Fat-Akzeptanz Seite: 2

                        • Hallo,

                          ich kenne ja das Problem und die Sichtweise der Leute - und da hast Du vollkommen recht mit.

                          ABER: Gerade mit ALG II wären die Sparmöglichkeiten kurzfristig UND langfristig enorm, weil man weit mehr Zeit zur Verfügung hat.

                          Ich arbeite Vollzeit und das muss auch alles irgendwie schaffbar sein - da ist für Sparen meist keine Zeit mehr. Langfristig spare ich mich gesund, das ja, aber wenn mal was im Angebot ist oder ich mal was dörren will oder so, muss ich mir die Zeit nehmen oder alles auf das Wochenende verschieben, abends vorbereiten usw.

                          Es ist die Unaufgeklärtheit und der Unwillen der Leute, der zu diesem Dicken-Problem führt. Man weiß es nicht besser, aber will es auch nicht wissen. Denn dann könnte es ja sein, dass man sich ändern muss - und das wäre ja wieder unbequem.

                          Alle krähen nach Veränderung in der Gesundheitspolitik, aber in erster Linie sind wir keine entmündigten deutschen Bürgerschafe sondern individuelle Menschen mit einem Kopf zur freien Benutzung.

                          Und heute ist es so viel leichter, kostenlos oder kostengünstig an Informationen zu kommen, als zu Zeiten vor dem Internet z. B.

                          Natürlich sind adipöse Menschen krank - und essen muss jeder, ob Sucht oder nicht. Das macht alles sehr viel schwieriger. Aber wir können den Menschen nicht auch noch den gesunden Menschenverstand absprechen.

                          Wer sich um sich selbst kümmern möchte, der wird das auch tun und sich Unterstützung suchen, wenn nötig. Unterstützung gibt es überall. Es ist nicht leicht, leicht zu werden :-) - aber das sollte nicht als Ausrede für tägliche Fressgelage gelten!

                          jg

                          • Ich habe eine Freundin, die stark adipös ist und mal Ökotrophologie studiert hat. Ist klar, dass die in dem Beruf nicht mehr arbeiten kann. Die nimmt ja keiner ernst. Man würde doch meinen, dass die sich mit Ernährung auskennt. Tut sie auch. Aber sie sagt, dass ein Teufelchen auf ihrer Schulter sitzt und ihr sagt, sie soll noch was essen, nur ne Kleinigkeit. Sie ist auch gar kein Massenesser, sondern Graser. Die isst wirklich rund um die Uhr Mini Portionen.

                            Sie sagt in der Theorie weiß sie, dass die mit dem ständigen Essen ihren Blutzuckerspiegel auf- und abjagt und das noch mehr Heißhunger verursacht, aber sie kann es nicht abstellen.

                            Sie hat ihr Päckchen zu tragen. Sie fing an zuzunehmen, als ihr Mann starb und sie mit drei kleinen Kindern dastand. Sie hat sich den Frust "weggegessen" sich "mal was gegönnt" usw. Essen ist halt immer verfügbar und macht glücklich. Sie kocht täglich frisch und auch aus guten Zutaten, aber sie isst nebenbei eben auch viel Schrott. Bei ihren Kindern achtet sie allerdings penibel auf die Ernährung.

                            Man kann es sich als schlanker Mensch gar nicht richtig vorstellen, dass man ständig den Drang verspürt was zu essen und ich hoffe, ich komme niemals in die Verlegenheit. Ich hoffe, dass sich die Menschen Hilfe holen und diese auch bekommen.

                            Ganz schlimm finde ich dicke Kinder. Letzten Sommer waren wir im Schwimmbad und ich war wirklich entsetzt, dass es mehr dicke Kinder gab als schlanke. Kleine Jungs mit größeren Brüsten als meine. Total traurig.

                            • Das ist ja furchtbar mit Deiner Freundin - Du hast recht, man steckt nicht drin. Manch einer ist "berechtigt" aus der Form geraten.

                              Aber bei den meisten ist nicht so viel schief gegangen - es schmeckt einfach zu gut und macht süchtig. Wer sich vollstopft kompensiert ja oft was psychisches, das stimmt. Aber auch das muss behandelt werden.

                              Und dicke Kinder können leider gar nix dafür - die armen Dinger können einem nur leid tun. Sie wissen es ja wirklcih nicht besser und können sich nicht selbst ernähren. Das machen Mama und Papa.

                              jg

                (29) 22.12.16 - 00:35

                "Kein gesunder Mensch hat Adipositas"

                Wie definierst du denn "gesund"? In meinem Umfeld sind einige Personen adipös, ohne an organischen oder psychischen Krankheiten zu leiden.

