Hund aus Tötungsstation, wie angehen. Erfahrungen und Tips:)

    • (1) 11.10.16 - 21:56

      Guten Abend ihr lieben,

      Ich möchte bitte keine Diskussion bzgl pro und kontra eines Hundes aus einer TS eröffnen.

      Also, in drei Wochen zieht der einjährige Rudolph zu uns und da es unser erster "nichtwelpe vom Züchter" ist suche ich nach Erfahrungen bzgl der ersten Tage. Wie habt ihr das gehandhabt, viele sagen behandeln wie jeden anderen Hund und nicht zu sehr betütteln aber das fällt doch sicherlich schwer!

      Dass wir ihm Ruhe und Raum lassen ist klar, die Kinder müssen ihm auch seine notwendige Zeit geben.

      Aber sonst? Leine Gewöhnung, stubenreinheit... Wie beim Welpen?

      Über Erfahrungen und Tips würde ich mich sehr freuen b

      • (2) 11.10.16 - 22:52

        Toll das ihr euch für Rudolph entschieden habt! :-)

        Meine beiden Mädels waren ähnliche Fälle. Beide erwachsen (1 und 4 Jahre), und aus dem Ausland- Türkei bzw Polen.

        Womit ich gute Erfahrungen gemacht habe: die ersten Tage und Wochen habe ich nur erzogen wenn es unbedingt nötig war (Hund wollte aufs Sofa, ich wollte das aber nicht). Erstmal beschnuppern, und schauen was der Hund so mitbringt. Dann seht ihr wo Arbeit nötig ist - und was am wichtigsten ist, also zuerst bearbeitet werden sollte.

        Meine beiden Damen waren stubenrein, das konnte mir aber vorher keiner garantieren. Beide hatten keinerlei Erziehung, kannten allerdings die Leine. Ich habe keine Erfahrung mit Welpen. Habe einfach angefangen, die Basics beizubringen über Futteranreize. Und ganz viel ausprobiert: klappt Autofahren? Bleibt der Hund alleine? Was macht er wenn ein Auto vorbeifährt? Etc.

        Stell dich drauf ein das Rudolph am Anfang sehr, sehr anhänglich ist. Das ist normal, du bist sein Fixpunkt und er hat mit Sicherheit schon sehr herbe Verluste erfahren. Ich habe das zugelassen. Irgendwann war genug Sicherheit da, und es hörte von alleine auf. Bis dahin habe ich eben mit Hund vor der Kabine geduscht, den Müll weggebracht, alles mit Hund im Schlepptau erledigt.

        Beide meiner Hunde haben sich bei mir übrigens anders verhalten als von der vermittelnden Organisation angekündigt. Meine Tiffy hat zB NIE an den Möbeln gekaut (wie angedroht), Wika war sofort so an uns gebunden das sie mit ins Bett wollte (nicht zurückhaltend, wie gesagt wurde). Daher würde ich auf die Beschreibung nicht zuviel Gewicht legen, und lieber selbst beobachten wenn der Hund da ist.

        Und nur Mut- manche Probleme erledigen sich von selbst wenn der Hund eine Weile bei euch ist. Nach jeweils einem Jahr waren wir mit beiden Hunden ein eingespieltes Team, kleine Macken längst vergessen.

        Hallo,

        ich habe einen älteren Hund, unseren Pepe, der aus einer Tötungsstation in Rumänien gerettet wurde.
        Er ist nun seit Januar diesen Jahres bei uns, lebte aber vorher kurz in unserem hiesigen Tierheim, wo ich die Gelegenheit hatte, ihn während einigen Gassi-Gängen kennenzulernen.

        Ich hatte anfangs ähnliche Bedenken wie du. Ist er stubenrein? Kennt er die Leine? Kann er allein bleiben? Wird er Dinge im Haus zerstören (wichtig, da Zwingerhaltung für uns nicht in Frage kommt)? Wird er ewig ängstlich bleiben?

        Die Frage nach der Leinenführigkeit konnte ich ja schon im Tierheim testen. Alles bestens. Da wir Katzen haben, habe ich die Verträglichkeit ihnen gegenüber ebenfalls im Tierheim abgecheckt. Er hat sie nicht beachtet, mit unseren kommt er blendend aus.
        Als wir ihn zu uns geholt haben, habe ich gedacht, ich bekomme einen perfekt erzogenen Hund für das Haus. Er bleibt allein, macht nichts kaputt, kann ziemlich lange einhalten.
        Er hat sich die ersten Tage nicht von seinem Platz bewegt, außer zum Fressen und zum Gassigehen. Wichtig ist, dass du den Hund erst einmal ankommen lässt und ihn nicht gleich mit vielen Dingen überforderst.
        Sehr erfreulich für mich ist, dass es der sozialste Hund ist, den ich kenne. Ich hatte vorher einen älteren unverträglichen Hund aus dem Tierschutz, den ich sehr geliebt habe, aber seine Unverträglichkeit mit anderen Hunden streckenweise doch anstrengend war. Leider war dieses Verhalten bei ihm bereits ritualisiert und konnte nicht mehr verbessert werden.

