Schüchternheit Junge 5 Jahre

    • (1) 04.05.17 - 17:00

      Hallo zusammen,

      ich brauche euren Rat, bzw. eure Erfahrungen.

      Mein Sohn ist sehr schüchtern. Uns ist das erst garnicht bewusst gewesen, da es sich dadurch geäußert hatte, dass er andere Kinder geärgert hat. Z.B. auf dem Spielplatz beobachtet er Kinder und fängt dann irgendwann an, sie zu provozieren. Meist ist es nur verbal "ich kann das besser, das ist hässlich, ...", es kommt aber auch vor, dass er das, was sie gerade bauen, kaputt macht und was echt übel war, er hat einmal mit Steinen in Richtung einer Gruppe Kinder geworfen ???? (nicht um sie zu treffen, aber ungefährlich war das auch nicht!).

      Er ist inzwischen 5 und ich frage mich, wie wir ihm weiterhelfen können und ab wann man erwarten kann, dass ein Kind ohne Hilfe der Eltern Kontakt zu anderen aufnimmt.

      Zur Zeit ist es so, dass wir ihn erst einmal machen lassen und beobachten und dann, wenn es in die falsche Richtung läuft, vermitteln, bzw. Hilfestellen geben. Wenn er ein Kind ärgert, sprechen wir ihn an, ob er gerne mit dem Kind spielen würde und sagen ihm, dass er durch Ärgen sicher nicht sein Ziel erreicht. Wir schlagen ihm dann vor, z.B., sich bei dem Kind zu entschuldigen, ihm eine seiner Schaufeln anzubieten und zu fragen, ob sie gemeinsam einen Tunnel buddeln wollen.

      Das läuft auch dann ganz gu und das Spielen läuft harmonisch und die Schüchternheit ist wie weggeblasen. Es ist immer nur die erste Kontaktaufnahme. Ich dachte, nachdem er jetzt schon sehr oft erlebt hat, dass man durch freundliche Kontaktaufnahme mehr erreicht oder dass man, wenn man seine Angst überwindet, alles gut wird, er sein Verhalten ändern kann. Wir sprechen dann auch später mit ihm darüber: "Ihr habt so toll gespielt, siehst du, der Junge wollte auch mit dir spielen. Zum Glück hast du ihn nett gefragt!"

      Oft gibt es auch Probleme in anderen Situationen, selbst bei Kindern und Gruppen, die er kennt, wenn er zu einer bestehenden Gruppe dazukommt: Im Kindergarten ist die Bringsituation eine Katastrophe, er heult jeden Tag! Im Kinderturnen möchte er nur beim freien Turnen mitmachen, bei der Begrüßung und den Aufwärmspielen soll ich mitmachen, (er krallt sich sogar an seine kleine Schwester) wenn nicht, heult er ... Kinder sollen nur zu uns nach Hause kommen, woandershin traut er sich nicht ... die Liste ist lang ...

      Wie können wir ihm helfen?

      Danke für eure Hilfe! #blume

      • ... vielleicht habt ihr auch Büchertipps, für mich und auch was für ihn zum Vorlesen.
        #danke

        Die Situation auf dem Spielplatz würde ich nicht schüchtern nennen. Mag sein, dass er so Kontakt zu anderen aufnehmen möchte, aber schüchtern ist das sicher nicht.

        Mein Sohn (5, wird im Juli 6) war immer sehr schüchtern, das legt sich Stück für Stück, der kriegt eher den Mund nicht auf. Meine Kinder (alle eher schüchtern und zurückhaltend) würden auf einem Spielplatz von "so einem" Kind Abstand nehmen - und ich als Mutter, wenn ich das mitbekäme, würde auch gucken, dass meine Kinder nicht mit ihm spielen, auch wenn du die Situation löst. Wenn Mama ihn immer rettet, dann wird er doch nie merken, dass er damit keine Freunde macht!