                Ich finde solche Behauptungen zudem für adipöse Menschen wenig hilfreich bis kontraproduktiv. Wenn ich nämlich denke, dass ich wegen einer Erkrankung übergewichtig bin, dann werde ich mich als Opfer dieser Erkrankung sehen. Da fühlt man sich dieser Situation ausgeliefert und fremdbestimmt, anstatt zu sehen, dass es in den allermeisten Fällen in der eigenen Macht steht, die Dinge zum Positiven zu verändern.

                Ich selbst habe diese Effekte am eigenen Leib erlebt. Jahrelang dachte ich, dass ich nicht abnehmen kann, weil mein Stoffwechsel zu langsam oder gar kaputt ist, dann nehme ich auch noch Schilddrüsenhormone. Ich war so verzweifelt, weil ich stetig zunahm und keine Chance sah, etwas daran zu ändern.
                Dann las ich das Buch "Fettlogik", las, dass alles Humbuk ist, woran ich jahrelang glaubte...und plötzlich funktioniert mein Körper doch total normal - gesund eben. Ich nehme ab und es ist nicht einmal besonders schwierig: Ich esse, was ich will und wann ich will, nur nicht, so viel ich will. :-D

                Grüße

                • (30) 22.12.16 - 07:19

                  Es gibt da ganz viele Studien darüber. Menschen, von denen du denkst, dass sie keine organischen oder psychischen Krankheiten haben, wissen es selbst meist nicht. Meine Cousine hat zB insulinresistenz und wusste es jahrelang nicht. Wenn du als dicker in eine Arztpraxis gehst, wirst du nämlich nur abschätzig angeschaut und dir wird geraten weniger zu fressen.

                  Seit sie ernsthaft untersucht wurde und Medikamente dagegen bekommt, ist sie richtig erschlankt und hat auch die Ernährung nicht umgestellt.

                  Viele adipöse essen sich einen Schutzpanzer an, quasi um die Seele zu schützen. Das macht doch kein gesunder Mensch?

                  Ehrlich, beschäftige dich mit dem Thema.

        (31) 19.12.16 - 10:43

        Hallo!

        Also schleichend 50 kg Übergewicht. Wenn mein ein vernünftiges Körpergefühl hat passiert doch so was nicht schleichend. Viel. mal 5 kg aber doch nicht 50 kg.

        Gruß Gabi

        • (32) 20.12.16 - 19:56

          Hallo Gabi,
          mein Bruder verbrannte bei einem Autounfall.

          Mein damaliger und ich fuhren 800 km, um meine Eltern aus dem Urlaub zu holen. Die Trauerfeier war 8 Tage später, und meiner Mutter waren schon paar Hosen zu weit, meine wurden enger.

          Zur Urnenbeisetzung 4 Wochen später, hatte jede von uns eine andere Kleidergröße.

          Meine Mutter hat von 58 Kilo auf 45 Kilo abgenommen, ich von 85 Kilo, 1,75 m sportliche feste Figur, ins unermessliche zugenommen.

          Selbst die Katze hat aus Trauer gefressen und zugenommen, meine Schwester rauchte danach 3 Jahre Kette, zuvor evtl. 5 Stück in der Woche.

          Ich kam nie wieder auf das Gewicht, meine Mutter hat seitdem auch bei jedem Stress einen Klos im Hals und ist satt. Und ich habe ein Loch im Bauch, was gefüllt werden muss.

          Das vernünftige Körpergefühl, ging uns in dieser Unfallnacht verloren.

          Gruß Claudia

          (36) 21.12.16 - 09:47

          Hallo!

          Das tut mir leid. Das ist aber ein Extremfall.

          Lg Gabi

          (37) 21.12.16 - 21:09

          Mein Beileid. Ich glaube es ist leider möglich. Gehirnforscher wüssten bestimmt, welche Hormone bei so ein schrecklichem Schockzustand ausgeschüttet werden und wie sie auf den Körper wirken. Ich hoffe, Ihr konntet um Deinen Bruder trauern.

(38) 31.12.16 - 19:49

Batu. Danke. ....Du hast sowas von recht...

(39) 17.12.16 - 15:25

Du sollst NIEMALS unter deinem Grundumsatz essen. NIEMALS.

  • (40) 17.12.16 - 21:05

    Warum eigentlich? Was wird passieren?

    • (41) 20.12.16 - 09:19

      Der Grundumsatz ist genau das was dein Körper für alle lebenserhaltenden Maßnahmen benötigt.

      Atmung, Temperatur, Herzschlag UND UND UND.

      Jetzt darfst du mal dein Köpfchen anstrengen und überlegen was passiert, wenn man wissentlich für "längere Zeit" unter seinem Grundumsatz lebt.

      Na?

