meine Tochter ist nur noch böse

    • (1) 09.09.16 - 23:49

      Hallo ihr lieben, ich muss mich mal ein bisschen ausheulen.

      Und zwar lässt meine Tochter (3) mich nicht mehr an sich ran. Sie ist nur noch am schreien, böse und lässt sich absolut gar nix mehr sagen.
      sie sagt zu allem Nein, egal ob auf Toilette gehen, Haare kämmen, anziehen etc...

      Sie hat im Juni einen Bruder bekommen den sie über alles liebt und total liebevoll mit ihm umgeht. Sie ist mega stolz auf ihn. Wir beziehen sie auch ganz oft mit ein z.b. beim Baden, Windel wechseln, kiwa schieben. Und sie macht es gerne.
      Natürlich kann ich ihr nicht mehr 100% alleinige Aufmerksamkeit schenken.

      mein mann verlässt morgens um 5 das Haus und kommt gegen 16/17 Uhr zurück. Verständlicherweise ist er dann auch platt und müde. Aber mit ihm geht sie genauso um. Nur am schreien und nein nein nein....

      das macht mich so fertig und traurig.

      Sie ist eigentlich soooo ein fröhliches Kind. Sie geht liebend gern in den kiga und zum turnen, sie hat viele Freunde und ist total offen jedem gegenüber.

      Es ist teilweise schon so das wir uns gegenseitig anschreien was mir einfach nur leid tut und ich möchte das auch gar nicht, aber mittlerweile bin ich mit den Nerven am ende....
      Das macht mich unendlich traurig....

      Ich weiß einfach nicht wie ich wieder an sie ran kommen soll.

      Wir versuchen schon ab und zu nur mit ihr alleine etwas schönes zu machen damit sie wieder ein wenig "ihre" Aufmerksamkeit bekommt.

      Ich möchte einfach nur mal wieder einen tag ohne schreierei mit ihr haben

      Sorry das es so lang geworden ist aber musste es mir von der Seele schreiben

      LG happy00

      • Die Erklärung lautet: deine Tochter ist 3, das ist normal. Autonomie Phase, eigenen Willen durchsetzen wollen, zu erkennen, dass andere nicht das selbe Willen wie sie, sie testet Grenzen. Sei liebevoll aber konsequent. Wenn Sie etwas nicht soll oder etwas bestimmtes tun soll, bleib bei deiner Entscheidung. Erkläre kurz und knapp, warum sie dieses oder jenes darf oder auch nicht darf. Aber bleib dabei. Nimm nichts persönlich, sie will euch nicht absichtlich weh tun sondern testet aus, wie weit sie gehen kann, bis eine Grenze bei euch erreicht ist. Und ob di0ee Grenze immer gilt oder nur zu bestimmten Situationen. Daher musst du hinter deinen Entscheidungen stehen, sie braucht die Gewissheit dass etwas immer gilt, das gibt Sicherheit.

        Sie ist 3.
        Nennt sich Trotzphase.
        Geht noch ne ganze Weile so.
        Muß jeder durch.

        Aber eins noch: ich denke zwar ist einfach unglücklich ausgedrückt. Aber ein 3-jähriges Kind ist nicht böse. Sie sind bockig, unleidig, nervig, zickig, ubd vieles mehr. Aber nicht böse.

        Warum wird denn jemand "böse"?

        (Ich nehme an, Du meinst damit wütend)

        - Wenn er etwas nicht schafft - Frust
        - Wenn er seinen Willen nicht durchsetzen kann - Frust
        - Wenn er das Gefühl hat zu kurz zu kommen - Frust
        - Wenn ihm etwas blödes passiert - Frust

        Wenn Du Dir anschaust, was dahintersteht, dann ist wohl klar, warum zurückschreien nicht helfen kann. Davon fühlt sie sich auch nicht besser.

        Dass sie ihren Bruder liebt heisst nicht, dass sie keinen Stress deswegen hat.
        Ihr Leben hat sich trotzdem total auf den Kopf gestellt. Nichts ist, wie es war und sie selbst befindet sich auch im Umbruch.

        Alles, was Du dagegen tun kannst ist: Liebe, Liebe, Liebe.

