Kraft einschätzen lernen - aber wie?

    • (1) 20.04.17 - 09:16

      Hallo,

      Ich brauche mal wieder euren Rat.
      Unser Sohn wird im Juli 4 Jahre alt und ist ein aufgewecktes, wildes kerlchen.

      Bis vor Ca. Einem Jahr bestand sein verhalten meist aus kratzen,beißen,schubsen, was sich mit der 2. Polypen op, dem setzen von paukenröhrchen und der tollen Zusammenarbeit mit seinen beiden Erzieherinnen sehr sehr positiv verändert hat. Er schubst auch immer mal, aber welches Kind macht das nicht...
      So aber ein Problem besteht nach wie vor...er hat irgendwie ein Problem mit körperlicher Nähe. Ich versuche es mal zu beschreiben.
      Er war noch nie sehr verschmust, umso mehr freuen wir uns, dass er mittlerweile ab und zu mal angekuschelt kommt.
      Er kempelt für sein Leben gern. Mit uns Drache und Ritter zu spielen ist für ihn das Größte. Das macht er auch mit anderen Kindern gern...grade beim fußballspielen schmeißen sich die Kids ja auch mal gegenseitig hin. Er schmeißt sich dann liebend gern mit drauf, kennt aber die Grenze nicht. Das heißt wenn der andere Nein oder aufhören sagt, hört er nicht auf. Außerdem kommt es oft zum rangeln, wenn die Kinder auf engem Raum sind und kein “persönlicher Abstand“ besteht. Dazu kommt, dass er sehr viel Kraft hat und den meisten gleichaltrigen kraftmäßig überlegen ist, die können sich quasi nicht “wehren“ .
      Mittlerweile ist er zu kleinen Kindern viel behutsamer und “erdrückt“ sie nicht halb sondern gibt sich mühe sanft zu sein.
      Meist kann er aber auch ein “Nein“ von anderen Kindern nicht akzeptieren.
      Z.b. waren wir im Urlaub und auf der wippe waren zwei ältere Jungen, die hatten einfach keine Lust auf den knirps und haben ihm das deutlich gesagt. Er hat das aber nicht akzeptieren wollen und wollte mit ihnen zusammen wippen und versuchte immer wieder auf die wippe zu kommen.
      Er akzeptiert die Entscheidung der anderen nicht, wenn sie seiner Meinung nicht entspricht...

      Wir wissen aber leider auch nicht mehr, wie wir ihm das erklären sollen. Alles reden und aus der Situation nehmen bringt nix. Wir hören beim kempeln sofort auf, wenn er Nein oder aufhören sagt und weisen ihn darauf hin, dass wir seine Entscheidung sofort berücksichtigt haben.
      Ich wollte ihn gern im Karate oder schwimmen anmelden, aber dafür ist er noch zu jung. Die Turngruppe ist leider voll.
      Die ergotherapeutin im kiga hat ihn sich schon angeschaut, sie hat aber keine Wahrnehmungstörung feststellen können (nur dass er linkshänder wird :-) )

      Vielleicht habt ihr noch einen Tipp?

      • Ich denke, das ist ein Prozess, der Zeit braucht. Aeltere Cousins oder Nachbarskinder haben oft einen ganz guten erzieherischen Einfluss, wenn es darum geht, dass die kleinen Wilden kein "Nein" akzeptieren. Die werden auch schonmal recht deutlich. Die aelteren Jungs auf der Wippe haette ihn sicher irgendwann sehr vehement verscheucht...

        Mein Sohn ist aufgrund seines Geburtstages der Aelteste in seiner Vorschulklasse und noch dazu recht gross fuer sein Alter. Zum Glueck spielt er oft mit etwas aelteren Jungs aus der Nachbarschaft und hat einen deutlich aelteren Cousin. Da wird er dann schon hin und wieder ein bisschen in seine Schranken verwiesen, was ihm gut bekommt.

        Ansonsten, selbst einschreiten, ihn aus Der Situation nehmen und ihm direkt sagen "XY hat nein gesagt. Also lass ihn!" Das ist anstrengend, aber wenn keine Wahrnehmungstoerung oder ein anderes tiefer liegendes Problem vorliegt, wird es irgendwann wirken.

        Beim Toben zu Hause auch selbst mal deutlich "Stop!" sagen und dann darauf bestehen, dass er wirklich aufhoert.

        Karate oder ein anderer Kampfsort waere sicher eine super Idee. Schade, dass es da kein Angebot fuer Kinder seines Alters gibt.

        Hallo #blume

        Judo. Das wird oft ab 4 angeboten.

        #liebdrueck
        Sanne #sonne

        Ich vermute, dass er nicht ausreichend Gegenwind bekommt, wenn er die Grenzen anderer nicht respektiert.

        Beispiel:
        "Z.b. waren wir im Urlaub und auf der wippe waren zwei ältere Jungen, die hatten einfach keine Lust auf den knirps und haben ihm das deutlich gesagt. Er hat das aber nicht akzeptieren wollen und wollte mit ihnen zusammen wippen und versuchte immer wieder auf die wippe zu kommen."

        Wo warst Du da? Warum hast Du nicht eingegriffen?

        Wenn meine Kinder andere nerven, dann würde ich nach dem ersten Versuch, das "Nein" zu ignorieren da stehen und dafür sorgen, dass sie es einhalten. Ganz sicher würde ich nicht zulassen, dass das Kind weiternervt.

