Sich hungrig trinken

Gibt es das? Ich kann leider noch nicht voll stillen, wir füttern, meist abends und nachts, in der Summe etwa 120 ml am Tag zu. Tagsüber kommt sie (7. Wochen alt) etwa alle 40 Minuten, trinkt dann erst engagiert, schläft aber bald ein. Abends und nacht trinkt sie länger am Stück, allerdings auch jede Stunde, wird nach einer Weile wieder wacher und beginnt dann zu strampeln, die Brust auszuspucken, sie wieder zu suchen und ganz nervös weiter zu saugen. Wenn wir dann nicht sofort zufüttern, beginn sie zu schreien und wird ziemlich schnell panisch.
Die Stillberatung empfahl uns, doch wieder mehr zuzufüttern, auch tagsüber ungefragt, stattdessen mehr abzupumpen.
Leider hab ich durch die Umstellung jetzt einen hartnäckigen Milchstau bzw.seit Tagen immer wieder neue. Ich versuche seitdem, sie wieder mehr trinken zu lassen, damit die Brust entleert wird, und lasse das Powerpumping weg, pumpe nur noch, um den Milchstau loszuwerden. Man liest ja, dass Ausstreichen besser werde, aber das bekomme ich irgendwie nicht hin.
Wir sind also wieder beim Alten: sie trinkt, auch nachts, jede Stunde, und spätestens beim dritten Mal wird sie nervös und aufgeregt und panisch. Andererseits will ich sie ungern von der Brust nehmen, wenn die noch nicht leer ist, wegen des Staus, und weil sie selbst auch beim Wegnehmen der Brust anfängt zu schreien.
Kann es aber sein, dass sie, je länger sie trinkt, wieder hungriger wird? Wo ist hier der goldene Mittelweg, und wie kann ich so jemals vollstillen? Meine Brust scheint ja mehr zu produzieten, aber das trinkt sie nicht (sondern schläft ein), sonst würde ja kein Milchstau entstehen, odet? Und dann kommt nicht mehr genug, und sie trinkt sich hungrig. Oder verstehe ich was falsch?

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Hey, wenn ich das so lese, klingt das für mich wahnsinnig anstrengend, du schläfst ja kaum noch und dein Kind auch nicht lang! Vielleicht hast du durch den Stress auch Milchstaus. Das könnte der Hintergrund der Stillberaterin sein, dass sie euch eigentlich wieder mehr Ruhe wünscht und dafür etwas mehr zufüttern empfiehlt. Geht's dir denn einigermaßen? Hast du dich von der Geburt schon erholt und hast du Unterstützung?

Ich sag dir mein Schlüsselerlebnis, meinen ersten Sohn hab ich über sechs Wochen unter extremem Stress alle zwei Stunden gestillt, dann hab ich abgepumpte Milch nachgefüttert und dabei wieder den Rest der Mahlzeit abgepumpt. Ich wollte unbedingt voll stillen. Und war unter der Woche allein mit ihm. Als meine Eltern mich dann besuchten und meinen Zustand erkannten, packten sie mich und den kleinen ein und ich war für drei Wochen bei ihnen in der alten Heimat "in Kur". Dort habe ich nur noch ein einziges Mal gepumpt, ab dann lief es. Zufüttern war dann auch gegessen. Da war ich endlich entspannt genug.

Du musst für dich gut sorgen! Das ist allererste Voraussetzung für alles weitere. Deine Kleine nimmt ja Flasche und Brust gut, also mach dir erstmal keine Sorgen, dass sie die Brust nicht mehr will. Mach sie satt, auch mit Flasche, und ruh dich aus! Lass den Papa spazieren gehen, oder wenn es draußen zu kalt ist, soll er sie ins Tragetuch nehmen, da schlief meiner auch Mal länger. Und dann Schritt für Schritt kommt ihr schon zum Vollstillen, nur Geduld, die Stillbeziehung ist noch lang! Pass auf dich auf und alles Gute!

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Hey, vielen Dank für deine liebe Nachricht! Ich glaube, der Tipp der Stillberaterin ging in die gleiche Richtung: entspannen und Geduld haben. Dennoch bin ich natürlich, gerade durch den sehr holprigen Beginn des Stillens - starke Gewichtsabnahme, eine Brustwarze wird nicht genommen, die andere ist blutig, Zufüttern, Abpumpen, Milchstau, eine blöde Hebamme, die Druck macht -, zugegeben ängstlich bei jeder längeren Pause, dass es wieder zu Staus kommt oder aber die Milchproduktion zurückgeht. Und auch wenn ich weiß, dass Angst nicht hilfreich ist, und gerade die Psyche bei der Milchproduktion eine große Rolle spielt, macht es das nicht unbedingt einfacher - da macht man sich mitunter den Druck nur noch perfider.

Das hört sich dennoch sehr ermutigend an, wie es bei dir geklappt hat. Und ja, sieben Wochen chronischer Schlafmangel macht sich vermutlich bemerkbar. Mein Mann ist noch bei mir zuhause und wir teilen uns die Belastung, aber natürlich nicht das Stillen. Und durch Corona haben wir sonst keine Entlastung und sehen andere nur draußen mit Abstand. Vor allem aber, dass die angestrebte Entlastung durch Zufüttern und Abpumpen gleich zu schmerzhaften Milchstaus geführt hat, war nicht gerade ermutigend.

Hast du noch einen Tipp aus deiner Erfahrung, wie du zu mehr Entspannung und vor allem Schlaf gekommen bist?