Multiple Dyslalie - Hat jemand Erfahrungen?

    • (1) 12.02.16 - 11:10
      Inaktiv

      Bei der U8 ist wurde jetzt diagnostiziert, was ich befürchtet habe. Mein Sohn, bald 4, hat eine multiple Dyslalie, d.h. er spricht viele Laute nicht korrekt aus bzw. kann sie gar nicht bilden. Dazu gehören f, g, h, k, s, sch. Das führt dazu, dass Menschen, die ihn nicht kennen, ihn nur schlecht verstehen. Wenn man ihn kennt, hat man sich relativ fix reingehört, da er alle Laute, die er nicht kann, immer durch die gleichen anderen Laute ersetzt.

      Insgesamt spricht mein Sohn sehr viel, verfügt über einen überdurchschnittlich großen Wortschatz, kann sich sehr gut konzentrieren, ist aber insgesamt motorisch etwas "schlapp", wobei die Kinderärztin da noch total im Rahmen fand, weil er eben ein sehr zierliches Kerlchen ist.

      Hörtests, auch beim Pädaudiologen waren unauffällig. Einen Schnuller hatte er nie, Zahnstellung ist unauffällig.

      Jetzt haben wir endlich ein Rezept für Logopädie bekommen und Montag geht es direkt los.

      Da ich insgesamt zu Panik, Übertreibungen und Sorgen neige, mache ich mir jetzt tierisch Gedanken, ob mein Sohn in den 2,5 Jahren bis zur Schule genug aufholen wird und überhaupt, ob die Logopädie Erfolg bringen wird und wie lange das dauern wird etc.

      Kann mir jemand vielleicht mit einer ähnlichen Diagnose beim eigenen Kind berichten, wie es bei euch gelaufen ist??

      Liebe Grüße und Danke
      Die Alltagsprinzessin

      • Hallo!
        Mein Sohn (jetzt 10,5 Jahre) hatte die gleiche Diagnose.
        Um den 3. Geburtstag herum konnte er gerade mal 1/3 aller Laute aussprechen und daher natürlich auch viele Lautkombinationen nicht.
        Er hat dann auch ziemlich schnell Logopädie bekommen (zwei Mal wöchentlich). Weil sein Selbstwertgefühl durch die mangelnde Verständigungsmöglichkeit sehr schlecht war, hat er mit vier Jahren zusätzlich therapeutisches Reiten begonnen.
        Er hat Fortschritte gemacht, allerdings sehr langsam und zögerlich. Er hatte eine Therapeutin, die viel Erfahrung in der Behandlung der multiplen Dyslalie hat. Das ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfgolgreiche Behandlung.

        Lass dir unbedingt erklären, wie ihr euren Sohn im Alltag unterstützen könnt! Denn ein oder zwei Stunden Logo in der Woche reicht alleine ggf. nicht aus. Zudem verhindert es eine Menge Frust, wenn ihr lernt, wie ihr im Alltag unterstützend mit eurem Sohn sprechen könnt.

        Als mein Sohn 5,5 Jahre alt war, also ein halbes Kajr vor Schulbeginn, waren wir für vier Wochen stationär in der Sprachheil-Reha (Klinik Werscherberg bei Osnabrück). Die intensive Therapie dort war sehr, sehr erfolgreich. Ohne diese Behandlung hätte unser Sohn zur Sprachförderschule gehen müssen. Das wäre okay, da nach dem regulären Lehrplan gearbeitet wird. Aber die Schule ist etwa 35km entfernt. Er wäre nicht mit den Freunden in unserem Dorf zur Schule gegangen und immer sehr spät zuhause (16:45Uhr) gewesen. Die Reha hat aber bewirkt, dass er bis zum Schuleingang seine Probleme einigermaßen beheben konnte. Hätte die Therapier nicht schon kurz nach dem dritten Geburtstag begonnen, hätte er es trotz Reha keinesfalls geschafft.
        Wirkliche Schwierigkeiten hatte er in der Grundschule nicht. Aber das Wissen, dass im Kindergarten alle anderen besser sprechen konnten als er, hat dazu geführt, dass er glaubte, dass "alle alles besser können". Trotz guter Schulleistungen hat er sehr an sich gezweifelt und bei (vermeintlich) schwierigeren Aufgaben hat er "dicht gemacht". Das wird aber langsam besser.
        Ich merke schon noch, dass er nicht ganz so flüssig spricht bzw. er mehr Energie braucht, komplizierte Sachverhalte auszudrücken. Aber Fremden fällt das nicht auf

        Jetzt ist er in der fünften Klasse einer Realschule und hatte im letzten Zeugnis in sämtlichen Fächern eine zwei. Wegen Englisch hatte ich Bedenken, aber in dem Fach ist er einer der Klassenbesten.

        Wie schnell Kinder in der Therapie Erfolg haben, ist sehr unterschiedlich. In der Reha waren Kinder mit der gleichen Diagnose, doe sehr viel mehr Mühe hatten. Andere waren vor Rehabeginn erst kurze Zeit in logopädischer Behandlung und haben in den vier Wochen enorme Fortschritte gemacht.