        Konsequent bleiben, klar, aber nicht um jeden Preis. Hast Du eine falsche Entscheidung getroffen und z.B. vorschnell nein gesagt, dann darfst Du das auch genau so kommunizieren. Auch Eltern machen Fehler und so zu tun als wäre immer alles grandios und nicht anfechtbar, was aus Deinem Mund kommt, macht Dich nicht glaubwürdiger.

        Grenzen austestens ist Blödsinn, das muss sie nur machen, wenn Eure Grenzen nicht klar sind. Ansonsten sind Kinder nicht blöd, sie wissen genau, wo die (immer gleichen) Grenzen sind. Wenn sie sie trotzdem übertreten, haben sie dafür Gründe.

        Auch mit Trotz hat das absolut nichts zu tun. Sie ist halt in einer Phase, in der sie ganz viel machen und entscheiden will, viel mehr als sie schon kann. Das führt bei jedem Kind zu Frust.

        Dann noch ein Satz zur Einzelzeit: Das kannst Du machen, aber ich würde mich fragen, was Du Deinem Kind damit vermitteln möchtest.

        Für mich ist es so, dass ich möchte, dass meine Kinder es toll finden, Geschwister zu sein. Deshalb versuche ich die tollsten Sachen so zu legen, dass beide Kinder dabei sind. Das verbindet ungemein. Diese Exklusivzeit hat oft den gegenteiligen Effekt. Das Kind denkt dann hinterher: Ach wäre das nicht schön, wenn ich keine Geschwister hätte, dann würde ich immer so tolle Tage haben...

        So, wenn sie also das nächste Mal Frust hat, setz Dich einfach (gerne auch mit Bruder) daneben, halt es mit ihr aus und halt die Arme offen, damit sie sich reinkuscheln kann, wenn es wieder geht.

        Und überleg Dir gut, was Du von ihr verlangst, ob das wirklich alles 100%ig so sein muss. Genausowenig wie es immer nach ihrer Nase gehen kann, sollte es immer nur nach Deiner Nase gehen. Sie ist jetzt in einem Alter, in dem sie möglichst viel entscheiden möchte, wann und wie sie es macht. Wenn Du sie das tun lässt, dann ist das gut für ihre Selbstständigkeit. Du willst doch sicher später ein Kind mit Rückgrat und keinen Mitläufer, oder?

      • Hi,
        ich denke schon, dass das stark mit dem Baby zusammenhängt. Anfangs hängt der Himmel voller Geigen, aber dann registrieren die Älteren, dass man jetzt dauerhaft "zu kurz" kommt.

        Theater machen, ist das einfachste Mittel um sich die volle Aufmerksamkeit zu sichern. Außerdem testen die Erstgeborenen dadurch wie lieb du sie noch hast. Nach dem Motto: "Wenn ich jetzt richtig Randale schlage, hast du mich dann immer noch genauso lieb wie das Baby, oder hast du das Baby doch ein bisschen lieber?"

        Das hilft:
        Stoisch ruhig bleiben, auf keinen Fall schreien! (summen hilft).
        Nicht kritisieren und vergleichen.
        Mal über das Baby meckern.
        Den Alltag so gut es geht organisieren, um möglichst den Zeitdruck zu nehmen. Klamotten abends vorbereiten, Frühstück mit wenig Wahlmöglichkeiten. Ihre Dinge so aufräumen und organisieren, dass sie selbst dran kommt und ihre Sachen immer selbst findet.
        Sie selbst fragen was als nächstes zu tun ist.
        "Oh, gehen heute alle Kinder im Schlafanzug in den Kindergarten? Oder wirst du die einzige sein, die so auftaucht? Meinst du nicht, dass das ein bisschen blöd aussieht?"
        "Was hälst du von einem schicken Kurzhaarschnitt, den muss man nicht kämmen?" Oder, zeig ihr mal ein Foto von Dredlocks ;-)
        Von ihren Nein-Tiraden völlig unbeeindruckt bleiben und zum Spaß so Sachen wie "Willst du ein Gummibärchen?" oder "Sollen wir auf den Spielplatz gehen", einwerfen.

