4-jähriger will nicht (ohne mich) auf Kindergeburtstagen bleiben

    • (1) 15.05.17 - 10:48

      Hallo Ihr Lieben,

      mein Sohn bekommt regelmäßig Einladungen zu Kindergeburtstagen von Kindern aus seiner Kindergartengruppe. Er freut sich immer riesig darüber und fragt auch vorher immer ganz fröhlich, wie viele Tage es denn noch bis zur Feier sind. Er packt eifrig die Geschenke mit ein und wir mutmaßen gemeinsam, welchen Geburtstagskuchen es wohl dort geben wird. Am Tag der Feier kann er es nicht erwarten, dass wir endlich losfahren. Soweit so gut. Stehen wir aber dann dort vor der Tür, schlägt die Stimmung urplötzlich um. Er weint und möchte, dass ich auch dort bleibe. Was ja gar kein Problem ist, ich gehe einfach ein paar Minuten mit rein und warte etwas, bis er sich aklimatisiert hat und gehe dann. Dachte ich. So habe ich es jedenfalls bei meinem großen Sohn gemacht. Mein Kleiner hingegen möchte, dass ich gar nicht mehr gehe und den Geburtstag mitfeiere. Allerdings bewegt er sich kaum von mir weg, was dann ja auch nicht Sinn der Sache ist.

      Ich muss dazu sagen, dass er alle Eltern schon sehr lange kennt, da die größeren Geschwister mit meinem Großen schon ewig lange verbandelt sind. Er ist bei allen Kindern schon allein zum Spielen gewesen, das klappte ohne Probleme. Seine beiden besten Freunde sind auch immer eingeladen und sie versuchen auch, ihn zu trösten und zum Spielen mitzunehmen. Fremde Kinder sind meist nicht dabei. Er hängt mir aber weiter am Hosenbein und lässt sich nicht locken. Gestern war es wieder soweit. Wir sind dann nach einer knappen Stunden wieder gegangen, weil er dann auch sagte, er möchte nach Hause.

      Kennt Ihr so ein Verhalten? Wie kann man ihm helfen? Wurde diese Scheu vielleicht irgendwann von selbst schwächer?

      Danke für Eure Erfahrungsberichte
      J

      • Nachtrag: Im Kindergarten ist übrigens auch alles okay, da klappt das Zusammensein in der Gruppe bestens...

        Hallo,

        die Situation mit den Geburtstagen kenne ich auch, mein Sohn war mit 4 Jahren auch so.

        Inzwischen wissen wir, dass er hochsensibel ist und ihm damals der ganze Tumult zuviel war. Außerdem wüsste er nicht, was ihn erwartet. Noch heute machen ihn unbekannte Situationen, die er nicht einzuschätzen weiß und anders als der für ihn normale Ablauf sind, Angst.

        Mit den Kindern hat er sich problemlos in 1:1 Situationen getroffen ohne das ich dabei sein müsste. Geburtstage waren für alle Beteiligten der Horror.

        Ich habe das Problem dann so gelöst, dass er nach Absprache mit den gasteltern, 10-20 Minuten früher zur Einladung ging, er also das erste Kind vor dem Tumult war. Das funktionierte ganz gut.

        Ansonsten haben wir heute die Abmachung, dass er erstmal geht und wenn es ihm nicht gefällt, hole ich ihn ab. Ist aber letztendlich noch nie passiert, weil er sich dann doch eingefunden hat.

        Er hat und hatte immer die Sicherheit, die er benötigt, um sich darauf einzustellen.

        VG

        • Danke für deine Antwort! Das mit dem früher Hingehen ist ne super Idee, das werde ich mal ausprobieren!

          Wie habt Ihr denn herausgefunden, dass er hochsensibel ist? Hattet Ihr solch ein Verhalten auch in anderen Situationen?

          • Hochsensibilität kann man nicht mit einem standardisiertem Test bestimmen.

            Ich bin ins Netz und habe mich durch diverse Fragebögen gegoogelt mit immer demselben Ergebnis.

            Sehr früh würde der Verdacht des Autismus geäußert, aber das trifft nicht auf ihn zu. Sieht seine Lehrerin auch so.

            Letztendlich ist es so, dass er immer "anders" ist und war als andere. Das kann ich schlecht erklären.

