, frage ich mich ob man das wirklich alles ganz ohne Strafen und nur mit positiver Bestärkung in den Griff bekommt.

      Meine Hundetrainerin lehrt das so,, allerdings muss ich sagen, dass viele Hunde die ich dort kennengelernt habe auch nach langer Zeit in der Schule schlecht bis gar nicht hören. Liegt das dann daran, dass die Herrchen nicht genung trainieren oder ist die Methode vielleicht doch nicht ganz so effektiv.

      Über eure Meinung und Erfahrungen würde ich mich freuen.

      • Ignorieren ist eine Strafe, die der Hund sehr gut versteht, solange sie klar und deutlich vom Menschen gehandhabt wird. Timing ist da das Stichwort.

        Strafe ist es auch, einen Hund zu maßregeln. Wenn er anspringt, darf er gerne ins gehobene Knie donnern, was unangenehm ist. Wenn er respektlos ist, darf er gerne weggeschubst werden. Wenn er an der Leine zieht, darf er gerne ausgebremst werden und muss die Richtung wechseln oder mal stillstehen.

        Je nach "Straftat" des Hundes folgt eine Maßregelung durch den Menschen. Oft werden ja auch erfolgreich die berühmten Wasserflaschen oder Rüttelflaschen verwendet, die (dosiert und unter fachmännischer Aufsicht verwendet) wahre Wunder bewirken können. Sie sind nichts weiter als eine Traumatisierung, die durch eine Alternativhandlung überwunden wird.

        Positives Verhalten wirkt verstärkt, negatives Verhalten wird unterbunden.

        Früher lief die klassische Hundeausbildung über Druck, Schmerz und Angst. Auch heute noch gibt es viele Befürworter dieser "Schule" und auch die heutigen Polizeihunde werden nicht mit positiver Verstärkung ausgebildet.

        Strafe ist es einen Hund sozial auszuschließen (z.B. wenn er zwickt). Das kann sogar mental eine ziemlich "schwere" Strafe sein.

        Strafe muss aber nicht zwangläufig mit Schmerz verbunden sein.

        Wir haben ein gutes Video mit einer Schäferhündin gemacht, die eine Aufgabe vollführen sollte. Zuerst wurde sie mit der alten Methode (Druck) korrigiert, beim nächsten Anlauf an die Aufgabe wurde sie unsicher und zögerlich und hat den Fehler in die andere Richtung gemacht. Mit positiver Bestärkung ist sie motiviert an die Aufgabe gegangen und hat sich Mühe gegeben, zu verstehen, wie sie die Aufgabe richtig machen soll. Alleine die Körperhaltung ein Unterschied wie Tag und Nacht.

        Auch die Polizei muss umdenken. Sicherlich machen sie einige Sachen noch nachts, damit keiner sieht, was vor sich geht. Aber Ausbilder von Arbeitshunden machen das zumindest teilweise in der Öffentlichkeit - ja, pack' einen Hund mal härter an, wenn es Leute sehen - die haben sofort eine telefonische Beschwerde.

        Die Schweiz ist allerdings sehr streng und vieles darf gar nicht verwendet werden. Ich weiss gar nicht, ob sogar Wasserpistolen darunterfallen.

        Was körperliche Grenzen angeht, muss ich sagen, dass es bei unseren Hunden nicht gross vorkommt. Vielleicht mal einen Leinenruck bzw. das Knie wird hochgezogen, wenn der Hund anspringen will und man ihm nicht den Rücken zudrehen kann oder will. Die tut sich er Hund dann "selber an".

        Übrigens befürworten wir auch nicht, wenn die Hunde miteinander zu grob spielen. Raufen, mit den Zähnen und Körper, ja. Aber sie müssen anständig spielen... und das ist der Unterschied - der Mensch ist kein Hund. Sie dürfen sich gegenseitig zurechtweisen, aber nicht den Menschen!

        Ist ja beim Pferd z.B. auch nicht anders - nur weil die körperlich miteinander raufen, kann ich doch nicht meine Führungsqualität auch rein körperlich auf dieselbe Art unter Beweis stellen? Da stehe ich bei 700 Kilogramm ganz schön alt da. Bzw. da bin ich auch strenger... weil ein Pferd unbeabsichtigt sehr schnell und plötzlich sehr viel gefährlicher sein kann. Ein Hund nicht... ausser er ist schlecht sozialisiert und aggressiv.

