Wie könnten Erzieherinnen reagieren? (gewalttätiges Kind)

    • (1) 17.05.17 - 21:22

      Gibt es hier Erzieherinnen, die mich ein bisschen an ihren Erfahrungen teilhaben lassen können?

      In unserem Kindergarten gibt es ein ziemliche gewalttätiges Kind. Meine Tochter erzählt beinahe täglich von Angriffen und hat immer wieder mal Blessuren, die mir dann von den Erzieherinnen erläutert werden. "Es tut uns leid, "ein Kind" hat schon wieder..."

      Unser Kindergarten ist ziemlich verschlossen, was Informationen über andere angeht. Der Name des Kindes wird z.B. nie genannt, obwohl wir alle wissen, um wen es geht. Das finde ich gut so!

      Heute wurde mir allerdings gesagt, dass ein Gespräch mit der Mutter ansteht. Ich vermute, der Kindergarten will mir einfach vermitteln, dass sie nicht untätig sind.

      Da der Kindergarten mich aber sicher nicht über weiteres Vorgehen informiert würde ich einfach aus Interesse gerne mal in die Runde fragen:

      Wie wird üblicherweise gehandelt? Was für Ansätze gibt es? Hat man als Erzieherin überhaupt eine Chance? Sie kann ja nicht überall sein - und das erwarte ich auch nicht.

      Das wenige, das ich von der Mutter weiß, lässt nicht gerade hoffen, dass sich ein so grundsätzliches Verhalten durch ein Gespräch mit ihr löst.

      Lg #winke

      • Hallo,
        der Kindergarten kann schon durch diverse Dinge Druck ausüben. Zunächst einmal kann er der Mutter nahelegen, das Kind mal untersuchen zu lassen beim Facharzt. Der Kindergarten kann auch der Mutter nahelegen eine I-Kraft zu beantragen. Beides könnte der Kindergarten nicht erzwingen, aber er kann deutlich durchscheinen lassen, dass er das Jugendamt mit ins Boot holt und dass bei Untätigkeit die Kündigung des Betreuungsvertrages droht. Beides sind Dinge, die Eltern nicht so sehr gefallen. Dann geht es nämlich erst richtig los.

        Tut mir leid für deine Kleine. Ich hab das gleiche durch. Es ging über Monate. Alle Gespräche haben nichts geholfen. Ich hab sogar selbst mit den Eltern gesprochen. Nach dem Gespräch wusste ich, dass es kein Wunder ist, dass der Junge so drauf ist.

        Ende vom Lied, erst als mein Sohn sich gewehrt hat, hatte der Spuk ein Ende. (Ich war so verzweifelt, dass ich ihm Spielzeug versprach, wenn er zurückschlägt) pädagogisch nicht wertvoll, aber effektiv:)

        Alles Gute.

        Vielleicht, evtl. auch nicht richtig, lehren Kinder zu zurückschlagen?
        #hicks

        • (5) 18.05.17 - 11:48

          Hallo,

          unsere Kinder sind 7 und 10, und glaube mir, es gibt einfach Kinder, die kriegt man als Altersgenosse nicht in den Griff, ohne zurück zu schlagen.

          Worte dringen bei denen nicht durch, und z.T. ist denen auch egal, wenn sie Ärger mit Erzieherinnen oder Lehrern bekommen. Mal abgesehen davon, dass nicht immer ein Erwachsener greifbar ist, wenn man als Kind Ärger mit solchen Früchtchen hat.

          Das ist nicht schön, aber die Realität.

          LG

          Heike

      Warum ein Kind andere Kinder schlägt kann verschiedene Ursachen haben.

      Wir hatten selbst schon einige Kinder in der Kita, die sich ausser durch Schlagen nicht zu verständigen wussten.

      Meist ist die Kontaktaufnahme zu den Kindern gestört oder diese Kinder werden ausgegrenzt und wehren sich dann.
      Wir beobachten dann ganz gezielt diese Kinder. Wann tritt das Verhalten auf und warum? Gleichzeitig sprechen wir mit den Eltern, um gemeinsam zu überlegen, wie wir dem Kind helfen können.

      Bisher habe ich noch keine Eltern erlebt, die nicht mitarbeiten wollten.
      Gleichzeitig schützen wir natürlich die anderen Kinder und bleiben bei dem Kind, was schlägt.
      Eltern, die eine Elternpartnerschaft zum Wohle des Kindes nicht eingehen wollen, werden bei uns gar nicht erst aufgenommen oder der Platz kann gekündigt werden.
      Mein Sohn hat/ hatte selbst so ein Kind in der Gruppe. Nach genauen Befragen konnte ich herausfinden, dass keiner mit diesem Kind spielen wollte und die Erzieher auch keine besonders gute Beziehung zu dem Kind hatten. So nach dem Motto, wenn mich schon keiner beachtet, dann falle ich wenigstens negativ auf.
      Ich habe einfach die Mutter angesprochen und das Kind zum Spielen eingeladen. Danach hat das Schlagen aufgehört.

    • Ich bin auch Erzieherin und finde es gut, wie die Erzieherinnen bei euch reagieren (also ohne Namen die Situationen schildern, eine gewisse Menge an Infos rausgeben, trotzdem den Datenschutz beachten usw.).

      Bei uns läuft das in der Regel so ab:
      Haben wir ein Kind wie das von dir geschilderte, beobachten wir die Situation eine Weile. Alles wird schriftlich dokumentiert und regelmäßig in den Teambesprechungen im Gesamtteam reflektiert und geschaut, was die Ursache sein könnte. Die Eltern des Kindes holen wir mit uns Boot. Am Anfang durch kurze Tür-und Angelgespräche, einfach, um im Gespräch zu bleiben und um Ursachenforschung betreiben zu können.
      Eine Weile probieren wir, ob wir durch Handeln unsererseits eine Besserung herbeiführen können. Ist dem nicht so oder nur unter sehr großem Kraftaufwand möglich, folgt ein Elterngespräch, zu dem BEIDE ELternteile eingeladen werden.

      Dieses Gespräch hat zum Ziel, daß wir die Erlaubnis bekommen, Fachleute hinzuziehen zu dürfen, die das Kind in der Kita beobachten. Ist dies geschehen, folgt ein runder Tisch mit Erzieher, Eltern und eben diesem Fachmann/Fachfrau. Es wird dann eine Art Hilfeplan erstellt, was meist damit einhergeht, daß sich die Familie externe Hilfe holt, sei es irgend eine Form von Therapie, Familienhilfe, Förderstellen, je nach Ursache des Verhalten des Kindes.

      Ganz selten kommt es vor, daß Eltern keine Hilfe wollen und alles verweigern. Dann gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die man intern ergreifen kann, mit dem Ziel, evtl. künftig das Jugendamt mit ins Boot zu holen. Da müssen allerdings einige Kriterien erfüllt sein, ehe wir das dürfen.

      Dies alles passiert still und unauffällig, andere Eltern sollen das nicht mitbekommen. Das schlimme ist, daß Kinder, die eh schon einen Ruf weghaben, schnell für alles, was schiefläuft, verantwortlich gemacht werden, ob sie es nun waren oder nicht. Darum müssen wir ganz klar auch die "Täter"kinder schützen, ebenso wie die Opferkinder.

      Meist ist es auch von den Kindern, die aggressiv sind, letztendlich nur ein Hilferuf, und da braucht es einiges an Feingefühl, um allen gerecht zu werden.

      Ich hoffe, ich konnte dir etwas weiterhelfen.

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