Hilfe, mein Kind ist sooooooo verpeilt

    • (1) 12.01.16 - 08:56

      Guten Morgen,

      ich möchte mich einfach mal ausheulen bzw. mir euren Rat holen: Unser Junior (fast 5) ist soooooooooo verpeilt und momentan macht mir sein Verhalten auch echt zu schaffen.

      Vielleicht zur Erklärung vorab: Zu Hause ist es – verglichen mit dem KiGa – noch ziemlich erträglich, aber ich mach mir halt große Sorgen, was die Schule anbelangt. Seine Träumerei geht wirklich weit über das normale Ausmaß hinweg. So dachte eine Erzieherin zum Anfang, unser Sohn sei etwas retardiert und können Anweisungen nicht folgen und eine andere Erzieherin bat uns, seine Hörfähigkeit überprüfen zu lassen (da ist alles i.O.).

      Damit man sich seine Träumerei mal vorstellen kann:
      Wenn er im Morgenkreis keine Lust mehr hat, verabschiedet er sich mental und reagiert teilweise nicht mal auf direkte Ansprache. Der Klassiker ist auch, wenn sich die Kinder in der Garderobe die Matschsachen anziehen sollen, er erst ewig nicht anfängt und dann auf halber Strecke (z.B. Hose ist schon an) nicht mehr weiß, ob er sich an- oder ausziehen soll. Wird er dann alleine in den Gruppenraum verfrachtet, klappt es besser. Scheinbar kann er sich in Gruppen nicht auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren, da sich beim Mittag häufig ein ähnliches Bild bietet. Zu Hause ist anziehen auch ein leidiges Thema. Selbst wenn man ihn ständig erinnert (und Konsequenzen androht), schafft er es nicht mal, die Unterhose hochzuziehen. Er rennt dann lieber ewig mit runtergelassener Hose rum (statt sie schnell hochzuziehen), weil er gerade mit 1000 Sachen beschäftigt ist. Manchmal sieht man ihm auch direkt an, dass die Aufforderung es nicht vom Gehörgang ins Gehirn schafft. Oft ist er auch so verpeilt, dass er vergisst, auf Toilette zu gehen. Oft ist dann die Hose eben nass. Er verspielt den Toilettengang aber nicht wirklich absichtlich. Er rennt zum Beispiel los, weil er mal muss, kommt dann aber zurück, weil er sein Bauwerk noch gegen den kleinen Bruder schützen muss. Fängt dann aber sofort wieder an zu spielen und vergisst, dass er eigentlich auf Toilette wollte. Erst nach Aufforderung geht er dann.

      Vieles passt bei ihm nicht so recht zusammen. Bei Berichten aus der Kita hat man oft das Gefühl, er hat die Aufmerksamkeitsspanne einer Stubenfliege, andererseits kann man ihm ewig vorlesen oder er spielt sehr konzentriert. Die Feinmotorik (z.B. malen) wirkt teilweise furchtbar, andererseits kann er wunderbar mit den kleinen Legosteinen bauen. Kognitiv ist er sehr fit und überrascht uns auch häufig mit Aussagen bzw. neuem Wissen.

      Also kurz zusammengefasst: ich werde aus unserem Kind nicht immer schlau und diese Verpeiltheit raubt mir den letzten Nerv. Ständig muss man ihn an Routinesachen erinnern und immer hinterher sein. In der Kita ist es extremer als zu Hause und im Vergleich zu anderen Kindern ziemlich auffällig. Ich mache mir einfach Sorgen, wie das dann in der Schule funktionieren soll und habe Angst, dass er da untergeht, zumal er ein ziemliches Sensibelchen ist.

      Habt ihr Tipps für mich, wie ich ihn unterstützen kann und wir diese ewige Träumerei etwas im Zaum halten, damit die Schule für ihn nicht zum Frust wird?
      Marsu

      • Huhu,

        wie ist es denn bei den U-Untersuchungen bisher gewesen?
        Vertraue dich doch mal der Kinderärztin an.
        Evtl. kann sie dich auch zu einem Kinderpsychologen verweisen.

