Zwiespalt, Abstillen Kleinkind, Tipps und Erfahrungen gesucht

Hallo ihr Lieben, bis jetzt war ich immer stille Mitleserin und nun habe ich selbst ein Anliegen. Im Juli 2020 kam unser kleines Wunder auf die Welt und ich wusste schon in der Schwangerschaft, dass ich auf jeden Fall stillen werde. Ich habe mich viel mit dem Thema auseinandergesetzt und mir war klar das erste Jahr werde ich auf jeden Fall stillen. Milch soll die Hauptnahrung sein und erst dann werden langsam Mahlzeiten ersetzt. Wir hatten einen wundervollen Stillstart und eine ganz tolle Stillzeit. Nie Probleme mit Milchstau, mit zu wenig oder zu viel Milch, mit Gewichtszunahme, mit irgendwelchen anderen Dingen. Es war und ist eigentlich alles perfekt. Umso älter er wurde, umso mehr habe ich mich mit dem Thema stillen auseinandergesetzt, habe Fortbildungen und Seminare besucht und war immer sicher: ich werde so lange stillen bis mein Kind sich selbstbestimmt abstillt!

Nun ist er zweieinhalb Jahre alt und stillt mehr, als zu der Zeit, wo er Neugeborenes war. Er fordert die Brust sehr vehement ein, Alternativen akzeptiert er nicht. Wenn ich einmal keine Zeit habe, weil wir los müssen zu einem Termin oder so schreit und brüllt er so lange bis er seine Mamamilch bekommt. Er kann sich gut ausdrücken, versteht viel, ich erziehe bedürfnisorientiert, erkläre viel und er ist ein sehr ausgeglichenes Kind, der sich auf alles einlässt und und auch nein immer gut akzeptiert oder Kompromisse eingeht.. Nur beim Thema stillen nicht. Ein nein oder warte kurz führt zu hysterischen weinen, schreien, mich auszuziehen etc. Natürlich verstehe ich ihn auch, bis jetzt durfte er eben nach Bedarf stillen (Zuhause) und er hat keine Alternativen finden müssen oder seinen Bedarf aufschieben..
Ich fühle mich nun damit einfach nicht mehr wohl, er kann sein Bedürfnis keine Sekunde aufschieben, er zieht mich dann regelrecht aus, er schreit, er brüllt, er weint, er ist total verzweifelt wenn er mal nicht sofort in der Sekunde, wo er es möchte, stillen darf. Das ist für mich sehr schwierig und gestern habe ich das erste Mal unter Tränen mein Pulli hochgezogen und gesagt: "na gut dann nimm doch deine Milch." Das war der erste Moment wo ich das stillen negativ betrachtet habe und denke nun über abstillen nach.

Wie komme ich nun aus dem Teufelskreis raus? Wie kann er lernen, dass er nur stillen darf, wenn auch ich es möchte und die Zeit es zulässt ? Wie kann ich ihm erklären, dass nun langsam Zeit ist auch ohne Brust in den Schlaf zu finden, auch ohne Brust sich zu beruhigen, dass man auch ohne Brust intensive Zeit mit der Mama haben kann? 😢 Bisher ist seine Mamamilch wirklich sein ein und alles und die perfekte Lösung und Beruhigung in jeder Situation. (Es ist auch so schön diese Bindung zu haben)

Ich möchte nicht wehement sofort abstillen aber so langsam einfach weniger stillen und uns die Zeit geben. Ich denke realistisch wäre, dass er zum 3. Geburtstag in 6 Monaten abgestillt ist
Habt ihr Tipps?

1

Kann er denn all diese Dinge, wenn du nicht da bist? Wird er manchmal von anderen Bezugspersonen betreut? Wenn ja, wie beruhigt er sich dann, wie schläft er dann ein?

