Schuldgefühle nach Einschläferung

Thumbnail Zoom

Wir haben unseren geliebten 12-jährigen Boxerrüden am Donnerstag für immer einschlafen lassen und seitdem bin ich nur noch am Weinen und mich plagen enorme Schuldgefühle. War es vielleicht doch zu früh? Hätte er vielleicht doch noch ein paar schöne restliche Wochen gehabt?

Wir hatten ihn vor 11 Jahren aus dem Tierheim geholt. Da er eine sehr sehr schlimme Vergangenheit hatte (geschlagen, eingesperrt und auf 17 kg abgemagert) war es nicht immer einfach mit ihm. Fremde durften ihn nicht anfassen, da er sehr ängstlich war und geschnappt hätte. Aber zu den wenigen Menschen, zu denen er vertrauen hatte, war er so lieb und genoss jede Streicheleinheit. Er wollte immer bei uns und den Kindern sein, war immer da, wo wir waren. Er hatte so viel Power und wir hatten eine tolle Zeit.
Schon im letzten Jahr wurde er altersbedingt etwas ruhiger.
Leider machte sich immer mehr die boxertypische Spondylose bemerkbar. Die letzten Wochen war er sehr eingeschränkt in seinen Bewegungen, ist beim Rennen sogar einmal umgefallen und liegengeblieben und vorletzte Woche ist er auf der Treppe hängengeblieben. Da es nachts war und mein Baby eh gerade viel weint, haben wir es gehört und konnten ihn die Treppe irgendwie runterbringen; Tragen ließ er sich noch nie.
Er fraß auch fast nichts mehr und nahm extrem ab.
Auch wollte er nur noch draußen liegen und nicht mehr lange spazierengehen. Nachts verlor er oft Stuhl.
Ich rief beim Tierarzt an, ob er ihn mal wieder gründlich durchchecken könne und wir dann dann eine Entscheidung treffen. Unserem Hund musste man leider immer eine leichte Narkose geben, da eine Untersuchung sonst unmöglich war. Also machte man eine Blutabnahme, Röntgenbilder und Ultraschall. Ich hatte irgendwie gehofft, dass er was „innerliches“ hat, sodass uns die Entscheidung nicht so schwer fällt. Aber Blutbild war top. Innerlich auch gut; er hatte nur Punkte in der Lunge; das kann alles oder nichts sein. Die Spondylose natürlich arg fortgeschritten und klemmte auch hinten einige Nerven ab. Aufgrund seines Zustands meinte auch die Ärztin der Klinik, dass es für ihn eine Erlösung wäre. Und so ließen wir ihn nicht mehr aus der Narkose aufwachen.

Seitdem bin ich bzw wir alle unendlich traurig, vor allem mich plagen solche Schuldgefühle. Er hatte zwischendrin auch gute Momente und genoss das Zusammensein mit uns. Vielleicht hätte er sich über ein paar Wochen gefreut😢

Ich musste mir das jetzt einfach mal von der Seele schreiben. Manche werden denken, es war nur ein Hund. Aber für uns war er einfach ein Familienmitglied.

1

hallo 👋🏼

fühl dich ganz doll gedrückt, ich musste sowas vor etwa einem jahr mit meinem seelenkater durchmachen. für mich ist die welt unter gegangen, habe in meinem leben noch nie so viel geweint & das passiert auch heute noch oft.

als außenstehende person, die nur ein paar eckdaten liest, ist es natürlich schwer zu beurteilen ob es zu früh war. aber so wie du schreibst, finde ich, hast du die richtige entscheidung getroffen. du hast diesen hund sehr geliebt, also gehe ich davon aus, das du die situation gut einschätzen konntest. mach dir keine vorwürfe ♥️

2

Erstmal tut es mir sehr leid für dich und deine Familie! Es ist sooo schlimm, ein geliebtes Tier gehen zu lassen und diese Entscheidung zu treffen.
Du wirst diese Entscheidung ja nicht leichtfertig oder einfach spontan getroffen haben, also gib dir nicht die Schuld eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, denn das hast du höchstwahrscheinlich nicht, die Situation wäre ja unweigerlich genau auf das gleiche in ein paar Tagen oder Wochen rausgelaufen und wer weiss, ob er bis dahin nicht einfach nur einen Grossteil der Zeit Schmerzen gehabt hätte.
Sei nicht so streng zu dir selber und quäle dich zusätzlich noch mit diesem Gedanken.
Trauere um ihn, verabschiede dich von ihm, aber mach dir nicht solche Schuldgefühle.

