Schon immer devot. Woher kommt diese Neigung?

Soweit ich mich zurück erinnern kann, hatte ich schon als Mädchen devote Phantasien. Wenn eine Prinzessin von Piraten entführt an einen Mast gefesselt wurde, erregte es mich richtig. Ich malte mir vorm Einschlafen verschiedenste Szenarien dieser Art aus und hatte oft wilde Träume.
Mit meinen früheren Partnern konnte ich diese Seite bis auf harmloses Fesseln und Auspeitschen a la "Fifty Shades of Gray" nicht wirklich ausleben. Auch wenn ich offen über meine Wünsche gesprochen hab, hatte mein Ex ständig Bedenken mir weh zu tun (er war insgesamt sexuell eher passiv)
Seid 3,5 Jahren aber bin ich mit meinem Freund zusammen und erlebe mit ihm endlich genau das, was ich mir schon immer ausgemalt habe. Er hatte vor mir nie Erfahrungen mit s/m Praktiken, hat aber auch für sich diese Vorliebe entdeckt, was wir gemeinsam sehr feiern und genießen.
Was mich interessiert ist - ist das Devote in mir angeboren oder "anerzogen"? Hab mal gelesen, daß Mädchen, die einen sehr dominanten Vater haben, später oft devote Neigungen entwickeln. Das würde bei mir zutreffen.
Wie ist es bei euch? Woran liegt eurer Meinung nach der Grund für eure sexueller Vorlieben?

Ich habe da auch schon oft drüber nachgedacht. Ich denke, meine devote Neigung ist angeboren, tatsächlich ein Charakterzug als Ergebnis einer launigen Natur.
Wie du habe ich mich früher bereits als Kind oft selbst irgendwo festgebunden und dabei durchaus so etwas wie Erregung empfunden und in der Badewanne habe ich Doktorspiele an mir selbst durchgeführt. Da hat mich dann der böse Doktor untersucht...
Als dann in der Pubertät meine Sexualität zielgerichteter und bewusster wurde, hatte ich von Anfang an devote Fantasien. Ich kenne mich also gar nicht ohne diesen Wesenszug.
Einen dominanten Vater hatte ich nicht. Wenn ich überhaupt psychologisieren will, dann lautet meine Erklärung folgendermaßen:
Ich bin von jeher ein verkopfter Mensch und fühle mich sehr verantwortlich für das Wohl meiner Mitmenschen. Dabei kann ich schlecht meine Grenzen wahren. Als devoter Part kann ich innerhalb vorher abgesteckter Grenzen den Kopf ausschalten und Verantwortung abgeben. Die Möglichkeit habe ich aufgrund meines Naturells sonst nicht.

Viele Dank für deinen spannenden Beitrag.
Interesse Vermutung, die du aufstellst: das "Manager Prinzip" - für einen Moment die Verantwortung abgeben und sich fallen lassen.
Ou ja, die Doktorspiele...)) meine Lieblingshobby bei dem ich sehr erfinderisch war.
Hab gerade zu dem Thema paar interessante Artikel gefunden. Aus der wissenschaftlichen Sicht, werden sexuelle Neigungen im Alter von 3-8 Jahren geprägt. Kinder, die z.B. psychischer oder physikalischer Gewalt ausgesetzt waren oder Traumata erlebten, verarbeiten diese indem sie die negativen Gefühle unbewusst mit dem Sexuellen verknüpfen, was sich später in einer bestimmten bedonderen Neigung äußert. So wird der Folgeschaden vom Trauma gering gehalten. Dazu soll es wohl einige umfassende Studien geben, die behaupten, daß jeder Proband mit S/M Vorlieben, als Kind etwas Schlimmes erlebt hat.
...hm... weiß nicht so recht, es gibt schon schlimmere Kindheiten als meine. Könnte jetzt nicht sagen, daß ich derbe traumatisiert wurde, aber ein paar sexuelle Übergriffe vom Nachbarn und später vom Cousin gab es.

Als Trauma kommt dann wohl bei mir in Frage, dass ich als kleines Kind viele, viele Wochen im Krankenhaus war, wo sich aufgrund meiner Krankheit ständig Leute zwischen meinen Beinen zu schaffen machten...
Das ist eine interessante Überlegung, dass ich das versucht habe, sexuell positiv umzudeuten.

