Eingewöhnung Flüchtlingskinder

    • (1) 14.01.16 - 14:50

      Seit den Ferien sind im Kiga meiner Tochter fünf Flüchtlingskinder. Bei uns ist es üblich, dass die ersten paar Tage ein Elternteil eines neuen Kindes zur Eingewöhnung da ist.

      Heute hat meine Tochter (die sonst selten was erzählt) beim Mittagessen relativ aufgewühlt berichtet, dass der Vater eines neuen Jungen (3 oder 4) sein Kind in der Turnhalle mehrmals weggeschubst hat, so dass es hingefallen ist und einmal geohrfeigt hat, weil es immer das Vaters Nähe gesucht hat. Der Junge hat (drinnen) die ganze Zeit geweint, sich später aber, draußen im Garten, beruhigt.
      Zwei Erzieherinnen waren im Raum, die sich scheint's rausgehalten haben.

      Man muss dazu sagen, dass bei uns eine absolute Sprachbarriere herrscht, kein Arabisch und sehr wenig Englisch seitens der Erzieherinnen. Ob die Eltern der neuen Kinder Englisch sprechen weiß ich auch nicht.

      Ich habe meiner Tochter gesagt, dass sie den Jungen ja mal am Ärmel streicheln kann, wenn sie merkt, dass er traurig ist.

      In der Situation der Erzieherinnen hätte ich auch nicht stecken wollen. Eltern kritisieren ist sowieso immer problematisch, und aufgrund der sprachlichen plus kulturellen Barriere in diesem Fall sicher zum Scheitern verurteilt. Denn Ziel aller ist es ja, dass die Kinder gut im Kindergarten ankommen, und das geht nur gemeinsam mit den Eltern.

      Gibt es hier Erzieherinnen? Was hättet ihr getan?

      • Ich hatte in meiner Ausbildung die Situation das eine türkische Mutter die Hand hob und sus (wie man auch immer das schreibt) sagte zu ihrer weinenden Tochter #heul Ich fragte andere Kinder die es hörten und die Sprache konnten was das heißt ich bin erschrocken war aber noch jung.

        Ich glaube bei der Ohrfeige würde ich heute platzen, so herzlos als ob die Kinder nicht schon genug durch haben teilweise und dann im fremden Land fremde Sprache allein da stehen lassen Mann

        • Die Frage ist doch, was für das Kind besser ist: den Vater in Fragte stellen, so dass es vielleicht zuhause bestraft wird oder nicht mehr kommen darf, oder darüber hinweg sehen in der Erwartung, dass es aus dem (auch elterlichen) Stress bei der Eingewöhnung rührt?

          Vermutlich weiß der Vater ja nicht, dass das alle Erzieher hierzulande verstehen, wenn ein ein Kind länger braucht sich zu lösen. Mich hatte das bei meiner Tochter damals auch genervt, als sie mir nicht von der Seite weichen wollt und mir hat es gut getan, als mich die Erzieherinnen von dem "Zeitdruck" der Eingewöhnung entlastet haben, indem sie mir sagten, das sei alles ok so, ich soll einfach nur dasitzen und nichts tun.
          Ich habe auch keine Lösung.

          • Sorry aber: unser Land, unsere Geflogenheiten, unsere GESETZE!

            Der Mann muss sich nunmal anpassen, das ist Körperverletzung und wird hier zulande nicht toleriert bzw. auch geahndet.

            Die restlichen Gedanken spare ich mir hier...

            • Ich glaube nicht, dass man mit einer "Rechtsdiskussion" weiterkommt.

              Die Frage ist doch wie hilft man dem Kind (und den Eltern) sich im Kindergarten einzugewöhnen. Eingewöhnung ist für alle Beteiligten stressig, und der Vater fürchtet vermutlich, dass man von ihm erwartet, dass das Kind "es gut macht"

              • Ich glaube eher, der Vater hat Angst sein Gesicht (und damit seine Ehre) zuverlieren, wenn das Kind nicht spurt wie ER es will...

                Auf Grund der Sprachbarriere wird man es ihm aber auch nicht verständlich machen können...

              • Und weil der Vater ein Flüchtling ist, dar er sich unseren Gesetzen widersetzen?

                Wie lange soll diese "Schonfrist" denn gelten? Bis er perfekt Deutsch kann, bis das Kind ernsthafte Verletzungen davonträgt?

                So schnell kommen Flüchtlingskinder nicht in Kindergärten, dafür müssen sie schon etwas länger in Deutschland sein. Somit wissen sie schon ob der Gesetze die in diesem Land gelten.

                Und die Erzieher haben schlichtweg ihre Arbeit nicht getan, wenn sie in diesem Moment einfach wegschauen!

              Ich habe vor der Elternzeit an einer Schule gearbeitet (Migrationsanteil über 90%).
              Es ist sehr wichtig, den Eltern zu sagen, dass Gewalt an Kindern verboten ist und dies nicht zu ignorieren. Der Rahmen und die Art wie ich das vermittle ist jedoch entscheidend.