        Falls du noch Fragen hast, kannst du dich gerne melden!
        LG Silvia

        • (3) 12.02.16 - 15:34

          Hallo,

          danke für deinen ausführlichen Bericht.

          Mein Sohn selbst leidet wenig bis gar nicht unter seinem Defizit, er redet und redet. Wenn ihn jemand nicht versteht, ist er findig im Umschreiben und Erklären und weiter geht's.
          Ich hoffe, dass er sich diese Begeisterung und Selbstverständlichkeit beim Sprechen bewahren kann, auch wenn das jetzt ein Thema in seinem Leben wird.

          Die Sprachheilklinik bei Osnabrück merke ich mir ganz fest, da das quasi um die Ecke ist.
          Nun lass ich erst mal die Logo anlaufen und versuche zunächst einmal selbst runterzukommen....

          #winke Die Alltagsprinzessin

          Hallo,

          Meine Jungs hatten auch eine ausgeprägte Dyslalie

          Der Große hat schon mit 2 sehr viel geredet mit ner tollen Grammatik - nur die Absprache war schlecht. Er konnte nicht F, G, K, R, S, W, X, Z, SCH...
          Also echt mies ;-)
          Er bekam auf meinen Wunsch hin kurz nach dem 3. Geburtstag Logopädie. Die Kinderärztin hätte noch gewartet, ich wollte aber, dass er sich bis Kindergartenbeginn besser verständigen kann. Und er war ein totales Talent, nach ich glaube 12 Sitzungen konnte er alle Laute! OK, er hat noch gelispelt, aber das war für 3 Jahre ok. Die Logopädin war total fasziniert von der Geschwindigkeit. Und das Lispeln hörte mit ca 4 von alleine auf.
          Der Mittlere hat mit 3 Jahren die gleichen Laute wie der Große nicht sprechen können. Allerdings war er eh sehr sprechfaul und hat insgesamt wenig gesagt.

          Er ging auch kurz nach dem 3. Geburtstag zur Logo. Er brauchte länger als der Große. Nach einen guten halben Jahr ( ca 25 Sitzungen?) Konnte er aber eigentlich alles. Und er sprach wesentlich mehr.
          Heute, mit 4,5 Jahren redet er noch etwas undeutlich (kann aber deutlich reden, wenn man ihn drauf hinweist) und lispelt noch etwas. Und man merkt, dass er sprachlich nicht so begabt ist wie der Große.
          Mit dem Kleinen (1,5 Jahre) müssen wir wahrscheinlich nicht zur Logo, er hat jetzt schon ne tolle Aussprache ;-)

          Also mach dir mal noch nicht zu viele Sorgen, mit Logopädie KANN es ganz schnelle Fortschritte geben - abhängig vom Kind, dem Logopäden, der Strategie und dem Üben daheim.

          Alles Gute euch!
          LG,
          Natascha

      Hallo Alltagsprinzessin,

      unsere Mittlere hat kurz nach ihrem dritten Geburtstag bei gleicher Diagnose (wenn ich nichts vergesse waren es R/S/G/K/L/F/H? und entsprechende Kombinationen) mit der Logo begonnen, 1x wöchentlich.
      Sie hat prima mitgemacht, wobei mich die vorsichtige Prognose der Logopädin bezüglich der Therapiedauer ("Bis zur Einschulung werden wir schon vieles geschafft haben!") sehr deprimiert hat. Jedoch waren wir nach gut einem Jahr komplett durch #ole. Sie lispelt noch etwas, aber das würde man erst mit dem Zahnwechsel angehen. Diesen Sommer kommt sie also GsD ohne größere Sprachprobleme in die Schule. und gerade gestern hat sie festgestellt, dass die oberen Schneidezähne wackeln - evtl. geht es dann also 'bald' in die zweite Runde.
      Kinder-HNO und unser KiA winken sie beide durch bei den Hörtests, da sie aber einige wenige Laute noch immer nur schwer differenzieren kann ("Die Geschichte vom Rütter ist lüstig", wobei "Rutsche" oder "Mitte" klar gehört und gesprochen werden #kratz) warten wir heute nachmittag auf die Resultate bzgl auditiver Wahrnehmungsstörung und Hyperakusis.

      Wichtig ist die familiäre Förderung - lesen und singen, (über-?)deutlich artikulieren, nicht verbessern, etc. Die Logopädin wird euch genau instruieren!
      Logo hat ihr übrigens soooo viel Spaß gemacht!

      Mach dir nicht zu viele Sorgen. Ich denke, du hast jetzt 2 sehr auseinanderliegende Erfahrungen gehört und kannst dich mental nun auf ein "alles ist möglich und alles wird gut" einstellen;-)
      LG!

      • (6) 12.02.16 - 15:36

        Danke für deinen Bericht, der etwas mehr Hoffnung macht.

        Wir lesen und singen hier sehr viel und ich bin auch sonst bereit zu fördern, wo es geht. Bin gespannt, was die Logopädin Montag sagt.

