Stillen nach schwerem Start

Hallo zusammen,

(es wird ein langer Text)

unsere Tochter kam 2019 3 Wochen zu früh (per Einleitung) zur Welt. Sie wollte im Bauch einfach nicht mehr zunehmen. So wog sie bei Geburt 2300g und kam dann auch wegen des Gewichts auf Intensivstation. Ich wollte damals unbedingt stillen, hatte alles versucht, es klappte nicht, sie finden an sie mit Pre zu zufüttern . Schnell gewöhnte sie sich ab das Fläschen und nahm auch wunderbar zu. Stillen klappte auch Zuhause kaum, nur mit Stillhütchen, da ich leider Hohlwarzen habe. Meine Hebi war mir leider auch keine große Hilfe. Ich pumpte alle 3 Stunden brav ab, hab ihr die gute Muttermilch und musste trotzdem zufüttern, weil es ihr einfach irgendwann nicht reichte. Da sie sehr ungeduldig war, machte das 2-3 tägliche Anlegen auch gar keinen Spaß mehr, davon abgesehen konnte sie mit ihren rund 2500g kaum saugen. Ich war tot unglücklich, hatte so ein schlechtes Gewissen meiner Tochter gegenüber, kriegte von allen Seiten zu hören, wieso das nicht klappe ich hätte ja so große Brüste… Es war eine Qual für mich, nach 2,5 Monaten hatte ich es satt, war müde und erschöpft und gab endgültig auf, die Milch wurde auch immer weniger.

Vor 18 Tagen (02.09.2022) kam unser Sohn per Einleitung (7Tage nach Termin) mit 3080g zur Welt. Ich war so glücklich, weil er über 3kg hatte und hoffe so sehr diesmal voll stillen zu können. Im Kreissaal konnte ich ihn leider nicht anlegen, alles war hektisch und die Hebamme meinte sie hätten hier auch keine Stillhütchen, also hab ich mich zufrieden und versuchte es dann auf der Wöchnerinnenstation. Auch hier kam keiner, keiner schaute ob das stillen klappt, fühlte mich irgendwie alleine gelassen ( hatte extra ein Stillfreundliches Krankenhaus) rausgesucht. Das Stillen klappte eher so semi. Am 03.09. bekam unser kleiner Gelbsucht und wurde am Abend auf die Intensivstation verlegt. Bei der Blutabnahme stellten sie auch eine Neugeborneninfektion fest. ( meine Horror-Vergangenheit wiederholte sich) wieder Intensivstation. Dort legte ich den kleinen an, jedoch hatte ich noch keinen Milcheinschuss, sodass der Kleine quengelte und sehr unzufrieden war, bis ich nach 2-3 Tagen aufgab und nach einer Flasche Pre fragte. Tag und Nacht alle 3-4Std ließ ich mich anrufen, sobald der Kleine wach war um ihn zu wickeln und anzulegen. Jedesmal das gleiche Geheule und Gequengel. Er trank 5ml -60ml nach knapp 1,5 bis 2 Std anlegen. Meine Brüste taten mir unendlich weh, hatte Schmerzen und blutige Brustwarzen. Laser, Fettcreme, Heilwolle, nichts brachte etwas… ich hatte so Angst vor jeder Stillmahlzeit. Ich biss so die Zähne zusammen, nur weil ich unbedingt voll stillen wollte. Nach 1 Woche wurden wir entlassen. Zuhause ging es ähnlich weiter. Konnte kaum anlegen, (wurde im Krankenhaus selbst krank / erkältet) der Kleine hatte keine Geduld mit mir, die Stillhütchen nervten so sehr, es klappte kaum. Dadurch das ich so müde wurde, pumpte ich nachts nur noch 1-2 Mal ab und legte ihn nachts nie an, es gab dann Pre aus der Flasche.
Ich trank 3-4 Liter täglich, aß genug und benutze:
-Malzbier
-Bockshornkleekapseln
-Stilltee
Die Milchmenge schwand immer mehr.
Mein Druck stieg von Tag zu Tag immer mehr, bis heute ist es nicht besser geworden. Ständige Tränen und abpumpen und Anlegen unter Tränen, schlechtes Gewissen plagen mich. Jetzt sitze ich hier auf unserem Bett mit Stillkissen den kleinen schlafend auf dem Kissen und schreibe mit Tränen diese Zeilen.
Keiner versteht mich, wie schlecht es mir einfach geht und dann ließt und hört man ständig dass 99% aller Frauen stillen können und man denkt sich einfach wieso bin ich dieser eine Prozent. Ich bin so tieftraurig.
Ich wollte doch nur mein Kind stillen.
Meine Hebamme kommt Montag zum ersten Mal zu mir, hatte bis gestern gar keine, weil ich sicher war, dass es diesmal klappt bei einem über 3kg Kind. Hatte auch keine Flaschen und keine Pre gekauft, auch das kaufte ich direkt als wir eine Woche später aus dem Krankenhaus entlassen wurden.