      • (42) 20.12.16 - 13:54

        Ich habe mein Köpfchen angestrengt, wenn Du schon mal so formulierst und ich denke, die Menschheit wäre schon längst ausgestorben wenn es so wäre wie Du schreibst.

        • (43) 20.12.16 - 14:37

          Junge Junge, mal ordentlich den Kopf anstrengen, dann merkste selber was du für einen Blödsinn schreibst.

          Der Körper KANN natürlich überleben - sonst würde niemand in Kriegen überleben etc.

          Nichts desto trotz befindet sich der Körper in einem absoluten Ausnahmezustand, wenn du ihn längere Zeit so behandelst - und genau da ist doch der Knackpunkt!

          Neben der Tatsache das du dir selbst nachhaltig nichts gutes tust - nimmst du zu etc.

          Weil der Körper PLÖTZLICH sieht: "Ich bekomme, also lagere ich ein"

          Du erzählst Blödsinn und anstatt dich noch mehr Peinlichkeiten hinzugeben, solltest du das einfach mal zugeben!

          • (44) 20.12.16 - 14:49

            Entschuldige Frau Doktor...

            (45) 20.12.16 - 15:09

            "Was viele Menschen nicht begreifen :Ein Kaloriendefizit bedeutete nicht automatisch ein Energiedefizit. Fettgewebe ist nichts anderes als eingelagerte Energie. Vergleichbar ist dies vielleicht mit einer vollen Vorratskammer, in der die lange haltbaren Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Nudeln, Mehl, Dosennahrung und Tiefkühlkost gelagert werden. Bestimmte Lebensmittel, die sich nicht lange lagern lassen, Mus man trotzdem noch frisch kaufen, aber den größten Teil kann man über Vorräte decken. Das Fettgewebe sichert unsere Grundversorgung ausreichend. Wir müssen nur täglich die Vitamine, das Protein und etwas Fett zuführen, die der Körper sich nicht speichern kann. " Dr. Nadja Hermann

(46) 18.12.16 - 18:05

Hallo,

also ich kann das, was du schreibst, überhaupt nicht bestätigen:

Ich arbeite mit Therapeuten und Menschen zusammen, die aus unterschiedlichsten Gründen adipös sind, und Akzeptanz erfahrt kaum einer von ihnen - ganz im Gegenteil.

Grundsätzlich sind nicht alle stark übergewichtigen Menschen aus den gleichen Gründen übergewichtig.

Der Grund, also Auslöser des Problems ist so individuell wie der Mensch selber.

Der eine hat falsche Essgewohnheiten gepaart mit Bewegungsmangel, vielleicht von Baby auf an, der nächste hat vielleicht Heißhungerattacken , weil hormonell etwas nicht stimmt , ein anderer hat kein Sättigungsgefühl (da gibt es verschiedene ganz schwerwiegende Erkrankungen...)...usw usw.

So, das sind die Auslöser, und die führen zu Kilos, und diese Kilos werden immer mehr.
Natürlich halten sich die Krankheiten , die Ödeme verursachen und wirklich massives Übergewicht symptomatisch mit sich bringen , in Grenzen - aber viele Grundprobleme und Erkrankungen Triggern falsches Essverhalten , Bewegungsmangel, Stoffwechselprobleme usw.-und ist man erst einmal über eine Gewissen Grenze, dann wird's schwer.

Irgendwann kommt die Gewichts-Grenze, an der die Betroffenen in einem Teufelkreis sind:

Bewegung wird immer schwerer, diverse Krankheiten kommen dazu.
Blicke, Kommentare, Verlegenheit...

Die Psyche leidet , das Essen schmeckt, füllt vielleicht Lücken....Abnehmen wird immer schwerer....

Oft wird bei jeder Vorgeschichte pauschal unterstellt:

Undiszipliniert, faul , unmäßig.

Wer trotzdem sein Essen genießt , wird schief angeguckt....

Ich kann da keinerlei übermäßige Toleranz erkennen-eher das Gegenteil , und meine "Schützlinge" leiden.

Unsere Gesellschaft will Schlanke, Gesunde - triggert aber an allen Ecken und Enden unmäßige ungesunde Ernährung

Schwimmbäder werden überall geschlossen , aber Hauptsache Internetcafés werden eröffnet und die 47te neue Xbox kommt raus...

Alles kann geliefert werden...

Das ist kein Einfaches Thema...

Könnte noch viel dazu schreiben...

GlG,

Lulu

  • (47) 18.12.16 - 18:45

    Danke für Deinen Beitrag. Ich verstehe absolut was Du meinst. Was mich beschäftigt, wenn ich z.B. 30-40 Jahre Filmaufnahmen von Städten oder Strandbäder sehe, sind kaum dicke Menschen zu sehen. Oder vor 20 Jahren hat man eine amerikanische Touristengruppe sofort erkannt und man hat sich gewundert, wie sie so unglaublich dick sein können. Mittlerweile gehört es auch zu der deutschen Gesellschaft. Vielleicht soll ich nicht Akzeptanz, sondern Ohnmacht schreiben.

