Mein Mann hat Schwierigkeiten mit unserem Hund

    • (1) 05.09.18 - 11:07

      Hallo zusammen,
      ich weiß gerade keinen anderen Rat, als mich hier im Forum nach Rat umzuhören.
      Es geht um Folgendes:
      Wir haben - nach 2 Jahre langer Überlegung - vor 2,5 Monaten einen Welpen zu uns geholt. Ein Berner Sennenhund. Er ist, wie ein Welpe ist. Verspielt, chaotisch, geht an deine Grenzen und bringt dich jeden Tag zum Lachen. #hund
      Nur leider meinen Mann nicht mehr. Mein Mann ist sehr kaltherzig und mit sehr wenig Liebe großgezogen worden. (er hat - von unserer Beziehung schon viel gelernt, in Sachen Liebe, Zärtlichkeit, Zugetansein usw. aber Empathie und ähnliches ist für ihn schwer verstehbar)
      Aus diesem Grund habe ich auch sehr lange gezögert und mich wirklich lange und sehr oft mit ihm darüber unterhalten, was ein Hund - gerade ein junger - für eine Aufgabe ist. Dass erstmal viel kaputt gehen wird, dass es manchmal nicht mehr nur 'süß und toll und lieb' sein wird, sondern auch harte Arbeit. Ich denke, jeder, der schon mal einen Welpen hatte, weiß, was ich meine. Nun, mein Mann war damit einverstanden. Wir haben uns gemeinsam dafür entschieden.
      Aber heute, nach 2,5 Monaten bin ich unendlich traurig. Ich habe das Gefühl, mein Mann ist dem Ganzen bereits überdrüssig. Er regt sich nur noch auf, wenn er was kaputt macht, streichelt ihn fast nie, ist relativ rüde (nicht aggressiv oder so, er strahlt eher eine Ablehnung aus, die ja der Kleine auch merkt), redet kaum mit ihm und man merkt einfach, dass er keine große Lust hat, etwas an seinem Verhalten zu ändern. Ich bin natürlich auch konsequent und es gibt Schimpfe, wenn er was kaputt macht etc., also der Kleine wird von mir auch nicht in Watte gepackt, aber ich bin trotzdem liebevoll und ihm einfach zugetan. Genauso wie unsere fast 7jährige Tochter, die ihn abgöttisch liebt.
      Aber langsam weiß ich einfach nicht mehr, wie ich unsere Situation entspannen soll. Gestern habe ich meinen Mann gebeten, am späten Abend noch mit ihm in den Garten zu gehen, damit er nochmal pipi macht, bevor es ins Bett geht. Mein Mann geht also auf die Terrasse und sagt, 'komm'... Unser Kleiner bewegt sich keinen Millimeter, erst als ich es nach ein paar Minuten nicht mehr mitanschauen konnte und mit raus bin, kam er gleich nach. Das hat meinen Mann natürlich auch wieder geärgert und ich habe wieder versucht, ihm zu erklären, wie wichtig sprechen und Motivation ist. Dass ein Hund kein Computer ist, den man einschaltet und er funktioniert, sondern dass man Zeit und Gefühl investieren muss... Aber ich weiß nicht... Ich habe das Gefühl, ich rede gegen die Mauern seiner Kindheit und komme nicht drüber...
      Es ist ja bei mir und abgeschwächt bei unserer Tochter ähnlich, dass er was Gefühle angeht gaaanz wenig 'Ahnung' hat...
      Bitte nicht falsch verstehen, er ist ein lieber Mann, freundlich, liebevoll, er macht alles für uns, liebt uns total, aber er kann sich schlecht in andere hineinfühlen und gerade Tiere (so hat er das gelernt) müssen funktionieren...
      Hat vielleicht jemand hier ähnliche Schwierigkeiten oder Situationen erlebt und weiß noch Rat? Mir tut der Kleine einfach so Leid und ich befürchte, diese 'Flegelphase' in der noch viel kaputt geht usw hält noch ne Weile an und ich möchte nicht immer diese Spannungen ertragen müssen... Irgendwas muss man da doch machen können?!?
      Über Hilfe wäre ich total dankbar!

