Protestpinkeln bei Katze

    • (1) 02.03.16 - 06:15

      Hallo urbia-Gemeinde,

      ich frage hier für eine Freundin von mir, die nicht bei urbia ist und würde mich über Ratschläge/Erfahrungen von Euch freuen:

      die Familie hat vor ca. 6 Monaten 2 Katzen aus Familien heraus übernommen, die aus verschiedenen Gründen abgegeben werden sollten. Eine dieser beiden Katzen benimmt sich leider sehr merkwürdig. Sie pinkelt im ganzen Haus einfach alles an! Teppiche, Treppen, Vorhänge, in den Kinderwagen etc. Die Familie ist verzweifelt und gibt sich wahnsinnig viel Mühe.

      - das Haus ist schön groß, die Katzen dürfen auch jederzeit raus
      - es gibt für 2 Katzen 5 (!) Toiletten, die täglich sauber gemacht werden
      - verschiedene Sorten Streu wurden ausprobiert
      - die Kinder in der Familie sind sehr rücksichtsvoll, keine Katze wird bedrängt
      - es wurde "Feliway" gesprüht mittlerweile, was ja so toll sein soll, aber nichts bringt
      - die Katzen bekommen sehr viel Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten, es wird auch ausdauernd mit ihnen gespielt.
      - sie sind wirklich alle wahnsinnig geduldig und wollen der Katze helfen.

      Katze Nr. 1 ist total ausgeglichen und lieb. Katze Nr. 2 pinkelt mindestens 5 x am Tag im ganzen Haus. Ausserdem lässt sie sich teilweise 10 Minuten lang wohlig kraulen und beisst dann ohne Vorwarnung zu. Macht man ihr beispielsweise mal vorsichtig eine Tür vor der Nase zu (damit sie z.B. nicht ins Ankleidezimmer pinkelt), wird sie richtig ungehalten und versucht, den Menschen beiseite zu drängen, um doch in das Zimmer zu gelangen und kratzt und faucht.

      Der Tierarzt hat keine Idee, organisch ist alles in Ordnung. Die Familie ist langsam wirklich mit den Nerven zu Fuß und weiss keinen Rat mehr. Die Katze weggeben ist keine Option, da sie ja bereits den letzten Besitzer verlassen musste (mittlerweile glauben alle, dass das Verhalten dieser Katze der Grund war, auch wenn andere Gründe vorgeschoben wurden).

      Hat jemand von Euch eine Idee, was man tun kann?

      LG
      Katja

      • (2) 02.03.16 - 07:56

        Hallo!

        Waren die Leute schon beim Tierarzt und haben eine Blasenentzündung/Blasensteine/Harngries sicher ausschließen lassen (Urinuntersuchung)? Nicht nur gucken und Fieber messen, sondern richtig untersuchen.

        Sonst ist es sicher KEIN PROTEST. Möglicherweise ist es aber schon zur Gewohnheit geworden und all die Stellen riechen schon wie ein Katzenklo. Klappt es, wenn sie Klos an die Stellen hinstellen?

        Kastriert sind sie, oder? Wird eher an senkrechte Stellen gespritzt oder richtige Pfützen am Boden? Haben sie alle betroffenen Sachen weg geworfen oder womit gereinigt? Benutzt die Katze das Klo überhaupt? Gibt es geruchliche "Verunreinigungen" der Sachen oder sind es typische Stellen wie Badteppiche und Sportklamotten?

        In Sachen Türen: Katzen fühlen sich durchaus im Recht. es ist ihr Revier, da darf ihnen keiner die Tür vor der Nase zu machen. Einfach energisch wieder raus befördern. Keine Angst zeigen. Bei ganz renitentem Verhalten: feste anpusten oder kurz und leicht die Ohrenspitzen berühren - nur mit der Hand drüber fahren, nicht schnipsen. Das ist dann schon ein extrem deutliches Signal.

        Und entweder die Türen bleiben IMMER zu oder sie sind IMMER offen. Eine Tür die einmal offen stand wieder zur Geschlossenen Tür machen dauert Monate, weil man damit den Katzen ja einen Teil des Kernreviers weg nimmt. Das ist ein deutlicher Eingriff in ihr Revier. so leicht machen sie das nicht mit.