        Pepe, mein Mann und ich sind mittlerweile zu einem Mensch-Hund-Team zusammengewachsen, er hat seine anfängliche Schüchternheit überwunden, geblieben ist die Reserviertheit/Ängstlichkeit gegenüber ihm unbekannten Männern. Er hätte meinen Schwiergerpapa fast geschnappt, als der sich beim ersten Kennenlernen über ihn beugte und ihn mit relativ lauter Stimme ansprach und auf dem Kopf tätscheln wollte.

        Was ich an deiner Stelle unbedingt machen würde, wenn du den Hund vorher nicht kennenlernen kannst: dein Grundstück so sichern, dass der Hund nicht über Zäune springen kann und vor allem den Hund beim Gassigehen gut sichern. Mit Halsband und zusätzlich mit No-Exit-Geschirr. Viele Hunde, die vorher auf der Straße gelebt haben, haben die erste Zeit extreme Fluchtreaktionen, du ahnst gar nicht, welche Möglichkeiten sie finden, um zu entwischen.

        Ich wünsche dir viel Glück mit eurem neuen Familienmitglied und finde es toll, dass du einem Hund aus der Tötungsstation eine Chance gibst.

        LG

        Nici#winke

        Hallo,

        ich habe seit 8 Wchen einen "Halbstarken" aus Rumänien, 8 Monate jung. Er ist der entspannteste Hund den ich je hatte, stubenrein, kennt die Grundbegriffe, hört, fast, aufs Wort, liegt brav unterm Tisch während des Essens, auch im Restaurant und kennt das Wort NEIN sehr gut. Einmal gesagt dann hat er es eigentlich begriffen dass er z.B. nicht mit den Pfoten auf dem Tisch darf oder so. Nur wenn er einen Clown oder Kasper (oder Beides) zum Frühstück hatte dreht er auf, dann lasse ich ihn in den garten und tobe da mit ihm. Das Einzige was er nicht kann ist alleine bleiben, da zerlegt er mir das Haus bzw. den Raum wo er bleiben soll. Das mit dem Autofahren geht jetzt einigermaßen, er springt schon von alleine ins Auto und jault/quietscht nicht mehr so furchtbar. Ich habe nachher den 1. Termin in einer Hundeschule mit ihm, die Trainerin möchte sich ein Bild von ihm machen und dann wollen wir das Alleinebleiben trainieren da ich mal einkaufen oder zum Arzt muss. Und dieses anziehen, Tür auf raus und gleich wieder rein hat bisher nichts gebracht da er mich vor der Tür wittert.

        Ich möchte ihn nicht wieder hergeben.

        LG

            • Süß #verliebt

              Manchmal gibt es ja auch Haustüren oder solche Klarglasscheiben neben der Haustür, da hätte man mehr Glück statt alles abzuräumen ;-)

              Wir haben dann eben den Esstisch, der an dem Fenster stand, abgedeckt mit einer Lacktischdecke, damit unsere Hündin da raus und dann auf die Fensterbank konnte (die war zu Glück breiter als normal).

              Bin mal auf dem Heimweg hinter dem Postboten oder Zeitungsausträger her zu unserer Tür gelaufen und konnte sehen, wie der sich regelrecht erschreckt hat, als er sie am Fenster hat liegen sehen #rofl

              Hoffe du findest eine für euch passende Lösung #winke

      Hallo,

      bei uns immer völlig problemlos.

      Unsere Pflegehunde kannten nichts - und konnten binnen Stunden alles. Unter alles verstehe ich, stubenrein rein und umgänglich zu sein.

      Sie konnten bereits nach wenigen Tagen alleine bleiben ohne Gejammer oder ohne das Haus zu zerlegen.

      Es waren alle durch die Bank ganz, ganz liebe Familienhunde. Aber, dort woher wir sie her hatten, waren krank. Einige hatten einen Tumor, andere Hautkrankheiten.

      Unseren eigenen Hund haben wir auch vom Ausland, andere Organisation. Auch er ist ein ganz, ganz lieber Zeitgenosse. Blieb von Anfang an alleine, stubenrein schon immer. Hat sich von ganz alleine gemeldet, wenn er z. B. nachts mal raus musste am Anfang.

