Umgang mit behindertem Kind - wie reagieren?

    • (1) 31.07.16 - 18:11

      Hallo,
      hatten vorgestern die Situation dass ein geistig behindertes Kind (ca.4) meiner Tochter (5) auf dem Spielplatz den Platz auf der Wippe streitig gemacht hat. Es setzte sich einfach drauf als meine Tochter kurz abstieg um etwas aufzuheben, dass auf den Boden gefallen ist.

      Mein Kind forderte es mehrmals auf, herunterzusteigen aber das Kind verstand es nicht und reagierte darum auch nicht. Da flippte meine Tochter völlig aus und wollte das Kind runterschubsen.

      Ich nahm meine Tochter zur Seite und versuchte ihr die Sachlage zu erklären aber sie war so wütend dass ich nicht zu ihr durchdrang und als sie grob werden wollte nahm ich sie schlussendlich von der Wippe weg. Unter lautem Wutgeheule.

      Die Situation war ganz schwierig für mich weil ich einsteils mein Kind natürlich verstand, da sie sich ja im Recht fühlte.
      Andererseits sind die Regeln hier natürlich nicht in gewohnter Manier einhaltbar. Das wollte sie aber einfach nicht verstehen. Sie beharrte darauf dass das Kind böse sei.

      Eigentlich hätte hier ja die Mutter eingreifen müssen aber die stand nur im Hintergrund und tat so als ob es sie nichts anginge.

      Tja, nun meine Frage: Wie hättet ihr hier reagiert? Und wie erklärt man Kindern am Besten eine geistige Behinderung? Ich habe heute nochmal mit ihr geredet aber sie scheint das irgendwie nicht so ganz zu verstehen, logisch.

      • Hallo!
        Meine Schwaegerin hat auch ein behindertes Kind, sie geht in so Faellen direkt auf die Eltern der anderen Kinder zu, entschuldigt sich und erklaert die Sachlage. Die Eltern versuchen es dann ihren Kindern zu erklaeren...
        Mehr kann man da glaube ich nicht machen.
        LG

      Woher wusstest du denn, dass das andere Kind geistig beeinträchtigt ist? Und in wieweit diese Beeinträchtigung das Verständnis für die Situation beeinträchtigt? Ich hätte wohl versucht, dass beide wippen können. Denn eine wippen funktioniert ja nur mit zwei Kindern. Also hätten beide doch gemeinsam wippen können. Ansonsten hätte ich meinem Kind gesagt, dass es jetzt eben mal kurz warten muss weil ein anderes Kind auch mal wippen will. Und da hätte ich keinen Unterschied zwischen beeinträchtigt oder nicht gemacht; wer von der wippen aufsteht, hat den Platz frei gemacht für ein anderes Kind. Weggegangen- Platz vergangen.

      • Das war zum einen deutlich zu sehen, zum anderen brabbelte es unverständlich als ich es ansprach. Und:Mein Kind hatte bereits eine Freundin auf der anderen Seite der Wippe. Die stieg daraufhin auch runter als ich meine Tochter zur Seite nahm.

        Du scheinst eine ganz besondere Logik zu haben. Wenn du kurz von deinem Stuhl aufstehst weil dir ein Bleistift runtergefallen ist darf ich dann auch einfach auf deinen Stuhl sitzen? #kratz

        Mein Kind ist ja nicht weggegangen sondern abgestiegen um etwas aufzuheben dass direkt unter die Wippe gefallen war. Sie hatte ja sogar noch die Hand dran.

        Und: Wäre das Mädchen nicht beeinträchtigt gewesen hätte ich ihm wohl unmissverständlich klar gemacht dass hier nicht vorgedrängelt wird. Aber durch die Behinderung war die Situation eben schwierig.

    Hallo,
    na Deine Tochter ist kurz runter und da nächste Kind ergreift die Chance und geht drauf.
    Ganz normale Spielplatzsituation.
    Deine Tochter wollte schuppen also musstest Du handeln. Warum sollte denn die andere Mutter eingreifen?
    VG Anja

    • Ich fürchte, ich hab mich nicht klar ausgedrückt. Mein Kind hat die Wippe nicht verlassen! Sie ist nur abgestiegen um etwas aufzuheben. Sie stand aber noch immer an der Wippe und hatte sogar noch die Hand auf dem Haltegriff.

      ICH würde eingreifen wenn mein Kind sich vordrängelt oder jemandem die Schaukel, die Schaufel oder ähnliches wegnimmt.

      Komisch dass mich scheinbar keiner versteht...habe die Situation wohl missverständlich beschrieben.