        Meinen beiden Großen, vor allem meinem Sohn, hat ein Sportverein sehr geholfen. Bis dahin war es ein laaanger Weg. Ohne Mama lief nichts. Und man kann ja nicht immer daneben sitzen und Händchen halten - schon gar nicht wenn man noch Geschwister hat. Dann hat er seinen Sport für sich entdeckt (zu meinem Leid) - Fußball. Anfangs musste zwar einer von uns am Rand stehen, aber das geht bei dem
        Sport ja. Und mittlerweile hat er schon mehr Selbstbewusstsein bekommen. Geht zu Geburtstagen von Jungs aus anderen KigaGruppen usw. Das war vor einem Jahr noch undenkbar! Die Jungs sind ein Team, finden ihn toll, haben ihn aufgenommen. Das hat ihn wachsen lassen.
        Er ging von jetzt auf gleich zu Kindern zu Besuch, zu Geburtstagen, möchte neuen Sport ausprobieren. Wie ausgewechselt. Bis dahin war es ein langer Weg. Wir haben echt viel ausprobiert.

        Solche Situationen im Kindergarten haben die Erzieherinnen (die eine ist echt super toll) gar nicht entstehen lassen. Da würde ich auch nochmal das Gespräch suchen. Ich finde es schon nicht richtig, dass du da bleiben kannst.

        • Danke für deine Antwort. Das mit dem Sportverein ist ein Problem, wie du ja in meinem Post gelesen hast, ist er beim Turnen und klammert sich da anfangs immer an mich.

          Ich finde es anmaßend zu behaupten, dass mein Kind nicht schüchtern ist. Schüchternheit kann sich durchaus dadurch äußern, dass ein Kind provoziert. Das kennt man ja sogar von Erwachsenen, dass sie ihre Unsicherheit dadurch überspielen und lieber gleich anecken als es auf die nette, verletzliche Art zu versuchen und dann abgewiesen zu werden.

          Zum Glück waren andere Eltern bisher toleranter und haben "so ein Kind" mit ihren Kindern spielen lassen, denn bis auf das Problem mit der Kontaktaufnahme ist mein Sohn ein sehr liebes Kerlchen!

          Ja, die Kita ist da etwas schwierig, wir hatten schon mehrere Gespräche deshalb und werden demnächst eine Erziehungsberaterin des Trägers dazuholen, die die Situation beobachten wird. Wo liest du, dass ich dableiben darf? Ich bringe mein Kind zur Gruppe, da verabschiede ich mich, er wird von den Erziehern entgegengenommen und darf dann am Fenster winken. Das alles geschieht unter große, Geheule.

        • "Wenn Mama ihn immer rettet, dann wird er doch nie merken, dass er damit keine Freunde macht!"

          Da gebe ich dir recht, ich mische mich in anderen Konfliktsituationen auch nicht ein und lasse die Kinder Probleme selbst lösen. Aber bei diesem Thema habe ich das Gefühl, ihm zeigen zu müssen, wie es besser funktioniert, nicht, dass ich ihn retten muss. Scheinbar braucht er da Hilfestellung ... Ich hoffe ja, dass er das irgendwann verinnerlicht, wenn er sieht, so habe ich Erfolg, auf die andere Art nicht!

          Bei der Steinwurf-Situation habe ich auch nicht vermittelt sondern bin mit ihm sofort nach Hause gegangen, weil ich so ein Verhalten nicht toleriere.

          Das ist ja das was ich meine, es war ein langer Weg! Den Turnverein hatten wir auch. Und er hat geweint und Theater gemacht, obwohl es ihm gefallen hat - wenn er denn mitgemacht hat. Mitmachen ging nur mit Schwester. Die durfte irgendwann aber nicht mehr (Schulkind), da war er 4, und da hat er zugemacht. Also musste er auch nicht. Obwohl er sich selber im Weg stand - schließlich hat es ihm ja Spaß gemacht! Wir haben einiges ausprobiert, wo er zu hause meinte, er hätte Lust drauf schwimmen, Judo, ... was weiß ich nicht alles. Geblieben mit Feuereifer ist er tatsächlich schlußendlich beim Fußball - und blüht da auf.

