Chronische Gingivitis Kater

    • (1) 27.07.16 - 11:34
      Inaktiv

      Hallo, ich wollte mal hören ob hier jemand Erfahrungsberichte hat.
      Unser Kater (2 Jahre; seit 5 Monaten bei uns) hat eine chronische Gingivitis. Er kam hier in einem völlig verwahrlost, untergewichtig und mit riesigen Lymphknoten am Hals an. Also ging es ans aufpäppeln. Die üblichen schweren Erkrankungen wurden ausgeschlossen, die restlichen Organe so weit in Ordnung. Zahnsanierung wurde durchgeführt. Auf eine Therapie mit Convenia+ Depo-Medrate spricht er super an....logisch ist ja Cortison mit bei. Er ist komplett beschwerdefrei in dieser Zeit. Aber sobald die Wirkung nachlässt kommen die üblichen Anzeichen relativ schnell wieder. Nie so stark wie bei seiner Ankunft, allerdings auch nicht zu übersehen.

      Depot Medikamente deshalb, weil ich eine andere Therapie mit ihm nicht regelmäßig garantieren kann. Zähneputzen ist aufgrund mangelnder Kooperation unmöglich;-).
      Also, ist hier zufällig jemand Besitzer einer Katze/Kater mit denselben Problemen und kann mir sagen wie er das so handhabt?

      #winke

      • Hi!

        Cortison auf Dauer ist nicht gut, das weist du ja selber. Der Kater hat mit seinen zwei Jahren noch einige Jährchen vor sich, daher wäre eine jahrelange Gabe nicht zu empfehlen.

        Ich hab damals oft in einer Tierarztpraxis geholfen, und kann dir aus Erfahrung nur einen Rat geben.
        Wenn es nach absetzen der Medikamente immer wieder anfängt, ist es ratsam ihm die Zähne ziehen zu lassen an denen das Zahnfleisch reagiert, auch wenn danach kaum, oder gar keine mehr stehen. Es ist wirklich so; Katzen können auch ohne Zähne fressen. Man tut dem Tier eher einen gefallen, als zu denken um Gottes Willen ja keinen Zahn ziehen. Natürlich nur wenn es auch vom Tierarzt besiegelt wurde. Katzen zeigen keinen Schmerz, und Leiden trotzdem sehr an den Entzündungen, eben gerade auch beim fressen.

        Alles liebe

        • (3) 27.07.16 - 16:02

          Hallo, das komplette Gebiss ist betroffen. Ein paar Zähne sind schon raus. Mir wurde aber erklärt, das selbst wenn alle Zähne raus sind, diese Entzündung immer wieder kommen kann. Passiert das, dann hat der Kater nichts gewonnen. Medikamente bräuchte er dann eh lebenslang. Deswegen hält sie davon noch Abstand und macht es erst, wenn wirklich nichts mehr geht. Jagen oder eine ordentliche Verteidigung im Kampf wären nicht mehr möglich, und beides ist hier im Überfluss im Angebot (der Gedanke hält mich im Moment davon ab).
          Die Zähne, die gezogen wurden, waren kaputt. Auch hat sie mich gebeten, falls die Beschwerden wiederkommen, einen Spezialisten zu kontaktieren. Sie macht diesen Cortison-Kram jetzt noch genau 3 mal, dann ist für sie Schluß.
          Und doch, obwohl er erst kurz da ist, erkenne ich das es ihm wieder schlechter geht.

          • Informier dich mal über das Omega-Interferon. Das soll zur erhöhten Abwehr von Viren sorgen, und ist leichter verträglich, weil es vom Körper nach einer Infektion selbst produziert wird, sprich körpereigen ist. Soll nur nicht ganz billig sein #gruebel

            Ansonsten muss ich sagen, ich glaube fest daran, dass das Zahnfleisch zur Ruhe kommt wenn kein potenzieller Keimherd mehr da ist. Und das sind nunmal die Zähne, die zumindest als "Leiter" dienen. Die Keime wandern an den Zähnen hoch in die Taschen und sorgen zwischen Zahn und Zahnfleisch für Probleme. Wenn die körpereigene Immunabwehr nicht mehr stabil ist, bricht es auch nach der Cortison Behandlung immer wieder zusammen. Vielleicht gibt dir dein Tierarzt noch ein paar Tipps um das Immunsystem zu stärken.

            Zwickmühle ist die berechtigte Angst der Verteidigung, jedoch kann man evtl die vier Fangzähne erhalten, dann könnte er beides, jagen und verteidigen.

            • (5) 28.07.16 - 09:06

              Interferon sagt mir etwas aus der Humanmedizin, wirklich richtig teuer. Aber das Immunsystem generell ankurbeln ist ein guter Ansatz, werde das Thema mal ansprechen.
              Er ist ja noch nicht lange bei uns, vorher wurde er vom Vorbesitzer nur gefüttert, sonst nix. Dieser hat sogar abgestritten, das er ihm gehört, obwohl wir es da schon wussten. Deswegen weiß ich auch das Alter. Vielleicht braucht er einfach generell auch noch etwas Genesungszeit.

