Kind hochbegabt - aber nicht im verhaltens- Bereich - was tun?

    • (1) 24.01.11 - 01:04
      lieberanonymbleibendemama

      Sorry, dass ich hier in schwarz schreibe.

      Vor einiger Zeit habe ich einen ähnlichen Beitrag im KinGar Forum verfolgt und musste Anfeindungen feststellen, vor welchen ich mich schützen möchte.

      Meine Tochter ist 4 Jahre und 3 Monate alt.

      Wir haben den nicht unbegründeten Verdacht, dass sie hochbegabt ist, wobei ich diesen Begriff als solchen nicht mag. Wir sagen immer, dass sie klug ist.

      Einen Test lehnen wir ab, die Ergebnisse sind in diesem Alter noch nicht aussagekräftig.

      Sie kann lesen und schreiben.
      Bei der Schriftsprache hat sie jedoch immer wieder Probleme mit der Phonetik.
      - Die Buchstaben hat sie sich selber beigebracht, ich habe ihren Drang, lesen zu lernen, erst noch gebremst, weil ich es nicht besser wusste.
      Oft höre ich, wie sie für sich laut Wörter buchstabiert, wenn wir unterwegs sind.

      Wenn sie vor einem Problem steht, hilft sie sich selber und versucht, eine praktische Lösung zu finden.
      Vorgestern waren ihre Haare strubbelig. Sie fand keine Bürste, aber kam mit Hilfe eines Stuhls an meine Schere und hat sich die Haare geschnitten.
      Es sind so viele Situationen, wo wir erstaunt sind, wie komplex sie schon denkt und wie weit auch schon, also auch mit den Konsequenzen aus dem Verhalten, welches sie dann vorhat.

      Mit 2 Jahren konnte sie sich selber eine DVD anstellen (und das haben wir ihr NIE gezeigt!)

      Sie liest sich selber Bücher vor, jedoch nicht lesen, sondern mehr erzählen, weil sie ihre Geschichten fast auswendig kann. Sie blättert dann sogar an den richtigen Stellen um.

      Sie rechnet bis 10 (mit Finger).

      Sie zählt immer und überall alles ab, zB: Wir sind 11 Leute im Wartezimmer. oder Wir sind 4 Leute im Fahrstuhl. oder Da stehen 6 Autos an der Ampel.

      Wenn ich einen Weg irgendwo hin anders fahre als sonst, merkt sie es und weist mich darauf hin.

      Sie spricht ein paar Wörter auf englisch und zählt auf englisch bis 6
      - sie fragt mich sehr oft, wie die Wörter auf englisch heissen

      Sie spielt gerne und lange Memory oder andere Spiele

      Sie verblüfft uns immer wieder mit ihrer komplexen Denkweise.
      So war vor kurzem meine Oma nicht gut drauf. Wir haben darüber nicht weiter gesprochen. Unsere Tochter bemerkte aber ihre schlechte Stimmung und malte ihr ein Bild. "Ich habe Uropa gemalt, weil Uroma ist doch so traurig, weil sie ihn vermisst"
      Ihre Bilder von Menschen malt sie immer mit vielen Details, wie Bauchnabel, Nasenlöcher, alle 5 Finger usw.
      Und dann die typischen Merkmale wie Bart bei meinem Vater, lange Haare bei meiner Schwester, Brille bei ihrer Oma.

      Sie erinnert sich an sehr viele Dinge, zB habe ich ihr in diesem Winter Stiefel angezogen - diese Stiefel standen 1 Jahr im Schrank (!) - da sagte sie: Oh, die hat mir der Thomas gekauft, als wir bei Aldi waren.

      Ich war mit meiner Schwester und mit ihr beim Arzt. 4 Wochen später fuhren wir an dem Gebäude wieder vorbei: Mama, da waren wir doch mit Katrin, als Katrin zum Arzt musste!

      Sie spielt mit einer unglaublichen Phantasie.
      Gestern: Mama, ich spiele Vater, Schwester und Baby. Die Mutter ist gestorben, jetzt hilft die Schwester von dem Vater mit.

      Sie ist sehr sensibel und hat einen unglaublichen Gerechtigkeitsinn.
      Sie teilt ihre Süßigkeiten gerecht auf. Wenn ein Kind weint (Im KinGar) geht sie dorthin, und umarmt es und streichelt es, um es zu trösten.

      Wenn sich Kinder streiten, geht sie dazwischen. Nicht streiten! und Man darf nicht schreien!