            Um einige Beispiele zu nennen, er kommt mit Lautstärke nicht klar. Wuselige Menschenmassen oder Situationen überfordern ihn, er kann es partout nicht haben, wenn z. B. seine Finger klebrig oder fertig sind. Er reagiert stark auf Gerüche, verlässt teilweise den Raum, wenn sie ihm zu unangenehm werden. Kleidung ist der nächste Punkt, er zieht nur bestimmte Stücke an. Viele findet er unangenehm.
            Am meisten bemerkbar macht es sich in Situationen, die er nicht kennt. Da reagiert er extrem mit einer Verhaltensweise, die ich hier aber nicht erläutern möchte.

            Dies wird / wurde auch von Seiten der Schule bemängelt. Wenn in der Schule z.B. irgendetwas anders ist, Klassenlehrerin nicht da, da ist er vollkommen durch den Wind.
            Er hat sich selbst zeitlich gestaltet, wenn er auch nur 5 Minuten länger schläft, ist der morgen schon gelaufen.
            Da gibt es noch ganz viele andere Beispiele.

            Wir haben für uns und ihn Lösungen gefunden, mit denen wir klar kommen. So wie die Geburtstagsgeschichte.

            Hochsensibilität ist glücklicherweise keine Krankheit, sondern nur mit Eigenschaften verbinden, die für einige fremd wirken.

            Wir versuchen seine dadurchvresultierenden stärken zu fördern und an den vermeintlichen Schwächen arbeiten wir. Er muss ja lernen im Leben klar zu kommen, daher kann und wird er nicht aus allen Situationen die für ihn unangenehm sind herausgenommen.

            VG

            • Dein Beitrag lässt mich gerade grübeln. Die von dir genannten Beispiele treffen auf meinen Sohn ebenso zu, mit Ausnahme der Sache mit dem Schlafen. Eine Vertretungs-Erzieherin in der Kita ist für ihn ein Graus. Man merkt ihm dann richtig an, wie unwohl er sich dann fühlt. Mir wurde dort auch schon ein paar Male gesagt, dass er sehr sensibel und "anders" ist, genauer benennen wollten sie es aber noch nicht. Sie wollen lieber beobachten und ihn gezielt fördern (soweit das möglich ist).

              Das alles habe ich aber nie in Verbindung mit diesem Geburtstags-Verhalten gebracht, denn im Kiga hat er keine Probleme in der Gruppe... natürlich ist es aber möglich, dass das dort mit der ihm sehr vertrauten Umgebung zu tun hat. Auch weiß er ja, was ihn im Kiga erwartet, das ist auf dem Geburtstag ja nicht der Fall...

              Ich danke dir auf alle Fälle für diesen Denkanstoß!

      Das ist wirklich komisch.
      Ich würde wohl nicht mehr hingehen. Entweder er geht alleine, oder eben garnicht. Vielleicht verhält er sich direkt ganz anders, wenn du sofort gehst?

      • Hm. Ja, das könnte natürlich sein. Allerdings würde ich das Weinen und Geschreie eigentlich niemandem - weder meinem Sohn, noch dem Geburtstagskind, noch den Gasteltern - zumuten wollen #gruebel

        >>Entweder er geht alleine, oder eben garnicht.<<

        Das finde ich schon ganz schön krass. D.h. er wird irgendwie doppelt bestraft. Es funktioniert ja, wenn Mama dabei ist. Vielleicht braucht er sie noch als "Anker" und fühlt sich wohler, wenn er weiß, sie ist in der Nähe, falls etwas ist.

        Ich würde auch eher erst mal andere Optionen ausprobieren, anstatt das Kind aus so einer sozialen Runde komplett auszuschließen. Es ist ja nicht so, dass er grundsätzlich sagt, er möchte da gar nicht hin. Er möchte nur nicht alleine hin.

        • Naja, es wurde ja versucht. Es kann nicht Sinn der Sache sein, dass die Mama dort als einzige "mitfeiert", obwohl ohne Eltern gefeiert wird. Bei Vierjährigen sollte das klappen.
          Klar, wenn man selber feiert und eine Mutter muss mit ist das kein Beinbruch, aber als Mutter des Kindes würde mich das extrem stören.