      Leider scheint hier wohl auch keiner eine Ahnung zu haben wie man einem Kind eine geistige Behinderun erklärt. #gruebel

      • Ich habe aufgehört mich über fremde Eltern aufzuregen. Die meisten sehen so ziemlich ALLES komplett anders als wir.

        Im Fall der Mutter des Kindes (egal ob behindert oder nicht) hätte ich mein Kind schon aufgehalten wenn ich sehe dass es im Begriff ist sich auf die Wippe zuzubewegen. Spätestens aber wenn ich sehe, dass es sich einfach draufsetzt. Leider sehen viele das anders.
        In deinem Fall, wenn ich sehe die Mutter sieht es aber rührt sich nicht und das Kind ist auch nicht kooperativ, hätte ich mein Kind dann genommen und wäre zu einem anderen Gerät gegangen. Wahrscheinlich könnte ich mir aber einen blöden Spruch a la "nicht jeder weiß sich zu benehmen" als Erklärung an die Tochter nicht sparen können.
        Das ist auch, was ich unserer in / nach solchen Situationen immer erkläre. Manche Leute denken eben sie dürfen alles. Das heißt nicht, dass man dann selber aggressiv werden darf.

        • (9) 31.07.16 - 19:55

          Na ja,
          der Spielplatz (und die Eltern) sind eben ein Abbild unserer Gesellschaft - da hat der Stärkere/Schnellere eben Recht...wer sich nimmt, was er möchte, kommt zu etwas. Wer höflich fragt oder wartet, verliert. Die Eltern sind auch meist stolz drauf, wenn sich die Kinder die Butter nicht vom Brot nehmen lassen und belächeln Kinder, die sich alles nehmen lassen. Auch wenn vordergründig oft "ganz laut" das eigene Kind zum Teilen aufgefordert wird - so alibitechnisch.

          Natürlich sind NICHT alle Eltern so....aber man beobachtet es oft.

          Ich weiß auch nicht, was ich meinem Kind da beibringen soll. Höflich zu sein, zu fragen, zu warten...und letztlich den Kürzeren zu ziehen. Oder sich zu wehren und genauso zu werden wie die Anderen....?!

          Aber das gehört nun nicht zur Frage der TE. Mir kam das beim Lesen Deiner Antwort nur grade so in den Sinn.

          LG
          Martina

        (11) 31.07.16 - 20:01

        "nicht jeder weiß sich zu benehmen" finde ich aber in Bezug auf ein 4-jähriges Kind (egal ob beeinträchtigt oder nicht) unangebracht. Kinder kommen ja nicht "böse" auf die Welt. Die Eltern und andere Umstände machen sie zu dem, was sie sind. Selbst wenn ein Kind in meinen Augen einfach verzogen ist, erkläre ich das meinem Kind wohlwollend.

        Wie du schon sagst: Andere Eltern haben oft andere Vorstellungen von Erziehung. Die Welt ist bunt und andere Menschen denken über manche Sachen anders. Andere Kinder dürfen eben Dinge, die meine Kinder nicht dürfen und hin und wieder ist es auch umgekehrt. Ich sage klar, dass ich etwas nicht in Ordnung finde und warum. Ich würde aber nie zu meinem Kind sagen, dass das andere Kind eben kein Benehmen hat oder böse ist. Vielleicht bin ich da einfach (zu?) diplomatisch, aber ich erkläre meinem Kind, dass das Kind das (in meinen Augen) richtige Verhalten noch lernen muss. Dass das Verhalten, was ich von meinem Kind erwarte, wichtig ist, weil... Dass das aber ein Lernprozess ist, bei dem Kinder Unterstützung brauchen. Meine Kinder sind ja auch keine vom Himmel gefallenen Engel und merken sehr wohl, wenn sie etwas falsch machen. Zumindest ab einem gewissen Alter. Sie wissen doch, dass auch sie nicht immer richtig reagieren.

        "Das heißt nicht, dass man dann selber aggressiv werden darf. "

        Das finde ich bei der Geschichte ganz wichtig #pro

        • (12) 01.08.16 - 14:35

          Naja, der Satz ist dann auch eher an die Mutter gerichtet.
          Ich finde durchaus, dass man Kindern das so sagen darf, denn bei uns wäre so ein Verhalten einfach unerzogen. Von einem Vierjährigen würde ICH mehr erwarten und von der Mutter ohnehin. Wir haben aber mittlerweile sowieso festgestellt, dass wir scheinbar besonders streng in solchen Sachen sind, wobei uns das garnicht so auffällt. Dafür sind wir superlocker was eigenes ausprobieren etc angeht.