        Ich horche nur etwas auf bei deinen Schilderungen weil ich auch ein besonderes Kind habe.
        Ich wollte es aber lange nicht wahr haben und deshalb mußte sich mein Großer (jetzt 10) in der Grundschule sehr quälen.
        Er hat ADHS und eine Autismus-Spektrum-Störung (Asperger).

        LG
        Salo

        • Hallo Salo,

          danke für deine Antwort. Ich bin einfach unsicher über die relevanten Schritte. Ich möchte ja auch nicht, dass er denkt, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Gleichzeitig habe ich natürlich Sorge, dass er sich in der Schule quält. Wenn ich mir die Bildungshistorie seines Vaters angucke, dann war zumindest die Schulzeit furchtbar...und das möchte ich unserem Zwerg halt ersparen.
          Die Us waren immer unauffällig, aber in 1:1 Situationen, die ihn interessieren arbeitet er immer gut mit. Wahrscheinlich muss ich das wirklich mal in Ruhe bei der nächsten U mit dem KiA besprechen.
          Liebe Grüße
          Marsu

      Du das kann jetzt alles oder nix sein. Für mich klingt es aber schon so das es in irgendeine Form von verarbeitungsstörung geht. Du sagst ja selber du hast das Gefühl das es vom Ohr gar nicht weiter bis zum Gehirn geht. Ich würde zum Kinderarzt gehen und das mit ihm besprechen und dann schauen mich von dort weiter zu hangeln. Zum hören. Nur weil er Grundsätzlich gut hört muss es nicht bedeuten das er es auch verarbeitet, da könnte schon mal ein Problem sein. Um das aber herauszufinden bedarf es eines speziellen HNO, ein Pädaudiologe, da ist der "normale" überfragt.

      • Hallo Cloti,

        an eine Wahrnehmungsstörung haben wir auch schon gedacht, allerdings kann er sich Liedtexte (von CD) merken, was ja eigentlich dagegen sprechen würde, oder? Aber den Pädaudiologen werde ich auf jeden Fall im Hinterkopf behalten.
        Vielen Dank und liebe Grüße
        Marsu

    Ich würde das auch abklären lassen ob es noch andere Gründe für sein Verhalten gibt. Kann es sein das dein Sohn sehr intelligent ist? Manche Kinder machen aus Langeweile Blödsinn andere Kinder eben welche die sensible sind neigen vielleicht dazu sich mental zu verabschieden. Vielleicht ist ihm der morgen Kreis zu langweilig oder er hat keine Lust raus zu gehen. Und wenn er was baut und zurück kommt damit er sein Bauwerk beschützen kann kannst du vielleicht eine Lösung finden das er das nicht mehr braucht. Auch wenn der kleine Bruder das Werk vielleicht gar nicht kaputt macht hat er die Erfahrung vielleicht im Kindergarten gemacht, wenn er dort auf Toilette geht ist das Gebaute kaputt oder das begehrte Spielzeug weg. Unsere Kids im Kindergarten haben ein fach im Gruppen Raum da dürfen sie die Figur oder das Spielzeug rein legen wenn sie auf Toilette müssen da darf kein Kind dran gehen. Wenn etwas gebaut wurde schauen die Erzieher darauf das es nicht kaputt gemacht wird passiert es doch mal müssen die Kinder die es kaputt gemacht haben es wieder aufbauen und wissen die Erzieher nicht wer es kaputt gemacht hat helfen Sie selber schnell beim Aufbau.

    Das ist aber nicht in jeder kita so und deswegen kann es ja sein das er das erlebte mit nach Hause gebracht hat. Er scheint ja sonst keine Probleme in der kita zu haben wie Streit mit anderen Kindern oder so etwas. Das er wenn er alleine in der Gruppe ist sich prima anziehen kann, hat in meinen Augen nichts mit den anderen Kindern zu tun sondern eher das dein Sohn dann keine andere Wahl hat.

    Macht er das mit der Unterhose unten lassen ständig? Vielleicht fühlt sich der Stoff nicht gut an oder die Hose verrutscht so oft, kann ja sein das er dieses Verhaltensmuster auch hier anwendet weil er es noch nicht anders erklären kann.

