Vegane Babyernährung

Hi zusammen,

ich bin gestern im Gespräch mit Freunden durch Zufall auf eine interessante Fragestellung gestoßen.

Ich beschäftige mich nicht besonders viel damit, bin der veganen Ernährung aber grundsätzlich nicht abgeneigt. Ich bin davon auf alle Fälle nicht genervt, sondern kann verstehen, dass man erwas lauter sein muss, wenn man etwas bewegen will.

Naja. Auf jeden Fall meinte ich gestern, dass egal was man so als Erwachsener macht und entscheidet, für mich die Grenze bei der Kinderernährung wäre und ich das nicht verantworten könnte. Daraufhin die Gegenfrage, woher ich denn wisse, dass vegane Ernährung die schlechtere Ernährung sei?

Hmpf. Jetzt hab ich mich bisschen eingelesen... vonwegen tierisches Protein ist ja auch nur das Protein aus den Pflanzen, die die Tiere essen. Sprich wir verlieren auf dem Weg nur etwas, anstatt es einfach direkt aus den Pflanzen zu uns zu nehmen plus wichtige Vitamine, Antioxidantien, etc...und eigentlich ist es ein Irrglaube, dass wir Fleisch- bzw. Allesesser sind, da unsere Verdauung viel näher an der des reinen Pflanzenessers dran ist - daher können wir Fleisch (in der Regel) ja auch nur zubereitet zu uns nehmen.

Heute dann die neuesten Erkenntnisse wieder in anderer Runde geteilt - sofort der Dämpfer. "Nein! Das ist Quatsch. Kinder brauchen Fleisch für ihre Entwicklung. Es gibt genug Beispiele, für Kinder, die vegan ernährt wurden und dann Jahre hinter der Entwicklung von "normal" ernährten Kindern waren."

Hab das jetzt noch nicht versucht zu überprüfen, daher hier mal die Frage an mögliche Experten unter euch:
Welche Erfahrungen habt ihr? Kennt ihr Kinder die rein vegan ab Babyalter ernährt wurden und Entwicklungsdefizite haben? Oder habt ihr Positivbeispiele von veganen Kindern, die sogar sehr viel weiter als der Durchschnitt waren? Wie ist eure Meinung: tue ich meinem Kind damit was Gutes? Oder sollte ich lieber weiter auf Fleisch und tierische Produkte setzen, weil..."bei uns hats ja auch funktioniert"?

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Kleiner Nachtrag, damit es nicht in diese Richtung abdriftet: es ist völlig klar, dass B12 immer ein Problem ist und supplementiert werden muss. Ich setze also bei richtiger, veganer Ernährung voraus, dass das berücksichtigt wurde und kein B12-Mangel der Grund für eine mögliche Entwicklungsstörung ist.
;-)

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Ich hänge mich mal an, weil ich das Thema auch interessant finde.
Vegan wäre jetzt nicht zwingend was für mich, aber vegetarisch. Meine Hebamme sagte mit, dass sie Fleisch im ersten Jahr nicht für notwendig erachtet, weil bspw in Hafer viel mehr Eisen enthalten ist als in Fleisch und sie dann den in den Brei geben würde.
Fleisch dann erst später vom Familientisch.

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Hallo,

da ich mich in der Vergangenheit mal schlau über Eisengehalt von Lebensmitteln, Verwertbarkeit usw. gemacht habe, möchte ich eine Sache noch anhängen:

Hafer hat zwar einen doppelt so hohen Eisengehalt wie Rindfleisch (Hirse sogar 3x so viel), allerdings wird tierisches Häm-Eisen 3x besser verwertet als das pflanzliche Nicht-Hämeisen, also braucht es mehr Getreide um den Bedarf zu decken. Und beachten muss man auch, dass z.B. Milch, Joghurt, (Kaffee) die Eisenaufnahme hemmen (genauso wie die Oxalsäure im Spinat) - sage das in Anbetracht des Getreide-Milch-Breis abends. Eine Vitamin C-Quelle (Obstmus/-saft) unterstützt die Eisenaufnahme, daher gibt man das immer noch dazu.


Bitte nicht als Besserwisserei oder Bevormundung verstehen :-) Wollte das nur ergänzen auch für die, die still mitlesen, grade weil weiter unten auch nochmal gesagt wird, dass Getreide genauso gut Eisen liefert wie Fleisch. Ich füttere auch nicht jeden Tag einen Fleischbrei, dafür gibt's aber einmal die Woche Linsen...