        #winke Die Alltagsprinzessin

    Hallo,

    als Logopädin: Kinder sind eine Wundertüte.

    Was ich jedoch nicht verstehe ist, was hat Zierlichkeit mit einem hypotonen Muskeltonus zu tun? Wie hypoton ist dein Kind? Was möchtest du dagegen tun?

    LG Reina

    • (8) 12.02.16 - 15:30

      Du, das war die Aussage der Kinderärztin gestern, angesichts der Tatsache, dass mein Sohn zwar auf einem Bein stehen, nicht aber auf einem Bein hüpfen konnte.
      Sie sagte, dass er insgesamt motorisch etwas schlapp wirke, er ja aber auch noch so klein sei. #kratz

      Ich hab noch gefragt, ob sie denn dann auch eine Ergotherapie für sinnvoll hielte, sie meinte aber, da sähe sie keinen Handlungsbedarf.
      Ich selbst habe mir vorgenommen, nun noch mehr auf den Spielplatz mit dem Sohn zu gehen und ihn noch zu einem weiteren Sport anzumelden.
      Wie Hypoton er ist? Uff, hätte die Ärztin gestern nix erwähnt, hätte ich gesagt: nicht auffällig. Er fährt super Laufrad, auch weite Strecken, hasst es allerdings längere Distanzen zu laufen. Im Vergleich zu Altersgenossen finde ich, dass er nicht so eine Körperspannung und Kraft hat...vom Fahrradfahrem sind wir auch noch weit entfernt.
      Für mich als Laie steht halt gerade die Frage im Vordergrund: was ist die Ursache seiner Dyslalie? Ohren und Kieferprobleme wurden ja nun bereits ausgeschlossen...

(9) 16.02.16 - 11:04

Huhu,

wir hier auch. Unser Junior konnte zur U8 auch diverse Laut noch nicht bilden. Da er aber chronisch krank ist, haben sie immer gesagt, dass es ein Wunder wäre, wenn er in allem vorne dabei wäre. Wir sollten ihm Zeit geben... Er konnte die Laute übrigens auch isoliert nicht bilden. Also nicht nur im Wort nicht, sondern überhaupt nicht.

Mit 4,5 Jahren ist mir dann der Kragen geplatzt und ich habe auf eigene Faust nochmal einen HNO Termin gemacht, um andere Ursachen auszuschließen. Am morgen des Termins stand er auf und redete mit mir. Und er konnte plötzlich, von einem Tag auf den anderen, alle Laute problemlos. #schwitz

Die Ärzte haben aber leider nicht bedacht, dass sein Selbstbewusstsein sehr darunter gelitten hat und er deshalb bis heute sehr ungern vor Fremden spricht. Wir gehen jetzt zum Logopäden, damit er die Scheu vorm Sprechen vor anderen Menschen langsam ablegt. Er wird im Sommer eingeschult und macht gute Fortschritte.

LG
Jenx

  • (10) 16.02.16 - 11:30

    Wow, das grenzt ja an ein Wunder.

    Ich habe jetzt vorsichtig angefangen, mit meinem Sohn einzelne Laute zu üben und wir haben mit dem sch angefangen und siehe da, nach ein paar Tagen klappt das jetzt schon recht gut, sogar im Wort.

    Wir machen jetzt auf jeden Fall Logopädie und ich bleib selbst auch dran.

    Im letzten Jahr hieß es immer von allen Seiten: Bloß nicht korrigieren, das demotiviert und hemmt. Das hab ich dann also gelassen, denke aber nun nach den letzten Tagen, dass vorsichtige Korrekturen mit Augenmaß doch etwas bringen.

    Mein Sohn ist stolz wie Bolle und hat gestern Camp. 100 mal Schloss gesagt. ich begrenze die Übungszeit nur auf ca. eine halbe Stunde, während wir ein Spiel zur Förderung der Mundmotorik spielen.

    Ich hoffe, dass ich noch viele weitere Tipps von der Logopädin bekomme und hoffe, dass dann beim Sohn auch irgendwann der Knoten platzt.

    #winke Die Alltagsprinzessin

    • (11) 16.02.16 - 13:09

      Genau das hatte ich auch versucht, aber da er einige Laute nichtmal isoliert bilden konnte, hat das bei uns nicht komplett geholfen. Die Logopädin damals hatte aber noch weniger Erfolg :-p

      Zum Beispiel das B haben wir uns auch selber erarbeitet. Er hat immer B durch D ersetzt. Auch die S/ST/SP/Sch Laute haben wir uns selber erarbeitet.

      K und G dann wie gesagt von einem Tag auf den anderen und dann auch konsequent richtig gemacht.

      Er war immer total gefrustet, dass ihn andere so schlecht verstanden haben #schwitz Der Leidensdruck war also schon durchaus groß. Geblieben ist die Angst, von Fremden nicht verstanden zu werden. Dabei spricht er jetzt, mit fast 6 total normal.

      LG
      Jenx

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