Woran liegt es nur....?

    • (1) 07.10.16 - 22:40

      Hallo,

      Wir kommen bei unserem 3 jährigen Sohn nicht so wirklich dahinter, woran sein grobes Verhalten liegt.

      Er war eigentlich noch nie sehr “feinfühlig“ im Umgang mit anderen Kindern. Er hat lange Zeit (und tut das zum Teil auch heute noch) aus dem nichts heraus geschubst, gehauen getreten.
      Beispiel Situation heute:
      Ich hole ihn aus dem kiga, er ist gerade am aufräumen, gemeinsam mit einem anderen Mädchen. Macht er prima alles gut. Dann sagt sie Erzieherin, dass er genug aufgeräumt hat,er darf gehen. Im gehen holt er nochmal Schwung und reißt die kompletten bauwerke der anderen ein und beim tschüss sagen, gungst er noch ein “im weg stehendes Mädchen“ an.
      Auf dem Weg zur umkleide kommt ihm ein Mädchen entgegen, das wird im vorbei gehen gehauen. Auf meine Nachfrage, warum er das getan hat...das Mädchen sei böse meint er. ( Das ist zur Zeit seine Standard Antwort ) ich frage, was das Mädchen ihm getan hat, er sagt es sei gar nicht lieb.....

      So geht das Spiel schon seitdem er 1 Jahr alt ist. Mit 1,5 Jahren wurde das erste mal festgestellt,dass er nicht gut hört, aufgrund polypen etc. Ende vom Lied war er bekam im April 2016 eine zweite op und das erste mal paukenröhrchen. Das verhalten wurde besser. Mittlerweile sind die röhrchen fast draußen, hno sagt aber der hörtest wäre nicht bedenklich und er hört. Die aggressiven Momente nehmen aber wieder zum Teil zu. Im allgemeinen ist er in Umgang mit anderen sehr grob. Ergo therapeutin meint, es wäre alles gut, keine wahrnehmungsstörung. Er hat im Vergleich nut anderen sehr viel Kraft und fühlt sich sehr wohl, wenn er diese auch einsetzen kann. Z.b. wenn er schwere Sachen schieben, tragen usw. Kann. Er macht oft kaputt, was andere gebaut haben....
      Dazu kommt, dass er Auseinandersetzungen meist allein regelt. D.h. wenn er gehauen wird, haut er zurück, nur mit dem Problem, dass es meist doller ist, als der Gegner gehauen hat.
      Auch bei Geschwister Kindern von Freunden, die noch im Säuglings alter sind, kennt er wenig feingefühl. Im einen Moment streichelt er vorsichtig, um eine Sekunde später grob ins Gesicht zu greifen oder zu hauen.

      Wenn solche Situationen passieren, nehmen wir ihn zu uns, sagen deutlich, dass es so nicht geht, dass so etwas weh tut und dass er auch entschuldigen soll, was er fast immer macht.

      Wie können wir ihm zeigen, seine Kraft einzuschätzen und feinfühliger zu sein?

      • Hi,
        Ich habe 2 Fragen:
        Wie alt ist er?
        Wurde er von der Erzieherin oder dir für das Aufräumen gelobt?

        Grüße
        Miriam

        • Er ist im Juli 3 geworden.
          Ja die Erzieherin hat gesagt, prima, das reicht, du darfst jetzt gehen.

          • So jetzt komme ich zu meiner Antwort.
            Vorweg, zu "medizinischen" Ursachen kann ich nichts beitragen.

            Mit 3 ist da noch nicht Hopf und Malz verloren, wenn wir davon ausgehen, dass es für sein Verhalten keine Ursache gibt würde ich dir folgendes Empfehlen:

            1. Machtverhältnisse immer klar zeigen:
            Im Kindergarten gibt es eine Unsicherheit im Machtverhältnis, wer hat das Sagen die Erzieherin oder die Mutter? Das fordert raus. Also würde ich mich mit den Erziehern klar absprechen. Entweder du gibst Bescheid, dass du da bist und wartest auf dem Flur, bis die Erzieherin das Kind nach dem Aufräumen zu dir schickt, oder du gehst mit geschwollener Brust in den Raum und gibst die Ansagen und die Erzieher halten sich zurück. (ich würde zweiteres empfehlen).