3

Er geht in den Kindergarten (Krippe), ist auch oft beim Papa oder den Großeltern. Da beruhigt er sich mit kuscheln und trösten. Also ja, er kann auch anders 😊 wenn wir unterwegs sind, wird auch nicht gestillt, das haben wir vereinbart, dass er nur Zuhause stillen darf. Das ist für ihn okay und er akzeptiert es und fragt unterwegs auch nicht
Aber Zuhause ist es seit zwei Wochen nun sehr wehement, sehr häufig und extrem, daher mein verzweifelter Post hier 😢
Einschlafen tut er nur bei mir, manchmal an der Brust, Manchmal kuscheln wir. Es klappt auch im Auto oder Kinderwagen, andere Dings haben wir noch nicht versucht. Andere Personen lehnt er komplett ab (Papa oder Großeltern können ihn nicht hinlegen, da schreit er nach Mama ) außer sie fahren mit ihm Auto oder Kinderwagen.

5

Nachdem ich noch deine beiden Antworten gelesen habe, habe ich nicht den Eindruck, dass dein Sohn das Stillen unbedingt zur Selbstregulation braucht. Ich glaube er braucht es eher um positiv in Beziehung zu gehen. Er spürt vielleicht, dass du manchmal angespannt bist oder keine Zeit für ihn hast. Wenn dann gestillt wird, bist du wieder ganz für ihn da und hältst kurz inne. Dann fühlt es sich für ihn wieder so an, dass ihr eine Einheit seid und alles gut ist. Wenn du also in einer bestimmten Situation das Stillen verweigerst, habt ihr auch noch einen Konflikt und sein Bedürfnis nach Stillen steigt nochmal stark an und das Ganze eskaliert und er ist völlig verzweifelt, was dann auch für dich nicht auszuhalten ist, so dass du dann nachgibst.

Ich würde drei Dinge tun (je nach Dringlichkeit gleichzeitig oder aber nacheinander):
1. Ein neues Ritual einführen, was deinen Sohn spüren lässt, wie lieb du ihn hast und dass zwischen euch alles okay ist. (Ich z.B. kuschel dann mit meinem Kind und zähle auf "Ich hab dich lieb wenn du fröhlich bist, ich hab dich lieb, wenn du wütend bist, ich hab dich lieb wenn du lachst, ich hab dich lieb, wenn du weinst, ich hab dich lieb, wenn du müde bist..."; eine Bekannte hat ein kleines Lied darüber erfunden, wie lieb sie ihr Kind hat und singt das dann immer)
2. Ein paar Wochen möglichst viele Termine streichen oder verschieben, damit ihr mehr Zeit füreinander und weniger Druck habt.
3. Besprechen, dass nur noch nachts und zum Einschlafen und Aufwachen im Bett gestillt wird. Wenn du dann tagsüber das Stillen ablehnst, weiß er, warum du das machst und das das nicht daran liegt, dass etwas zwischen euch nicht stimmt.

weitere Kommentare laden
2

Ich glaube, ich würde mir als erstes überlegen, in welchen Situationen mich das Stillen am meisten stört. Bei mir war es zuerst das nächtliche Dauergenuckel und später die Öffentlichkeit, aber kann ja bei dir was anderes sein.

In dieser Situation würde ich es dann auch recht konsequent durchsetzen. Nachts war es bei uns das Abstillen auch gordon, tagsüber hab ich erklärt dass wir nur noch zu Hause stillen. Und als das gut klappte, waren wir viel draußen. Vielleicht kannst du auch Situationen umgehen, diendich stören, vielleichz kann Papa ihn mal anziehen. Manchmal entlastet das alles schon etwas und in anderen Situationen fühlt es sich vielleicht wieder gut an.

Ich denke, du musst damit rechnen, dass er so oder so heftig protestieren wird. Das ist okay, es wird ja für ihn erstmal schlechter. Zumindest denkt er das. Trotzdem darfst du dir klar machen, dass du ein berechtigtes Interesse hast, es nicht mehr zu wollen und deshalb abstillen darfst. Beide Gefühle sind legitim.

