ist diese Sensibilät normal?

Hi Zusammen,

ich wollte mal eure Meinung hören:
unsere Tochter ist ein liebes Mädchen. Sie macht uns viel Freude, entwickelt sich zunehmends zu einem selbstbewussten Kind.
Eine Sache jedoch macht mir nach wie vor zu schaffen. Ihre sensible Art. Ich weiß nicht woher das kommt. Ein Beispiel:
Heute morgen steht sie völlig weinend auf, kommt zu mir ins Bad und heult mir vor, warum ich Ihr Puzzle vom Boden geräumt habe (ich hatte es bereits gestern Nachmittag weggeräumt, und sie hat abends noch in ihrem Zimmer gespielt - muss es also gesehen haben). Ich habe ihr erklärt, dass ich ihr nur beim Aufräumen helfen wollte etc.. Sie weinte bitterlich und lies sich kaum beruhigen heute morgen. So geht es uns oft. Völlig unvermittelt heult sie über Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind. Ich weiß mir dann nicht zu helfen. Heute zieht sie sich alleine an, am nächsten Morgen weint sie völlig verzweifelt "ich möchte mich nicht alleine anziehen!" Wenn sie sich einmal in etwas reinsteigert, ist sie kaum noch zu beruhigen. Ich merke, dass sie regelrecht daran verzweifelt, wenn ich mal nicht in ihrer Nähe bin an bestimmten Tagen. Sie hängt unglaublich an mir. Ich weiß in solchen Situationen (wie heute morgen mit dem Puzzle...) nich wie ich reagieren soll.... Selbst gutes Zureden hilft nicht. Dann schreit sie noch mehr "aber ich wollte doch / aber du hast doch" usw.. Sie ist eine ziemliche Zicke, wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat. Die Erzieherinnen im KiGa meinen, vielleicht hat sie immer zuviel Aufmerksamkeit von uns bekommen. Der Meinung bin ich jedoch gar nicht. Wir sind in der Erziehung sehr konsequent aber natürlich auch sehr liebevoll. Chiara hat vor 6 Monaten einen Bruder bekommen. Da hatten wir es sehr schwer mit ihr. Das hat sich aber schnell wieder gelegt. Aber seit einigen Tagen braucht sie wieder sehr viel Aufmerksamkeit. Weiter ist sie immer sehr bockig, wenn Freunde oder Verwandte kommen. Sie grüßt nicht, zieht ein langes Gesicht etc.. Das sehe ich bei keinem anderen Kind in unserem Freundeskreis. Sie ist überhaupt eine kleine Einzelgängerin. Und wenn sie ihren Willen nicht bekommt, dann bricht eine Katastrophe aus. Sollte diese Phase mit fast 5 Jahren nicht langsam ausgestanden sein? Ist es einfach ihr Charakter? Ich frage mich, was mich später erwartet in der Pubertät etc..?

Ist diese Entwicklung normal? Heute morgen hab ich mich ernsthaft gefragt ob ich sie mal bei einem kinderpsychologen vorstellen soll. ich verstehe sie einfach nicht. liegt es daran, dass ich nach ihrer geburt gezwungen war direkt wieder vollzeit arbeiten zu gehen? ist da in der entwicklung was schief gelaufen, dass sie jetzt so hoch sensibel und anhänglich ist?

danke für eure meinungen.
lg
dani

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Liebe Dani,
solche sensiblen Kinder gibt es einfach. Nimm sie wie sie ist. Als Eltern muss man sich nicht immer hinterfragen, was man selber falsch gemacht haben könnte. Die Kinder bringen das meiste schon von Geburt an mit. Meine grosse Tochter ist auch so ein sensibles Wesen, kann völlig austicken, wenn ein Pulliärmel mal verdreht ist und das Anziehen nicht klappen will. Auch das mit dem Puzzle könnte bei uns stattgefunden haben. Dabei war ich nach ihrer Geburt 2 Jahre voll zuhause. Unsere kleine Tochter hatte mich nur 4 Monate voll für sich, dann bin ich wieder 70% arbeiten gegangen, und die ist seelisch viel gelassener.
Bei meiner hochsensiblen grossen Tochter achte ich auf folgendes:
- klare Strukturen
- konsequentes Verhalten, gerade auch mit dem was ich verspreche
- ruhig und annehmend bleiben wenn sie austickt
- gewisse Verhaltensweisen auch mal ignorieren
- Mini-Aufmerksamkeiten pflegen (hinhören, ein Streicheln, ein lieber Blick, auch wenn sie mich gerade in einer Tätigkeit unterbricht, es ist ja meist in 30 Sekunden erledigt!)
- Kuscheln!

