Schon immer devot. Woher kommt diese Neigung?

    • (1) 17.03.19 - 03:08
      devot

      Soweit ich mich zurück erinnern kann, hatte ich schon als Mädchen devote Phantasien. Wenn eine Prinzessin von Piraten entführt an einen Mast gefesselt wurde, erregte es mich richtig. Ich malte mir vorm Einschlafen verschiedenste Szenarien dieser Art aus und hatte oft wilde Träume.
      Mit meinen früheren Partnern konnte ich diese Seite bis auf harmloses Fesseln und Auspeitschen a la "Fifty Shades of Gray" nicht wirklich ausleben. Auch wenn ich offen über meine Wünsche gesprochen hab, hatte mein Ex ständig Bedenken mir weh zu tun (er war insgesamt sexuell eher passiv)
      Seid 3,5 Jahren aber bin ich mit meinem Freund zusammen und erlebe mit ihm endlich genau das, was ich mir schon immer ausgemalt habe. Er hatte vor mir nie Erfahrungen mit s/m Praktiken, hat aber auch für sich diese Vorliebe entdeckt, was wir gemeinsam sehr feiern und genießen.
      Was mich interessiert ist - ist das Devote in mir angeboren oder "anerzogen"? Hab mal gelesen, daß Mädchen, die einen sehr dominanten Vater haben, später oft devote Neigungen entwickeln. Das würde bei mir zutreffen.
      Wie ist es bei euch? Woran liegt eurer Meinung nach der Grund für eure sexueller Vorlieben?

      • (2) 17.03.19 - 08:55

        Ich denke eher das entwickelt sich eher im Verlauf der verschiedenen Partnerschaften. Aber ich bin auf die Antworten von anderen gespannt.

        • (3) 17.03.19 - 09:23

          Nach deiner These würde sich dann diese Vorliebe erst im erwachsenen Alter mit den Partnern nach und nach aufleben.
          So war war es aber nicht: habe im KiTa Alter die Selbsbefriedigung entdeckt und am Schönsten war es wo ich mir dabei vorstellte gefangen und ausgeliefert zu sein.
          Etwa mit 9-10 sah ich mal im Fernsehen wie eine schwarze Sklavin halbnackt angekettet, ausgepeitscht und von ihrem Herren angegrabscht wurde (war wohl ein Film über Sklaverei)... das machte mich mega an

      (4) 17.03.19 - 09:46

      Ich habe da auch schon oft drüber nachgedacht. Ich denke, meine devote Neigung ist angeboren, tatsächlich ein Charakterzug als Ergebnis einer launigen Natur.
      Wie du habe ich mich früher bereits als Kind oft selbst irgendwo festgebunden und dabei durchaus so etwas wie Erregung empfunden und in der Badewanne habe ich Doktorspiele an mir selbst durchgeführt. Da hat mich dann der böse Doktor untersucht...
      Als dann in der Pubertät meine Sexualität zielgerichteter und bewusster wurde, hatte ich von Anfang an devote Fantasien. Ich kenne mich also gar nicht ohne diesen Wesenszug.
      Einen dominanten Vater hatte ich nicht. Wenn ich überhaupt psychologisieren will, dann lautet meine Erklärung folgendermaßen:
      Ich bin von jeher ein verkopfter Mensch und fühle mich sehr verantwortlich für das Wohl meiner Mitmenschen. Dabei kann ich schlecht meine Grenzen wahren. Als devoter Part kann ich innerhalb vorher abgesteckter Grenzen den Kopf ausschalten und Verantwortung abgeben. Die Möglichkeit habe ich aufgrund meines Naturells sonst nicht.