      Sie ist unglaublich harmoniebedürftig. Wenn jemand streitet, weint sie manchmal. Sie braucht viel Aufmerksamkeit und viel Körpernähe.
      Es muss immer alles "Stimmen", sonst versucht sie es, solange zu ändern, bis es wieder so ist, wie sie es gerne hat.

      Sie versteht sehr viel, sie kommt oft an und sagt, dass sie dieses oder jenes lernen möchte.
      Wenn wir uns hinsetzten, und etwas lernen, ist sie Feuer und Flamme.




      Das alles ist schön und wir freuen uns, dass sie so gut zurecht kommt.



      Was uns aber Sorge macht: Im Verhalten benimmt sie sich ganz anders.


      Sie ist ungeduldig. Wenn etwas nicht klappt, schmeisst sie den Gegenstand in die Ecke, schreit, schmeisst sich auf den Boden.

      Sie weint, wenn ich sie in den KinGar bringe, weil sie mich so vermissen wird. Im KinGar malt sie immer ein Bild für mich.

      Wenn ich mal nicht sofort regiere, wenn sie etwas hat, schreit sie mich an, manchmal tritt sie auch.

      Ich reagiere dann garnicht - bis sie dann vernünftig fragt. Das macht sie irgendwann, aber versucht es immer erst Geschrei und Gebrüll - das geht an die Substanz, wenn man das mehrmals am Tag hat.

      Wenn sie etwas möchte, was nicht geht, erkläre ich auch immer mein Nein. Trotzdem fragt sie dann noch 1000mal nach. Weil ich aber konsequent bleibe, rennt sie weg, schmeisst sich auf den Boden und schreit.

      Einige Zeit nach einem solchen Vorfall kommt sie aber wieder zu mir, erklärt mir, warum sie sich so verhalten hat und wirkt dann wieder viel älter in ihrem Verhalten.

      Es ist nicht leicht diese Situation zu beschreiben.

      Einerseits ist sie klug, versteht so viel.
      Auf der anderen Seite ist sie so ein Trotzkopf.
      Sie versteht die Sachen, trotzdem wird geschrien, getreten, Sachen wütend durch die Gegend geworfen.



      Meine Frage: Wie können wir dem entgegen wirken?
      Machen wir etwas falsch?


      Wir versuchen, sie zu fördern, so wie sie es auch zulässt.

      Fördern, nicht überfordern.

      Sie hat auch Tage, wo sie einfach nur mit Barbies spielen möchte, sie anzieht, Familie spielt, usw.


      Wir gehen mit ihr oft in den Zoo, in kindergerechte Ausstellungen.
      Wir fahren sehr viel raus, unternehmen viel. Erklären ihr immer alles. Beantworten jede noch so merkwürdige Frage
      Wieso leuchten die Sterne? Wie kommt das Baby in den Bauch? Kann ich nicht mit einem Ballon in den Himmel fliegen, um Uropa wiederzuholen, damit Uroma nicht mehr so traurig ist? Warum trinken Männer immer Bier und Frauen nicht? ...


      Sie wird ab März in die Musikschule gehen. Zum Sport geht sie seit Juli 2010. Mehr möchten wir nicht.


      Helft mir mal, mein Kind besser zu verstehen, um mich richtig zu verhalten, damit diese Schrei-Wut Phasen etwas eingedämmt werden.
      Denn ich glaube, dass ist eine Reaktion auf ein Fehlverhalten meinerseits.

      • Guten Morgen!

        Beschreibst Du meine Jüngste??
        Sie ist die jüngste von 6 Geschwistern und ich habe viele ihrer Eigenschaften auf diese Tatsache geschoben, weil sie einfach von anderen 5 vieles mitnimmt.

        ABER!

        Sie ist 4, fast 5, also etwas älter als Deine, und damit noch ein "kleines" Kind. Das Emotionale ist noch nicht gleich entwickelt wie alles andere. So soll es auch sein, es sind ja kleine Mädchen und keine Schulkinder. Man muss diese Tatsache auch akzeptieren.

        Ich weiß, mir fällt es auch manchmal schwer umzuschalten von einem Kind welches gerade rechnet, wieviele Smarties für jeden da sind, zum Kind das weint, weil der Schuhreißverschluß klemmt! Als ob da drin zwei völlig verschiedene Kinder wären!

