Fat-Akzeptanz

Hallo, in einem anderen Unterforum wurde gerade eine ganze Diskussion gelöscht weil sie anscheinend von einem Troll initiiert wurde. Ich fand die Diskussion trotzdem interessant. Wieweit glauben Menschen dass Dicksein eine Krankheit ist wo man leider nichts machen kann? Warum werden Adipöse eher bemitleidet, während Raucher und Alkoholiker eher verabscheut? Mir ist klar, es gibt Fälle, wo man durch eine Krankheit zunimmt (z.B. Hormonbehandlung), aber meistens ist es eine Umstellung der Lebensart, die zum Übergewicht führt. Übergewicht ist keine Krankheit, sondern macht krank. Insofern finde ich wichtig dass das Thema "Fresserei" angesprochen wird, natürlich nicht von einem Troll. Hier wird richtigerweise öfters erwähnt dass der Energiebilanz stimmen muss, also wer abnehmen will, muss weniger als sein Grundumsatz an Kalorien zu sich nehmen. Warum also beim Adipositas ein Auge zumachen, besonders in der Familie, während beim Rauchen oder Alkohol eher diskutiert wird. Als ob der Fettschicht an den armen Menschen ohne ihr Zutun wachsen würde. Ich finde Menschen, die endlich schaffen, durch Lebensumstellung wieder normalgewichtig zu werden, bewundernswert. Sie gewinnen ja auch mächtig an Lebensqualität. So wie Raucher und Alkoholiker nach erfolgreicher Entwöhnung.

Hallo,

also ich kann das, was du schreibst, überhaupt nicht bestätigen:

Ich arbeite mit Therapeuten und Menschen zusammen, die aus unterschiedlichsten Gründen adipös sind, und Akzeptanz erfahrt kaum einer von ihnen - ganz im Gegenteil.

Grundsätzlich sind nicht alle stark übergewichtigen Menschen aus den gleichen Gründen übergewichtig.

Der Grund, also Auslöser des Problems ist so individuell wie der Mensch selber.

Der eine hat falsche Essgewohnheiten gepaart mit Bewegungsmangel, vielleicht von Baby auf an, der nächste hat vielleicht Heißhungerattacken , weil hormonell etwas nicht stimmt , ein anderer hat kein Sättigungsgefühl (da gibt es verschiedene ganz schwerwiegende Erkrankungen...)...usw usw.

So, das sind die Auslöser, und die führen zu Kilos, und diese Kilos werden immer mehr.
Natürlich halten sich die Krankheiten , die Ödeme verursachen und wirklich massives Übergewicht symptomatisch mit sich bringen , in Grenzen - aber viele Grundprobleme und Erkrankungen Triggern falsches Essverhalten , Bewegungsmangel, Stoffwechselprobleme usw.-und ist man erst einmal über eine Gewissen Grenze, dann wird's schwer.

Irgendwann kommt die Gewichts-Grenze, an der die Betroffenen in einem Teufelkreis sind:

Bewegung wird immer schwerer, diverse Krankheiten kommen dazu.
Blicke, Kommentare, Verlegenheit...

Die Psyche leidet , das Essen schmeckt, füllt vielleicht Lücken....Abnehmen wird immer schwerer....

Oft wird bei jeder Vorgeschichte pauschal unterstellt:

Undiszipliniert, faul , unmäßig.

Wer trotzdem sein Essen genießt , wird schief angeguckt....

Ich kann da keinerlei übermäßige Toleranz erkennen-eher das Gegenteil , und meine "Schützlinge" leiden.

Unsere Gesellschaft will Schlanke, Gesunde - triggert aber an allen Ecken und Enden unmäßige ungesunde Ernährung

Schwimmbäder werden überall geschlossen , aber Hauptsache Internetcafés werden eröffnet und die 47te neue Xbox kommt raus...

Alles kann geliefert werden...

Das ist kein Einfaches Thema...

Könnte noch viel dazu schreiben...

GlG,

Lulu

Danke für Deinen Beitrag. Ich verstehe absolut was Du meinst. Was mich beschäftigt, wenn ich z.B. 30-40 Jahre Filmaufnahmen von Städten oder Strandbäder sehe, sind kaum dicke Menschen zu sehen. Oder vor 20 Jahren hat man eine amerikanische Touristengruppe sofort erkannt und man hat sich gewundert, wie sie so unglaublich dick sein können. Mittlerweile gehört es auch zu der deutschen Gesellschaft. Vielleicht soll ich nicht Akzeptanz, sondern Ohnmacht schreiben.

Naja, ich finde irgendwie weder Akzeptanz noch Ohnmacht passend.