            2. Konsequenzen satt Reden
            Schluss mit dem Gerede und der Hoffnung auf Einsicht. Er räumt das Gebaute der Kinder ab, also zeigst du mit dem Finger drauf und bleibst so lange stehen, bis er es wieder in Ordnung gebracht hat. Wenn er weiter geht holst du in wortlos zurück, er baut Mist, also darf er sich auch mal schlecht fühlen. Eine Mama die nicht spricht ist viel unangenehmer als eine die ständig ermahnt.
            Anschließend geht er an deiner Hand raus, damit er keinen weiteren Bockmist bauen kann.

            3. Impulskontrolle fördern: Spiele bei denen er verlieren kann, Straßenverkehr, Fernseher ausmachen, dass sind alles Gelegenheiten wo ein Kind seine Impulskontrolle braucht, hier kann man üben.

            4. Gefühlswelten erklären: In seinem Alter ist es tatsächlich sehr schwer mit den eigenen Gefühlen zurechtzukommen und man versteht auch nicht die der anderen. Also Beispiel er haut ein Kind. Gehe mit ihm zu dem Kind: "Oje tut es arg weh? Hast du dich erschreckt? Das tut mir sehr leid, dass mein Sohn dich gehauen hat, mit dem gehen oft die Gefühle durch, dass lernt der noch, dass man nicht einfach jemand hauen darf. Bitte entschuldige. Mit deinem Sohn besprichst du dann die Wut und was man statt dessen machen kann, z.B. die Situation im Kindergarten: "Wen ein Kind böse zu dir ist, dann ist einfach hauen genauso böse, statt dessen komme zu mir und erzähle mir was es gemacht hat."
            Ich denke, er braucht direkte Vorgaben für das Sozialverhalten, kritisieren führt nicht weiter, genaue Vorgaben was er in welcher Situationen zu tun hat, könnte helfen.

            5. Loben ist kein Allheilmittel
            Ich habe es schon öfters erlebt, dass unsichere Kinder mit Lob gar nicht gut zurecht kommen. Lob baut für diese Kinder Druck auf (Sie haben Angst den neuen Ansprüchen nicht gerecht zu werden) Schüchterne Kinder machen gar nichts mehr, wilde kehren den Raudi raus, nach dem Motto: "damit du es weißt, bei deinem Schmusekurs mache ich nicht mit!"
            Besonders sozial schwierige Kinder versucht "man" gerne durch Lob zu kurieren, das merken die Kinder und fühlen sich "verar....."#sorry.
            Lob in homöopathischen Dosen, für wirklich herausragende Taten einsetzen, ansonsten das Kind die positive Konsequenz spüren lassen, oder sagen und zeigen, dass man die Leistung bemerkt hat, z.B. sich einfach bedanken. In deinem Beispiel hätte ich mir das Lob gespart. Er darf gehen, das reicht.

            Allgemein würde ich dir empfehlen das Kind im Sozialverhalten komplett anzuleiten, und ihn permanent zu begleiten, z.B. bei einem Säugling würde ich sagen, ": "So. da gehen wir jetzt zu zweit hin, damit das diesmal besser abläuft, ich zeige dir was man mit einem so kleinen Baby machen darf und du darfst dass dann auch mal machen. Die Leine deines Kindes darf nur so lang sein, wie du ihm vertraust. Großes Vertrauen - viele Freiheiten, wenig Vertrauen - keine. Das ist hart, weil bei solchen Treffen mit Freundinnen würde man auch mal gerne entspannt quatschen #schmoll. Vor solchen Treffen würde ich auch nochmal genau darauf hinweisen bei welchem Verhalten ihr SOFORT nach Hause geht. Der Zug für 2. Chancen ist abgefahren.

            Grüße
            Miriam

      Guten Morgen, eine wirkliche Antwort habe ich nicht. Habt ihr mal überlegt zum SPZ zu gehen? Ich würde mich bezüglich der Wahrnehmungsstörung nicht auf die Ergotherapeutin verlassen. Lasst ihn von Spezialisten untersuchen. Die können euch dann auch Hilfen zur Seite stellen.

      Wenn eins meiner Kinder im Vorbeigehen ein anderes Kind schlagen würde, dann würde ich ganz sicher nicht freundlich nachfragen, warum.

      Da gäbe es einen Einlauf, der sich gewaschen hat. Warum kann man auch später noch klären.