        Ja, es ist gut und richtig, wenn man mit Kindern redet (allerdings in dem Alter nicht viel, sondern möglichst klar) und erklärt. Aber es gibt auch Zeiten, in denen man als Mutter besser handelt als zu reden. Ein ewiges Blabla geht irgendwann links rein und rechts raus, und die Kinder können nicht unterscheiden, was wirklich ein absolutes NOGO ist (wie ein Nein nicht zu respektieren) oder was nur gerade im Moment mal nein ist.

        Die Erziehungsaufgabe liegt bei Dir und kann auch im Verein nicht gelöst werden. Auch wenn das sicher als Unterstützung nicht schlecht ist. Aber wenn die Erzieher schon nicht dagegen ankommen, wie soll das mit 2 Stunden Training in der Woche funktionieren?

      • (5) 20.04.17 - 17:34

        Schubsen finde ich nicht zwingend "normal". Keins meiner Kinder hat jemals geschubst, auch nicht als Kleinkind. Im Gegenteil, von solchen Kindern haben meine Abstand gehalten.

        Ich weiß nicht ob man da viel tun kann. Meine beste Freundin hat ihrem Sohn immer und immer wieder gesagt, dass das andere Kinder nicht mögen, und ihn aus der Situation genommen. Auch noch mit 5, sofern sie dabei war. Es wurde weniger, aber ein Rowdy ist er noch immer (9). Nur langsam versteht er, warum so wenig mit ihm spielen wollen, kaum einer ihn mehr auf Geburtstag einläd und keiner ihn Schullandheim auf ein Zimmer mit ihm wollte. Diese körperliche Nähe stört eben.

        Meine Tochter hat einen super gute Draht zu ihm und sagt ihm das, wenn es sie stört. Sie sind gut befreundet. Warum auch immer scheint es da Klick zu machen - bei meinem Sohn noch immer nicht...

        Reden reden und aus den Situationen nehmen.

        • (6) 20.04.17 - 18:21

          Was ich damit sagen will: DU bist dran und musst was machen. Kein Judo und Co können da helfen. Das hilft wenn du Pech hast nur noch darin, dass dein Sohn meint er müsse weiter rangeln. Bevor ich mir so eine Sportart für ihn suchen würde, sollte er das Problem im Griff haben. Vor allem wenn er jetzt schon anderen körperlich überlegen ist!

          Du musst eingreifen, wenn du bei solchen Situationen wie bei denen die du geschildert hast dabei bist.

      Hallo,

      das Thema Kraftdosierung hat sehr viel mit Eigenwahrnehmung zu tun, aber auch mit Körperspannung.

      Grenzen zu erkennen und anzuerkennen ist ebenso vielschichtig wie das obige. Ich kann nur dann die Grenze eines anderen wahrnehmen und respektieren, wenn ich meine Grenze kenne und anerkenne. Wo ist mein Körper im Raum? Wie spüre ich mich? Habe ich Wurzeln geschlagen? usw.

      Das andere ist ein erleben in meiner therapeutischen Tätigkeit, das gesellschaftlich immer mehr Grenzen verschwinden und diese wiederum zu Schwierigkeiten im menschlichen Zusammenlebens führen.

      Judo ist ein toller Sport, mit Judo spielerisch lernen hat der deutsche Judobund auch ein tolles Konzept für die Kleinen entwickelt, jedoch geht er von Kindern aus die ihre Grenzen kennen und die der anderen anerkennen. Sonst wird das ganze schnell zu einer Qual für alle. Wenn du an Kampfsport interessiert bist, würde ich nach einer Krav Maga Gruppe für Kinder schauen. Hier wird das "Nein" immer wieder verbalisiert, aber nur bei einem Angriff.

      Ich würde an deiner Stelle, nach einer Psychomotorik Gruppe schauen, meine Erziehung überdenken (schadet nie) mit oder ohne Hilfe und eine externe Ergotherapeutin hinzuziehen.

      Lektüre:

      Jean Ayres "Bausteine der kindlichen Entwicklung"

      Roswitha v. Derfersdorf "Deutlich reden wirksam Handeln"

      Jan-Uwe Rogge "Kinder dürfen aggressiv sein"

      LG Reina

      hallo. Ich weiss leider auch keinen Rat. Wollte dir nur sagen, dass es bei uns ebenso ist.

      Sehe es aber nicht so, wie andere meiner Vorrednerinnen. Ich glaube, dass es einfach ein Lernprozess ist. Und das es sehr wenig mit erziehung zu tun hat. Es ist charaktersache. Es gibt halt Kinder, die sehr gerne ihren Kopf durchsetzen - immer und überall. Und es gibt Kinder, wie unser Grosser, die auch ein nein akzeptieren können. Ich denke, ihr macht das mit dem erklären schon richtig.

      Bei uns hilft einfach immer konsequent sein. Er lässt die Jungs nicht in Ruhe wippen - dann darf er garnicht wippen.

      Nur als Beispiel.

      Nun wünsche ich euch noch viel Kraft und Durchsetzungsvermögen

      Vlg der mausezahn

      Ich antworte mal kompakt :-)
      Dankeschön für eure Meinungen und Tipps.

      Also vorweg, die Sportvereine sollten einfach bisschen Ausgleich bringen, dass er mal neue Kinder und neue Charaktere kennen lernt. Es war nicht der Gedanke dass sie unser Wundermittel sind :-)

      Er bekommt deine Grenzen deutlich gesetzt und wir schreiten sehr häufig ein - manchmal kann man denken wir sind die rabeneltern, weil unser Kind Grenzen bekommt und anderen “Fehlverhalten“ durchgelassen wird. Geht uns in dem Moment aber nix an.

      Vielleicht habt ihr Recht und es ist eine Entwicklungssache.

      Und ja, ich bin der Meinung, dass schubsen auch mal dazu gehört und nicht unnormal bei Kindern ist ;-)

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