          • >>Bei Vierjährigen sollte das klappen.<<
            Warum? Hier scherst du wieder alle Kinder über einen Kamm. Ich finde auch, dass man mit 12 Monaten schon laufen sollte. Das sollte schon klappen ;-) Tun aber viele Kinder nicht und das ist auch nicht schlimm... Jeder hat da sein eigenes Tempo und wir sprechen hier auch von einem 4jährigen und keinem 8jährigen, bei dem man sich vielleicht wirklich fragen würde, ob alles "ok" ist.

            >>..aber als Mutter des Kindes würde mich das extrem stören. <<
            Hier ist doch das Problem. Es würde dich als Mutter stören, bei der Party dabei zu sein. Deswegen dürfte dein Kind dann gar nicht mehr zu solchen Partys, wenn es nicht alleine dableiben möchte? Wie gesagt, ich finde das schade für das Kind. Kindergeburtstage finden meistens nicht wöchentlich/monatlich statt und hier ausgeschlossen zu werden, weil Mama nicht die Lust hat da zu bleiben, finde ich nicht so schön.

            Wenn das Kind natürlich selber sagt, dass es nicht dableiben möchte, dann wäre für dich die Sache auch ganz eindeutig und wir würden gehen. Wenn es sich aber in meiner Nähe einfach nur wohler fühlt und ansonsten Spaß hat, würde ich als Mama das gerne auf mich nehmen.

            • Naja, ich finde einfach, dass man in dem Alter durchaus erklären kann und klar komme ich wieder, wenn garnichts geht, aber ich würde definitiv erstmal schauen ob das nicht nur die typische "Szene" ist und sobald ich weg bin, ist alles super. Dann schreit das Kind halt mal, so ist das eben.
              Man kann erklären, dass man geht und erreichbar ist und gut. Auch von Vierjährigen kann man schon verlangen wenigstens mal auszuprobieren.

              • Ja, natürlich kann ich es erklären. Aber genauso wie die Kommunikation von Mama-Kind funktioniert, sollte es andersrum funktionieren. Wenn das Kind sagt, es möchte, dass die Mama da bleibt, es aber sonst auch dableiben möchte (also nicht sagt, dass es nicht hier sein will), dann würde ich auch nicht auf Biegen und Brechen ein „Du musst hier alleine bleiben oder du gehst mit mir mit nach Hause“ durchringen (wollen).

                Manche Kinder brauchen einfach länger gewisse Bezugspersonen zum "erden". Und wenn es ansonsten Spaß hat, dann warum nicht? Dann hängt es nur an mir, der Mutter, der das "zu blöd" ist.

                >> Dann schreit das Kind halt mal, so ist das eben.<<
                Das will nicht jede Mutter. Ich möchte z. B. nicht, dass mein Kind schreit. Wie schon gesagt, man kann mit so etwas sein Kind auch ganz leicht „traumatisieren“. Das ist ein ganz schmaler Grad zwischen „Du tanzt mir nicht auf der Nase herum“ und „Jetzt lasse ich dich mit dieser für dich beängstigenden Situation alleine und jetzt schau mal, wie du damit klarkommst.“

                Jedoch bin ich grundsätzlich ein Gegner von dem zwanghaften "Abnabeln müssen". Bisher habe ich die Erfahrung mit meiner Tochter gemacht, dass sie (wenn für sie die Zeit reif war) alles von alleine gemacht hat (Schnuller abgeben, trocken werden, auf andere zugehen etc.).

                • Da haben wir einfach verschiedene Einstellungen.

                  Unsere Tochter darf nicht alles selber entscheiden, auch zählt ihr Wort in solchen Situationen nicht soviel wie unseres. Sie ist schließlich ein Kind und kann solche Dinge garnicht entscheiden.
                  Bei uns lief das alles wunderbar. Unsere Tochter ist sehr selbstbewusst, hat keine Angst bei Freunden oder auf Feiern, war früh trocken und der Schnuller war auch schnell weg.

                  Klar, jedes Kind ist verschieden, aber gerade bei den Leuten die da einfach sehr viele Freiheiten lassen sieht man immer wieder, dass die Kinder scheinbar länger brauchen oder sehr ängstlich und zurückhaltend sind.
                  Unsere Tochter hat eine wunderbare Bindung zu uns, wird geliebt und trotzdem eben nicht als Erwachsener betrachtet. Der ist sie ja auch nicht.

Top Diskussionen anzeigen