Es ist ja nicht so , dass man komplett handlungsunfähig gegen das Übergewicht ist.

Und ich finde auch , dass ein Mensch von niemanden aufgrund seines Gewichtes ersteinmal "akzeptiert" werden muss.

Irgendwas steckt meistens dahinter , und ich lerne doch an erster Stelle immer den Menschen kennen.

Und selbst wenn jemand wirklich "nur" gerne isst (was ich so noch nie kennengelernt habe, stark übergewichtige Menschen reden sich ihr Gewicht zwar manchmal schön, aber diese Menschen wissen schon auch ganz genau was los ist, "glücklich" ist damit keiner...dass das Essen trotzdem noch schmeckt, und leider oft das Falsche, hat dann ganz andere Ursachen und das "Abstellen" ist ein steiniger Weg...)

Dass es von vor 30-40 Jahren nur wenige Aufnahmen von schwergewichtigen Menschen gibt, liegt wohl ein Stück weit auch an den insgesamt wenigen Aufnahmen, mal abgesehen vom Nahrungsangebot, welches sich massiv verändert hat....wenn du dir Bilder von Autobahnen ansiehst von vor 30-40 Jahren , dann siehst du auch wenig Verkehr darauf (im Vergleich zu heute...), guckst du dir Mast-Ställe an , mit Rind, Schwein oder Geflügel , dann sieht das auch komplett anders aus - winzig im Vergleich zu heute...

Fakt ist, die Menschen heute sind zwar aufgeklärter, aber sie geraten auch viel schneller in Spiralen, in die sie "Früher" so schnell nicht geraten wären.

Und da kommt man weder körperlich noch seelisch so schnell wieder raus.

Es gibt ja auch viele Menschen mit Magersucht oder anderen ernährungsbedingten Störungen...das liegt an dem mittlerweile herrschenden Zeitgeist, an der immer größer werdenden Schere zwischen "Mangel" und "Überfluss"...

Und mit Mangel meine ich nicht nur Nahrungsmangel , sondern vor allem auch Mangel an Emphatiefähigkeit, Mangel an sozialem Miteinander, Mangel an Ausgleich, Mangel an echter Anteilnahme und aufeinander Acht geben...

Essen ist oft Ersatz für....und Essen etc. gibt es im Überfluss.....

Der psychische Aspekt beim Übergewicht ist neben dem körperlichen wirklich nicht zu unterschätzen.

Dass dieses "Phänomen" immer "schlimmer" werden wird ist doch klar - es liegt in der Natur der Sache.

Nie war es einfacher sich (vielleicht neben einer sowieso schon vorhandenen Grunderkrankung...) wenig zu bewegen , billig schlecht zu ernähren und sozial zu isolieren...Kontakte im RL pflegen manche Menschen irgendwann einfach gar nicht mehr.

Die Mastbetriebe werden immer weiter technisiert...und Kinder lernen in der Schule in Kl.3 statt Schwimmen den Gebrauch eines I-Pads...

LG,

Lulu

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"Hier wird richtigerweise öfters erwähnt dass der Energiebilanz stimmen muss, also wer abnehmen will, muss weniger als sein Grundumsatz an Kalorien zu sich nehmen."

Das ist eine Fehlinformation, die ich so nicht stehen lassen möchte. Man darf nicht längere Zeit weniger als den Grundumsatz an Kalorien zu sich nehmen, sonst gerät man in einen Hungerstoffwechsel und wird sicher nicht dauerhaft abnehmen (Jojo-Effekt). Was Du meinst, ist der Leistungsumsatz, also der Grundumsatz + die Kalorien, die durch körperliche Aktivitäten (dazu gehört aber z.B. auch Lernen) zusätzlich benötigt werden.

Beispiel: Grundumsatz entspricht 1500 Kalorien, Leistungsumsatz sind 2000 Kalorien, also nimmt man ab, wenn man überwiegens nur um die 1600 Kalorien zu sich nimmt.

Laut neuesten Forschungen gib es kein Hungermodus. Wenn man bei Diäten darauf achtet dass man genug an Vitaminen und Mineralstoffen zu sich nimmt, wird man sich mit wenig Kalorien eventuell sogar gesünder ernähren als ohne Fiät.

Hast Du einen Link dazu? Den Zusammenhang zwischen Vitaminen und Mineralstoffen und gesundem Essen kann ich erfassen, aber was den Rest betrifft, kann ich nicht folgen. Vor Allem bin ich an Links interessiert, die Deine These mit dem Grundumsatz unterstreichen.