      • (5) 17.03.19 - 11:52

        Viele Dank für deinen spannenden Beitrag.
        Interesse Vermutung, die du aufstellst: das "Manager Prinzip" - für einen Moment die Verantwortung abgeben und sich fallen lassen.
        Ou ja, die Doktorspiele...)) meine Lieblingshobby bei dem ich sehr erfinderisch war.
        Hab gerade zu dem Thema paar interessante Artikel gefunden. Aus der wissenschaftlichen Sicht, werden sexuelle Neigungen im Alter von 3-8 Jahren geprägt. Kinder, die z.B. psychischer oder physikalischer Gewalt ausgesetzt waren oder Traumata erlebten, verarbeiten diese indem sie die negativen Gefühle unbewusst mit dem Sexuellen verknüpfen, was sich später in einer bestimmten bedonderen Neigung äußert. So wird der Folgeschaden vom Trauma gering gehalten. Dazu soll es wohl einige umfassende Studien geben, die behaupten, daß jeder Proband mit S/M Vorlieben, als Kind etwas Schlimmes erlebt hat.
        ...hm... weiß nicht so recht, es gibt schon schlimmere Kindheiten als meine. Könnte jetzt nicht sagen, daß ich derbe traumatisiert wurde, aber ein paar sexuelle Übergriffe vom Nachbarn und später vom Cousin gab es.

        • (6) 17.03.19 - 12:57

          Als Trauma kommt dann wohl bei mir in Frage, dass ich als kleines Kind viele, viele Wochen im Krankenhaus war, wo sich aufgrund meiner Krankheit ständig Leute zwischen meinen Beinen zu schaffen machten...
          Das ist eine interessante Überlegung, dass ich das versucht habe, sexuell positiv umzudeuten.

        • (7) 17.03.19 - 13:22

          Hallo,
          Ich habe auch schon immer irgendwie diese devoten Fantasien und Neigungen.
          Woher es kommen könnte, hab ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht, aber jetzt wo die sexuelle Übergriffe in den Raum wirfst könnte das schon sein.
          Als ich noch klein war, so mit 6/7 vllt etwas früher hat mein Cousin Gefängnis mit mir gespielt, und gesagt das Frauen im Gefängnis immer vergewaltigt werden.
          Ein älterer Nachbarsjunge hat mich befummelt, und gesagt das ich es niemanden sagen darf. Hab ich auch nicht, weil ich mich geschämt habe.
          Meinst du daher könnten die devoten Neigungen kommen?

          • (8) 17.03.19 - 13:55

            So wird es zumindest in mehreren Artikel behauptet. Ob sexueller Missbrauch oder prägende negative Erlebnisse im Kindesalter mit dem man als Kind psychisch überfordert war, führen angeblich dazu, daß die Kinderpsyche einen "Ausweg" sucht es zu verarbeiten indem sie solche Erlebnisse mit der sich noch entwickelnden Sexualität verknüpft. Später empfindet man dann "böse" Männer, Erniedrigung und Schmerz als anziend und erregend.
            Weiß nur nicht mehr genau ob die Vorfälle mit dem Nachbarn damals schon vor meinen Phantasien solcher Art statt gefunden haben oder danach. Als 5-jährige fand ich es sehr verstörend, beschämend und keineswegs angenehm. Konnte auch erst mit 30 darüber mit anderen reden.
            Schon heftig wie viele Kinder von solchen Übergriffen betroffen sind... aber nach Aussen bloß eine heile Welt vorspielen...
            Bin auch positiv überrascht, daß es doch so einige "Gleichgesinnte" sich hier in so kurzer Zeit melden. Hatte eher die Vermutung mit dieser Thematik in absoluter Minderheit zu sein. Auch wenn ich mich heute mit meinen sexuellen Neigungen sehr wohl fühle, freue ich mich gerade über die Bestätigung und die Berechtigung so sein zu dürfen. Danke dafur!

            (9) 17.03.19 - 14:34

            Diese wissenschaftliche Erklärung würde wohl auch zur Selbstverletzung (Ritzen) oder Suchtverhalten passen (auch eine selbstzerstörerische Tendenz). Durch den Schmerz empfindet man Erleichterung... keine Ahnung was ich da für Thesen aufstelle, hatte es mit Ritzen nie zu tun. (Kontraproduktives Verhalten aber schon: früher Sex mit Männern, obwohl ich es nicht wollte, dachte wenn sie Sex bekommen, bekomme ich als Gegenleistung Zuneigung)
            Kennst du den Film "Sekretärin"? Ein Meisterwerk mit Tiefgang und tollem Humor! Du wirst es lieben!!