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Ich denke eher das entwickelt sich eher im Verlauf der verschiedenen Partnerschaften. Aber ich bin auf die Antworten von anderen gespannt.

Nach deiner These würde sich dann diese Vorliebe erst im erwachsenen Alter mit den Partnern nach und nach aufleben.
So war war es aber nicht: habe im KiTa Alter die Selbsbefriedigung entdeckt und am Schönsten war es wo ich mir dabei vorstellte gefangen und ausgeliefert zu sein.
Etwa mit 9-10 sah ich mal im Fernsehen wie eine schwarze Sklavin halbnackt angekettet, ausgepeitscht und von ihrem Herren angegrabscht wurde (war wohl ein Film über Sklaverei)... das machte mich mega an

Ich denke nicht, dass es rein soziopädagogische Gründe bzw Auslöser gibt. Ich habe diese Neigung auch schon immer.
Warum ist jemand homosexuell? Auch das ist noch nicht geklärt und definitiv besser erforscht als das Thema Devotion und Dominanz.

Es gibt immer mindestens eine Ursache warum die Dinge so sind wie sie sind. Ich war schon immer neugierig und finde es spannend und auch wichtig sich selbst zu verstehen, zu reflektieren warum man auf die eine oder andere Weise tickt und handelt. "Weil's einfach so ist" reicht mir nicht. Die Beiträge und Erfahrungen anderer sind sehr schon interessant. Sowas erfährt man selten beim Kaffeeklatsch mit den Muttis auf einem Kindergeburtstag.

Ich bin auch devot, schon immer und bei mir ist es definitiv angeboren.
Als kleines Mädchen fand ich es total faszinierend, wenn wir Cowboy und Indianer oder Königin und Dienerinnen gespielt haben und ich wollte ausschließlich die Dienerin, die Gefesselte, die Ausgelieferte sein.
An ein Erlebnis mit 5 erinnere ich mich noch so als ob es gestern gewesen wäre, ich war mit meiner Mutter und einer Freundin im Zoo und da waren noch andere Mütter mit Kindern. Ich hab ein Weinen von einem Jungen gehört, dem die Mutter den Po versohlt hat (war damals in der Öffentlichkeit noch weit verbreitet) und war unglaublich fasziniert davon (wurde als Kind nie geschlagen!) Und wusste das hätte ich auch mal gerne (wollte aber nie von meinen Eltern geschlagen werden).
Lange Zeit konnte ich mir dieses ganzen merkwürdigen Gefühle und Gedanken nicht erklären, bis ich in die Pubertät kam und ich auf einmal Phantasien von Männern hatte die mit mir machten was sie wollten und dann wurde mir schlagartig klar, was das war.
Ich hatte das große Glück mit 16, als ich meinen ersten Freund zusammenkam (der etwas älter und erfahrener war), dass ich mich ihm relativ anvertraut habe was meine Phantasien angeht (damals wurde damit nicht wirklich offen umgegangen und Bücher musste ich mir im Laden verschämt bestellen). Er war sehr offen und wir haben quasi kurz nach meiner Entjungferung damit angefangen es auszuleben.
Ich bin heute Mitte 30 und könnte mir keine andere Sexualität vorstellen. Ich habe bisher mit jedem meiner Partner BDSM auch ausleben können, mit Ausnahme von einem, aber da ging die Beziehung auch dran kaputt, weil ich mir das nicht vorstellen konnte einfach nur noch normalen Sex zu haben.
Mitlerweile bin ich verheiratet und mit meinem Mann ist es einfach wunderbar.
Ich bin absolut davon überzeugt, dass es bei den meisten Menschen angeboren ist. Habe einige wenige kennengelernt, da ist es leider durch andere unschöne Dinge entstanden, aber die Mehrheit war schon immer so. :-)

Ah, spannend, danke für diesen Beitrag. Das widerlegt komplett die ganzen Behauptungen von angeblichen Studien, von den ich gelesen habe

Kann es sein das du als Kind schon sexuelle Erfahrungen hattest und deine Phantasien das wiederspiegeln was damals mit der gemacht wurde?