    • (48) 19.12.16 - 15:24

      Naja, ich finde irgendwie weder Akzeptanz noch Ohnmacht passend.

      Es ist ja nicht so , dass man komplett handlungsunfähig gegen das Übergewicht ist.

      Und ich finde auch , dass ein Mensch von niemanden aufgrund seines Gewichtes ersteinmal "akzeptiert" werden muss.

      Irgendwas steckt meistens dahinter , und ich lerne doch an erster Stelle immer den Menschen kennen.

      Und selbst wenn jemand wirklich "nur" gerne isst (was ich so noch nie kennengelernt habe, stark übergewichtige Menschen reden sich ihr Gewicht zwar manchmal schön, aber diese Menschen wissen schon auch ganz genau was los ist, "glücklich" ist damit keiner...dass das Essen trotzdem noch schmeckt, und leider oft das Falsche, hat dann ganz andere Ursachen und das "Abstellen" ist ein steiniger Weg...)

      Dass es von vor 30-40 Jahren nur wenige Aufnahmen von schwergewichtigen Menschen gibt, liegt wohl ein Stück weit auch an den insgesamt wenigen Aufnahmen, mal abgesehen vom Nahrungsangebot, welches sich massiv verändert hat....wenn du dir Bilder von Autobahnen ansiehst von vor 30-40 Jahren , dann siehst du auch wenig Verkehr darauf (im Vergleich zu heute...), guckst du dir Mast-Ställe an , mit Rind, Schwein oder Geflügel , dann sieht das auch komplett anders aus - winzig im Vergleich zu heute...

      Fakt ist, die Menschen heute sind zwar aufgeklärter, aber sie geraten auch viel schneller in Spiralen, in die sie "Früher" so schnell nicht geraten wären.

      Und da kommt man weder körperlich noch seelisch so schnell wieder raus.

      Es gibt ja auch viele Menschen mit Magersucht oder anderen ernährungsbedingten Störungen...das liegt an dem mittlerweile herrschenden Zeitgeist, an der immer größer werdenden Schere zwischen "Mangel" und "Überfluss"...

      Und mit Mangel meine ich nicht nur Nahrungsmangel , sondern vor allem auch Mangel an Emphatiefähigkeit, Mangel an sozialem Miteinander, Mangel an Ausgleich, Mangel an echter Anteilnahme und aufeinander Acht geben...

      Essen ist oft Ersatz für....und Essen etc. gibt es im Überfluss.....

      Der psychische Aspekt beim Übergewicht ist neben dem körperlichen wirklich nicht zu unterschätzen.

      Dass dieses "Phänomen" immer "schlimmer" werden wird ist doch klar - es liegt in der Natur der Sache.

      Nie war es einfacher sich (vielleicht neben einer sowieso schon vorhandenen Grunderkrankung...) wenig zu bewegen , billig schlecht zu ernähren und sozial zu isolieren...Kontakte im RL pflegen manche Menschen irgendwann einfach gar nicht mehr.

      Die Mastbetriebe werden immer weiter technisiert...und Kinder lernen in der Schule in Kl.3 statt Schwimmen den Gebrauch eines I-Pads...

      LG,

      Lulu

      • (49) 19.12.16 - 21:03

        Ja, Du hast absolut recht. Vielleicht habe ich Akzeptanz geschrieben weil es eine Bewegung aus den USA mit den Namen fat acceptance movement gibt. Ich verstehe einerseits dass man die schwer adipösen Menschen so akzeptieren sollte wie sie sind, aber ich halte es viel wichtiger, Aufkärungsarbeit zu leisten. Wenn Adipositas eine psychische und genetische Krankheit ist wie jemand hier einen Arzt zitiert hat, dann sollte z.B. der amerikanische Bundesstaat Texas heute fast ausschließlich aus solchen Kranken bestehen. Irgendwie unheimlich, oder?

hi,

ich habe noch nie erlebt, dass ein richtig fetter Mensch (120 kg aufwärts) bemitleidet wird.
Den Menschen ist es völlig egal, warum dieser Mensch dick ist und er kann von Glück sagen, wenn nur über ihn getuschelt wird!
Raucher sind nach wie vor gesellschaftlich akzeptiert (oder hast du schonmal gesehen, dass Raucher angestarrt werden?) Alkoholiker laufen ja nur besoffen durch die Gegend,wenn sie schon im Endstadium sind--auf dem Weg dahin werden sie sogar animiert zu saufen!

lg

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