      Und bitte keine Ratschläge, wie setz den Mann vor die Tür oder stelle ihn vor die Wahl, das ist nicht hilfreich... :-(

      Liebe Grüße #herzlich

      • Hallo,
        Schicke doch Deinen Mann mit dem Hund in die Hundeschule. Oft hilft es, wenn jemand fremdes etwas erklärt.
        Am besten mit männlichem Trainer. Vielleicht ist das einfacher.
        Viel Spaß noch mit dem Kleinen, Du weißt ja, es wird immer besser.

        • Also, wir gehen immer gemeinsam in die Welpenspielstunde, das finde ich auch ganz wichtig und - du hast Recht - da ist ein Mann der Hundetrainer. Er hört ihm schon zu und letztes Mal waren wir zufällig allein mit ihm, da hat mein Mann auch ganz viel gefragt. Warum man Hunde nicht mehr so erzieht, wie früher usw. Aber daheim dreht er dann viele Aussagen des Hundetrainers ganz schnell so hin, wie sie für ihn wieder 'passen'. Hund nicht in Watte packen bedeutet dann plötzlich nicht mehr konsequent sein, wenn er 'Mist baut', sondern den ganzen Tag ignorieren und solche Geschichten...
          Wir haben in unserem 'Welpen-Paket' auch eine Privatstunde mit dem Hundetrainer bei uns daheim, das ist gerade mein einziger Lichtstreifen am Horizont, der mir bzw uns helfen könnte. Allerdings - befürchte ich - muss ich da vorher erstmal mit dem Hundetrainer quatschen und ihm unser Problem nahebringen, damit er da evtl etwas genauer darauf eingeht... Allerdings sind bei uns jetzt dann 2 Wochen Pause, was bedeutet, diese Privatstunde findet nicht allzu bald statt...

          Vielen Dank für die schnelle Reaktion. Es tut gut, das Ganze zumindest schon mal angesprochen zu haben... :-)

      Hallo!

      Eigentlich müsste dein Mann in Therapie, um diese Kindheit zu verarbeiten, auch um mit Dir und eurem Kind besser umgehen zu können. Das kann ja für euch auch eine große Belastung sein in vielen Lebenslagen, wenn er immer wieder so kalt ist - auch wenn es einen großen Teil der Zeit gut klappt, für ein Kind reicht schon ein mieser Tag pro Woche, um das Verhältnis zu belasten.


      Der Hund ist nur ein weiteres Symptom für ein Grundlegendes Problem, und nachdem die Flegelphase bei einem Berner locker 1,5 Jahre dauert, kann das wirklich hart werden. Hält das eure Ehe aus, wenn du die nächsten 1,5 Jahre dauernd eingreifen musst, damit er keinen Schaden anrichtet?

      • Sehe ich genauso. Der Hund ist nur ein Symptom. Das Problem ist der Mann mit seinem lieblosen Verhalten. ☹

        • Vielen Dank für die Antworten. Leider kann ich daraus nicht direkt einen Nutzen ziehen, denn ob mein Mann eine Therapie benötigt oder ähnliches kann man aus dieser Internetdistanz meiner Meinung nach nicht beurteilen.
          Ich kann bestätigen, dass es mit einer 'nicht so schönen Kindheit' schwerer ist, Gefühle usw auszuleben, sehe aber nicht, dass das der ganze Knackpunkt ist.
          Nach einem tiefen und längerem Gespräch mit meinem Mann bin ich einen guten Schritt weitergekommen. Mir ist aufgefallen, dass ich - um wohl Probleme nicht aufkommen zu lassen - alles was mit unserem Hund war alleine versucht habe, zu machen. Mein Mann hatte das Gefühl, nichts richtig zu machen und 'eh nur zweite Wahl' zu sein.
          Nachdem ich ihm gestern einmal die Verantwortung überlassen habe, z. B. beim Gassi gehen und nicht immer reingeredet habe, hat es wunderbar funktioniert. Genauso, als ich gestern eine schwierige Situation mit unserem Hund hatte und ihn um Rat gefragt habe. Das hat mich unheimlich erleichtert und meinen Mann ebenfalls sehr glücklich gemacht, dass er mir helfen konnte.