    Abgesehen davon das ich über Ärzte klären lassen würde, wie es zu so einem verhalten kommen kann würde ich einmal das Gespräch in ruhe mit meinem Sohn suchen. Ich würde ihn ganz neutral ansprechen und sagen" hör mal ich hab das und das momentan bei dir beobachtet kannst du mir sagen warum du das machst? "

    Alles Gute dir und deiner Familie

    • Hallo,
      danke für deine ausführliche Antwort. Die Idee mit dem Fach ist gut. Werde ich mal mit ihm besprechen. Ich achte eigentlich schon drauf, dass Mini sich nicht an den Sachen vergreift, aber das wäre nochmal ein zusätzlicher Schutz.

      Zur Unterhose: Er vergisst einfach sie hochzuziehen, weil tausend Dinge wichtiger sind als eine banale Aufgabe wie „zieh dich an“ zu erledigen. Über den Stoff hat er sich zumindest noch nicht beklagt.

      Ich habe auch schon oft versucht mit ihm darüber zu sprechen, aber dann kommt immer „weiß ich auch nicht“ oder „ich hab es nicht gemerkt“ (einnässen).

      Kita läuft super. Er geht auch gerne hin. Allerdings sagt er selbst, dass er sich in Situationen wo viele Kinder und viel geschnatter ist, schlecht konzentrieren kann.
      Manchmal steckt auch eine verquere Logik dahinter: z.B. trödelt er beim Mittag, damit er den Tisch abwischen kann (muss immer der letzte machen) – muss an immer erstmal drauf kommen #schwitz.

      Er ist schon recht clever und interessiert sich für Themen, die jetzt nicht zwangsläufig jeder 4-Jährige spannend findet (momentan: Wie entstehen Erdbeben). Daher kann es schon sein, dass er sich im Morgenkreis langweilt. Die größten Probleme gibt es auch mit Routineaufgaben (anziehen, aufräumen etc)
      Auf jeden Fall bestärken mich eure Antworten, das ganze bei der nächsten U anzusprechen.
      Liebe Grüße

Hallo,
dein Kind ist fast 5, mit 6 kommt er in die Schule. Was gibt es da noch zu überlegen? Du hast nur ein Jahr für eine Diagnostik. Das ist ehrlich gesagt ziemlich knapp.

Ich würde das Kind zunächst beim Kinderarzt vorstellen. Dann auf alle Fälle Pädaudiologe, Neurologe und KJP. Das kann von überall her kommen.

Pädaudiologe ganz klar wegen AVWS.
Neurologe würde ich unbedingt angehen. Deine Beschreibung kommt mir sehr bekannt vor aus meiner eigenen Kindheit. Wurde bei mir ewig "übersehen" und als Träumerei abgetan. Ich habe sogar fast 2 Schuljahre deswegen schlechte Noten bekommen. Letztendlich war die Diagnose Epilepsie - also kleine Anfälle, sogenannte Absencen. Man kippt nicht um dabei, es müssen Aussenstehende noch nicht mal mitbekommen, man ist nur "nicht ansprechbar" für ein paar Sekunden und hat danach vergessen, was unmittelbar zuvor war. Wäre also logisch für das Verhalten deines Kindes. Er sieht die Hose ist "halb oben", das Kurzzeitgedächtnis ist aber gelöscht und er kann sich nicht erinnern, ob er nun raus oder rein gehen sollte - also Hose an oder aus. Er macht das also nicht mit Absicht, sondern er weiß es wirklich nicht. Falls es wirklich das ist, dann helfen Medikamente. Dann ist das für ihn bisher die reine Quälerei. Er kann sich ja auch kaum etwas merken. Er bekommt ja auch ständig Anfälle.
KJP haben dir die Anderen auch schon geschrieben, samt Begründung. Es kann natürlich auch Autismus oder irgend soetwas sein.

  • Hallo Kati,
    vielen Dank für deine Einschätzung. Da er auch schon Phasen hatte, wo er kaum auf Anfassen reagiert hat, haben wir ihn tatsächlich schon auf Absence-Epilepsie testen lassen. Das EEG (Schlaf und Wach) war aber unauffällig. Er hatte allerdings schon als Baby mit 7 Monate ein unklares Krampfgeschehen.