        Die meisten Hunde hören nicht auf den Menschen, weil der Mensch nicht konsequent ist und sie wissen, sie können sich durchsetzen. Sie testen den Menschen und die meisten fallen durch. Deswegen wird auch das ganze Geschäft bei grösseren Aufgaben (z.B. Hochspringen) involviert - weil dann lernen sie, dass nicht nur ihr Ausbilder das blöd findet, sondern alle Menschen.

        Auch nach der Abgabe von Arbeitshunden wenn sie in den Einsatz kommen, müssen sie weitergearbeitet werden. Wenn der Hund nicht eine enorme Selbstdisziplin hat, dann verrichten sie ihre Arbeit ohne Übung nach Jahren nicht mehr so sauber.

        Es liegt wirklich am Menschen... die Methode an sich funktioniert bei den meisten Tieren - und Menschen - sehr gut. Man muss nur eine positive Bestärkung finden.
        Es gibt auch Hunde, die sind "hart" und wenn sie keine Lust haben, haben sie diese nicht. Die macht man aber nicht mit Strafen kooperativer. Bei der Ausbildung also: positive Bestärkung des gewünschten Verhalten, Ignoranz des unerwünschten und passives korrigieren: umgekehrte Mausefallen in zahlreichen Mülleimern bei klauenden Hunden. Sie müssen erst erkennen, dass ihr Verhalten auch eine unangenehme Konsequenz hat - dann kann man dort aufgreifen und jedes Anzeichen von Vermeidung dieses Verhaltens belohnen.

        Positive Bestärkung ist alleine nicht perfekt - aber Strafen braucht es eher nicht. Und körperliche Dominanz auch nicht. Führung erhält man durch Souveränität, Ehrlichkeit, Konsequenz, Verlässlichkeit (im Sinne von: regelmässig dieselben Reaktionen auf dieselben Ereignisse), Fairness und Respekt (auch den Grenzen des Tieres gegenüber).

        Vielleicht reagieren verschiedene Hunde bzw verschiedene Rassen unterschiedlich, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Hund versucht, einem zu gefallen. Erwünschtes Verhalten ist deshalb zu loben bzw zu belohnen - und bei unerwünschtem Verhalten reicht bei uns ein "Nein", verbunden mit einer bestimmten Geste.

        Ich habe mal gelesen, dass der Hund alles in "gefährliche" und "ungefährliche" Aktivitäten einordnet. Gut oder Böse gibt es nicht für ihn. Gefährlich ist alles, womit er Ärger bekommen kann, oder was ihm Unmut zuzieht - und das will ein Hund vermeiden.

        Deshalb würde ich von Strafen komplett abraten.

      • Jeder Hund ist individuell und das Training sollte genau auf das Tier abgestimmt/angrpasst werden. Denn nicht jede Methode eignet sich.

        Manche Hunde lernen mit positivenr Verstärkung am besten, andere wiederum nicht.

        Ich persönlich bin kein Fan von reiner positiver Verstärkung.

        Schau dir doch mal Hunde untereinander an, wie sie miteinander Kommunizieren, interagieren.

        Hunde sind die besten Lehrer.

        Falsches Verhalten sollte korrigiert werden und richtiges Verhalten belohnt. "Und ich glaube auch nicht, dass irgend ein Hund einen anderen durch blosses ignorieren ermahnt."

        Das ist Situationsabhängig.

        Hund 1 will spielen, Hund 2 aber nicht. Hund 2 ignoriert Hund 1, bis dieser keine Lust mehr hat oder er wird von Hund 2 zurechtgewiesen.

        Hund 2 ist ein sehr ausgeglichenes, ruhiges Tier. Jetzt kommt Hund 3 dazu- nicht erzogen, pöbler.

        Hund 2 ignoriert sein Verhalten, geht nicht drauf ein, meidet den Blickkontakt und bewegt sich ruhig und langsam.
        Hund 3 lernt so, dass von Hund 2 keine Gefahr ausgeht und er stellt nach einer Weile sein Verhalten ein.

        Verstehst du?

        Bei gewissen Verhaltensweisen kann ignorieren tatsächlich angebracht sein, zbs wenn sich Besuch ankündigt. Der Hund wird so lange ignoriert, bis er sich beruhigt hat. Es gibt eine Vielzahl an Beispielen.

Top Diskussionen anzeigen