          Ich wäre auch dafür, dass so etwas öfter Kinder unter sich regeln sollten, allerdings trifft man dann genau in dem Moment auf Eltern die sich direkt aufregen, daher gehe ich bei mir unbekannten Kindern sofort dazwischen und bin froh um unsere Krabbelgruppe, in der die Kinder solche Dinge selber regeln lernen.

Wenn das als normale Spielplatzsituation eingestuft wird, wundert mich die Rücksichtslosigkeit vieler Kinder nicht. Hätte meine Tochter einem anderen Kind so den Platz weggeklaut, hätte ich ihr sehr eindringlich erklärt wie unhöflich das ist. Hier war es natürlich durch die Behinderung anders zu beurteilen. Von einem geistig gesunden Kind erwarte ich aber Rücksichtnahme.

(16) 31.07.16 - 18:45

Hallo,

jetzt mal davon ab, dass das eine ganz typische Spielplatz- oder auch Kindergartensituation ist. Ich bin ehrlich gesagt auch mehr über die Reaktion deiner Tochter verwundert als über die (nicht vorhandene) Reaktion der anderen Mutter.

Ich finde es gar nicht so logisch, dass deine Tochter mit 5 Jahren so gar nicht verstehen kann, dass es Kinder gibt, die Probleme haben (egal, ob nun im Verhalten, in der Motorik oder anderes). Wurde sie noch nie mit solchen Kindern konfrontiert? Heutzutage besuchen diese Kinder doch den ganz normalen Kindergarten (Inklusion).

Vielleicht bin ich von meinem Großen einfach verwöhnt, aber ich habe ihm von Anfang an einfach immer wieder erklärt, warum ein Kind sich anders verhält als es erwartet wird. Das kommt im Kindergarten doch täglich vor. Nie habe ich gesagt, dass diese Kinder böse sind, sondern immer versucht meinem Sohn verständlich zu machen, warum manche Kinder eben so reagieren, wie sie reagieren. Manche Kinder haben große Probleme zu Hause und kennen von dort nur einen groben Umgang. Andere Kinder sind in ihrer Entwicklung noch nicht so weit und verhalten sich daher auch wie kleinere Kinder. Das hat meinem Sohn immer geholfen. Das ist aber natürlich ein Prozess, der nicht von heute auf morgen abläuft. Man muss derartige Situationen immer wieder aufgreifen und darüber reden.

LG

  • (17) 31.07.16 - 19:09

    Nein, sie wurde noch nie mit einem behinderten Kind konfrontiert. Für sie ist das neu. In unseren Kindergarten gehen keine beeinträchtigten Kinder.

    Ich werde mal auf youtube schauen, vielleicht kriege ich da einen guten Rat zu diesem Thema.

    #aha

    • (18) 31.07.16 - 19:35

      Warum so pampig?

      Es geht hier ja nicht nur um Kinder mit Beeinträchtigungen. Es gibt doch in jedem Kindergarten, auf jedem Spielplatz auch Kinder, die einfach nur keine sonderlich gute Erziehung genossen haben (weil Eltern sich nicht kümmern, nicht kümmern wollen, nicht kümmern können, andere Erziehungsvorstellungen haben...). Das fällt meinem Sohn auf und er fragt, warum sich das Kind in seinen Augen falsch verhält. Ich erkläre es ihm dann und zwar gerade raus. Je nachdem, warum sich das Kind (in meinen Augen) falsch verhält. Immer jedoch aber wohlwollend.

      Ich versuche es mal konkreter und vielleicht mehr an euer Beispiel angelehnt. In eurem Fall hat das Mädchen gar nicht reagiert, richtig? Ist das deiner Tochter gar nicht aufgefallen? Ich würde genau das aufgreifen, denn das ist ja nicht typisch - die meisten Kinder reagieren, sei es durch zurückschreien schubsen, weinen, weglaufen...

      "Hör mal X. Weißt du was ich beobachtet habe? Du warst ja sehr wütend und ich kann gut verstehen, dass du wütend warst, ich wäre sicher auch wütend gewesen. Das Mädchen aber hat anscheinend gar nicht bemerkt, dass du wütend warst. Obwohl du das so deutlich gezeigt hast, hat das Mädchen gar nicht verstanden, was du von ihr wolltest. Es gibt Kinder, die haben eine Beeinträchtigung. Das ist ähnlich einer Krankheit und das macht, dass die Kinder anders reagieren, als man das erwartet. Das Mädchen kann nichts dafür, dass es so reagiert hat. Eigentlich hätte die Mutter eingreifen müssen, aber vielleicht hat sie gar nicht bemerkt, was loswar."