        (10) 26.03.19 - 12:02

        Hallo
        Ich war mit 5 Jahren im Krankenhaus, Die Eltern durften nur durch die Scheibe schauen, dann kam ich in ein anderes Zimmer, das Mädchen schrie wenn die Schwester mit der Spritze kam, ich weinte wenn meine Eltern gingen, die Schwester sagte mir wenn ich nicht aufhöre zu weinen kommen meine Eltern nie wieder.

        Ich bin masodevot

(11) 17.03.19 - 11:46

Ich denke nicht, dass es rein soziopädagogische Gründe bzw Auslöser gibt. Ich habe diese Neigung auch schon immer.
Warum ist jemand homosexuell? Auch das ist noch nicht geklärt und definitiv besser erforscht als das Thema Devotion und Dominanz.

  • (12) 17.03.19 - 14:20

    Es gibt immer mindestens eine Ursache warum die Dinge so sind wie sie sind. Ich war schon immer neugierig und finde es spannend und auch wichtig sich selbst zu verstehen, zu reflektieren warum man auf die eine oder andere Weise tickt und handelt. "Weil's einfach so ist" reicht mir nicht. Die Beiträge und Erfahrungen anderer sind sehr schon interessant. Sowas erfährt man selten beim Kaffeeklatsch mit den Muttis auf einem Kindergeburtstag.

(13) 17.03.19 - 15:18

Ich bin auch devot, schon immer und bei mir ist es definitiv angeboren.
Als kleines Mädchen fand ich es total faszinierend, wenn wir Cowboy und Indianer oder Königin und Dienerinnen gespielt haben und ich wollte ausschließlich die Dienerin, die Gefesselte, die Ausgelieferte sein.
An ein Erlebnis mit 5 erinnere ich mich noch so als ob es gestern gewesen wäre, ich war mit meiner Mutter und einer Freundin im Zoo und da waren noch andere Mütter mit Kindern. Ich hab ein Weinen von einem Jungen gehört, dem die Mutter den Po versohlt hat (war damals in der Öffentlichkeit noch weit verbreitet) und war unglaublich fasziniert davon (wurde als Kind nie geschlagen!) Und wusste das hätte ich auch mal gerne (wollte aber nie von meinen Eltern geschlagen werden).
Lange Zeit konnte ich mir dieses ganzen merkwürdigen Gefühle und Gedanken nicht erklären, bis ich in die Pubertät kam und ich auf einmal Phantasien von Männern hatte die mit mir machten was sie wollten und dann wurde mir schlagartig klar, was das war.
Ich hatte das große Glück mit 16, als ich meinen ersten Freund zusammenkam (der etwas älter und erfahrener war), dass ich mich ihm relativ anvertraut habe was meine Phantasien angeht (damals wurde damit nicht wirklich offen umgegangen und Bücher musste ich mir im Laden verschämt bestellen). Er war sehr offen und wir haben quasi kurz nach meiner Entjungferung damit angefangen es auszuleben.
Ich bin heute Mitte 30 und könnte mir keine andere Sexualität vorstellen. Ich habe bisher mit jedem meiner Partner BDSM auch ausleben können, mit Ausnahme von einem, aber da ging die Beziehung auch dran kaputt, weil ich mir das nicht vorstellen konnte einfach nur noch normalen Sex zu haben.
Mitlerweile bin ich verheiratet und mit meinem Mann ist es einfach wunderbar.
Ich bin absolut davon überzeugt, dass es bei den meisten Menschen angeboren ist. Habe einige wenige kennengelernt, da ist es leider durch andere unschöne Dinge entstanden, aber die Mehrheit war schon immer so. :-)

  • (14) 17.03.19 - 16:04

    Ah, spannend, danke für diesen Beitrag. Das widerlegt komplett die ganzen Behauptungen von angeblichen Studien, von den ich gelesen habe

(15) 17.03.19 - 17:52

Kann es sein das du als Kind schon sexuelle Erfahrungen hattest und deine Phantasien das wiederspiegeln was damals mit der gemacht wurde?