Ich finde, wenn man sich das klar macht, kann man sein Kind ganz gut durch die Wut und den Schmerz begleiten, und ihm nach und nach Alternativen zeigen. Kuscheln, Tragen, an deinen Haaren spielen, Schnuller...je nachdem, mit was du dann die nächsten Monate leben kannst.

Ein Abschied ist es ja für euch beide und gleichzeitig ein Aufbruch un etwas neues. Das löst immer, irgendwie auch bei beiden, mehrere Gefühle aus, positiv und negativ. Die dürfen da sein und wahrgenommen werden, von euch beiden. Und trotzdem darfst du anstillen.

4

Dankeschön für deinen langen und freundlichen Text und die Tipps ❤️
Tatsächlich stillen wir nur Zuhause und am meisten stört es mich beim Aufwachen und dieses zwischendurch wenn es Mal stressig wird, o langweilig ist oder ich wenig Zeit habe für ihn, denn dann fordert er es extrem wehement ein. Nachts stillt er manchmal gar nicht, im schlimmsten Fall 2x, da wir im Familienbett schlafen, stört mich das (wenn ich dank dir so überlege) am wenigsten und würde es als letztes beenden.

Hab mir jetzt überlegt erstmal tagsüber abzustilllen, ihm also erklären, dass wie ausschließlich zum schlafen und aufwachen IM BETT stillen und nirgends anders mehr oder zwischendurch. wenn das klappt das einschlafstilldn abgewöhnen, dann das stillen beim Aufwachen und dann nachts. Was meinst du? Macht das Sinn so Schritt für Schritt?

6

Ich würde auch die Zeiten und Räume einengen. Wenn nur zu Hause geht, dann geht vielleicht nur im Bett oder nur zum Einschlafen. Es zählen auch deine Bedürfnisse. Ich bin 100% pro Stillen, aber nach dem zweiten Lebensjahr, kann man erwarten, dass das Kind sich anpasst.

weitere Kommentare laden
12

Jetzt mal quer gedacht:

Mit 2,5 Jahren versteht dein Junge doch sicher alles und kann sprechen. Das ist ja schon mal gut.

Wenn du als letztes nachts abstillen willst dann wäre jetzt meine Idee sowas wie andere das z.b. mit der Schnullerfee machen. Aber dann halt auch konsequent. Ist natürlich nicht so leicht weil du die brust ja an dir trägst. Den Schnuller kann man einfach weg nehmen.

Wir haben das so gemacht, dass die fee tagsüber die schnuller einsammeln und diese nur zum Schlafen bringt. Das hat er verstanden und war kein Thema.

Meinst du da könnte man irgendwie was machen?

13

Ja, er versteht alles, spricht schon gut und viel. Er ist auch ein Kind, was sehe kompromissbereit ist und nein gut akzeptiert.. nur beim Thema stillen ist es leider kaum möglich zu verwehren. Wie haben bis jetzt nach Bedarf gestillt und nun plötzlich soll sich was ändern, das ist natürlich schwer für ihn jetzt. Ich habe gesehen mit ihm gesprochen, dass es die Brust jetzt nur noch zum schlafen und aufwachen IM BETT gibt. Das hat er gut angekommen gestern, heute etwas geschimpft aber im Bett eben zufrieden bin den Schlaf gestillt. Danke für deine Idee mit der Fee aber ich denke von so oft stillen auf gar nicht tagsüber ist undenkbar und wie versuchen es jetzt Mal Schritt für Schritt nach und nach. Denke 1-2 Wochen lang will ich ihm nunn geben bis er verstanden hat, dass zwischendurch nixht mehr gestillt wird und nur noch im Bett zum schlafen. Danach dann der nächste Schritt. Vielleicht überlege ich mir aber wirklich ein Fabelwesen was dann den busi am Tag versteckt ooser die Milch mit nimmt oder irgendwie sowas 😂😂

14

Ist halt auch ein lieb gewonnenes Ritual.Verstehen kann ich es. War auch nur so ein Gedanke.

Und letztlich kriegst du das ja auch schon ganz gut hin, weil er das nur daheim fordert.