    Was mich unsicher macht, ist das ich von außen oft höre, ich soll mir nicht so viele Gedanken machen, das gibt sich schon. Allerdings kenn ich ja seinen Papa und der war sehr lange so. Dadurch ist seine Schulhistorie eher eine Katastrophe (Leistungsverweigerung, Abschlüsse unter den Möglichkeiten, fast an der Ausbildung gescheiter – das Ingenieursstudium stellte dann aber kein Problem dar). Diese Katastrophe möchte ich Junior gerne ersparen. Macht es Sinn, beim Kia erstmal auf Ergotherapie zu dringen? KJP klingt immer gleich nach den ganz großen Geschützen. Er ist ja an sich ein tolles und sehr cleveres Kind. Aber halt sehr verpeilt und ich weiß nicht, ob das ständige verspielen (phasenweise täglich) des Toilettenganges eigentlich noch altersgemäß ist.

    Ich hab noch eine Frage zur AVWS – daran haben wir nämlich auch schon gedacht: Er kann sich z.B. Liedtexte von Liedern die er nur von CD kennt merken und er antwortet z.B. im Auto auch korrekt auf Fragen, ohne das er uns sieht (wenn er nicht gerade träumt). Spricht das nicht eher gegen eine AVWS oder sollte man das trotzdem testen lassen?

    Du merkst, ich fechte da auch einen inneren Kampf mit mir aus. Eigentlich weiß ich, dass er halt irgendwie speziell ist, aber andererseits will ich ihn bzw. sein Verhalten auch nicht unnötig pathologisieren.
    LG Marsu

    • Ich hab noch eine Frage zur AVWS – daran haben wir nämlich auch schon gedacht: Er kann sich z.B. Liedtexte von Liedern die er nur von CD kennt merken und er antwortet z.B. im Auto auch korrekt auf Fragen, ohne das er uns sieht (wenn er nicht gerade träumt). Spricht das nicht eher gegen eine AVWS oder sollte man das trotzdem testen lassen?

      Dazu ich noch mal, das wollte ich dir oben schon Scheiben, Dax Internet hat es aber gefressen.
      Im Auto oder beim Lieder hören ist ja eine klare Fokussierung im dem Moment da. Aber im Alltag z.b. Garderobe in der Kita, da prasseln so viele Eindrücke, Stimmen, gwusel etc. auf ihn ein. Das ist ja eine Reizüberflutung und wenn da irgendwo das Problem liegt, und danach klingt es zumindest, dann ist es kein Wunder. Ich würde da jetzt ehrlich gesagt nicht mehr mit Ergo rumexperimentieren sondern gleich das Kind auf den Kopf stellen, wobei ich aber dein Zögern total verstehe.

      Meine Tochter ist gerade drei und hat eine Wortfindungsstörung, wir sind seit letzten Mai in Logopädischer Behandlung. Ich habe mir auch schwer getan, wollte meinem Kind nicht schon so früh einen Stempel geben, zumal man ja hier in Deutschland recht spät mit der Logopädie ansetzt. Aber ihr hat das sehr geholfen und wir hoffen das sie so alles aufholt, im Moment schaut es gut aus.

      Hallo!
      "Das gibt sich schon" kann man bei einem Kind denken, das noch sehr klein ist und einige Jahre bis zum Schulbeginn hat. Aber bei einem fünfjährigen Kind würde ich alle Hebel in Bewegung setzen, damit eine ausführliche Diagnostik durchgeführt wird. Die Wartezeiten sind teilweise sehr lang.
      Rufe diese Woche in der Pädaudiologie an und informieren den HNO-Arzt darüber, dass du dafür eine entsprechende Überweisung benötigst. Ruf zusätzlich im SPZ (Sozialpädiatrisches Zentrum) an und schilderte die Problematik. Dort können auch umfassende Untersuchungen und Therapien durchgeführt werden. Das ist für deien Sohn vielleicht nicht immer so schön. Aber wenn wirklich irgendein Problem vorliegen sollte, ist es sehr wichtig, dass er schnellstmöglich Unterstützung bekommt.