      Ist aber ein kleiner Schisser. Sobald es dunkel draußen ist, läuft er keinen cm an uns geklebt davon. Tagsüber beim Gassigehen läuft er "frei", ist abrufbar ohne dass er es von der Pike auf gelernt hätte. Er hat mit nichts ein Problem. Hunde, Katzen, Menschen, alles kein Thema.

      Es ist ein Traum von Hund!

      LG
      Caro

      (9) 12.10.16 - 20:55

      Lieben Dank für die ausführlichen Antworten! Ich bin euch so dermaßen dankbar!

      Ich werde mich wohl einfach überraschen lassen. Auf den Videos schaut Rudolph einfach nur lieb und verspielt aus. Etwas schüchtern bestimmt auch.

      Ich bin so gespannt wie er uns und unsere Kinder finden wird. Und auch unsrere kleine Hündin die eh jeden liebt.

      Hier noch ein Foto von Rudolph...

      • Ach ist der toll #verliebt#verliebt#verliebt

        Ihr werdet das schon hinbekommen, ich habe von Auslands-Hunden bisher so gut wie nur Gutes gehört.
        Meine Freundin hat eine Hündin aus Rumänien/Bulgarien (?) und die ist echt spitze!

        Eine Bekannte von mir hat mehrere Hunde aus dem Ausland, darunter auch einen aus einer Tötungsstation. Sie sagt immer, dass das der Liebste und Bravste von allen ist. Und so wirkt er auch.

        Auch wenn ich keine Tipps geben kann, wie du ihn am besten "empfängst", wollte ich dir schreiben, dass ich finde, dass dein Rudolph ein ganz liebes und aufgewecktes Gesichtchen hat. Ich würde ihm auch Zeit und Ruhe geben und nach ca. 1 Monat mit ihm in eine Hundeschule gehen.

    Hallo!

    Die gröbsten Charakterzüge sollten der Organisation bekannt sein, da der Hund ja dort zur Vermittlung steht und somit die Betreuer mehr über ihn wissen müßten.

    Deshalb müßte diese Fragen in erster Linie der Vermittler beantworten, über die Du die Fellnase bekommst. Eigentlich hätte das passieren müssen, bevor Ihr Euch für diesen Hund entschieden habt.

    Deshalb wäre es ratsam, daß Du Dich unmittelbar mit dem Vermittler in Verbindung setzt und ihn ausquetscht. Schreibe Dir alle Fragen auf, die Dir einfallen und frage, frage, frage.

    Viele Grüße
    Trollmama

    • Hallo liebe Trollmama,
      Leider habe ich da nicht die Möglichkeiten viel zu erfragen. Rudolph wird als sehr freundlich, verspielt und umgänglich beschrieben aber viel mehr kann man mir nicht sagen. Er ist in einem Shelter zusammen mit 750 anderen Hunden. Momentan sind die Zustände dort auch noch wetterbedingt katastrophal so, dass ich nur hoffen kann ihn überhaupt zu mir holen zu können bevor ihm etwas zustößt.

      LG Karina

      • (15) 14.10.16 - 08:33

        Leider ist das normal, wenn der Hund direkt aus der Tötung/ Auffangstation kommt- die Tierschützer retten soviele sie können und nehmen in der Regel solche mit die eine gute Vermittlungschance haben. Da kann man nicht gross testen oder beobachten was es genau für ein Charakter ist. Aber, so gesehen weiss man das bei einem Welpen ja auch nicht 100%.

        Ich habe diesen Sommer 4 Hunde aus der Tötung aus Gran Canaria nach Deutschland begleitet. Und ich hatte den Eindruck das die erfahrenen Tierschützer schon auf den ersten Blick recht gut einschätzen welcher Hund geeignet wäre- Ausnahmen gibt es natürlich immer.

        Der kleine Kerl ist wirklich sehr hübsch. Ich würde tippen das etwas Terrier drin steckt. Auf jeden Fall sieht er aus als habe er den Schalk im Nacken. :-)

        Meiner Erfahrung nach sind diese Hunde wirklich dankbar, und wollen es ihrer Familie recht machen. Sie wissen ihr Zuhause zu schätzen. Und ja, ich gebe zu - bei mir/uns gibt es einen "Bonus" für die verlorene, hungrige Zeit in einem kalten Zwinger. Ich versuche ihr alles zu geben und zu ermöglichen was sie gerne mag (zB so oft es geht in der Sonne liegen und die Strasse beobachten) Erzogen ist sie narürlich trotzdem, wäre auch schwierig sonst. :-)

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