              Ich hoffe, dass der Kindergarten möglichst eine gute Vertrauenbasis zu den Eltern aufbaut und diese Themen mit der Familie bespricht und auch deutlich macht, dass Gewalt an Kindern hier nicht erlaubt ist. Den Vater zu bevormunden oder geschockt/heftig zu reagieren hilft wahrscheinlich nicht. Bei so einem Gespräch braucht man Vertrauen und viel Feingefühl / Menschenkenntnis. Und ich würde weiterhin beobachten, ggf. das Jugendamt einschalten (das kommt aber auf meine Beobachtungen an).

    (11) 14.01.16 - 15:26

    Hallo!

    Nein ich bin keine Erzieherin, werde meine Meinung aber trotzdem schreiben.

    Im Grunde ist es doch ganz einfach, wenn das alles zutreffend ist was Dein Kind erzählt hat.

    Dieser Mann und die Erzieher haben eine Straftat begangen, die nennt sich Körperverletzung und unterlassene Hilfeleistung. Im BGB wird zudem das Recht auf gewaltfreie Erziehung geschrieben.

    Sprachbarriere hin oder her, irgendwie wird dieses Kind ja angemeldet worden sein. Das wird sicher mit Hilfestellung passiert sein.

    Wenn der Vater schon zu solchen Mitteln greift, dann erwarte ich von den Erziehern das sie einschreiten. Meine Kind würde sicher nicht in eine Einrichtung gehen, wo Erzieher da die Augen verschließen.

    Mfg

    • (12) 14.01.16 - 15:41

      Der Gedanke, dass die Paten, die die Familie betreuen, da vielleicht helfen können ist eine sehr gute Idee. Ich weiss, dass hier Flüchtlingspatenschaften bestehen, und wahrscheinlich ist da auch schon ein gewisses Vertrauen aufgebaut. Ich denke man kommt auch nur respektvoll und mit Feingefühl in einer solch schwierigen Situation zu den gewünschten Ergebnissen.
      Danke für die Anregung.

Ich bin doch erstaunt wie schnell hier alle gleich mit dem Gesetz wedeln würden.
Ich gehe jetzt mal davon aus, dass wir unsere Kinder in keinster Weise körperlich züchtigen und das auch nicht vorhaben.
Aber jetzt mal nüchtern betrachtet: wir geduldig sind wir, wenn wir einen vermeintlichen Scheißtag haben und jetzt vergleichen wir mal unsere "Scheißtage" mit dem was die Familien durch haben. Wir können uns doch gar nicht vorstellen was da grad in den Eltern vorgeht. Ich finde es ehrlich gesagt komisch, dass die Kinder schon eingewöhnt werden, es ist zwar irgendwie schön, so haben die Kleinen was schönes am Tag und finden schnell Anschluss, aber sich in der fremden Umgebung wo ich keinen verstehe mich schon von den Eltern trennen zu müssen ist doch furchtbar.

Ich seh das so: mal abgesehen von unterschiedlichen Kulturen wird der Vater unter Druck stehen. Ihn vor allen zurecht zu weisen wäre ja wohl das Schlimmste gewesen. Er würde das Gesicht verlieren und vielleicht nicht mehr mit dem Kind kommen. Man kann jetzt hoffen, dass ein Gespräch mit Dolmetscher statt findet und dann die deutsche Rechtsprechung erläutert wird.

In Wirklichkeit wird wahrscheinlich nichts passieren. Es wurden alle bestimmt unvorbereitet in die Situation geworfen.

Ich finde die Idee schön, wenn du deinem Kind sagst, dass sie ruhig trösten darf. Sie darf auch das Kind zum Spielen auffordern. Kinder können doch so schön auch ohne Sprache spielen :-)

  • Hallo?
    Hast du mal gelesen, was hier los ist, wenn eine Erzieherin mal etwas lauter mit einem Kind schimpft, bzw es am Arm festhält?

    Aber für einen ohrfeigenden Flüchtlingsvater soll man Verständnis haben?
    Verkehrte Welt,......

    • Findest du nicht, dass das grad wieder Äpfel mit Birnen ist?

      Du willst jetzt ernsthaft einen ausgebildeten Pädagogen mit einem gestressten Flüchtling vergleichen?

      Ich habe nicht gesagt, dass wir Verständnis haben sollen, sondern ich wollte eine andere Sichtweise aufzeigen.

      Wir diskutieren hier einen "Bericht" einer 3jährigen, der durch "stille Post" hier ins Forum weitergegeben wird.

      Ja, vielleicht ist es ein schlagendes Arschloch, aber vielleicht ist es aber auch jemand der völlig fertig ist und befürchtet, sein Kind nicht mehr bringen zu dürfen, weil es weint.
      Machen wir uns doch nichts vor. Da werden alle ohne wirkliche Vorbereitung zusammen ins kalte Wasser geworfen.

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