          Ich kann die Idee mit der Aufarbeitung durchaus nachvollziehen, aber das funktioniert nicht bei jeder Person. Mein Mann würde sich definitiv niemandem öffnen. Dass er das bei mir macht ist ein großes Geschenk und stärkt unsere Ehe mehr, als dass die Kindheit bzw (Schwieger-)Mutter sie je schwächen könnte.
          Ich werde weiterhin aufmerksam dieses Forum studieren und mich mit Vertrauen bei Schwierigkeiten melden um weitere Sichtweisen und Denkanstöße zu erfahren. Vielen Dank an alle, die sich Gedanken um 'mein Thema' gemacht haben!
          Liebe Grüße! #winke#herzlich#hund

          • Moin!


            Wie dein letztes Posting eindrucksvoll zeigt: Wer machen darf, der tut es meistens wirklich gut. Und nur durch Übung kann es sich verfestigen.

            Wie bei der Kindererziehung gilt es zu berücksichtigen, dass nur weil es jemand anders macht, er es nicht schlechter macht. Zwei Menschen, zwei Typen, zwei Charaktere. So ist das eben, und diese Vielfalt kann man nutzen.

            Und dein Mann macht es eben anders als du. Gibt ihm die Möglichkeit dazu und reiß nicht die ganze Arbeit mit dem Hund an dich.

            Falls der Hund bei deinem Mann Probleme macht, dann schafft dein Mann es ganz bestimmt auch alleine. Wenn man ihn denn lässt.

            Die Kindererziehung machst du doch auch nicht ganz alleine, sondern gemeinsam mit ihm, oder?

            Beim Hund ist es letzlich ähnlich.

            Ganz wichtig sind das Timing beim Belohnen (gewünschtes Verhalten sofort und ausgiebig loben) sowie Konsequenz im Sinne Grenzen aufzeigen. Beides wird dem Tier, (bitte nicht vermenschlichen!), die gewünschte Sicherheit vermitteln, die es braucht, um ein sozial kompatibler Begleiter zu werden.

            Dein Mann wird hundertprozentig auch anders mit dem Hund spielen als du. Da empfiehlt sich Gelassenheit, hüben wie drüben.

            Souveräne Gelassenheit zeichnet gute Hundeführer aus. Ein ruhiger Fels, der dem Tier Sicherheit und Ruhe vermittelt. Konsequent von Anfang an. (Konsequenz heißt nicht schlagen, nicht missverstehen, bitte.)

            Und Hilfe bei einem irgendwann ausgewachsenen Berner Senn kann man immer brauchen.

            Ihr schafft das schon!
            Mit Gruß
            vom Klos

            Hallo!

            Ich verstehe dich da gut und es bringt auch wenig, jemand anderen zur Therapie zu schicken, wenn der das gar nicht will.

            Wenn das also nicht zur Diskussion steht: lass deinen Mann viel mehr mit dem Hund machen. Die meisten Hunde haben eine besonders intensive Bindung zu der Person, die am meisten und am anspruchsvollsten mit ihnen arbeitet. Da kann auch mal eine Stunde über gepflegte Wege spazieren gehen weniger wert sein als 10 Minuten intensives Training. Also such solche intensiven Aktivitäten, die beide zusammen machen können, bei denen schnelle Erfolge sichtbar werden und dein Mann mit reichlich Belohnung arbeiten kann. Tricks, Nasenarbeit, Apportieren... sowas in der Richtung, ganz praktisch.

            Das stärkt einfach die Bindung auf beiden Seiten, er hat Erfolge, der Hund freut sich total über die Belohnung und merkt da eben etwas "materiellere" Zuneigung, und damit wird dein Mann dann auch über die Flegelphase besser hinwegsehen können.

    Hallo,

    klar ist das nicht hilfreich aber ich schaue dann schon mal auf die Anzeigen: Berner Sennenhund Umständehalber abzugeben!

    Warum holt man sich einen Hund (noch dazu einen Welpen) wenn es anscheinend nicht Einstimmig in der Familie beschlossen wurde? Mir tut der Hund jetzt schon Leid.

    LG

    • Sorry... @Oma.2009 wer lesen kann ist klar im Vorteil...
      Der Hund wurde lange besprochen und einstimmig beschlossen ausgesucht... Mehr möchte ich mich dazu nicht äussern…

      @hasipferdi und @goldklos Vielen Dank, das werde ich beherzigen, kommt schon vor, dass ich es manchmal 'zu gut' meine #schein

Besteht das Risiko, dass dein Mann dem Hund gegenüber grob wird wenn er genervt ist?

