Mein Sohn verhält sich plötzlich "bösartig" zu seinem Bruder

    • (1) 23.06.17 - 20:19

      Liebe Forenmitglieder,

      Ich wende mich heute an euch, weil ich zur Zeit wirklich hilflos in Sachen richtiger Erziehung gegenüber meinem 4-jährigem Sohn bin. Er war bis vor ein paar Wochen ein gehorsames, mitfühlendes und liebes Kind. Ich hatte nie irgendwelche gravierenden Probleme mit ihm, außer die üblichen Auseinandersetzungen wie zB das er nicht ins Bett will oder ähnliche Lapalien.

      Vor 7 Monaten wurde sein Bruder geboren und er hat sich ganz hingebungsvoll um ihn gesorgt, hat beim Windeln wechseln geholfen, war leise, wenn das Baby schlafen musste. Man hätte ihn fast als Musterknaben bezeichnen können.

      Seit ein paar Wochen ist aber alles anders. Es fing etwa zur gleichen Zeit an, als der Jüngste krabbeln lernte. Plötzlich ist er richtig fies zu seinem kleinen Bruder. Schubst ihn um; weckt ihn, wenn er schläft; hört nicht mehr auf mich und seinen Vater. Er wird zum Teil echt aggressiv, auch mir gegenüber. Hat mir schon eine richtige Backpfeife gegeben und nach mir getreten. Es kommt einfach alles so plötzlich und unerwartet, das ich mir unglaublich hilflos vorkomme.

      Nun bin ich mir einfach nicht mehr sicher, wie ich mich gegenüber ihm richtig verhalten kann. Klar habe ich ihn schon ordentlich angeschrien (was mir sehr leid tut) und es hat natürlich nix gebracht. Aber ich habe es auch schon mit Geduld, Zeit, Erklärungen, etc. versucht... nix hat bisher geholfen.

      Hat vielleicht jemand einen Tipp für mich, wie ich mit der Situation umgehen kann.

      Liebe Grüße

      Leel

      • (2) 23.06.17 - 20:36

        Hallo,

        ich kann dir jetzt keinen ultimativen Tipp geben, aber wir haben eine ähnliche Alterskonstellation: Unsere Tochter ist 4 Jahre und der Kleine 14 Monate. Sie ist einfach tierisch genervt von ihm. Seit er mobil ist, ist nichts mehr sicher vor ihm. Und es wird auch nicht besser, sondern schlimmer. Ich kann es ihr nicht mal übel nehmen, wenn sie rabiat wird.
        Selbstverständlich sagen wir ihr, dass sie ihm nicht weh tun soll. Erklären, machen, tun. Sind aber auch oft zu bequem ihn direkt weg zu nehmen, wenn sie uns darum bittet. Da staut sich auch mal Frust auf.

        Weißt du, alle in meinem Umfeld erzählen immer nur, wie sehr sich die Geschwister lieben und wie zuckersüß die Großen doch zu den Kleinen sind. Bei uns war das anfangs auch so. Und jetzt eben nicht mehr.
        Es ist nicht so, dass unsere Tochter nie mit ihm kann, aber meistens nervt er sie halt.

        Wir lernen auch noch damit umzugehen, aber Verständnis finde ich schon mal ganz wichtig.

        Obwohl unser Sohn schon mal grob angepackt wird von seiner Schwester, profitiert er doch auch sehr von ihr. Und andersherum.... irgendwo liebt sie ihn ja doch und ich habe die Hoffnung, dass er in einigen Monaten ein klein wenig verständiger wird und sie etwas mehr gemeinsam machen können ;-)

        LG

        • (3) 23.06.17 - 20:53

          Vielen lieben Dank für deine Antwort. Man vergisst leider allzu häufig, auch mal die Sichtweise des Älteren zu verstehen (dabei bin ich selbst die älteste von drei Kindern). Dein Beitrag hat mich gerade nochmal daran erinnert. Es gibt sicher nicht den ultimativen Tipp, das stimmt. Ich versuche jetzt einfach, das ganze etwas gelassener zu sehen. Selbstverständlich habe ich zu dieser Situation auch meinen Teil beigetragen.

          Der Kleinste wurde innerhalb weniger Wochen sowas von mobil und damit auch fordernd, das es vielleicht wirklich wichtig ist, dem Älteren auch mal sein eigenes Resort zu bewahren.

