Katze erstickt und mir blutet das Herz

    • (1) 06.12.17 - 23:39

      Meine Katze "Mani" ist gestern am 1. Advent, kurz vor Mitternacht gestorben. Der Schmerz sitzt tief und ich brauche einen Zuhörer.

      Als Nachwus einer halb verwilderten Katze auf einem Bauernhof kam sie, nach der Entwöhnung von der Mutter, mit ca.3-4 Monaten zu mir. Zu Streicheln musste ich sie um Erlaubnis bitten!

      Mani war nie ganz gesund und sie stand schon zweimal an der Schwelle des Todes. Ein langsam wachsender Tumor im Gehirn (an der Hypophyse) verusachte Diabetes und Sie hatte immer wieder Entzündungen der Atemwege. Sie hat sich auch nicht mehr geputzt und ihre ständig tränenden Augen ließen sie manchmal wie ein Häufchen Elend aussehen.
      Anfang diesen Jahres habe ich ernsthaft überlegt Mani einschläfern zu lassen, denn ihre Atmung klang nur noch wie ein Röcheln. Schleim lief ihr aus der Nase, der verkrustete und die Nase verstopfte und die verkrusteten Tränen ließen mich zweifeln, ob Manis Leben noch lebenswert war.
      Ich wollte nicht kampflos aufgeben und wechselte zu einem anderen Tierarzt, der Mani vor Jahren bereits einmal bei einem Diabetes-Notfall das Leben gerettet hatte. Diesmal war ich entschlossen mich nicht von dem Arzt einschüchtern zu lassen und auf ganz genaue Diagnosen zu bestehen. Ich habe kein Zweifel daran gelassen und der Arzt scheint besser als der vorige.
      Wir haben geklärt, warum Mani so schwer atmet und dass die ungewöhnlich hohe Insulindosis durch den Tumor begründet war. Mitte diesen Jahres ging es ihr schon deutlich besser und gerade in den letzten Wochen schien sie richtig aufzuleben.

      Sie sah richtig toll aus, für ihre Verhältnisse und nach all den Jahren hat sie mir nahezu blind vertraut. Dann am Sonntagabend wollte ich ihr Essen für heute Morgen vorbereiten. Sie liebte Milch und ich konnte den Kühlschrank nicht öffnen, ohne ihr einen kleinen Schluck zu geben. Ich nahm das Fleisch aus dem Kühlschrank, um es zu zerkleinern, denn Mani hatte gerne mal Verstopfung und dagegen bekam sie geschrotete Leinsamen. Natürlich aß sie die nicht von alleine und deshalb habe ich den Leinsamen mit dem zerkleinerten Fleisch vermischt um sie zu überlisten.
      Wie ich so das Fleisch in den Zerkleinerer fülle, denke ich, dass Mani vielleicht noch Hunger hat und ich lege ihr ein Stück (wie Gulsch) in den Fressnapf. Mani trinkt die Milch fertig und nimmt dass Fleisch.

      Wie ich so ihr Fressen vorbereite höre ich plötzlich ein ungewöhnliches Geräusch, so als würde Mani gegen die Küchentür stoßen. Mani war beim Fressen recht ungeduldig und sie hatte sich schon ein paar Mal verschluckt. Das ging sogar bis zur kurzzeitigen Bewusstlosigkeit, aber sie hat dass Essen immer rechtzeitig ausgespuckt. Mit dem Geräusch war mir sofort klar, dass Mani sich auch diesmal verschluckt hatte und drehte mich sofort um. Da lag sie schon auf der Seite und zuckte mit den Pfoten. Ich war in Panik und es brauchte ein paar Sekunden bis ich reagieren konnte. In ihrem Maul hing das Stückchen Fleisch und ich zog es heraus. Mani lag einfach nur da. Versuche sie wiederzubeleben waren erfolglos.