LG und alles Gute!

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Vielen Dank, das ist interessant.🙂
Genau, das mit dem Vitamin C wusste ich. Deswegen gibts auch immer etwas Obstmus in den Brei dazu.

Wenn Milch die Aufnahme hemmt und Obst sie fördert, gleicht sich das dann quasi aus?🤔 und wenn man bspw Wasser, Hafer und Obst hat ist es besonders gut, weil die Aufnahme nur unterstützt wird?

Wie oft gibst du Fleisch zum Brei und wie oft Hafer oder Linsen?

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Vegetarisch geht, vegan ist schon eine extreme Ernährungsform und bei Babies wird davon abgeraten.

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Stehe beidem skeptisch gegenüber.

War da nicht vor ein paar Wochen ein Fall, bei dem die Eltern ihren kleinen Sohn unterernährt haben, weil sie vegane Kost bevorzugten, und dieser dann starb? "Quinoa statt Milch" hieß es. Aber da wurde auch keine Milch gegeben, weil das Baby es angeblich nicht vertrug.

Oder vor einiger Zeit die Eltern, die ihr Kleinkind vegetarisch oder vegan (?) ernährt haben, und das Mädchen stark unterenwickelt und abgemagert war? Dieses befindet sich nun in der Obhut einer Pflegefamilie.

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Wie gesagt, vegan ist nicht das Gleiche und auch nicht "artgerecht", finde ich. Vegetarisch ernährte Kinder und Erwachsene (von Geburt an) kenne ich und allen geht es gut.

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Ich finde das Kind darf in einen vernünftigen Umfeld selbst bestimmen was es essen mag und was nicht.
Unsere liebt Wurst aufs Brot, also darf sie das auch essen. Fände es falsch ihr das zu verwehren. Genauso isst sie aber Avocado u.ä.
Im Brei habe ich max 2x Fleisch gemacht, weil ich das selbst nicht besonders mochte und Haferflocken o.ä. auch Eisen liefern.

Ich bin generell kein Freund von extremen essformen in jeglicher Art. Für mich ist ausgewogen und von jedem etwas immer noch das gesündeste was es gibt.

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Sehe ich auch so.

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Hallo,

ich habe keine Erfahrungen mit so ernährten Babys oder Kleinkindern, kenne nur entfernt ein vegan ernährtes Kind, das (leider) immer sehr mager und blass aussieht... kenne es aber nicht gut genug, um mehr darüber zu berichten. Ich habe schon öfter gelesen, dass je früher man ein Kind vegan ernähren möchte, es umso kritischer ist, dass auch wirklich alle Nährstoffe in ausreichender Menge notfalls supplementiert werden, und dass es einer engmaschigen Kontrolle des Kindarztes oder einer Ernährungsberatung bedarf.

Hier die Zusammenfassung einer wissenschaftlichen Arbeit aus 2019:

"The current craze for vegan diets has an effect on the pediatric population. This type of diet, which does not provide all the micronutrient requirements, exposes children to nutritional deficiencies. These can have serious consequences, especially when this diet is introduced at an early age, a period of significant growth and neurological development. Even if deficiencies have less impact on older children and adolescents, they are not uncommon and consequently should also be prevented. Regular dietary monitoring is essential, vitamin B12 and vitamin D supplementation is always necessary, while iron, calcium, docosahexaenoic acid, and zinc should be supplemented on a case-by-case basis. "

Von einer direkt veganen Beikosteinführung wird dringend abgeraten:

"Vegan weaning should be discouraged because serious damages (slow growth, rickets, irreversible cognitive deficits, cerebral atrophy, and also death) have been demonstrated."

Vegetarische Beikosteinführung sollte überwacht werden vom Kinderarzt oder Ernährungsberatern:

"Vegetarian weaning with appropriate guidance from family pediatricians or nutritional experts is possible and it should not be opposed."

Außerdem wird darin von einer alternativen Beikost für Frühgeborene abgeraten.

Hier nachzulesen, mit vielen weiterführenden Links:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7370013/#B13-ijerph-17-04835

Finde diese Arbeit sehr informativ, da werden auch alle wichtigen Nährstoffe usw. aufgeführt, wie sie ersetzt werden können usw. :-)

Vegan ist für mich persönlich nichts. Wir essen aber relativ wenig Wurst/Fleisch - anscheinend essen das viele täglich - haben aber eigene Hühner von denen wir natürlich die Eier essen.

LG