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Hallo,

ja das stimmt.

Im Wesentlich haben die Menschen mehr auf den Rippen, weil sie zu viel und das Falsche essen.

Zu viel Zucker, zu viel schlechte Fette, zu viele Geschmacksverstärker, zu viele Zutaten...

Dicksein und leider meistens mit Folgeerkrankungen (Gelenke, Hormone, Diabetes, Herzkrankheiten, Depressionen usw. usf.) dem Gesundheitssystem mächtig auf der Tasche liegen sind die Folge.

Ca. 60 % der Deutschen sind zu dick. Wir sind den USA also gut auf den Fersen, was die Dicken-Quote anbelangt.

Wenn man sich aber mal anguckt, was die Industrie in unser Brot, Aufstriche und Getränke rein mixt, ist das kein Wunder: Zucker, Salz, Fett und Chemikalien sind nahezu überall drin.

Alles das macht süchtig, dick und krank. Zwar kann jeder Einzelne gesund kochen und dann auch gesund essen, aber in der Masse funktioniert das eben nicht. Die Versuchungen sind zu zahlreich und das Essen geht zu schnell.

Dazu habe ich mal was interessantes gelesen, ich weiß gar nicht mehr wo:

"Der Mensch ist das einzige Tier, welches ohne Not im Gehen frisst!"

Und genau so ist es auch, denn das Verschlingen von chemisch angereicherter "Nahrung" hat nichts mehr mit Genuss zu tun. So zahlreich wie man unnatürliche Essen aber bekommen kann, so schwer ist es auch, davon loszukommen.

Nimm mich zum Beispiel:

Ich backe mein Brot selber, esse keinen Zucker, mache eigene Aufstriche usw., mixe mein Müsli aus Rohzutaten, nutze ein Rohkost-Dörrgerät und koche IMMER* selbst.

(*mit Ausnahmen, versteht sich ;-) )

Das macht einen großen Anteil in meinem Leben aus - ich arbeite Vollzeit, habe kein Haus an der Backe und nur ein Kind, daher ist das machbar. Auch Kuchen, Schokolade usw. mache ich komplett selbst - da wird es zeitlich schon manchmal eng, wenn was ansteht (Geburtstag usw.).

Ich bin also so eine bio-öko-Kräuter-Tante, über die hier immer so herzlich gelacht wird.

Das war aber nicht immer so - ich war vor einigen Jahren (nach 20 Jahren krankhaftem Leidensweg) schwer krank und konnte keine Nahrung mehr verdauen. Dieser Zustand öffnete mir die Augen für mein Leben.

Aber wäre ich nicht so schwer krank geworden, hätte ich wohl weiter gefressen. Allein die Aussicht, keine 35 Jahre zu werden und mein Kind nicht aufwachsen zu sehen, konnte bewirken, dass ich mich eisern zusammen gerissen und mein Leben umgekrempelt habe.

Das bedeutet aber auch, dass Dinge wie "oh der tolle Weihnachtsmarkt" eigentlich nur eine Aneinanderreihung von Fressbuden sind, die ich eher meide, ebenso wie die meisten Supermarktregale, Snackautomaten, ALLE Bäckereien usw.

Darauf ist unser Gesellschaftsleben ja gar nicht ausgerichtet. Ganz im Gegenteil: macht man den Mund auf über diese Dinge, wird man sofort als Öko-Mutti verschrien und kann sich einsargen lassen. Gesellschaftliches Leben adé.

Darum halte ich auch meistens meine Klappe und denk mir meinen Teil.

Vielleicht interessiert Dich ja eine tolle Doku:

rbb - Was uns wirklich nährt!

Hier sind viele tolle Ansätze für ein nährstoffreicheres, schlankeres Leben zu finden und es wird auch ein kritischer Blick auf unsere heutige Fütter- und Futtergesellschaft geworfen.

LG

jg

Danke, ich unterschreibe 100 % , was Du sagst. Besonders Deine Beschreibung von "Fressbuden " am Weihnachtsmarkt empinde ich genauso. Warum "tut man sich was Gutes" wenn man sich mit Süßigkeiten oder Fleisch unbekannter Herkunft vollstopft? Und noch mal-warum ist es irgendwie zufällig passierte dass 60% der Menschen zu dick sind?

Du übersiehst einen wichtigen Punkt. Adipositas ist eine Krankheit. Es ist eine Essstörung/ Esssucht. Während dem Alki zugestanden wird, dass er einfach süchtig nach Alkohol ist oder dem Drogenabhängigen nach Drogen, wird dicken unterstellt, dass sie einfach so, just for fun fressen und es ja einfach lassen könnten.