          Wenn ich nur daran denke, wie damals meine Geschwister und ich und gefetzt haben...

          • (4) 23.06.17 - 22:26

            Wir haben anfangs auch den Fehler gemacht, immer den Kleinen in Schutz zu nehmen und zu verteidigen. Bis wir verstanden haben, dass das die Situation noch verschärft, hat es eine Weile gedauert. Das hat sich halt auch irgendwie so eingeschlichen und man verteidigt den Schwächeren ja schon fast automatisch.

            Wir sind wie gesagt auch immer noch dabei, zu lernen mit dieser Situation umzugehen. Als Eltern wächst man in so neue Situationen ja auch erst rein. Trotzdem sage ich meiner Tochter schon auch mal klar und deutlich (und manchmal auch sicher im falschen Ton), dass gewisse Dinge einfach nicht gehen.
            Ab und zu "schimpfe" ich auch unseren Sohn (wenn er ihr etwas wegnimmt oder durcheinander bringt z.B.). Den juckt es sowieso nicht und es ist auch wirklich nur Show für meine Tochter. Ich weiß aber noch nicht, ob ich das gut finde.

            Ich denke wirklich, die Zeit arbeitet für uns ;-)

            Letztens musste ich fast laut und hysterisch lachen, als eine Freundin meinte, sie könne sich jetzt bald ein zweites Kind vorstellen. Ihre Tochter (fast 5) würde sich sicher rührend um das Baby kümmern und auch liebend gerne aufpassen.....

            LG und gute Nerven!

      Huhu,

      Bei uns gab es auch eine kleine Krise, als der Kleine angefangen hat zu krabbeln.... Vorher wurde alles schön geteilt, und der Große hat ihm Spielzeug hingetragen... Und plötzlich kam der Kleine selber angekrabbelt, und hat sich was geholt, fand der Große nicht so toll ;-)
      Der hat dann auch angefangen, ihm Sachen aus der Hand zu reißen, oder ihn mit dem Bobbycar anzufahren oder sowas... Und wenn er ihm dann zum dritten Mal über die Finger gefahren ist, habe ich auch angefangen, ihm das Teil wegzunehmen und zu brüllen....
      Als er sich dran gewöhnt hatte, dass der Kleine jetzt eben rumkriecht, gings dann, als er Laufen konnte, haben sie angefangen, richtig schön zusammen zu spielen :-)
      Achja, und wir haben ausgemacht, dass nichts weggerissen wird, sondern was zum Tauschen angeboten wird...

      Drück euch die Daumen, dass es besser wird
      Lg

      Hallo!
      Bei mir ist diese anstrengende Zeit schon etwas länger her (7 u. 4 sind die beiden jetzt).
      Sobald die kleinen immobilen, süßen Babys plötzlich auch einen eigenen Willen entwickeln und diesen auch umsetzen können, wird es für die "Großen" stressig.

      Ich habe dem Großen immer und immer wieder erklärt, dass die kleine Schwester Dinge nicht tut um ihn zu ärgern (das war sein Gefühl) sondern es einfach noch nicht besser weiß, Dinge wegnehmen, umschmeißen, (besonders schlimm) ansabbern und ihm am Rockzipfel hängen und sie einfach noch zu klein ist, um das Ganze zu verstehen.

      Ich habe immer versucht, mal mehr, mal weniger erfolgreich, das gemeinsame Spielen so zu gestalten, dass keiner der beiden zurückstecken musste. Und ich habe aufgepasst, dass die Kleine nicht in das Zimmer des Großen krabbelt. der große hatte die "Auflage" nur in seinem Zimmer Sachen aufzubauen bzw. auch alle Dinge in seinem Zimmer zu belassen. Sein Zimmer war der "sichere Hafen".
      Klingt vllt. komisch, aber für alle Beteiligten war es einfacher nur die Zimmertür zu "sichern".

      Und jedes aggressive Verhalten (von beiden, die Kleine fand den Großen ne zeitlang zum anbeißen) wurde wirklich sofort unterbunden,ist nicht immer einfach (und erfolgreich) und man ist irgendwie immer auf Habacht, aber irgendwann wurde es besser.

      Heute spielen die zwei wunderbar zusammen, natürlich gibt es auch Streit und Gestänker, aber ohne wäre es ja langweilig ;-)

      LG #winke

      • