Schwanger - Vormilch- Mann keine Lust (mehr)

Hallihallo,

ich muss mich mal ausheulen, helfen kann da sicher eh niemandđŸ«€ Ich bin 44 und habe nach einer langen unglĂŒcklichen Beziehung) seit 3 Jahren einen Freund (40) ...ich habe bei ihm anders als in der Beziehung vorher viel Lust und komme auch regelmĂ€ĂŸig zum Orgasmus. Er hat (leider) viel weniger Lust als ich und kommt auch nicht immer zum Orgasmus - ist angeblich nicht schlimm fĂŒr ihn, es hĂ€tte auch nichts mit uns und unserer Beziehung zu tun, er brauch es einfach nicht öfter😔 das ist schon ein Punkt der mich belastet, aber ist nunmal so. Nun bin ich (ungeplant und ĂŒberraschend) nochmal schwanger, fĂŒr ihn ist das erste Kind. Bei unserem letzten mal vor ca. 2 Wochen kam etwas Vormilch beim Brust massieren ...das hat ihn voll erschrocken, er findet es abtörnend und ich glaube, das Thema Sex hat sich fĂŒr ihn erstmal erledigt. Da ich vor habe zu stillen habe ich Angst, das unser Sexleben komplett einschlĂ€ft Es ist doch echt total bescheuert....in der Beziehung vorher war es umgekehrt ...ich hatte nie Lust auf ihn und er stĂ€ndig ...jetzt geht es mir so. Das alles macht mich so traurig 😔 ich weiß gar nicht was ich jetzt hier erwarte ...musste es einfach mal loswerden. Oder hat jemand Ă€hnliche Erfahrung? Ne Idee? lG

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Hier werden zwei Problemkreise - einander wechselseitig verstĂ€rkend - sichtbar: Erstens das unterschiedliche sexuelle Interesse, dessen Hintergrund m.E. nicht geklĂ€rt ist. Zweitens die Konfrontation mit Deiner Schwangerschaft und vielleicht auch Ängste vor den neuen Herausforderungen.
Du bist mit solchen Problemen "in guter Gesellschaft". SexualitĂ€t funktioniert nunmal nicht auf Knopfdruck, sondern steckt in vielfĂ€ltigen ZusammenhĂ€ngen und bedarf vor allem der Kommunikation ĂŒber die wechselseitigen BedĂŒrfnisse.

Jeder glaubt ja, den anderen mit seinen sexuellen WĂŒnschen zu kennen: Das ist oft ein Trugschluss. MĂ€nnliche Vermeidungshaltung und seltener Orgasmus hĂ€ngen nicht zwangslĂ€ufig mit "AsexualitĂ€t" oder geringem sexuellen Interesse zusammen. Das kann so sein, aber hat oftmals völlig andere GrĂŒnde. - Schließlich fĂŒhren Forderungen an den Partner meist dazu, dass sich der/die andere verschließt, hinter einer Mauer versteckt, die Kommunikation noch schwieriger wird. Dann wird ein Teufelskreis daraus.

Dabei sollte jedem, der eine sexuelle Beziehung mit dem Anspruch auf Dauerhaftigkeit eingeht, die erotische Paarzufriedenheit wichtig sein. Nur bedarf es dazu eines besonderen "Skills" der Kommunikation ĂŒber SexualitĂ€t, die von den meisten ĂŒberhaupt erst erlernt werden muss und die auch niemand in der Jugend im Sexualkundeunterricht mitgeteilt bekommt.

Dennoch glaube ich, dass fĂŒr die meisten eine Lösung möglich ist. Wir können sowas in einem Forum andiskutieren. Aber ohne professionelle UnterstĂŒtzung geht es meist nicht. Diese UnterstĂŒtzung hilft auch nur dann, wenn beide wenigstens gegenĂŒber dem/der Berater/in bzw. Therapeut/in komplett offen sind.

Ziel: Erst einmal wirklich sagen, was ist und wie es ist und wie es sich anfĂŒhlt.

Auch wenn es schwerfĂ€llt, hat diese Art von Kommunikation eine Voraussetzung: nĂ€mlich Verzicht auf wechselseitige Schuldzuweisungen. Was in einer solchen Offenlegung herauskommt, kann einem schon ganz schön zu schaffen machen. Ich gebe nur ein Beispiel: Angenommen eine Frau erfĂ€hrt, dass ihr Mann nur deshalb wenig Interesse am Sex mit ihr hatte, weil er seit 20 Jahren irgendwelche pornographischen Phantasien aufregender findet als die RealitĂ€t. Ich spreche jetzt nicht von euch, denn das ist nur ein Beispiel! Die Frau, die sowas erfĂ€hrt, kann natĂŒrlich empört die Therapie abbrechen und ihrem Mann den Laufpass geben. Sie hat aber auch die Option, gemeinsam mit dem Therapeuten oder der Therapeutin und ihrem Mann einen Fahrplan zu entwickeln, der aus dieser Obsession rausfĂŒhrt (nicht immer ist "Sucht" zutreffend). Es bestehen gute Chancen, wenn er mitmacht und ihm eine Lösung des Problems wichtig ist. Wenn nicht, kann sie immer noch Konsequenzen ziehen.

Noch einmal: Das war lediglich exemplarisch. Es fallen mir noch viele andere Möglichkeiten ein. Wenn aber nicht straffrei ĂŒber sowas kommuniziert werden kann, ist eine Lösung unmöglich.

Ich hoffe, Ihr findet einen Weg, der euch zu einem besseren wechselseitigen VerstĂ€ndnis einer gemeinsamen PaarsexualitĂ€t fĂŒhrt. Das sollte nĂ€mlich das Ziel sein, nicht einfach: Ich mache mein Ding oder gar nichts mehr.