Meine letzte Frage gilt denen die vllt ähnliches erlebt haben, habt ihr noch einen Tipp oder eine schöne positive Erfahrung gemacht. Hat es nach 2,5 Wochen doch noch mit dem Stillen funktioniert?
Wie oft habt ihr angelegt? Habt ihr auch angelegt, obwohl ihr wusstet, dass ihr zu wenig Milch habt?
Mittlerweile pumpe ich auf beiden Seiten nach 5-7 Std. maximal 50ml in ca 30-40 Min.
Ich bin um jede Kleine Hilfe dankbar. 🫶🏼🥺

Sorry für die Länge, musste einfach mal alles raus!!

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Hallo,
erstmal lass dich unbekannterweise mal kräftig drücken. Da hast du ja ganz schön was durch du Arme! Ich denke, dass es grundsätzlich noch möglich ist zum vollstillen zu kommen aber es wird sicherlich kein leichter Weg das soll dir gesagt sein. Die Hebamme ist sicherlich ein wichtiger Schritt, noch besser wäre es dir eine ausgebildete Stillberaterin in der Nähe zu suchen. Milch wird nur ausreichend gebildet, wenn man mindestens 8-12 Mal in 24h stillt, am besten noch deutlich mehr. Ich würde ihn wirklich konsequent bei den kleinsten Hungeranzeichen anlegen und im Anschluss noch zufüttern wenn nötig. Zufüttern wäre wohl besser mit Löffel bzw. Becher, befrage hierzu nochmal deine Hebamme bzw Stillberaterin, bei der Flasche besteht immer die Gefahr der Saugverwirrung.
Ich hab bei meinem 2. Kind Ähnliches durch. Sie kam mit 4,2kg auf die Welt, trank aber auch aufgrund ihrer Gelbsucht nicht effektiv genug an der Brust und nahm dann nicht ausreichend zu. Ich musste dann ebenfalls zufüttern und pumpte ab. Leider wollte sie dann immer weniger an die Brust, hat sie richtig angebrüllt und ich hab mitgeheult. Bei mir konnte die Stillberaterin nicht helfen, wir waren aber einfach auch nicht auf einer Wellenlänge und ich erschöpft und müde was das Thema abging. Ich hab dann 10 Monate abgepumpt und hast ausschließlich mit Muttermilch gefüttert, das war wohl meine Therapie und ich hab damit meinen Frieden gefunden. Beim Abpumpen hab ich zuerst konsequent alle 2 Stunden später alle 4 Stunden abgepumpt tags wie nachts, irgendwann hab ich nachts dann nicht mehr gepumpt. Kind 1 und 3 konnte ich problemlos stillen.
Ich glaub übrigens nicht, dass du zu dem 1% der Frauen gehörst die nicht stillen können, ihr hattet einfach keinen optimalen Start und auch zu wenig gestillt (alle 3-4 Stunden ist zu Beginn deutlich zu wenig).
Also wenn du noch die Muße hast dann anlegen, anlegen, anlegen und fachmännische Hilfe suchen.

Ich wünsch dir alles Gute und ganz viel Kraft.