          Letztlich sind mein Mann und ich auch schüchtern. Wir erkennen und als Kind oft wieder. Ich seid der Kinder nicht mehr ganz so, mein Mann seid seinem Job nicht mehr. Also fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. ;-)

          Na ja, wie gesagt, mag sein, dass er so Kontakt aufnimmt. Ich würde meine Kinder aus so einer Situation trotzdem rausnehmen. Das brauchen meine Kinder sich nicht "geben". Aber wie gesagt, so schüchtern sie auch sind, sie würden selber gehen. Meine Kinder müssen ja nicht die "Opfer" eines Kindes werden, dass so reagiert. Wenn es mein Kind wäre würde ich es eben auflaufen lassen, damit er sieht das er mit solchen Aktionen nicht weit kommt und genau das Gegenteil von dem erreicht von dem, was er will!

          Es hörte sich so an, als würdest du noch beim Begrüßungslied mit im Morgenkreis sitzen, dann habe ich das Mißverstanden.

          Ich vermute mal, dass er noch ein Jahr zur Schule hat? Oder geht er wie meiner dieses Jahr?
          Wenn er noch das eine Jahr hat, dann mach dir nicht all zu viele Sorgen. Ich kann dir mittlerweile aus Erfahrung sagen, dass das schnell drehen kann.

          Meine Älteste zB (jetzt 7) würde nie wieder ein Drama mit Heulerei vor anderen veranstalten. Zu schüchtern...und das ist ihr peinlich. Und trotz Schüchternheit macht sie auf einmal auch alles mit - schon alleine aus Angst sie könne was verpassen.

          Meine Kleinste ist die einzige im Haus die keine Ahnung hat was schüchtern ist.

      Dein Sohn möchte dazu gehören und findet für sich noch keinen Weg, wie er das gut alleine schafft. Dazu benötigt er Erwachsene, die ihm dabei unterstützen. Ihr als Eltern unterstützt ihn, wenn ihr dabei seit. Wie läuft es denn in der Kita? Gibt es da ähnliche Situationen? Und wie reagieren die Erzieher/ Erzieherinnen?
      Fühlt er sich zu seiner Gruppe dazugehörig? Hat er Freunde? Da würde ich ansetzen. Dein Sohn zeigt eindeutig, dass er sich nicht sicher fühlt und weint morgens, beim Turnen etc.

    (10) 05.05.17 - 10:49

    Hallo,

    bei diesen Situationen auf dem Spielplatz wäre bei mir Ende mit Verständnis. Da gäbe es Ärger für mein Kind.

    Dein Sohn ist keine 3 mehr, und Ihr habt ihm diverse male erklärt, wie man zu anderen Kontakt aufnimmt. Da würde ich jetzt Konsequenzen ziehen, und ihn nicht zum 135. mal am Händchen nehmen. Ich wette, Dein Sohn weiß mittlerweile sehr genau, wie er das machen sollte.
    Bei mir säße er jetzt auf der Bank und könnte darüber nachdenken, warum er da gelandet ist, anstatt mit dem anderen Kind zu spielen...

    Ich war als Kind selbst schüchtern, und meine Mutter hatte immer Verständnis und ist mir ganz viel entgegen gekommen. Das Ergebnis war, dass es sich nicht gebessert hat.
    Da mein Mann das Problem auch kennt, weil seine Mutter immer jedem, der sich nicht wehrt, alles abnimmt und sich gerne überall einmischt, haben wir es bei unseren Kindern von Anfang an so gemacht, dass wir gesagt, haben, wenn das Kind sich nicht traut, dann entfällt die Sache eben. Wir nehmen es weder am Händchen, noch nehmen wir ihm die Aufgabe ab.