        Ratschläge kann ich Dir keine geben, jedes Kind ist anders. Ich atme einfach tief durch und erinnnere mich, dass vor mir mein "Baby" ist und kein Teenager

        LG

        (3) 24.01.11 - 07:36

        Sie ist in ihrem Verhalten wie viele Vierjährige. Aber nur weil sie klüger als andere Kinder ist, soll sie in ihrem Verhalten auch schon weiter sein?

        Als hochbegabt würde ich dein Kind noch nicht bezeichnen. Ihre Wissbegierigkeit erinnert mich an meinen Neffen. Zweifelsohne ein kluges Köpfchen, aber bei weitem nicht hochbegabt. Er hat auch immer viel nachgefragt, konnte schnell viele Dinge auswendig, hat sich viel gemerkt.

        Du bist eine gute Mutter. Aber nur weil deine KLeine schon so weit ist, behandelst du sie wie ein Mädchen, dass schon weiter ist und erwartest ein entsprechendes Verhalten. Lasse sie einfach Kind sein.

      Also vieles, was du hier beschreibst, macht meine 3,5 Jahre alte Tochter auch! Hat bei mir aber nichts mit Hochbegabung zu tun, sondern mit Aufmerksamkeit und Wissensdrang! Meine puzzelt 100 teilige in ner halben Stunde... Aber hochbegabt???? Neeeee!!!

      Setz sie nicht unter druck!!!

      Dieses Kind ist weder hochbegabt noch verhaltensgestört, sondern eine stinknormale, wissbegierige 4jährige, die ab und an Bockanfälle hat.

    Dein Kind ist ein normales viereinhalbjähriges Kind!

    Sie ist normal klug und legt das normale ungedulige, trotzige Verhalten eines viereinhalbjährigen Kindes an den Tag.

    Brauchst dir überhaupt keine Sorgen machen.

    Grüße

    Hallo Anonyma,

    ich muß doch etwas schmunzeln, wenn ich Deine Einschätzung lese!

    "Vorgestern waren ihre Haare strubbelig. Sie fand keine Bürste, aber kam mit Hilfe eines Stuhls an meine Schere und hat sich die Haare geschnitten."
    Weißt Du, fast jedes Kind schnippelt sich mal irgendwann die Haare ab, aber die wenigsten Eltern halten das für ein Anzeichen von Hochbegabung.

    "Mit 2 Jahren konnte sie sich selber eine DVD anstellen (und das haben wir ihr NIE gezeigt!) "
    Also ich kenne Einjährige aus Migrantenfamilien, die können selber den TV und die Satellitenanlage einschalten und den Trickfilmkanal finden.
    Normalerweise leitet man daraus ab, daß hier Eltern sind, die ihre Kinder gerne vor dem Fernseher parken, und nicht, daß die Kinder hochbegabt sind.

    Bleib doch mal auf dem Boden. Bei der Reife, bei der Schulreife, da geht es um wesentlich mehr als um Lesen können. Die soziale Kompetenz, die Frustrationstoleranz, das sind wesentliche Voraussetzungen, ohne die sie in einem Klassenverband sehr schnell untergehen wird. Du solltest nichts überstürzen. Gibt ihr einfach die Zeit, die sie braucht - wie jedes Kind - um diese Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln.

    LG von Einem, der in Bezug auf seine Große vor ähnlichen Fragestellungen stand.

    (10) 24.01.11 - 08:47

    Ich Danke euch für die vielen Antworten.

    Damit ihr es nicht missversteht: Wir glauben an eine HB, aber lassen es nicht testen, da die Kinder bis zur Grundschule meistens alle gleich auf sind. Wir hoffen, dass sie nicht HB ist, sondern einfach nur klug.

    Was ich geschrieben habe, sind nur ein paar Alltagssituationen.
    Unser KinAr hat es bereits angesprochen. Auch eine der Erzieherinnen.

    Aber wir denken, mit 4 ist ein Test nicht aussagekräftig.
    Er kann jetzt ausfallen, dass sie einen IC über 130 hat und in zwei Jahren sieht das Ergebnis wieder vollkommen anders aus.



    HB ist mehr Fluch als Segen, denn mit einer solchen "Diagnose" endet mMn die Kindheit.

    • Dein Kind ist NICHT hochbegabt...DAS alles was du aufgezählt hast ist völlig im Normbereich für ein 4 jähriges Kind.