  • Möchtest du damit andeuten, dass alle submissiven und devoten Menschen frühkindliche prägende, sexuelle Erfahrungen hatten?

    • Nein.

      Ich möchte es aber als eine mögliche Ursache nicht ausschließen.

      (18) 17.03.19 - 19:54

      Glaube, sie hat die meisten Beiträge flüchtig überflogen und mal so eine Frage in den Raum geworfen.
      Die "wissenschaftlich belegten" Artikel stellen aber tatsächlich genau diese These auf, daß alle möglichen Fetisch Neigungen im Alter von 3-8 Jahren unbewusst angelegt werden. Als Beispiel wird unter anderem der Urin/Kot Fetisch genannt, der angeblich daraus resultiert, wenn Kinder stark vernachlässigt wurden (volle Windeln usw) und später ihre/fremde Ausscheidungen als erregend empfinden.
      Logisch wäre es, aber man kann nicht alles pauschalisieren. Ausserdem hab ich das Gefühl, daß jede von der Main Stream abweichende Praktik in den Augen unserer Gesellschaft eine Rechtfertigung braucht. Nach dem Motto "da muss doch etwas in der Vorgeschichte passiert sein, daß er/sie so aus der Reihe schlägt". Und an dieser Stelle merke ich, daß meine ursprüngliche Frage wohl gar nicht direkt beantwortet werden kann. Es können wohl wie Prägungen aus der Kindheit, eigene Erfahrungen, Medien und/oder schlichte Veranlagungen ein Grund für verschiedenste sexuelle Vorlieben sein. Das ist anscheinend eine sehr individuelle Angelegenheit.
      Schließlich weiß man auch nicht genau warum der einer auf Gewürzgurken und der andere auf Schokolade steht... (bei Schokoüberzogenen Gurken würde ich auf eine Schwangerschaft tippen)
      Es sieht so aus, daß die Dame mit dem Vergleich mit der Homosexualität (das Wort gibt es nicht mal bei Autokorrektur, trotz der Behauptung alle seien ja heute so offen dafür) gar nicht so verkehrt lag - es ist wie es ist. Hauptsache man (n)/frau ist mit sich und dem Sex im Reinen.
      Bei mir hat es paar Jährchen gedauert bis ich meine Vorlieben akzeptiert habe und einen Partner fand, der das ebenfalls genießt. Vermute, es tut einigen ganz gut hier zu lesen, daß sie (als "stinknormale" Mamis, die hier meist über die Ranzen ihrer Kinder diskutieren) mit ihren "dirty" Fantasien nicht allein sind.

(19) 17.03.19 - 18:14

Danke daß du fragst, ich habe eine leise Vermutung, daß du diagonal gelesen hast :-)
Die Erfahrungen aus der Kindheit hab ich oben kurz angeschnitten. Einige hier berichten über ähnliche Geschichten. Andere dagegen haben nix derartiges erlebt.
Darum geht's ja gerade: inwieweit haben diese Ereignisse aus der Kindheit einen Einfluss auf die heutigen sexuellen Vorlieben oder sind die Neigungen genetisch bedingt.

  • (20) 17.03.19 - 18:27

    Ich habe nur deinen ersten Beitrag gelesen. Ich weiß aber aus dem Austausch mit Betroffenen das frühe sexuelle Erfahrungen eine mögliche Ursache sein können, aber auch nicht sein müssen.