      Ebenso wäre ich nie gegangen, wenn mein Kind gerade etwas von den anderen Kindern eingerissen hat. Da hätte es sich hingesetzt und das wieder in Ordnung gebracht, das ist ja wohl das mindeste.

      Dein "Wir sagen ihm, dass es so nicht geht" reicht bei Deinem Sohn offenbar nicht.
      Natürlich musst Du herausfinden, warum er das macht, aber das kannst Du bei einem Dreijährigen nicht, indem Du ihn fragst, denn wahrscheinlich weiss er es selbst nicht.

      Du solltest abklären lassen, ob bei ihm alles in Ordnung ist, die Situationen analysieren, in denen er sich so schlimm benimmt und ggf. eine Erziehungsberatung in Anspruch nehmen.

    Das von dir beschriebene Verhalten deines Sohnes wirkt auf mich sehr rücksichtslos und wenig sozial. Dieses grundlose Losgehen auf andere, sogar Säuglinge, finde ich sehr bedenklich.

    Im Alter von einem Jahr hat meine Tochter sich oft ähnlich verhalten und versucht, andere zu schubsen, zu hauen oder zu beißen. Das ist für Kinder in diesem Alter meiner Meinung nach normal, sollte mit 3 Jahren in dieser massiven Form aber natürlich nicht mehr auftreten. Um zu klären, weshalb er sich bis heute so verhält, wie ein "rüpeliger" Einjähriger oder Zweijähriger, würde ich dir auch raten, eine Erziehungsberatungsstelle aufzusuchen und dort Hilfe zu holen.

    • Ich habe gedacht, daher, dass er ja bis er 2,5 war vermutlich nie 100% richtig gehört hat, wahrscheinlich somit auch nie gelernt hat, sich anders auszudrücken....aber ich weiß nicht, ob das eine Option ist.

      Es gibt auch Tage,da kann er wunderbar mit anderen spielen und geht sogar jeder Auseinandersetzung aus dem Weg, schimpft wenn er von jemandem gehauen wurde und geht woanders spielen. Und dann gibt es eben die beschriebenen Tage....

      • Wenn du mehr weißt, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen. In der Kita meiner Kinder ist so ein Kind, wie deines und es gab schon mehrfach Elterngespräche, die nix bringen. Er schlägt, schubst, zerstört weiterhin. Als ich die Eltern kennenlernte, war mir allerdings klar, warum der Junge so ist.

        Das sind so ne richtigen wischiwaschi Luschen Eltern, die den Jungen beim abholen nur noch auf dem Arm tragen und jedem seiner BEFEHLE folgen.

        Geh mal in dich. Wie seid ihr zu eurem Kind? Gibt's regeln und Konsequenzen oder macht er was er will und es gibt nur ein dududu?

        Es gibt Kinder, die ihr Leben lang nicht richtig hören können und trotzdem nicht auf andere losgehen. Das ist doch keine Ausrede für schlechtes Verhalten!

Hallo! Das Verhalten kenne ich so ähnlich von meiner Tochter.

Bei ihr hat es ungefähr angefangen, als ihr Bruder geboren wurde. Sie hat gebissen, geschubst, gehauen. Ich muss dazu sagen, sie HAT eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung. Das heißt, sie hört gut, aber es kommt nicht richtig oder nicht sofort im Gehirn an. Um das endgültig festzustellen (darauf gebracht hat uns ihre Erzieherin), waren wir im SPZ. Parallel war ich mit ihr bei der Psychologischen Beratungsstelle. Dort sind wir dann darauf gekommen, dass sie die "Gewalt" nicht bösartig einsetzt, sondern zur Kontaktaufnahme. Das vermutest du ja auch schon.

Sie erhielt daraufhin Logopädie und Ergotherapie. Es ist schon besser geworden, aber ganz feinmotorisch wird sie wohl nie mit anderen umgehen, Das merke ich, wenn sie andere kitzelt oder so. Sie kam außerdem schon immer mit Erwachsenen besser klar als mit Kindern. Ich kann nur auch raten, lass nicht zu viel Zeit verstreichen. Geh zum SPZ, da wird er komplett durchgetestet. Wenn die dann auch sagen wie die Ergotherapeutin, dass es keine Wahrnehmungsstörung ist, dann weißt du das.

Oh Gott, so einen Roman wollte ich nicht schreiben.

Wenn du näheres wissen willst, ich helfe gern weiter.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende krassmichi

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