        Erst genußvoll Streicheln dann zubeißen, das ist wirklich nicht ungewöhnlich bei Katzen. Meistens hat man nur nicht genug beobachtet, denn es gibt immer Zeichen vorher. Die muss man aber erst mal sehen. Das sind eben keine Hunde, die eine ganze Palette überdeutlicher Warnsignale geben, bei Katzen ist es oft nur eine geänderte Blickrichtung oder ein zucken mit dem Ohr, oder dass sie vorher genussvoll geschlossene Augen wieder öffnen. Das lernen die Menschen mit der Zeit, wichtig ist wirklich, dass man eine Katze beim Streicheln immer beobachten sollte. Wenn man weg schaut kann es auch bei katzen die man seit 10 Jahren kennt passieren, dass sie meinen nur noch Bisse und Kralllen wären deutlich genug, wenn die Trampeligen Zweibeiner es nicht merken, wenn sie eine halbe Sekunde lang mit dem Ohr gezuckt haben.

        Du hast normalerweise einen Hund, keine Katzen, oder? Wer sich Katzen holt weiß gewöhnlich, dass zukünftig jemand anderes im Haus das Sagen hat.

        • (3) 02.03.16 - 08:32

          Hallo und danke für Deine Antwort!

          Ich bin durch und durch Katzenmensch, habe keinen Hund, sondern einen sehr netten Kater, der keine nennenswerten Macken hat und sehr happy zu sein scheint. Ich denke, seine Körpersprache kann ich super deuten und ja, das mit dem Signalisieren, dass genug gestreichelt wurde, kenne ich auch und höre dann sofort auf oder er beisst "zärtlich" zu, Bei der Katze meiner Freundin scheint das nicht so zu sein, ich habe es ihr auch so erklärt wie Du. Sie sagt, es sei anders, sie beisst sehr extrem zu.

          Der einzige Raum, in den ihre Katze nicht darf, ist ein kleiner Ankleideraum. Diesen durfte sie noch nie betreten, alle anderen Räume schon.

          Beim Tierarzt waren sie. Die Katze wurde gründlich untersucht, das Problem geschildert. Er konnte organisch nichts finden und sagte, er vermute ein Machtspielchen. Es sei sehr viel Geduld erforderlich und es gelte zu klären, wer im Haus etwas zu sagen hat ;-). Meine Freundin holt sich Ratschläge noch und nöcher und ist wahnsinnig geduldig mit der Katze, aber langsam wirklich verzweifelt...

          Anfangs pinkelte die Katze nur im Bad überall hin. Badewanne, Dusche, Vorleger. Nach und nach setzte sich das Ganze im ganzen Haus fort.Es darf nichts aus Papier herumliegen, da sie da sofort draufmacht. Gestern pinkelte sie an die Treppenhauswand, so dass alles an der Wand bis in den Keller hinunterlief. Dann an die Vorhänge und in den Kinderwagen. Meine Freundin wäscht alle betroffenen Textilien sofort, der Boden wird mit Essigwasser gewischt. Das Treppenhaus heute neu gestrichen! Es gibt 5 Toiletten im Haus verteilt, die täglich gereinigt werden. Die Katze benutzt diese auch, pinkelt aber trotzdem überall hin. Gestern machte sie das erste Mal einen Haufen direkt auf den Schlafzimmerteppich :-(.

          Du hast in sofern recht, dass Katzen stolze Geschöpfe sind und gerne das Sagen haben. Das kenne ich auch und schätze es sehr Deswegen bin ich KEIN Hundemensch, auch wenn ich nichts gegen Hunde habe ;-). Ich denke aber, es muss eine Grenze geben. Zu sagen "ok, Du bist jetzt hier der Boss und darfst im Haus die Wände und alle Böden vollpinkeln", das geht doch zu weit und da geht der Humor irgendwann verloren... Mittlerweile dreht sich in der Familie alles nur noch um diese eine Katze, sie wird mit viel Liebe und Geduld behandelt, aber es wird nicht besser, eher im Gegenteil. Ich vermute schon ein wenig, dass sie gelernt hat, je mehr sie sich daneben benimmt, umso mehr neue tolle Sachen lassen sich die Dosenöffner einfallen.

          Meine Freundin schrieb mir eben, die Katze müsse sich teilweise richtig anstrengen, um ein paar Tropfen rauszupressen, wenn sie eigentlich gar nicht muss, aber jetzt gerne auf den Teppich machen will....

          • (4) 02.03.16 - 18:31

            Hallo!