      Es kann sein, dass dein Sohn Schwierigkeiten hat, das "wichtige" Geräusch (also z.B. eine Aufforderung) aus vielen Störgeräuschen (spielende und redende Kinder) herauszufiltern. Wenn eine entsprechende Schwierigkeit vorliegt, kann es in Situationen, die für das Kind stressig sind, noch schlechter klappen, als wenn es ruhig und entspannt ist.
      Zusätzlich können möglicherweise Konzentrationsstörungen oder andere Wahrnehmungsstörungen vorliegen, durch die dein Sohn dann so "verpeilt" wirkt. Das sind nur wilde Spekulationen. Aufgrund der massiven Sprachentwicklungsstörung meines großen Sohnes weiß ich aber, dass es wichtig ist, nicht einfach abzuwarten. Ergreife selbst die Initiative und warte nicht ab,bis der Kinderarzt aktiv wird. Bei meinem Sohn wurden wir damals auch hingehalten. Ich habe auf eine genaue Diagnose unabhängig vom Kinderarzt gedrängt. In der Pädaudiologie wurden mir dann schon fast Vorwürfe gemacht, warum wir nicht schon eher dort waren (zu dem Zeitpunkt war unser Sohn drei Jahre alt).

      Wenn sich herausstellt, dass alles okay ist, machst du dir dann wenigstens keine Gedanken mehr darüber, ob etwas sein könnte.

      LG Silvia

      Hallo,
      ich bin seit nunmehr 35 Jahren Epileptiker. Nach den Absencen kamen auch noch andere Anfallstypen irgendwann hinzu... Aber das EEG von mir war bis auf ein einzigstes mal IMMER perfekt - und es gab von denen wirklich weit über 100 mittlerweile. Ich würde mich niemals auf ein EEG verlassen. Das ist kein Ausschlusskriterium. Es ist vielmehr so, dass nur ein auffälliges EEG eine Epilepsie bestätigen kann, ein unauffälliges EEG bestätigt aber nicht eine nicht-vorhandene Epilepsie.
      Egal was da ist, dein Kind ist ja irgendwie auffällig. Entweder du forschst da jetzt nach, oder die Lehrer tun es. Ich finde es angenehmer, wenn ich mir meine Ärzte aussuchen kann.
      Diese Meinung von außen "Das wird schon.", "Der hat doch nix.",... weißt du, wie oft ich das gehört habe? Ich hasse diese Sätze. Das kam von Ärzten, Familie und Bekannten. Ich bin anfangs jahrelang von Arzt zu Arzt gerannt mit meinen Kindern und niemand hat mir zugehört. Als mein Ältester dann 3 Jahre alt war habe ich einen Kinderarzt gefunden, der meine Ängste verstanden und mir zugehört hat. Meine Kinder haben heute ihre Diagnosen. Sie sind pflegebedürftig und Schwerst mehrfachbehindert. Sie werden nie selbstständig leben können - das wird eben definitiv nicht. Meine Kinder haben keine heilbare, therapierbare oder eingebildete Erkrankung. Sie sind Schwerbehindert. Mit jedem Jahr, welches vergeht, sieht man das auch deutlicher. Die Spanne zu den gesunden Kids wird immer deutlicher.

      Mein Ältester hat übrigens als eine (von vielen) Diagnosen auch AVWS. Aber wieso soll ein Kind mit AVWS keine Fragen beantworten können? AVWS kann man in verschiedenen Bereichen haben. Mein Ältester hat wirklich in allen Bereichen Pech gehabt und hat eben Alles. Also was mache ich als Mutter? Ich passe mich an und spreche eben so, dass er es versteht. Woher willst du nun wissen, ob dieser Prozess nicht auch bei dir passiert ist? Das merkst du ja nicht. Man muss das Kind ja nicht anbrüllen, nur etwas deutlicher sprechen. Das geht ganz automatisch. Der einzige Punkt, der mir wirklich selbst aufgefallen ist, ist das Richtungshören. Mein Sohn fragt permanent nach, wo ich mich (in der Wohnung) befinde, selbst nachdem ich irgendeinen Ton von mir gegeben habe. Ohne eine exakte Ortsangabe ("In der Küche") findet er mich nie.
      Der Punkt ist einfach: JETZT kannst du noch machen, was du willst. In der Schule wird das Verhalten deines Sohnes den Lehrern auffallen und dann wird die Schule aktiv werden. Da wirst du dann nicht mehr gefragt. Und nicht alle der Leute, die dann deinen Sohn anschauen würden, sind Ärzte oder haben eine medizinische Ausbildung. Das sind eigentlich Sonderpädagogen.