Dann würde ich entgegen den Meinungen meiner Vorschreiberinnen ihn aus der gesamten "Hundearbeit" rausnehmen und mit ihm vereinbaren, dass er andere Aufgaben übernimmt zum Ausgleich und deiner Entlastung, welche nichts direkt mit Mensch und Tier zu tun haben, wie Gartenarbeit, Kochen, Fensterputzen was auch immer.

Mein Mann ist übrigens auch nicht der Haustiertyp. Seit über 20 Jahren klappt es bei uns jedoch super, er lässt mich und die Kinder gewähren, akzeptiert, dass es mich ohne Hund nicht gibt, dass Katzen, Vögel, Geckos zur Familie gehören, er ist aber nicht für die Tiere zuständig, in keinster Art und Weise. Lustigerweise baut er im Stillen, beinhahe unbemerkt, dann doch Beziehungen zu ihnen auf.... In absoluten Ausnahmefällen (ich im Krankenhaus) geht er auch auf Spaziergänge mit den Hunden, mit ihm in den Garten dürfen die Hunde jederzeit, er ist auch nie grob, wird nicht laut. Die Zeit die ich für die Hunde aufwende kompensiert er mit Haushalt, putzen usw. Bei den restlichen Tieren springt er durchaus ein beim Misten, Katzenklo leeren usw.

  • Vielen Dank für deinen Beitrag.
    Nein, er wird nicht körperlich. Er kompensiert eher durch ignorieren. Wobei ich das eher auch in vergangenheitsform sagen darf.
    Seit unserem Gespräch geht er ganz anders auf unseren Hund ein. Spricht mit ihm, spielt mit ihm und ist auch sehr körperlich, also streicheln, einfach berühren und so. Sie sind so schön anzuschauen gemeinsam... #herzlich Ich bin total glücklich, bei uns zuhause ist es soviel entspannter und ich hoffe von Herzen, dass es sich genauso weiterentwickelt!

Auch wenn der Beitrag schon paar Tage her ist, möchte ich antworten.

Ich glaube, du beschreibst meinen Mann xD

Letztendlich hat es sich bei uns so eingespielt, dass die Tiere meine Aufgabe sind. Punkt.
Es gibt eine Sache, für die er fest eingeplant ist und das ist die abendliche Gassigehrunde. Einfach, weil ich die Kinder bettfertig mache usw und ich irgendwann auch Feierabend haben möchte.

Die Tiere haben gar kein Verhältnis zum Mann. Vor allem bei unserem Hund sieht man das: komme ich nach Hause oder kriegen wir Besuch, ist große Freude angesagt. Kommt mein Mann von der Arbeit, hebt sie nicht mal ihren Kopf.

Die abendliche Runde findet der Hund auch eher bescheiden.. Aber muss er durch^^

Es gibt nun Mal Menschen, die keine Tiermenschen sind. Das habe inzwischen akzeptiert und bin nur noch manchmal traurig deswegen.
Ich versuche mich darüber zu freuen, dass mein Mann die Tiere immerhin duldet- denn Tiere kosten nun mal Geld, machen Dreck, riechen usw.

Übrigens, auch das Verhältnis von meinem Mann zu seinen Töchtern ist eher so lala. Er kann sich nicht gut in die Kinder hinein versetzen, ist schnell genervt usw.
Aber bei ihm lernen sie dafür rationales Denken, Stabilität und auch,dass Grenzen eingehalten werden müssen. (Lernen sie bei mir auch, aber nicht so deutlich)

Menschen sind unterschiedlich und ich habe mich entschieden, diesen seltsamen Menschen zu heiraten mit all seinen Ecken und Kanten. Und er hat sich entschieden, mich zu heiraten. Ich hab natürlich keine Ecken und Kanten xD aber viele Tiere xD

Versuch, dass der Hund im Beisein deines Mannes nicht ganz so viel zerstört bzw dass du es schnell weg machst. Damit dein Mann keinen Hass auf den Süßen kriegt.
Gerade die Pubertät wird nämlich nochmal ein Stückchen schlimmer.

Wir haben übrigens einen neufundländer :)
Und der hat selbst mir in seiner Jugend den letzten Nerv geraubt :) mittlerweile ist er allerdings fünf Jahre und einfach nur traumhaft <3

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