Kindergartenalter

    • (1) 18.03.17 - 10:49

      6jährige entwickelt Ticks

      Unsere Tochter macht uns im Moment Sorgen.
      Sie hat in den letzten Wochen auffällige Ticks entwickelt.
      Im Herbst gab es mal eine Phase, wo sie sich offenbar den Po immer so gründlich abgeputzt hat, dass er wund wurde. Sie rief dann von der Toilette, sie hätte Blut auf dem Klopapier. Es war ein Trophen helles Blut. Ich selber konnte aber keine Wunde erkennen. Sie hatte auch keinen veränderten Stuhl(gang) und keine Schmerzen, höchstens beim Apputzen. Ich bin dann mit ihr zum Kinderarzt gegangen, der sie auch auf Würmer untersucht hat (Stuhlprobe eingeschickt, etc.). War aber alles negativ. Vielleicht wäre es eine Fissur (Risschen im After). Wenn es nicht wegginge, sollte ich noch mal wiederkommen.

      Ich habe ihr dann in den Herbstferien konsequent selbst den Po abgewischt und es gab kein Blut mehr. Danach verschwand das Problem. Natürlich steht ihr immer auch Feuchtpapier zur Verfügung.

      Ungefähr zur gleichen Zeit fing sie mit Nägelkauen an. Richtig aufflällig - rissige Fingerspitzen, etc. - wurde es aber erst im Februar.

      Jetzt im März hatte sie wieder Blut auf dem Klopapier. Außerdem hatte sie Angst, dass der Popo einfach nicht sauber würde. Aha. Sie wurde richtig hysterisch und bestand darauf, dass wir nachputzten, was wir natürlich taten. Sie traute uns aber offenbar nicht und wollte dann noch mal kontrollieren. Alles gute Zureden und erklären, dass man nicht zu "tief" rein gehen darf, dass ein paar Bremsspuren gar nicht schlimm seien, dafür sei die Unterhose ja da,...), half zunächst wenig. Inzwischen ist das aber auch so ziemlich überwunden, jedenfalls so lange wir noch nachputzen.

      Allerding folgte darauf oder fast gleichzeitig die noch immer anhaltende Phase, dass sie das Gefühl hat, nicht von der Toilette runter zu kommen. Sie macht ihr Geschäft, es bleibt aber das Gefühl, es käme nicht alles heraus, und so hat sie tatsächlich mal über eine Stunde auf der Toilette verbracht. Sie wollte auch nicht mehr in den Kindergarten wegen der Angst - oder Beschämung? - dass sie dort alles verpasse, da sie immer auf Klo sei. Neuerdings möchte sie auch nicht mehr längere Spaziergänge machen. Allerdings wollten wir auch immer los als sie gerade in einem Spiel vertieft war. Sie drehte dann aber immer richtig auf.

      Ich habe sie dann letzten Sonntag von der Toilette runtergezwungen - natürlich mit vorherigem gutem Zureden und dem Versprechen, dass sie dann ja in 10 Minuten noch mal gehen könne, wenn das Gefühl nicht aufhöre. Sie ist dann auch weinend runter, und siehe da, der Stuhldrang verschwand und sie brauchte nicht mehr zur Toilette.
      Ich war natürlich wieder beim Arzt, der körperliche Ursachen für unwahrscheinlich hielt und mir den Kontakt zu einer Kinderpsychologin vermittelte. Ich hatte aber breits einen Termin bei einem Caritasberater für morgen ausgemacht, dessen Profil bei uns im Kiga an der Pinwand hängt.

      Denn diese Ticks sind wahrscheinlich der Ausdruck von Ängsten. Sie hat ja auch Probleme, abends alleine einzuschlafen und schläft oft in meinem Bett ein.

      Wenn ich ihre Schwester vom Kindergarten abhole und sie wegen Schulkindunterricht länger bleiben muss, weigert sie sich dort zu bleiben. Eigentlich geht sie gerne in den Kindergarten und ist dort als auch zuhause sehr fröhlich.
      Die einzigen zwei "bedrohlichen" Veränderung in ihrem Leben ist der Schulanfang im Sommer, auf den sie sich nicht freut, und dass sie im März einen Schwimmkurz angefangen hat, den wir nach vier Malen aber abgebrochen haben, weil sie zu große Angst hatte.

      Im Moment arbeiten wir mit einem Belohnungssystem. Wenn sie nach ihrem Stuhlgang nicht auf der Toilette verharrt, sondern runter kommt, bekommt sie einen Strich. Nach 5 Strichen darf sie an einem Tag länger, bzw. 2 x fernsehen. Sie darf eigentlich eine halbe Stunde pro Tag gucken.

      Außerdem darf sie sich ein Geschenk aussuchen, wenn sie mit dem Nägelkauen aufhört und ihre Nägel sichtbar wachsen. Das klappt ebenfalls sehr gut.

      Danke für eure Aufmerksamkeit.
      Kennt ihr das auch und wie seid ihr damit umgegangen. Sollte ich beim Gastrologen doch noch mal körperliche Ursachen abklären lassen, auch wenn der Kinderarzt das nicht für nötig hält?