    Bei unseren Kinder (jetzt 9 und 7), gerade bei dem Kleinen, war das Ergebnis anfangs öfter, dass sie sich mal geziert haben, sich dann aber überwunden haben. So haben sie gelernt, dass sie es auch ohne uns schaffen.

    Die Kleine ist mir vom Charakter her sehr ähnlich, aber deutlich weniger schüchtern, obwohl er das als Kleinkind durchaus war. Mittlerweile gibt es nur mal ab und zu Erwachsene, die er sehr einschüchternd findet (was irgendwie nur an deren Ausstrahlung zu liegen scheint. Die brauchen gar nichts einschüchterndes zu tun oder zu sagen.)
    Die Große war schon immer sehr selbstbewusst. Ich glaube, sie kommt eher nach meinem Vater. ;-)
    Unsere Kinder haben sich mit 5 im Restaurant selbst Essen bestellt, Verkäufer gefragt, wenn sie etwas wissen wollten, Dinge mit Erzieherinnen oder anderen Eltern selbst geklärt (falls das möglich war). Sie haben Kinder auf dem Spielplatz angesprochen und waren beim Voltigieren ohne uns in der Reithalle usw.
    Der Kleine läßt gerne mal seiner Schwester den Vortritt, aber wenn die nicht da ist, nimmt er die Sache selbst in die Hand, ohne zu versuchen, uns vorzuschieben.

    Beim Turnen hätte unser Sohn bei mir auf der Bank sitzen können, wenn er ohne mich nicht hätte mitmachen wollen bzw. ich hätte wahrscheinlich sogar versucht, nach vorheriger Absprache mit ihm zu Hause, den Raum zu verlassen, damit er gar nicht erst auf die Idee kommt, er könne an mir kleben. Das geht aber nur, wenn das Kind einigermaßen kooperiert. Man kann der Turn-Trainerin ja nicht zumuten, das abzufangen.

    Wenn er sich nicht zu anderen Kindern trauen würde, tja, da kann man nichts machen, ausser reden, solange der Freund nicht darauf besteht, dass er mal zu ihm kommt und ihn dadurch unter Druck setzt.
    Meistens werden die Kinder aber irgendwann neugierig auf das zu Hause und die Spielsachen des Freundes und trauen sich dann doch.
    Wir haben im Freundeskreis beider Kinder jeweils ein Kind, das früher so war. Mittlerweile gehen beide auch mal anderswo spielen.

    LG

    Heike

    Mein Sohn war in dem Alter ähnlich. Jetzt ist er 12 und hat auch noch seine zurückhaltende Art, aber ist sehr Selbstbewußt.

    Ich habe im Kindergarten angeregt für die Vorschulkinder einen Kurs zur "Selbstverteidingung" anzubieten. Also wie verhalte ich mich, wenn .... (https://www.wr.de/staedte/ennepetal-gevelsberg-schwelm/selbstverteidigung-fuer-vorschulkinder-id647832.html ) So ein Kurs war das!
    Das hat meinem Sohn viel Sicherheit gegeben, da er auf einmal Ideen hatte wie er sich in Konfliktsituationen helfen kann.

    Dann habe ich ihm ein Chor gesucht (klingt banal, aber zusammen singen bringt so viel - google das mal) und ihn ein Kampfsport lernen lassen.

    Trotzdem hat er mir immer wieder erzählt von wem er geschlagen und geärgert wurde. Wir haben dann darüber gesprochen und da ihm nie "Rachegedanken" plagten konnten wir es dabei belassen.
    Im Laufe der Grundschulzeit drehte sich die Sache, er trat immer sicherer auf und Schläge und Ärgerreien wurden weniger - und er hat auch weniger drüber geredet, weil es ihn eben nicht mehr getroffen hat.

    Jetzt ist er in Klasse 7 und kommt sehr gut klar. Er hat Freunde, er hat aber keine "Feinde" wird nicht gemoppt - alle meine Befürchtungen, die ich hatte als er 5 war haben sich in Luft aufgelöst.

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