Hallo,

nur mal kurz:
Sowohl unser Sohn (6) als auch einige seiner Freunde verhalten sich ähnlich oder haben sich phasenweise ähnlich verhalten, wie Euer Sohn. Von denen hat keiner eine bekannte Störung irgendeiner Art oder wird einer solchen verdächtigt.

Ich finde das nicht extrem bedenklich oder auffällig, im Gegensatz zu den anderen hier. Aber vielleicht ist unser Kindergarten einfach ein Sammelbecken für therapiebedürftige Jungs, ohne, dass das bisher jemandem aufgefallen ist...

Natürlich ist es nicht toll, wenn ein Kind nicht in Wallungen kommt, wenn man ihm das sagt und herum träumt, wenn es sich mit Routine-Aufgaben befassen soll oder zuhören soll, den Vortrag aber langweilig findet.
Aber die Frage wäre, ob das tatsächlich annormales, therapiebedürftiges Verhalten ist oder schlicht in die normale Breite des menschlichen Charakters gehört.
Kann man das überhaupt wegtherapieren? Oder setzt da eher mit zunehmendem Alter die Vernunft ein, die einem sagt, dass manche Dinge eben sein müssen?

Ich meine eher letzteres. Ich träume heute noch den ganzen Tag herum, wenn es vertretbar ist.

Dass Kinder mit fast 5 ab und an in die Hose machen, weil alles andere interessanter ist, halte ich übrigens für ziemlich verbreitet (jedenfalls hier in der Gegend).

Und dass Jungs grottig malen, scheint eher die Regel als die Ausnahme zu sein. Die wenigsten Jungs interessieren sich dafür, und Malen ist nunmal zum Großteil Übung. Da kann man ein Super-Feinmotoriker sein, ohne Übung läuft da trotzdem nicht viel.

LG

Heike

Hallo!

Das hört sich an einigen Stellen genau wie bei meinem Sohn an. Wir wissen bereits, dass er eine körperliche Wahrnehmungsstörung hat. Dies vor allem im Bereich Fühlen und Körperwahrnehmung. Im Raum steht aber auch das Hören. Zum Beispiel ist er unkonzentrierter, je größer die Gruppe ist. In seinem alten Kindergarten musste man ihn immer leicht berühren, weil er auf Ansprache nicht reagiert hat. Manchmal sagen wir ihm Dinge, die gar nicht bei ihm "ankommen". Das ist hier viel zu viel zu schreiben, wir können gerne via PN schreiben. Wir waren bereits beim Pädaudiologen, er hört gut. Der Arzt hat uns daher -im Schulalter erst -zu einer Bera Untersuchung geraten. Mal gucken ob und wann wir das machen lassen.

Hast du mal an Hochsensibilität gedacht? Liess dich doch mal in die Thematik ein, vielleicht kommt das ja hin. Einiges von dem, was du von deinem Sohn schreibst, kenne ich von mir selber, und ich bin hochsensibel. Dh ich reagiere zB bei Lärm, großen Gruppen, Chaos, Hunger, starkem Stress mit hohem Aufgabendruck oder Schlafmangel extrem überreizt, bis hin zum toalen Rückzug auf mentaler und/oder räumlicher Ebene. Dann werde ich vergesslich, unkonzentriert bis hin zu weinerlich, traurig. Ich habe ein extrem ausgeprägtes Hör- und Geruchsempfinden. Ich wusste früher nie, was das ist, habe aber mit meinem inneren Rückzug wohl instinktiv das Richtige gemacht. Heute in meinem Alltag mit drei lebhaften Jungs gibt es immer wieder mal Phasen, wo ich merke, jetzt brauche ich Ruhe und dann ziehe ich mich auch zurück. Manchmal reicht schon Wäsche sortieren mit ruhiger Musik über Kopfhörer. Haare fönen, große laute Gruppen (Kindergeburtstag) und Besuche von Veranstaltungen (Sport, Schulaufführungen,..) ertrage ich nur mit Ohropax.

Wie gestagt, lies dich mal in die Thematik ein, eventuell passt das ja.

Alles Gute für euch!

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