      Gruß
      Allessoneu

      • Huhu....

        Meine Maus ist jünger und daher ist es schwer einzuschätzen was in dem Alter normal ist.

        Ich würde allerdings tatsächlich Hilfe in Anspruch nehmen um die Ursache zu ergründen.

        Belohnungssystem finde ich auf den ersten Blick eher unpassend.

        Menschen mit Ticks kämpfen tagtäglich dagegen an. Es ist unheimlich anstrengend, denn man will ja von der Toilette runter aber es geht einfach nicht. Das ist psychisch sehr belastend.

        Wenn du deiner Tochter nun auch noch Druck mit einem Belohnungssystem machst, kann es schlimmer werden.

        Sie sitzt da ja nicht freiwillig und versucht aufzustehen. Jetzt will sie es noch viel mehr, weil sie ja was schönes bekommt. Das erhöht nur den Druck aber hilft ihr nicht ihren Tick zu überwinden.

        Bekommt sie keine Belohnung ist das nur noch einschüchternder und im schlimmsten Fall empfindet sie Versagen, was wiederum noch mehr mehr Druck aufbaut.

        Aus meiner Sicht müsst ihr die Ursache ergründen um ihr helfen zu können.

        Ich wünsche euch viel Glück.

        • Meine Große hat letztes Jahr im März angefangen zu klammern. Sie war vorher total aufgeschlossen, fröhlich, ausgeglichen und jederzeit bereit eine Freundin zu besuchen. Dann innerhalb von ca. 2 Wochen eine 180 Grad Wendung. Klammern, heulen, nicht mehr in den Kindergarten wollen, keine Freundin mehr besucht und wenn ich sie gezwungen habe nur geheule. Belohnungssystem hat nur sehr bedingt funktioniert.

          Sie hatte auch panische Angst vor der Schule, hat sie auch so gesagt. Die ganzen Probetermine in der Schule mit Schulspiel, etc. hat sie zwar ganz tapfer mitgemacht, aber danach war es jedesmal noch nen Tick schlimmer.

          Ich war dann mit ihr bei einer Heilpraktikerin die sich auf Kinder und Ängste sehr gut versteht, und die hat dann empfohlen die Lebensmittel-Typen/Gruppen durchzugehen und evtl. Unverträglichkeiten auszuleiten. Des Weiteren wurde bei ihr dann noch osteopatisch mehrere Blockaden und Spannungen gelöst.

          Das ganze hat jetzt locker 7 Monate gedauert und mich locker 700€ gekostet. Aber, ich hab mein "altes" Kind wieder. Sie geht gern in die Schule. Klar war sie die erste Woche in der Schule nervös und unsicher, aber ohne heulen und Bauchschmerzen. Ich war am Anfang sehr skeptisch was Heilpraktiker angeht und habs aus Verzweiflung gemacht. Für uns hat sich das gelohnt. Vielleicht wäre das für euch eine Möglichkeit.

          Lg


      Hallo Allessoneu,

      also ICH persönlich würde in diesen Momenten erstmal den Fokus komplett vom Kind und seinen Tics nehmen!

      Nicht beachten, in Ruhe sitzen lassen, keine Arzt- und Psychologenbesuche und gar kein Gewese und viele Worte darum machen.
      Po abwischen natürlich schon, wenn sie es anfordert, aber ohne Kommentare.
      Gleichzeitig mögliche Streßfaktoren, so weit es geht, ausschalten.

      Und so einige Wochen entspannt abwarten.

      Wenn sie ein ansonsten fröhliches und entspanntes Mädchen ist, gibt sich das sicher von selbst wieder.

      Bezüglich der Sorge vor der Schule würde ich mit ihr vielleicht mal Stellung vor einer Grundschule beziehen, damit sie sehen kann, dass Schulkinder fröhlich in die Schule gehen und auch fröhlich wieder herauskommen. Vielleicht lässt sie das etwas gelassener ihrer Schulzeit entgegen sehen? Oder weißt du, wovor genau sie bzgl. "Schule" Ängste hat?

      LG vom ferkel

      Ah, ... und Schwimmkurs natürlich sein lassen, wenn sie das nicht kann/ möchte.
      Das bringt gar nichts gegen den Willen des Kindes. Und macht allen nur unnötigen Streß.

      Mein großer Sohn war auch jahrelang super ängstlich und klettig, nie konnte man ihn irgendwo lassen. Nicht beim Sport, nicht in der Musikschule, nicht beim Kindergeburtstag, nirgends!