(21) 17.03.19 - 18:17

Auch wenn ich mir die Frage nach den Ursachen bereits gestellt habe, habe ich die Suche nach einer Antwort ad acta gelegt. Egal, wo man nach Antworten sucht, wird Devotion pathologisiert und ich empfinde mich nicht als krank. Ich glaube auch nicht, irgendetwas kompensieren muss. Ich glaube nicht, dass ich traumatische Ereignisse umdeute.
Für mich hat sich die Suche nach der Antwort auf die Frage, woher meine Hang zum Devoten kommt als sinnlos erwiesen. Ich konnte mit keiner Erklärung etwas anfangen und mag es auch nicht, wenn mich da jemand versucht, in eine Schublade zu stecken.

  • (22) 18.03.19 - 17:11

    Die Komplexität der menschlichen Persönlichkeit ist leider auch noch immer zu wenig erforscht um umfassende Erkenntnisse und Belege zu liefern. In jedem Fall kann man nicht von einer Monokausalität ausgehen sondern sehr viele Faktoren bestimmen unsere Neigungen und Vorlieben auch in unserer Sexualität. Nicht zuletzt auch neurophysiologische Zusammenhänge, von denen man weiß dass, ganz allgemein gesprochen, Lust und Schmerz sich keineswegs widersprechen müssen. Aber der Facettenreichtum macht plausible und schlüssige Erklärung so komplex.

    Einige aktuellere Studien zu diesem Thema ergeben jedoch, dass devote oder dominante Neigungen grundsätzlich nicht etwas "Krankhaftes" darstellen sondern ganz grundlegende Eckpfeiler der menschlichen Sexualität darstellen. Nur haben sie eben eine sehr individuelle Bedeutung, für jeden Menschen anders, für viele in ihrer Wahrnehmung auch gar keine, zumindest was das Ausleben dieser unterschiedlichen Präferenzen angeht.

    Das gleiche gilt im Übrigen auch für andere Themenfelder wie bspw. Hetero- und Homosexualität. Heute geht man davon aus, dass es 100%ige Homo- und Heterosexualität nicht gibt und - mal abgesehen von einer sehr individuellen Gewichtung - bei allen Menschen eine latente Bisexualität vorliegt. Natürlich bleibt das allerdings auch für viele Menschen unbemerkt bzw. andere Teile unserer Persönlichkeit unterdrücken oder widersprechen dieser Prägung, bewusst oder unbewusst.

    Dass Problem ist, dass sowohl SM-Vorlieben als auch Homosexualität sowie andere Neigungen sehr sehr lange als etwas Krankhaftes eingestuft wurden, auch von der Wissenschaft. Von Neurologen, Soziologen wie von Psychologen und Anthropologen. Von der Politik ohnehin. Das macht es unheimlich schwer umzudenken. und sich von diesen überholten Denkmustern von Richtig/Falsch, Normal/Unnormal, Akzeptiert/Pervers zu trennen.

    • (23) 18.03.19 - 20:11

      Wow! Da hat sich mal jemand intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Danke für deinen sehr informativen Beitrag, der zum Nachdenken anregt.
      Es wird tatsächlich in unserer Gesellschaft so gehandhabt, daß man Dinge, Verhaltensweisen usw. gerne in Kategorien einteilt und definiert.
      Was ist eine Affäre? Eine Freundschaft Plus?
      ...aber, so wie du sagst, die Einzigartigkeit jeder Persönlichkeit mit ganz individuellen Prägungen ist an sich sehr komplex und im stetigen Wandel, beeinflusst durch Erfahrungen, Kultur, soziales Umfeld uvm.
      Die Stigmatisierung der sexuellen Neigungen von den du sprichst, die von der allgemeinen gültigen "Norm" abweichen, werden aus der wissenschaftlichen Sicht mit traumatischen Ereignissen aus der Kindheit begründet. Das kann eine Rolle spielen, aber allein schon anhand der verschiedensten Kommentaren hier, ist der Zusammenhang zwischen der gewaltigen Ereignisse im Kindesalter und späteren sexuellen Vorlieben nicht zwangsläufig gegeben.
      Schön fand ich auch den Satz: "... daß Lust und Schmerz sich nicht gegenseitig ausschließen". Nach wie vor werden negative Emotionen und Gefühle verbannt und ausgeblendet. Schmerz, da negativ belastet, wird ebenfalls abwertend behandelt und als therapiebedürftig eingestuft. Wut, Trauer, Enttäuschung, Angst haben aber die gleiche Berechtigung gefühlt zu werden. Die Unterdrückung dieser führt unausweichlich zur seelischen Disharmonie.
      "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" beschreibt Kundera die Schönheit der Schwere und die Sehnsucht der Frau die Schwere ihren Geliebten auf ihrem Körper zu spüren.