Dem ist mitnichten so!

Kein gesunder Mensch isst so sehr über seinen Bedarf, dass er 50 Kilo Übergewicht hat.

Und nein, ich bin nicht dick. Eher das Gegenteil. Aber nur weil ich nicht übergewichtig bin, heißt es noch lange nicht, dass ich mich nicht in andere hineinversetzen kann.

Ich glaube sehr wohl dass man schleichend 50 kg Übergewicht zunehmen kann.

Du scheinst dich null mit dem Thema auszukennen. Informiere dich mal lieber ordentlich, bevor du hier solche Halbwahrheiten verbreitest.

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Du sollst NIEMALS unter deinem Grundumsatz essen. NIEMALS.

Warum eigentlich? Was wird passieren?

Der Grundumsatz ist genau das was dein Körper für alle lebenserhaltenden Maßnahmen benötigt.

Atmung, Temperatur, Herzschlag UND UND UND.

Jetzt darfst du mal dein Köpfchen anstrengen und überlegen was passiert, wenn man wissentlich für "längere Zeit" unter seinem Grundumsatz lebt.

Na?

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hi,

ich habe noch nie erlebt, dass ein richtig fetter Mensch (120 kg aufwärts) bemitleidet wird.
Den Menschen ist es völlig egal, warum dieser Mensch dick ist und er kann von Glück sagen, wenn nur über ihn getuschelt wird!
Raucher sind nach wie vor gesellschaftlich akzeptiert (oder hast du schonmal gesehen, dass Raucher angestarrt werden?) Alkoholiker laufen ja nur besoffen durch die Gegend,wenn sie schon im Endstadium sind--auf dem Weg dahin werden sie sogar animiert zu saufen!

lg

Ich glaube, Raucher werden immer mehr ausgegrenzt, die Gesetze sind viel strenger geworden, Tabakpreise haben sich vervielfacht. Mit Recht! Der Statistik über rauchende Jugendliche hat sich deutlich verbessert. Es ist leider noch nicht so eindeutig in die Öffentlichkeit gedrungen dass z.B.Zucker süchtig macht. Ich weiß nicht ob es jemals passieren wird, aber die Lebensmittelindustrie müsste per Gesetz viel strenger kontrolliert werden. Bis dahin müssten sich die Menschen selber informieren. Es ist aber nicht wirklich einfach.

Medscape Deutschland: Herr Professor Hauner, wie schätzen Sie die generelle Situation zum Thema „Adipositas als Krankheit“ in Deutschland ein?

Prof. Hauner: Ich denke, darüber sind sich die deutschen Fachleute einig: Adipositas ist eine Krankheit, ebenso wie Hypertonie und Typ-2-Diabetes. Die Schwierigkeit bei dieser Erkrankung ist die Tatsache, dass die Lebensweise bei der Entwicklung von Adipositas eine große Rolle spielt und Adipositas gerne als alleiniges Lebensstil-Problem abgetan wird. Dabei wird unterschätzt, wie wichtig die genetischen Ursachen sind.

Adipositas ist eine polygene Erkrankung, über 30 beteiligte Genabschnitte konnten bisher beschrieben werden. Daneben gibt es auch, wenngleich seltener, monogenetische Formen der Adipositas, wie z.B. eine Leptindefizienz oder Mutation im MC-4-Rezeptorgen.

Zu schnell.

Ich persönlich finde, das es fremden Menschen egal sein sollte, wie andere aussehen.
Wenn man einen adipösen Menschen sieht, denken immer gleich alle....oh man frisst einfach weniger.

Mich macht das traurig, kümmert euch um euer eigenes Leben und macht es anderen nicht noch schwerer. Das gleiche meine ich auch anders herum, es gibt soviel zu dünne....Auch da wird gelästert.

Auch ich beginne bald eine Hormontherapie und habe Angst (ja, Angst) das ich dicker werde.

Warum habe ich Angst?

Ich sollte froh sein das es eine Therapie gibt, die meine Leiden einschränken könnten und nicht darüber nachdenken ob andere mich zu fett finden.

Gruss

Ich denke nicht abwertend über dicke Menschen. Ich denke aber über sie nach weil ich immer mehr sehr dicke sehe.

Hallo,
was du schreibst erlebe ich ganz und gar nicht so!

Dicke Menschen werden ausgelacht, ausgegrenzt und beschimpft.
Das werden weder Raucher noch Trinker.

Es gibt keine Akzeptanz für Dickleibigkeit.