        Wir haben immer wieder solche Stressphasen mit 2 Kindern erlebt und das einzige was hilft ist es die verhärteten Fronten aufzuweichen. Zeige Größe, nimm das kleine Ekelpaket in den Arm und sage ihr, dass du sie auch als Wutzwerg liebst und das ihr das beide zusammen schafft. Sie will gefallen, sie will gehorchen, aber gerade weiß sie nicht mehr so genau wie das geht.
        Wird schon!
        Miriam

        Hallo happy00,

        genau das haben wir mit unserem Sohn auch schon hinter uns gebracht.
        Bei ihm dauerte der Spaß ziemlich lange, da er einen schier unglaublichen Dickschädel, einen starken Willen und großes Durchhaltevermögen hat ( wäre ja alles ganz toll, wenn es sich nicht kontraproduktiv zu uns verhalten würde :-p ).

        Ich will Dir jetzt keine Moralpredigt halten oder Dir DEN ultimativen Tipp geben, aber so haben wir seine Eskapaden gehandhabt:

        Nein zum Anziehen - Kind kommentarlos im Schlafi in die Kita gebracht (Beutel mit Klamotten der Erzieherin in die Hand gedrückt). Nach 10 Minuten hat er sich angezogen!

        Nein zum Toilette gehen - er musste nasse Klamotten selbst ausspülen und sich alleine frische Sachen anziehen. Das fand er doof, weil er es noch nicht so gut konnte. Ich habe jede nasse Hose ignoriert bis es für ihn nicht mehr spannend war, weil er mich damit nicht reizen konnte .

        Anschreien - ich hab mich umgedreht und bin aus dem Zimmer gegangen. Hab ihn einfach stehen lassen. Wenn er hinterher kam, hab ich ihm gesagt, dass ich mich nicht anschreien lasse und ich ihm erst wieder zuhöre, wenn er ruhig mit mir redet. Wenn er dann wieder geschrien hat, habe ich gesummt und bin wieder in ein anderes Zimmer gegangen.

        Ich hab ihm immer wieder gesagt, dass ich ihn ganz doll lieb habe, auch wenn ich schimpfen musste. Manchmal habe ich geschimpft und er hat daraufhin geschrien und getobt. Dann habe ich ihn sich ausbrüllen lassen und mich dazu gesetzt. Als er sich beruhigt hatte, hab ich ihn gefragt, ob es wieder geht und ob ihm das jetzt weitergeholfen hat. Dann habe ich ihn in den Arm genommen, ihn gekuschelt und ihm erklärt, warum ich geschimpft habe. Dann hab ich ihm gesagt, dass ich ihn lieb habe.
        Das hat wirklich gut geholfen und er hat schnell gemerkt, dass schreien nicht hilft und er bei mir gegen eine Wand rennt.

        Mittlerweile ist er sehr umgänglich und wenn der Bock mal durchkommt brauche ich nur zu sagen, dass schreien nicht weiterhilft. Dann beruhigt er sich sofort wieder und redet normal mit mir.

        Halte durch, diese Phase ist normal und treibt alle an ihre Grenzen. Du musst nur einen Weg finden wie ihr da durchkommt.

        Alles Gute,
        sale1981

      • Hallo,

        willkommen in der Trotzphase. Der Spaß geht etwa noch ein Jahr dann ist erstmal Ruhe. Dann kommt mit reichlich fünf Jahren der nächste Schub bis zur Einschulung. Je nachdem wie ihr die Schule bekommt rappelt es in der ersten Klasse nochmal ordentlich weil siedann Höhenflüge bekommen und ein neues Umfeld da ist. Die zweite Klasse ist relativ entspannt, die dritte auch wobei da schon die Vorpubertät los geht. Je nachdem wie Deine Tochter körperlich gebaut ist kann in der vierten Klasse dann die erste Menstruation kommen und spätesten in der fünften Klasse bist Du dann voll im Pubertären Alltag angekommen. Spätestens dann kommt auch der erste Freund und Mutti sollte sich Gedanken machen über noch so ein paar andere Dinge

        Das Lexikon der liebeswerten Schimpfwörter steigt übrigens mit zunehmenden Alter. Die Sachkundelehrerin meines großen Kindes nahm das zum Anlass diese Wörter alle mal im Sachkundeunterricht mit zur Hilfenahme von Wikipedia den Schülern zu erklären. Einige Eltern fanden das nicht so gut - bei anderen wurde um Wiederholung gebeten.

        Für Dich heißt das Zauberwort - liebevolle Konsequenz und manchmal auf Durchzug schalten.

        Du siehst es wird die nächsten Jahre bei Euch nicht langweilig werden.

        VG Geli mit zwei pubertären Wesen und einer Zicke im Vorschulalter #cool

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