      • (24) 19.03.19 - 14:55

        "Da hat sich mal jemand intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt."

        Zwangsläufig und danke für das Kompliment.

        In jüngeren Jahren ist mir das Thema immer wieder begegnet durch damalige Partnerschaften und Affären. Allerdings war ich mich mit Mitte 20 noch nicht in der Lage, die Komplexität und Vielschichtigkeit dieses Themas im Besonderen, aber auch der menschlichen Sexualität ganz allgemein, zu erfassen, schon gar nicht zu verstehen. Das macht dann aber dennoch neugierig.

        Ohnehin wurde das Thema damals noch als wesentlich subversiver betrachtet. Durch die thematische Berücksichtigung in den Medien in den letzten 10 - 20 Jahren rücken diese Formen der Sexualität nun etwas mehr aus dem Dunkel des Obskuren und Bizarren in ein aufgeklärteres Licht.

        Ab einer gewissen Grenze konnte oder wollte ich meinen damaligen Partnerinnen nicht mehr folgen. Manche Dinge gingen mir (damals) einfach zu weit bzw. mir fehlte schlicht der Hunger nach diesen Erlebnissen. Auch spielten andere Gefühle wie Eifersucht eine Rolle, immer dann, wenn meine Partnerin in ihren Erlebniswelten auch auf andere Männer traf oder treffen wollte.

        Die Trennungen waren emotional nicht immer einfach, weder für mich noch für die Frauen. Ja, mich beschlich sogar das Gefühl, jemanden im Stich zu lassen weil man auf bestimmten Wegen nicht folgen konnte/wollte. Das machte dann zu der Zeit ein Zusammenleben im Alltag ebenfalls früher oder später unmöglich.

        Daher wollte ich einfach mehr erfahren denn letztlich versprach ich mir durch Erkenntnisgewinn mehr Verständnis für etwas, dass die meisten Menschen sich selbst nicht ausgesucht haben. Sie haben diese Vorlieben, Neigungen und Präferenzen ungefragt mitbekommen und da ich Lustgewinn als etwas menschlich Existenzielles verstehe, halte ich es für wichtig, eigene Vorurteile auszuräumen und die Hintergründe zu verstehen, warum jemand nur so und nicht anders erfüllenden Sex erleben möchte und kann.

        Ich hatte allerdings schon damals das Gefühl, das manche (nicht alle) meiner Partnerinnen ihre Neigungen selbst als Belastung empfunden haben, gerade dann, wenn die Aussicht auf neue Erregungspotentiale nach immer neuen Ufern ruft und die Risikobereitschaft zunimmt. Dann möchte ich ihnen nicht noch das Gefühl der Ausgrenzung geben, in dem man diesem oder auch anderen Themen unverständlich begegnet. Vor allem dann, wenn schon in der Gesellschaft ein Klima aus Tabuisierung und Vorurteilen und Missverständnissen herrscht.

        Letztlich ist es einfach Neugier an der menschlichen Seele, glaube ich. Auch eine Form von Sensation Seeking. :-)

(25) 17.03.19 - 22:55

Nein.
Ich bin gerne devot. Schon immer. Mein Vater ist aber definitiv kein strenger Mann. Die These kann ich nicht bestätigen.

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