Du hast ihm nicht sein Leben genommen, Du hast ihm vor Jahren als ihr ihn bei euch aufgenommen habt ein liebevolles Leben gegeben und nun einen würdevolles Ende, so grausam das für die, die zurückbleiben auch ist.

Ich drück dich!!!

3

Vielen Dank für eure wirklich lieben Worte. Ich hoffe sehr, dass wir richtig entschieden haben. Es tut einfach so weh😢

4

Du hast nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Und deinem Hund damit einiges an Schmerzen und evtl. Todeskampf erspart.
Er hatte ein schönes Leben bei euch, wurde geliebt und sanft über die Regenbogenbrücke begleitet.

Ja, diese Entscheidung ist immer hart, und bei jedem meiner Tiere hoffe ich immer, daß sie einfach mal morgens, sanft eingeschlafen, in ihrem Körbchen liegen und ich diese Entscheidung eben NICHT treffen muss. Und doch ist es ein Liebesbeweis, diesen Weg gehen zu können und die Notbremse zu ziehen, wenn ersichtlich ist, daß aus Leben Leiden geworden ist.

Ich verstehe deine Gefühle und deinen inneren Zwiespalt. Und doch, mit dem Außenblick, sag ich klar, ihr habt richtig gehandelt. Und euer Hunde würde euch das bestätigen, wenn er könnte.

Lieben bedeutet eben auch Loslassen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.

5

Auch dir vielen Dank für die liebe Antwort. Jetzt mit ein paar Tagen Abstand denke ich, dass es richtig war. Wobei kleine Zweifel immer bleiben. Aber ihm geht es jetzt hoffentlich besser😢

6

Es tut mir wahnsinnig leid, dass ihr eurer felliges Familienmitglied gehen lassen musstet. Dafür ist es immer zu früh, egal wie viel Zeit man miteinander verbracht hat und wie alt sie werden durften. #liebdrueck

Nach dem, was du schreibst, hat euer Hund mit dem Leben bei euch das ganz große Los gezogen. Wie schön, dass er so geliebt wurde und euch offensichtlich ebenso in sein Herz geschlossen hatte. Da ist es nur naheliegend und logisch, dass sein Tod eine große Lücke und eine emotionale Wunde bei euch hinterlassen hat.

Aus meinem Erleben kenne ich es so, dass fast jeder Tod eines geliebten Tiers auch Schuldgefühle auslöst. Egal, ob es jung und plötzlich durch einen Unfall stirbt oder in hohem Alter an einer Krebserkrankung, die sich nicht mehr aufhalten lässt. Ich hatte es nur einmal, dass mein Partner und ich mit der Entscheidung gar nicht gehadert haben. Unsere Glückskatze war schon seit Jahren in einem gesundheitlich desolaten Zustand. Fast jedes andere Tier hätte seinen Lebenswillen schon verloren gehabt, sie hatte ein Kämpferherz. Irgendwann war aber klar, dass die paar Minuten Lebensqualität, die sie am Tag noch hatte, das Leiden nicht mehr aufwiegen. Für uns war die Entscheidung richtig, andere Familienmitglieder hatten das Gefühl, dass wir sie zu lange haben leiden lassen. Es ist ein schwieriges Thema...

So, wie du es schilderst, hat euer Hund aber selbst schon damit begonnen gehabt sich von seinem irdischen Leben zu verabschieden. Ich denke, er hat sich auch vor dem Tierarztbesuch schon auf die letzte Reise gemacht und ihr habt dafür gesorgt, dass er gut und ohne einen Leidensweg zurücklegen zu müssen, auf die andere Seite gekommen ist.

Mein aufrichtiges Beileid zu eurem Verlust!

7

Sehr lieb geschrieben! Vielen Dank dafür!