      Zum Vergleich, und meine Tochter ist 5 und NICHT hochbegabt:

      Sie rechnet bis in die 30iger, kann schreiben, einige Worte, hat einen Wortschatz und eine Logik, da krempeln sich einem die Fußnägel hoch. Und sie hat ein unglaubliches Geschick dafür zu "diskutieren"/debattieren.

      Und weißt du warum sie das kann? Weil sie es von mir und Papi lernt. Sie ahmt nach, sie sieht uns als Vorbild, wir kümmern uns und sind da für sie. Fordern und fördern, so wie man es normalerweise tut.

      Und nicht anders wird es bei euch sein.

      Und um das Thema Haareschneiden und der Assoziation klug nochmal aufzugreifen.

      Meine Tochter war 3 und zu Besuch in den Ferien bei meinen Eltern. abends riefen sie mich an: Sophia hat sich die Haare geschnitten...

      Sophia stand im Flug, fragte nach Bastelschere und Pflastern ...Sie wollte "Arzt spielen" mit ihrer Puppe.

      Ende vom Lied: Mein Kind ohne Haare, die Puppe mit ein paar Haaren, befestigt mit Pflaster, mehr und meinem sich rechtfertigendem Kind " Die sah doof aus ohne Haare!"

      "...HB ist mehr Fluch als Segen, denn mit einer solchen "Diagnose" endet mMn die Kindheit..."

      Muss nicht sein. Es hängt immer davon ab, wie die Eltern (und auch Erzieher) damit umgehen!

      Hallo,

      ich glaube auch, dass deine Tochter einfach nur sehr clever ist.

      Ist sie Einzelkind?? Kann auch was damit zu tun haben.

      Mein Sohn (Einzelkind und EINZIGES Kind in der ganzen Familie) bekommt unbeschreibliche Aufmerksamkeit.
      Der konnte mit 2 Uno spielen.....so richtig. Mit 2,5, die Zahlen bis hundert erkennen und bennen. Früh sprechen, rechnen etc.
      Das Allgemeinwissen ist sehr hoch, ABER nur, weil er das von Erwachsenen ja "beigebracht" bekommen hat. Einfach durch nachahmen.

      Mein Soh konnte sich mit 6 Jahren dran erinnern wo er wie duch welche Straße gegangen ist als er 2 jahre alt war#kratz
      Das hatte ich selbst wieder vergessen. Aber anscheinend war es so wichtig für ihn, dass er es behalten hat.
      Das kann auch viel mit Orientierungssinn zu tun haben.

      Zum Abschluss.......Ich könnte noch 1000 Sachen mehr aufzählen, was mein Sohn schon früher konnte als deine Tochter (was ja gar nix aussagt), ABER er ist nicht hochbegabt, sondern nur klug, lernt schnell und interessiert sich für seeehr viele Sachen.

      #augen

      "HB ist mehr Fluch als Segen, denn mit einer solchen "Diagnose" endet mMn die Kindheit. "

      wenn Eltern daran glauben, das Kind (unbewusst) danach behandeln/erwarten ... auch
      oder wenn Eltern immer wieder abtun, dass ein Kind hb ist, versuchen ihr Kind "normal" zu behandeln ... auch

      Auch hochbegabte Kinder sind Kinder!!! Vor allem in ihrer emotionalen Entwicklung. Oder besser gesagt: da sie vom Kopf her oft sehr weit sind und sehr viel verstehen, brauchen sie umso mehr Begleitung im emotionalen Bereich.

      Dass es oft mehr Fluch als Segen ist, stimme ich dir zu.

      Aber ein hochbegabtes Kind, das man nicht nur auf seine geistigen Fähigkeiten "reduziert" sondern eben mit den Gefühlen auffängt und unterstüzt, können sie eine sehr glückliche Kindheit erleben #huepf

      Wichtig auch für emotionales Ausgeglichenheit: sowohl Überforderung (z.B, wenn man davon ausgeht, das Kind sei HB und (unbewusst) entsprechendes erwartet) als auch Unterforderung (ausbremsen, versuchen ein Kind in Normen zu pressen) können die ohnehin schon sensible Gefühlswelt eines Kind durcheinanderbringen.

      Von daher mein Tipp: informiere dich!! Das genannte Buch gibt schon großen Aufschluss darüber, ob ein Entwicklungsvorsprung (der sich später wieder angleicht) oder eine Hochbegabung (oft ganz andere, aber nicht bessere, sondern einfach andere Art zu denken) vorliegen könnte.

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