Möchtest du damit andeuten, dass alle submissiven und devoten Menschen frühkindliche prägende, sexuelle Erfahrungen hatten?

Danke daß du fragst, ich habe eine leise Vermutung, daß du diagonal gelesen hast :-)
Die Erfahrungen aus der Kindheit hab ich oben kurz angeschnitten. Einige hier berichten über ähnliche Geschichten. Andere dagegen haben nix derartiges erlebt.
Darum geht's ja gerade: inwieweit haben diese Ereignisse aus der Kindheit einen Einfluss auf die heutigen sexuellen Vorlieben oder sind die Neigungen genetisch bedingt.

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Auch wenn ich mir die Frage nach den Ursachen bereits gestellt habe, habe ich die Suche nach einer Antwort ad acta gelegt. Egal, wo man nach Antworten sucht, wird Devotion pathologisiert und ich empfinde mich nicht als krank. Ich glaube auch nicht, irgendetwas kompensieren muss. Ich glaube nicht, dass ich traumatische Ereignisse umdeute.
Für mich hat sich die Suche nach der Antwort auf die Frage, woher meine Hang zum Devoten kommt als sinnlos erwiesen. Ich konnte mit keiner Erklärung etwas anfangen und mag es auch nicht, wenn mich da jemand versucht, in eine Schublade zu stecken.

Die Komplexität der menschlichen Persönlichkeit ist leider auch noch immer zu wenig erforscht um umfassende Erkenntnisse und Belege zu liefern. In jedem Fall kann man nicht von einer Monokausalität ausgehen sondern sehr viele Faktoren bestimmen unsere Neigungen und Vorlieben auch in unserer Sexualität. Nicht zuletzt auch neurophysiologische Zusammenhänge, von denen man weiß dass, ganz allgemein gesprochen, Lust und Schmerz sich keineswegs widersprechen müssen. Aber der Facettenreichtum macht plausible und schlüssige Erklärung so komplex.

Einige aktuellere Studien zu diesem Thema ergeben jedoch, dass devote oder dominante Neigungen grundsätzlich nicht etwas "Krankhaftes" darstellen sondern ganz grundlegende Eckpfeiler der menschlichen Sexualität darstellen. Nur haben sie eben eine sehr individuelle Bedeutung, für jeden Menschen anders, für viele in ihrer Wahrnehmung auch gar keine, zumindest was das Ausleben dieser unterschiedlichen Präferenzen angeht.

Das gleiche gilt im Übrigen auch für andere Themenfelder wie bspw. Hetero- und Homosexualität. Heute geht man davon aus, dass es 100%ige Homo- und Heterosexualität nicht gibt und - mal abgesehen von einer sehr individuellen Gewichtung - bei allen Menschen eine latente Bisexualität vorliegt. Natürlich bleibt das allerdings auch für viele Menschen unbemerkt bzw. andere Teile unserer Persönlichkeit unterdrücken oder widersprechen dieser Prägung, bewusst oder unbewusst.

Dass Problem ist, dass sowohl SM-Vorlieben als auch Homosexualität sowie andere Neigungen sehr sehr lange als etwas Krankhaftes eingestuft wurden, auch von der Wissenschaft. Von Neurologen, Soziologen wie von Psychologen und Anthropologen. Von der Politik ohnehin. Das macht es unheimlich schwer umzudenken. und sich von diesen überholten Denkmustern von Richtig/Falsch, Normal/Unnormal, Akzeptiert/Pervers zu trennen.