            Ich glaube keine Sekunde an Machtspiele, das sind ein paar Gehinwindungen zu viel für eine Katze. So intelligent sie sind, aber das sind zu viele Ecken - "ich pinkel jetzt da hin weil Zweibeiner sich da am meisten drüber ärgert und dann setze ich noch nen Haufen auf den Teppich weil man den am schlechtesten Waschen kann" - das können Katzen nicht denken. Sorry, zu viele logische Schlüsse und Beobachtungen notwendig.

            Dass sie sich sogar mal ein paar Tropfen raus quetscht hilft aber weiter, denn das heißt, dass es sich um klares Markierverhalten handelt. Also irgendetwas stinkt ihr.

            Badteppiche etc. Riechen ebenso wie Sportsachen und Schuhe oft schon sehr Urin-ähnlich für Katzen und werden daher oft bepinkelt um den eigenen Geruch drauf zu machen. Mein Badezimmervorleger hängt auch normal über der Duschwand und wird nur runter gelegt wenn auch jemand duscht. Und Sportsachen werden sofort in Sicherheit gebracht oder gewaschen.

            Jetzt wäre die Frage, was da überall so arg riecht. Essig als Reiniger ist ganz falsch, da gibt es Spezialrieniger für Katzenurin, etwa bei Amazon einfach mal eingeben. Essig ist ja wieder ein Geruch, den sie überdecken will. Ebenso kann es mit intensiven Waschmitteln und Weichspülern ein Problem geben, Und wenn es noch nen Kinderwagen im Haus gibt, gibt es ja wahrscheinlich auch Windeln und Babypflegeartikel mit hohem Parfümanteil. Auch alle anderen Reiniger die man so verwendet sind stark parfümiert.

            Auf der Treppe kann man auch mal Gerüche von einem Hundehaufen verteilen ind en man draußen getreten ist.

            Am schlimmsten sind "Wohndüfte" wie das gesamte Brise-Sortiment, die am besten sofort entfernen. Und auch sonst die Geruchsmixe deutlich runter fahren. Einen einzigen Reiniger der wenig riecht verwenden vielleicht wird sie hier fündig:

            https://www.neutrale-produkte.de/

            Für die feine Katzennase haben wir oft den Geruch einer Parfümerie vermischt mit Urin, stinkigen Turnschuhen und vollgeschissenen Windeln, rottenden Lebensmitteln und Müll im Haus, und da ist die Versuchung drüber zu markieren schon sehr groß.

            Also ein Spezialreiniger für Katzenurin der die Moleküple auflöst, und sonst möglichst Parfümfrei, und schauen ob es besser wird.

            • (5) 02.03.16 - 18:48

              Danke auch Dir :-).

              Von diesem Reniger habe ich heute Mittag gelesen, werde ich vorschlagen!

              Du hast sicher recht, dass "Machtspielchen" hart formuliert ist bzw, zu weitgreifend. Es war der Ausdruck, den der Tierarzt verwendet hat.

              Ich bin überrascht, dass das Markierverhalten fast normal zu sein scheint. Ich halte ja selber Katzen seit ich denken kann und keine einzige hat mir jemals irgendwohin gepinkelt - egal, wie es vielleicht manchmal gerochen hat ;-). Da habe ich wohl immer Glück gehabt...

              Mittlerweile kamen einige Details ans Licht, die mir nicht unwichtig erscheinen! Meine Freundin holte die Katze bei einer alten Dame ab, die aus gesundheitlichen Gründen sich nicht mehr kümmern konnte, Die Dame und ihr Mann konnten jedoch kaum den amerikanischen Namen der Katze aussprechen. Dies spricht dafür, dass sie den nicht ausgesucht haben und die Katze selber von anderen Leuten übernommen hatten. Meine Freundin rief noch ein paarmal an, weil ihr die alte Dame leidtat und wollte berichten, wie es der Katze geht. Irgendwie war die Dame aber immer so kurz angebunden und hat sich auch nicht mehr von sich aus gemeldet. Wir denken, die Leute hatten die Katze bereits mit einem schlechten Vorleben übernommen und kamen mit ihr nicht mehr klar :-(. Sie erwähnten noch, die Katze habe Angst vor Plastiktüten, sie wüssten aber nicht, warum. So langsam formt sich ein Bild daraus, aber was nun....

              LG
              Katja

              • (6) 02.03.16 - 18:59

                Vielleicht wäre auch ein Tierpsychologe ratsam. Der sich Tier und Situation vor Ort anschauen kann. Finde es halt auch schwierig mit einer Katze aus 3. oder 4. Hand dann in einer Familie mit kleineren Kindern...