      Ihr Tod hat mich wie der Blitz getroffen, ausgerechnet jetzt, wo es ihr seit langem wieder richtig gut ging.
      In meiner Vorstelltung hatte ich mich vorbereitet, Mani noch so lange wie ihre Lebensqualität es zuließ zu behalten und dann zum rechten Zeitpunkt sanft einschläfern zu lassen.
      Und jetzt, aus dem Nichts, musste ich ihren Todeskampf mit ansehen. Es ging so schnell, weniger als 1-2 Minuten aber eine gefühlte Ewigkeit. Ihr Tod an sich ist erträglich aber die Art und Weise, ihre letzten Zuckungen, es war ganz klar zu erkennen wie der Tod einsetzte. Ich bin hart im Nehmen, aber das war richtig hart. Ich Schlug auf ihren Brustkorb um ihr Herz wieder zu schlagen zu bringen und pumpte ihre Lungen, aber es war vorbei. Mani war tot.

      Das ist jetzt ungefähr 22 Stunden her und erst jetzt meldet sich der Schmerz. Es tut so weh, ohne Abschied und mit Todeskampf, ganz anders als ich es mir erhofft hatte. Es hätte nicht schlimmer sein können.

      Ein Trost bleibt, Mani hatte es wirklich gut bei mir. Je länger wir zusammen waren, desto besser hatte sie es bei mir.
      Vor ca. 4/5 Jahren war sie dem Tod schon nahe und einmal hielt ich Mani in den Armen, mit der Gewissheit dass sie die Nacht nicht überleben würde. Diese Erfahrung war so unglaublich intensiv, dass ich mir ernsthaft Gedanken machte, wie ich mit Manis Tod umgehen würde. Zu der Zeit stand es schlecht um Mani und es war mehr als möglich, dass Sie bald sterben würde.

      Für mich habe ich die Erkenntnis gewonnen, dass es nur einen wirklich zufriedenstellenden Weg gibt, der die Trauer in erträglichen Grenzen hält.
      Ich muss Mani die Zuneigung spüren lassen, welche ich für sie empfinde.
      Folgenden Satz habe ich gelesen : "Was Du fühlst ist ohne Belang, nur was du tust zählt."

      Diesen Satz habe ich bei Mani in die Tat umgesetzt und sie war eine hervorragende Lehrerin. Es hat mich unendliche Geduld gekostet und Mani hat mich sehr oft an meine Grenzen gebracht und darüber hinaus.

      Mani hat mich das Lieben neu gelehrt.

      Mani hat nie etwas im Austausch zurück gegeben. Alles was ich tat, musste ich aus Liebe tun, ohne den geringsten Anspruch oder Hoffnung auf Erwiederung. Mani gab was sie wollte und wann sie es wollte. Ich glaube Mani hatte sich an mich gewöhnt und vielleicht verspürte sie sogar Zuneigung, aber nie als Bezahlung.

      Seit der Nacht, als Mani "sterbend" in meinen Armen lag und es mir das Herz zerriss, habe ich sie meine Zuneigung spüren lassen. Nicht was ich fühlte, sondern was ich getan habe, tröstet mich. Mit Manis Hilfe habe ich meine Gefühle durch Taten zum Ausdruck gebracht.

      Mani liegt jetzt aufgebahrt auf Katzenstreu im Badezimmer und immer wieder gehe ich runter und streichle sie. Sie liegt da, als würde sie schlafen. Ihre Augen habe ich geschlosse und den Kopf auf ihre Pfoten gelegt, so wie sie so oft an ihrem Platz geschlafen hat.
      Ihr Tod hat mich so überrascht und seine Brutalität, ich kann es noch garnicht richtig begreifen. Vermutlich werde ich sie morgen beerdigen, so lange habe ich für den Abschied gebraucht. Sie sieht aus, als würde sie nur schlafen und heute Nacht hatte ich manchmal geglaubt Sie noch durch die Wohnung laufen zu hören.

      Ich werde Mani vermissen.

      • Es tut mir sehr leid.

        Aber vielleicht war dieser Weg für Mani leichter als jeder andere. Es ging sehr sehr schnell, sie musste nicht zum Tierarzt, hatte keine Schmerzen, keine Spritze. Auch nicht wochenlang vorher dauernd beim Tierarzt, weil dem ja oft eine längere Krankheitsgeschichte vorweg geht. Einschläfern ist ja auch nicht immer ganz so sanft wie man es sich wünscht. Für Mani war es schnell vorbei, ohne Schmerzen, gleich neben Dir.

        Auch wenn der Schock tief sitzt, auch wenn Du Dir noch viele schöne Monate gewünscht hattest. Für sie war es schnell und stressfrei.

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