              Bei meinem Verständnis von Wundversorgung würde es ja bedeuten, das man die Wunden nicht näht, sondern es von innen raus heilen muß....ansonsten wäre es ja logisch, das die Entzündungen weiter "brodeln". Aber das wäre ein Thema, welches ich mit dem Spezialisten klären sollte. Dieser ist übrigens 60km von uns entfernt, auch eine ziemliche Streßsituation für das Tier und nicht ohne Beruhigungsmittel zu bewältigen.

              Er ist und bleibt ja ein halber Streuner, wenn der keine Ratten mehr fangen kann oder jede Rauferei verliert, dann hat er wirklich seine Lebensqualität komplett verloren. Das macht auch gutes Futter und nen schöner Schlafplatz nicht wieder wett. Er ist wirklich sehr zutraulich geworden, aber eine geschlossene Tür reicht schon/noch um ihn aus der Fassung zu bringen.....außer es regnet Bindfäden, dann bleibt er mittlerweile entspannt liegen#rofl.

              Oh man, die drei Kater haben zusammen in einem Jahr mehr Tierarztkosten verursacht, als der Hund in 10 Jahren. Diese Kater-WG ist echt ein Haufen von Unglücksraben#zitter..

              • Die Wunden bleiben nicht offen, sie werden nach dem ziehen genäht, die zu groß wären um selbst zu zuheilen.

                Danach gibts prophylaktisch Antibiotika, was die Sache von innen heilt und die Entzündungen dürften sich damit erledigt haben. Da brodelt dann auch nix mehr innen.

                Bei dieser Möglichkeit gibt man das Antibiotika auch oft eine Woche vorher, bevor gezogen wird, damit an dem Op Tag schon die Abwehr auf höchsten Level ist. Dann erreicht man das Maximum an Heilung.

                Tja ja.... Tiere sind teuer wenn sie krank werden. Daher, Hut ab, dass der kleine Mann trotz gesundheitlichen Problemen, bei euch ein schönes Zuhause gefunden hat. #klee

          Das mit dem zähne ziehen haben wir bei unsrem kater machen lassen und es war das beste, was wir tun konnten.
          Seit dem die Zähne raus sind, ist er ein fleißiger Jäger und frisst seine beute sogar (ohne reißzähne! Er hat nur noch die fangzähne). Klar bricht die Entzündung manchmal wieder aus, aber mit parasitenprophylaxe ist das lange nicht so schlimm wie früher. Er hat dann ein paar Tage hausarrest und dann geht es ihm wieder gut.

          Machs nicht so kompliziert...

    (8) 28.07.16 - 23:05

    Hallo :)

    bei chronischer Gingivitis liegt häufig zusätzliche Grunderkankung vor. Empfehlung: FIV und Leukose testen lassen.

    Aufrecht erhalten werden diese entündungen fast immer von Erregern des Katzenschnupfenkomplexes. Empfehlung: tiefen Abtrich der oberen Atemwege (geht nur in Sedation/Narkose). Abwarten was raus kommt: HerpesV, CaliciV, Chlamyiden oder Mycoplasmen. Mit etwas "Glück" sind Chlamydien oder Mycoplasmen beteiligt -> simple Behandlung zB mit Doxycyclin (Convenia hilft hier leider nicht). Bei den beiden Viren wäre es komplizierter.

    Ohne Abstrich Depot-Medrate zu spritzen empfinde ich als grob fahrlässig. Va wenn Vieren beteiligt sind, führt das zu einer hochgradigen Verschlechterung der Krankheistursache, auch wenn es erstmal so scheint, als ginge es dem Patient besser.
    Auch wenn er eine plasmazelluläre Gingivostomatits hat, wäre Depot-Medrate ohne Ursachen Forschung ein absoluter Kunstfehler!

    Falls Clicivieren nachgewiesen werden würden, sollte die Interferonbehanldung auf keinen Fall unter cortison Wirkung begonnen werden, da sie dann nicht greifen kann. Die Kosten für eine Flasche Virgbagen omega Interferon liegen bei netto ca €90. Da ist es ärgerlich wenn man es gibt und es noch garnicht wirken kann.

    depot-medrate kann zwischen 2 Wochen und ca 3 Monaten wirken... das kann man nicht einzeln testen.

    Gute besserung

    • (9) 02.08.16 - 10:35

      Danke dir für deine detailreiche Antwort. FIV und Leukose sind ausgeschlossen, da war ich schon mal froh. Ich muß auch sagen, das die Behandlung etwas "holprig" begann. Die Besitzverhältnisse waren da noch nicht geklärt und mein vorrangiges Ziel, war dem Tier etwas Linderung und etwas Speck auf den Rippen zu verschaffen. Dadurch wurde erst einmal das "Sparprogramm" beim Tierarzt durchgeführt. Im nachhinein etwas ärgerlich.

      Darf ich erfahren, woher du dieses Wissen hast?

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