Dein Beitrag ist Beweis dafür.
Gruß

Hallo, ich habe ein keiner Stelle behauptet dass ich dicke Menschen ablehne oder Buche akzeptiere. Es geht für mich um ein soziales Phänomen so wie einige Vorschreiberinnen super formuliert haben. Natürlich sollte jeder so rumlaufen wie er will, aber die erwähnten dicken Kinder? Sie haben schon eine kürzere Lebenserwartung! Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse der Forscher. Ich bin der Meinung dass es den Kindern z.B.überall Gummibärchen, Lutscher angeboten wird, vor 30 Jahren war es noch nicht so. Es ist verdammt schwer Nein zu sagen.

hi,

das stimmt so nicht. beim bäcker gab es immer ein brötchen, beim metzger die scheibe wurst und in anderen geschäften gab es den lutscher oder bonbons--und ich bin von 1975.
auch waren in meiner grundschulklasse einige kinder übergewichtig...in kleinsohns 1. klasse ist grade mal ein kind übergewichtig.

lg

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Ich war ganz lange Adipös ( BMI 39 ). Ich weiß nicht ob ich das als Krankheit bezeichnen kann.
Irgendwie schon, es war halt ein Zwang nach Essen. Ich hatte immer Hunger.
Aber ich habe nie in der Öffentlichkeit gegessen. Die Scham war zu groß, die Fette die ständig isst...
JA, genau so war es, aber heimlich.
Meine Tochter ist für mich zum Bäcker gegangen. Nach dem Einkaufen musste ich schon die Packung Kekse im Auto auf dem Weg nach Hause essen.
Wasser habe ich nie getrunken, aber Literweise Cola und andere Softdrinks.
Schon im Frühling habe ich geschwitzt, ohne Bewegung. Das hat mich frustriert. Also schnell ein Eis mit fett Sahne zum Trost und zur Abkühlung.
Meine Kinder wollten mit mir ins Schwimmbad. Konnte ich mich aber nicht zu überwinden, also wieder Frust und Traurigkeit. So eine Tafel Schokolade war da mal ganz schnell weg.

Ein Teufelskreis.
Unzählige Diäten haben es immer schlimmer gemacht. Alle haben gegessen, waren glücklich. Nur ich nicht.
Jetzt kann ich sagen das mich Essen glücklich gemacht hat. Und fett, und traurig und einsam.

Vor ziemlich genau 2 Jahren habe ich wieder eine halbherzige Diät begonnen. Ich wollte mich wieder gut fühlen, shoppen gehen.
Dran geglaubt das es klappt habe ich da noch nicht. Aber der Ehrgeiz war da.
Ich wollte mich ändern. Ins Schwimmbad gehen, und noch soviel mehr.
Am Anfang habe ich mit 1000Kcal abgenommen. Aber wie lange zieht man das durch? DAs klappt nicht.
Also angefangen normal zu essen und Sport zu machen.
In einem Jahr habe ich 50 Kilo abgenommen, und bin jetzt mit einem BMI von 22 so glücklich wie schon lange nicht mehr.
Meine Gedanken kreisen nicht den ganzen Tag ums Essen, ich trage Kleidung in normalen Größen.

Bemitleidet wurde ich nie wegen meinem Gewicht, wirklich gemobbt oder blöde angemacht aber auch nicht.

"Bemitleidet wurde ich nie wegen meinem Gewicht, wirklich gemobbt oder blöde angemacht aber auch nicht. .."

Da hast du aber echt Glück gehabt...

Ich betreue einige adipöse Mütter mit ihren (teilweise auch adipösen) Kindern, dazu Gruppen mit adipösen Teenagern....

Ich arbeite mit den Therapeuten und Ernährungsberatern zusammen - mein Bereich ist der Sport.

Du glaubst nicht, wie manche Kinder - teilweise u 10 Jährige - leiden, gemobbt werden, und zumindest bei denen , die ich bisher betreut habe, waren die meisten betroffen.

Sogar die eigenen Ehepartner /Eltern oder andere Familienmitglieder sind da teilweise die "Mobber"... :-(

Die sind noch keine 10 und haben Suizidgedanken....

Gerade auch die Teenies...allein die Überwindung, mit mir und den anderen ins Wasser zu gehen , in einer Gruppe Sport zu machen - was die teilweise erzählen, was sie für eine Leidensgeschichte in Sachen Mobbing hinter sich haben - treibt einem die Tränen in die Augen und die Wut in den Bauch.

Du musst tolle Menschen um dich herum haben :-)

Danke für diesen Beitrag und Hut ab! Es War sicher nicht einfach, aber ich glaube, Du weisst es am besten, wieviel Du gewonnen hast.

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