      Wie gesagt, das allein reicht natürlich nicht. Das ist etwas, das man immer und immer wieder aufgreifen muss, wenn sich die Situation ergibt. Ich hätte mit meinem Kind auf jeden Fall noch besprochen, wie man angemessen reagiert, wenn so etwas passiert - ganz egal, ob das andere Kind nun gesund ist oder nicht.

      Ich verstehe Dein Problem nicht so ganz - die Grenzen sind doch total fließend, zwischen "geistig behindert" und einfach nur nicht besonders cleve oder langsamer im Denken...
      Warum mußt Du Deiner Tochter jetzt Deine vermutete Diagnose erläutern?

      In Eurem Fall wird das andere Kind nicht bemerkt haben, dass Deine Tochter die Wippe noch mit der Hand reserviert hatte...und davon ausgegangen sein, dass es jetzt an der Reihe ist, was ich völlig nachvollziehbar und (speziell aus Kinderlogik) total logisch finde.

      Die Reaktion Deiner Tochter hingegen finde ich schon recht heftig für eine 5jährige, der gerade erläutert wird, dass das andere Kind ihr nichts Böses will.

      Gruß,

      W

      (20) 01.08.16 - 16:38

      Hallo nochmal,

      nachdem ich nun einige deiner Threads hier bei Urbia gelesen habe, wird mir einiges klarer.

      Das Problem ist nicht das Kind, welches sich vorgedrängelt hat, sondern die mangelnde Sozialkompetenz deiner Tochter. Genau deshalb flippt sie mit 5 Jahren aus, obwohl du ihr erklären willst, wo das Problem liegt. Genau deshalb kann deine Tochter so gar nicht verstehen, dass es Menschen mit Problemen / Beeinträchtigungen gibt, auch wenn du versuchts es ihr kindgerecht zu erklären.

      Ganz ehrlich: Ich fand den Tipp, den man dir hier schon oft gegeben hat, nicht verkehrt: Such dir professionelle Hilfe und arbeitet gemeinsam aktiv an den Problemen, die deine Tochter hat. Dort kannst du auch solche Fragen loswerden.

      LG

(23) 31.07.16 - 19:22

Irgendwie irritieren mich deine Worte. Ist deine Tochter wirklich 5 oder hast du dich verschrieben? Hatte sie denn bisher noch nie Kontakt mit Menschen/Kindern mit Behinderungen? Oder du? Du klingst so "befangen" was solche Situationen angeht. Sorry.

Oder haben wir hier nur viel Kontakt? Hm, ich weiß es nicht. Meine Tochter ist 3 und durch Verwandschaft, Freundeskreis, Nachbarschaft und Kindergarten kennt sie völlig unterschiedliche Behinderungen (egal ob bei Kindern oder Erwachsenen). Sie geht da völlig unbefangen mit um.

Nun zu deiner aktuellen Situation, wer das Spielgerät verlässt hat verloren. Fertig. Ich finde nicht das deine Tochter im Recht war, es ging ja nicht um mitgebrachtes Eigentum. Mit 5 finde ich aber so einen Ausraster nicht mehr wirklich passend. Ich hätte da nicht viel erklärt, entweder mein Kind beruhigt sich und sucht sich eine andere Beschäftigung oder der Spielplatzbesuch ist beendet. Bei einer Wippe hätte ich ihr gesagt, dann nimm halt die andere Seite und ihr wippt zusammen.

Ich finde auch das Verhalten der Mutter gut, denn dein Kind war dort auf dem Egotrip, nicht ihres. Eine andere Userin hat eine Mutter beschrieben, die sich quasi schon im Vorfeld für ihr Kind entschuldigt. Das finde ich ganz traurig und ich frage mich wirklich was diese Mutter schon schlimmes in ihrem Umfeld erlebt hat.

Ich finde man muß da nicht viel erklären und sich schon überhaupt nicht in Details verstricken. Die Kinder regeln das eigentlich unter sich.

  • (24) 01.08.16 - 16:41

    Die Tochter ist 5. Unsere Kinder sind fast gleich alt. Darum kenne ich viele ihrer Beiträge. Sie behandelt ihr Kind von Anfang an zu oft wie ein rohes Ei.

(25) 31.07.16 - 19:31

Hallo,

ich alte Frau verstehe, wie immer öfter, nicht wo das Problem liegt.

Einem fünfjährigen Kind sollte die vielfalt der Menschen schon aufgefallen sein und daran hängt man sich auf und erklärt altersgerecht die Menschheit samt ihrer Besonderheiten. Dies am Besten in einem Gespräch und man erhält einen wunderbaren Eindruck in die Gedankenwelt der Kinder.

Ansonsten, wäre ich ins Gespräch mit beiden Kindern gegangen und nein, political corectness erwarte ich nicht von einem fünfjährigen Kind.

LG Reina

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