      Er hatte (und hat noch heute bei viel Streß) auch kleine, vorübergehende "Tics". Ich auch. ;-)

      LG ferkel

    • Hi,
      also meine Tochter, 4, fing auch ganz plötzlich mit Nägelknabbern an.
      Hab mir auch Sorgen gemacht, dass es ein Anzeichen für etwas Psychisches sein könnte.
      Sonst war aber nichts zu beobachten.
      Die Erzieherinnen glauben, dass sie damit Stress abbaut. Dass es erst ne Angewohnheit war und irgendwann merkte sie, dass es sie entspannt.
      Ich hab schon alles versucht mit Belohnungssystem etc, funktioniert überhaupt nicht.
      Damit will ich sagen, dass ihr was das angeht ja schon einen Schritt weiter seid, das zieht bei uns gar nicht.

      Mit dem Clo kann ich Dir keine Erfahrungen sagen, ich als Mama würde da wahrscheinlich auch weiter nachforschen.

      Aber ich denke nicht, dass es etwas schlimmes sein muss.
      Ich weiß dass der Sohn einer Freundin nicht damit klar kam, dass der Vater immer wochenlang auf Montage war.
      Das führte dazu, dass er keinen Stuhl mehr lassen wollte, wenn der Papa nicht da war.
      Er krampfte sich mit Bauchschmerzen auf dem Boden herum, aber weigerte sich, auf die Toilette zu gehen.
      Ich habe also den Gedanken, dass Kinder vielleicht öfter in dieser Verknüpfung etwas verarbeiten?
      Zum Facharzt würde ich auf jeden Fall nochmal gehen. Seid ihr denn sicher, dass das Blut wirklich vom zu heftigen Abputzen kam?

      Oder ist sie vielleicht mal in der Kita gehänselt worden weil sie in die Hose gemacht hatte oder nicht gut abgeputzt war?

      Was kam denn bei der Caritasberatung raus?
      Ein Kinderpsychologe kann bestimmt auch hilfreich sein, und wenn aus dem Grund, dass er Entwarnung geben kann, dass es kein typisches Anzeichen für psychische Störung ist.

      Halt uns mal auf dem Laufenden ja?

      Liebe Grüße
      Josi

      Fing das alles vielleicht mit der Geburt des 2. Kindes an?

    Danke für eure Antworten.
    Ich war bei dem Beratungsgespräch bei der Catitas und der Sozialpädagoge meinte, - kurz gesagt - , dass man nur eine Baustelle zu einer Zeit angehen solle, immer locker bleiben müsse, und dem Kind nicht zu viel abnehmen darf, und auch nicht zu sehr auf die Ticks eingehen sollte. Wenn man sich verunsichern ließe und dem Kind zu viel helfe, signalisierte man dem Kind, dass es das nicht von allein schaffen könne, weil die Welt wirklich zu schwierig und bedrohlich sei. Er riet, dass ich erstmal die Sache mit der Belohnung für das Nägelkauen fortführen solle. Das hatte ja eh schon Wirkung gezeigt. Und im Moment kaut sie wirklich nicht mehr.

    Das Toilettenverharrungsproblem hatte sich auch schon kurz vor dem Termin erledigt, sonst wären wir das jetzt angegangen. Ich hatte meiner Tochter halt weiter gut zugeredet, nach erledigtem Geschäft runter zu kommen und einfach zu schauen, wie es sich nach ein Paar Schritten anfühlt. Wenn sie das tat, bekam sie einen Strich. Nach fünf Strichen durfte sie an einem Tag 2x fernsehen. Hat geklappt. Der Drang ist weg. Der Caritasberater hätte sich wohl eine andere Belohnung ausgedacht: gemeinsame Unternehmung, z.B..
    Der Hygiene-Tick ist im Moment auch erstmal weg. Sie möchte aber noch, dass wir nachputzen, was wir auch tun. Laut Berater sollen wir mit ihr darüber im Gespräch bleiben und signalisieren, dass wir das nicht mehr lange machen werden. Immer die Verantwortung zum Kind geben. "Was meinst du, wie du es schaffen kannst, dir wieder alleine den Po abzuputzen? Ich würde ja viel lieber was anderes mit die gemeinsam machen als dir den den Po abzuputzen." Belohnungen ruhig als Unterstützung einsetzen, und das auch so
    formulieren. Ich möchte dir helfen, ich weiß aber, dass du das auch alleine schaffst.

    Der Berater meint, solche Ticks würden uns vielleicht noch häufiger beschäftigen. Er lobte, dass ich so früh gekommen sei, und glaubte eigentlich, dass wir das gut hinbekommen werden: So locker wie Sie hier jetzt sitzen, schaffen sie das ganz bestimmt. Locker war ich aber nur, weil die Ticks da ja schon am abklingen waren. Wir sollten uns dennoch bei einer kompetenten hiesigen Kinderpsychologin auf die Warteliste setzen lassen, damit wir, falls wir ihre Hilfe in zwei Monaten gebräuchten, sofort einen Termin bekämen. Das sollten wir ihr auch so sagen, und uns dann ggf. von der Liste wieder streichen lassen.
    Ich könnte natürlich auch wieder zu ihm kommen, aber dann bitte mit meinem Mann zusammen.

    Ich hoffe, dass das nur eine Phase war, die nicht - und auch nicht anders - wiederkommt. Nun, wir werden es sehen.

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