Liebe Grüße

Arlia

5

Ich danke dir für die lieben Worte und das du deine Erfahrung mit mir geteilt hast. Das tat so gut, das zu lesen.
Ich hoffe sehr, dass ich es noch schaffe und werde einfach mal öfter anlegen in 24h und auch mal dieses Powerpumpen probieren.
Auch die Bockshornkleekapseln werde ich konsequenter (3x täglich 3stück) einnehmen und hoffen das es klappt!!
Danke nochmal 🥰

2

Meine Liebe,
mir ging es ganz ähnlich, daher bin ich im Herzen bei dir! Ich hatte zwar genug Milch, aber eine ähnliche Geschichte im KH mit Neugeboreneninfektion, zufüttern und saugverwirrung. Was habe ich bittere Tränen geweint und habe auch nach Wochen innerlich noch nicht damit abgeschlossen. Ich glaube nicht, dass das jemand versteht, der es nicht durchgemacht hat.
Zur Sache selbst, ich hatte auch erst ca 3 Wochen nach der Geburt mehr Milch (mit abpumpen ca 400ml/Tag mit der medela symphony beidseitig). An der Brust hat der kleine nicht getrunken. Aber, wenn das stillen besser klappen würde, dann hättest du sicher auch mehr Milch, abpumpen und stillen ist da nicht vergleichbar. Außerdem sperrt sich dein Körper wegen des Stresses vielleicht auch. Ich habe zusätzlich Bockshornkleekapseln genommen und hatte das Gefühl, dass die helfen!
Was ich dir echt ans Herz lege, wenn du es mit dem stillen weiter probieren magst, ist dir ein brusternährungsset zuzulegen. Ich habe leider erst einige Wochen nach der Geburt von dieser Möglichkeit erfahren und war mit den Nerven so weit runter, dass ich es nicht mehr probiert habe. Aber das kann tatsächlich ein Weg sein, wie es bei euch klappen kann. Man kann damit anfangen, den Schlauch des brusternährungssets in einen Sauger der Flaschen zu stecken und auf die Brust zu legen, dann wechselt man auf ein stillhütchen mit Schlauch und dann lässt man auch das weg und klebt den Schlauch an die Brustwarze, aber vielleicht kannst du schon vorab mit deiner Hebamme telefonieren und sie fragen, was sie davon hält? Dann könntest du das set bis zu ihrem Besuch besorgen und sie kann dir den Umgang zeigen? Oder du holst dir gleich eine stillberaterin? Ich habe es sehr bereut, mir keine stillberaterin geholt zu haben.
Ich fühle sehr mit dir und drücke dir die Daumen, dass es doch noch klappt. Mir fällt kein schlauer Spruch ein, in der Situation, weil ich weiß, wie es mir selbst damit geht. Aber denk daran, dass du dein bestes versuchst und mehr kannst du gar nicht machen. Dein Baby spürt das <3
LG

3

PS: ich denke nicht, dass du automatisch zu dem 1% gehörst, die Ziffer ab Babys, die aus verschiedenen Gründen nicht trinken, ist sicher höher. Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt es einfach nicht an dir in diesem Fall, sondern an der Gewöhnung an die Flasche. Die kleinen verstehen manchmal einfach nicht, warum sie an der Brust mehr Kraft bräuchten und geben dann frustriert auf - wer kann es ihnen auch verdenken.

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Ich danke dir für die lieben Worte und das du deine Erfahrung mit mir geteilt hast. Das tat so gut, das zu lesen.
Ich hoffe sehr, dass ich es noch schaffe und werde einfach mal öfter anlegen in 24h und auch mal dieses Powerpumpen probieren.
Auch die Bockshornkleekapseln werde ich konsequenter (3x täglich 3stück) einnehmen und hoffen das es klappt!!
Danke nochmal 🥰
Wie lange ist es denn bei dir jetzt her? Klappt es jetzt besser? Oder fütterst du nun Flasche?