Ich sehe solches sensibles Verhalten als eine normale, wenn auch zeitweise sehr herausfordernde Variante kindlicher Ausprägung ab. Wir haben auch immer wieder damit zu kämpfen, unsere Tochter nicht als gestört abstempeln zu lassen. Zum Glück war sie in einer sehr guten Krippe, wo man ihre Bedürfnisse erkannt hat und auch die guten Seiten ihrer Sensibilität gesehen hat. Das hat es uns leichter gemacht, ihr Verhalten auch positiv zu sehen und uns gegen Lehrpersonen zu wehren, die alle Kinder über einen Kamm scheren wollen. Sie ist z.B. sehr mitfühlend und kann Stimmungen bei anderen Menschen erspüren und versucht dann zu helfen. Z.B. wenn ich Kopfschmerzen habe und es nicht sage, fragt sie nach, was mit mir los ist und bringt dann z.B. einen nassen Waschlappen (mit 4!). Oder vorgestern haben wir aus der Ferne einen Verkehrsunfall mit einem verletzten Fussgänger gesehen. Sie wollte dann eine Kerze in der Kirche für ihn anzuzünden, was wir auch gemacht haben.

Mich würde interessieren, wie alt Deine Tochter ist und was sonst so Eure Herausforderungen mit ihr sind. Ich würde mich gerne näher mit Eltern austauschen, die ähnliche Kinder haben. Irgendwie stehen wir ziemlich allein da. Für uns ist sie zwar normal und liebenswert und handhabbar, wir kennen es ja nicht anders, es war unser erstes Kind, aber die Umgebung ist oft überfordert mit ihr.

Liebe Grüsse, Barbara

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Hallo Dani,

meine Tochter (fast 4) ist auch hochsensibel, das ist keine psychische Krankheit oder ein Erziehungsfehler, sondern sie ist eben einfach so auf die Welt gekommen. Es ist erblich, vielleicht hat Deine Tochter es von Dir oder Deinem Mann? Meine Tochter ist auch sehr schmerzempfindlich und schnell überreizt. Ebenso ist sie sehr wählerisch mit dem Essen. Sie kann auch bei der kleinsten Unstimmigkeit total austicken. Ich kann Dir das Buch "Das hochsensible Kind" empfehlen, das hat mir geholfen, die Sache klarer zu sehen und meine Tochter so zu nehmen wie sie ist. In vielem sehe ich mich selbst in ihr wieder.

Mein kleiner Sohn ist nicht so sensibel, und seine Babyzeit war der reinste Urlaub für uns #hicks

Liebe Grüße
Daniela

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Hallo Dani,

ich kann mich den beiden vorherigen Beiträgen voll anschließen.

Wie wahrscheinlich alle Eltern mit einem hochsensiblen Kind macht man ja so einiges an Zweifeln und Tiefschlägen durch mit so einem Kind... erst als mein Sohn vier war, bin ich durch Zufall draufgekommen, was mit ihm los ist. Ich habe unter anderem das Buch "Das hochsensible Kind" gelesen und das hat mir die Augen geöffnet. Ich habe gedacht, die Autorin schreibt über mein Kind...

Inzwischen weiß ich, dass sowohl ich als auch mein älteres Kind in die Kategorie gehören, mein Mann und mein jüngster Sohn nicht (obwohl er auch sensibel ist - laut Erzieherinnen im Kiga, und ich seh es auch so - aber er ist trotzdem ganz anders, emotional viel "stabiler" als mein ältester Sohn).

Ich würde mich übrigens auch sehr freuen, von anderen Eltern zu hören, denen es ähnlich geht, die selber hochsensibel sind und hochsensible Kinder haben. Die ganze Forschung ist ja im Prinzip gerade erst im Entstehen, was das Thema betrifft. Ich habe damals sehr viel durch "Trial and Error" gelernt, wie ich am besten mit meinem Sohn umgehe. Denn die klassischen Erziehungsratgeber haben sehr oft nicht zugetroffen (z.B. die Bücher über Auszeit, das war das reinste Gift und hat genau das Gegenteil erreicht).

lg
K.