Wow! Da hat sich mal jemand intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt. Danke für deinen sehr informativen Beitrag, der zum Nachdenken anregt.
Es wird tatsächlich in unserer Gesellschaft so gehandhabt, daß man Dinge, Verhaltensweisen usw. gerne in Kategorien einteilt und definiert.
Was ist eine Affäre? Eine Freundschaft Plus?
...aber, so wie du sagst, die Einzigartigkeit jeder Persönlichkeit mit ganz individuellen Prägungen ist an sich sehr komplex und im stetigen Wandel, beeinflusst durch Erfahrungen, Kultur, soziales Umfeld uvm.
Die Stigmatisierung der sexuellen Neigungen von den du sprichst, die von der allgemeinen gültigen "Norm" abweichen, werden aus der wissenschaftlichen Sicht mit traumatischen Ereignissen aus der Kindheit begründet. Das kann eine Rolle spielen, aber allein schon anhand der verschiedensten Kommentaren hier, ist der Zusammenhang zwischen der gewaltigen Ereignisse im Kindesalter und späteren sexuellen Vorlieben nicht zwangsläufig gegeben.
Schön fand ich auch den Satz: "... daß Lust und Schmerz sich nicht gegenseitig ausschließen". Nach wie vor werden negative Emotionen und Gefühle verbannt und ausgeblendet. Schmerz, da negativ belastet, wird ebenfalls abwertend behandelt und als therapiebedürftig eingestuft. Wut, Trauer, Enttäuschung, Angst haben aber die gleiche Berechtigung gefühlt zu werden. Die Unterdrückung dieser führt unausweichlich zur seelischen Disharmonie.
"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" beschreibt Kundera die Schönheit der Schwere und die Sehnsucht der Frau die Schwere ihren Geliebten auf ihrem Körper zu spüren.

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Nein.
Ich bin gerne devot. Schon immer. Mein Vater ist aber definitiv kein strenger Mann. Die These kann ich nicht bestätigen.

Also mir wurde das devote definitiv anerzogen.

Ich komme aus einem Elternhaus mit körperlicher und seelischer täglicher Misshandlung.

Sexuelle Übergriffe gab es soweit ich weiß nicht. (Das Jugendamt hatte aber immer den verdacht).

Vergewaltigt wurde ich erst als ich bei meinen Eltern schon weg war.

Kam mit 9 weg und mit ca 11 jahren war die Vergewaltigung.

Aber es stört mich total das das unterdrückt werden mich anmacht. Denn so hilflos wie ich damals war will ich mich nicht fühlen.

Aber mein Körper sagt da was anderes.

Völlig OT, aber es interessiert mich. Wurdest du sozusagen als Folge deiner Herausnahme aud der Familie missbraucht, also von Pflegeeltern, Heimpersonal oder so?

Von einem Heim Mitbewohner. Also schon als folge der rausnahme.

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Mein Papa war immer der Duckmäuser, trotzdem bin ich devot. Bzw. ich denke unabhängig davon bin ich devot.
ich wurde als Kind geschlagen und ich kann heute fast alles ab, ausser Szenarien die dem von damals ähnlich sind, andere "Traumata" habe ich nicht.
Bei mir fing das an mit mit dem klassischen Jungs fangen die Mädchen, aber bereits mit 12/13 habe ich die Erotik-Magazine im Fernsehen (Wahre Liebe, peep etc.) konsumiert, natürlich heimlich und mit 14 habe ich mir Literatur besorgt von der ich in den Shows gehört habe. Internet gab es erst mit 18 und ich habe vorher mit keinem Jungen auch nur Händchen gehalten, weil mich das NIE gereizt hat. Mit 18 hatte ich dann meinen ersten Dom, meine ersten Spiele, meinen ersten Sex - erst danach die erste Beziehung... es waren immer Männer aus der Szene, immer Dominante. Ich bin jetzt auch Mitte 30 und hatte nicht mal einen Quickie oder einen Flirt mit jemand nicht Dominantem.
Ich bin auch schon seit "immer" in der Szene sehr aktiv und natürlich sind da Frauen, die misshandelt wurden - aber eben auch nicht. Wir haben die Vermutung, dass es zumindest im BDSM-Kontext schneller hoch kommt und man nicht so gut verdrängen kann wie bei normalem Sex, deshalb redet man offener darüber. Aber es sind eben auch ganz viele Frauen, denen nichts schlimmes passiert ist. Und "geschäftlich erfolgreiche" Männer können natürlich devot sein und zur Domina gehen, oder sie sind dominant, oder switchen - oder sind nichts davon.

Ich kenne zwei Fälle in denen BDSM zur Kompensation genutzt wird, aber ich kenne hunderte, wo es das eben nicht wird.