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Oh du arme, fühl dich mal ganz fest gedrückt. So einen Horror wie du habe ich nicht durch, musste aber auch über mehrere Wochen pumpen und zu füttern. Zwischendrin klappte es mal und dann plötzlich wieder nicjt, war mehrfach kurz davor aufzugeben. Was mir geholfen hat, war meine Hebamme und die Stillberaterin, außerdem habe ich mir Videos bei YouTube zum richtigen Anlegen angeschaut. Zum Thema Pumpen sagte mir die Stillberaterin, dass es nicht auf langes Pumpen, sondern auf häufiges ankommt. Es macht also mehr Sinn, maximal 15 Minuten am Stück zu pumpen, dafür häufiger. Außerdem hat mir Powerpumping sehr geholfen, um die Milchmenge zu steigern. Dabei pumpt du 3x10-15 Minuten mit jeweils 10 Minuten Pause. Ersetzt 2x normal pumpen. Insgesamt solltest du schon auf mindestens 8x pumpen am Tag kommen. Wie viel Milch du dabei bekommst ist vollkommen egal, es geht beim Pumpen in erster Linie darum, den Bedarf an der Brust anzumelden, weil dein Mäuschen das gerade noch nicht kann. Das genannte Brusternährungsset ist eine Option, war für mich leider gar nichts, wäre aber einen Versuch wert. Außerdem hatten wir die Medela Calma Sauger, die sollen dem Trinken an der Brust am ähnlichsten sein. Was du auch noch ausprobieren kannst wäre Ostheopathie, das hat uns auch noch nach vorn gebracht.
Also wenn du es weiter probieren magst, dann zu das, es ist bestimmt noch nicht alles verloren. Wenn du aber einfach nicht mehr kannst und magst, dann ist auch das vollkommen ok. Und glaube mir, ich kann sehr gut nachvollziehen, wenn sich das für dich nach Versagen anfühlt. Das ist es aver nicht.

PS: ich glaube nicht das du zu dem 1% gehörst die nicht stillen können. Das sind eher so Fälle, wo kein Brustgewebe vorhanden ist. Du gehörst leider zu den vielen vielen Frauen, die Probleme mit dem Stillen haben. Das ist überhaupt nicht selten und liegt daran, das am Anfang ganz viel Unterstützung beim Stillen fehlt.

7

Ich hab es irgendwann aufgegeben. Ich habe meine Tochter erst zwei Std nach der Geburt gesehen und die musste für eine Woche auf Station. Mein Stress war unermesslich und der Start eh schon kacke. Dann ging es noch mit trockenen Windeln weiter und wegen eines Zungenbändchens war das Anlegen schwierig. Auch nach Kürzung. Dann gab es Pre zugefüttert.
Zuhause in Ruhe hat das Anliegen kaum geklappt, haben stillfreundlich zugefüttert aber nach zwei Wochen hatte ich die Schnauze voll von Brusternährungssets und 5ml Spritze (als würde man ein Tier großziehen) und habe ein Fläschchen gekauft. Habe dann noch wochenlang abgepumpt weil ich ja auch uuuunbedingt die goldene Muttermilch geben wollte. Irgendwann hab ich nur noch geheult und mir im Hormonchaos vorgestellt, dass sie eventuell am plötzlichen Kindstod stirbt wenn ich nicht stille. Haha was ein Quatsch.
Irgewann mit drei Monaten habe ich endlich aufgehört mit all dem, (Milch war noch etwa 1/4 der benötigten Menge da) und das war die beste Idee überhaupt. Seit dem ist alles leichter und ich viel weniger gestresst. Mein Mann kann mich voll unterstützen.
Keine Ahnung ob ich es beim zweiten Kind überhaupt nochmal probieren würde.
Meine Tochter ist gesund und propper.

8

Ich kann dich gut verstehen, manchmal will ich auch einfach alles hinschmeißen. Wenn da mein dummes schlechtes Gewissen nicht wäre! Ich schaue in die Augen unseres Sohnes und muss einfach drauf los heulen. 🥺🥺 Ich werde es noch 3-4 Wochen versuchen und dann lass ich es, ich bin so unglaublich unglücklich! 😓

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Da geht es uns vermutlich allen ähnlich, ich „stille“ gerade ab, also höre mit dem abpumpen auf und könnte jedes Mal losheulen, wenn ich noch abpumpe, um keinen milchstau oder so zu bekommen. Man hat dieses perfide Gefühl, was falsch zu machen, aber jetzt, wonach nur noch ganz wenig abpumpe merke ich auch wie angenehm es ist, nicht ständig an dem Ding zu hängen und wie gut es tut, die Zeit einfach mit dem kleinen zu verbringen. Die logistischen Probleme sind seitdem viel weniger und ich geh viel entspannter mit dem kleinen spazieren etc.

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