                Ja, pinkeln ist häufig, und meistens eher ausdruck tiefer unsicherheit und angst.

                • (7) 02.03.16 - 19:07

                  Ja, das habe ich auch bereits vorgeschlagen!

                  Die Katze ist eine ganz verschmuste und verspielte. Meine Freundin hat schon den Eindruck, dass sie sich sehr wohlfühlt bei ihnen Sie folgt ihr auf Schritt und Tritt und wenn sie mit vor die Tür geht, geht sie auch gleich wieder mit rein, wie ein Hund. Sie spielt mit den Kindern und Erwachsenen. Macht so gar keinen unglücklichen Eindruck. Das einzig Seltsame ist eben das von Tag zu Tag schlimmer werdende Pinkeln :-( und ein gewisses, sehr dominates Verhalten, wenn sie mal 5 Minuten keine Aufmerksamkeit bekommt oder aber auch zuviel.

                  Ich denke, wenn sie gewusst hätten, dass es womöglich mehrere Vorbesitzer gab, wären sie nochmal in sich gegangen und hätten überlegt. Obwohl - wahrscheinlich nicht ;-). Meine Freundin ist ein unglaublich warmherziger Mensch, der einfach helfen wollte. Nun hängt der Familiensegen schief...

                  • (8) 02.03.16 - 20:35

                    Wie gesagt, meistens ist der Grund eine große Unsicherheit. Das passt ja zu einer Katze, die ihre Menschen kaum aus dem Blickfeld gehen lässt, ständig Aufmnerksamkeit einfordert.

                    Wenn man sich richtig bewusst macht, dass es eher ein Ausdruck von Unsicherheit, Angst, Verlustängsten wegen des früheren Lebens ist, und eben kein "Protest" oder gar "Machtspielchen", sondern echt nur ein ganz sensibles, unsicheres Seelchen, das sich nicht anders ausdrücken kann und vor fremden Gerüchen einfach eine Riesenangst hat - dann nimmt man das auch anders wahr und kann damit viel besser leben.

                    So doof es klingt, aber seit ich meine Einstellung zu meiner Pinkelkatze geändert habe, nicht böse werde, sondern eher nachdenke, was los war, das sie so verunsichert haben könnte, ist es wesentlich besser geworden.

                    Ich gehe entspannter damit um, sie spürt, dass ich entspannt bin und sie bedingungslos liebe, auch wenn sie mal wieder was angepieselt hat, und daher hat sie gar nicht so oft einen Grund zu pinkeln, weil eben die Liebe stimmt und da Sachen die sie früher echt verunsichert haben gar nicht mehr so viel Angst machen. Sowas wie ein stinkender Turnschuh, den sie sonst sofort "markiert" hätte um ihren Geruch im Revier zu halten, kann jetzt auch mal ein paar Stunden herum stehen, ohne dass was passiert.

                    • (9) 03.03.16 - 05:42

                      Ja, es klingt einleuchtend. Und es ist schön, dass Du so gut mit der Situation umgehen kannst.

                      Ich kann natürlich auch verstehen, dass die Familie ein bisschen fertig mit den Nerven ist. Es kommt vor, dass sie nach einem Ausflug nach Hause kommen und wirklich im ganzen Haus überall hingepinkelt wurde. Letztens lief meine Freundin die Treppe hoch und es tropfte Ihr von oben Katzenpipi auf den Kopf. Das Bild, dass Ihr Großer für die Schule malen musste, war kurz unbeaufsichtigt und völlig durchnässt, als sie in die Küche kamen. Das ist natürlich schon hart, wenn man bedenkt, wieviel Aufmerksamkeit und Liebe das Kätzchen seit ca. 6 Monaten tagtäglich bekommt und natürlich leidet auch die Beziehung ein wenig darunter, da ihr Mann teilweise schon würgen muss, wenn er nach Hause kommt :-(- Man muss dazu sagen, das Haus ist immer sehr sehr sauber und gepflegt, so ein "schöner wohnen"-Haus eigentlich.

                      Habe nun erstmal die Tipps mit der Psychologin und dem Spezial-Putzmittel weitergegeben, da alles andere schon versucht wurde.

                      Die Katze bekam mittlerweile den Spitznamen "Madame Pipiii" (französisch ausgesprochen). Aber sie hat wirklich Glück, in eine so ambitionierte Familie gekommen zu sein ;-)

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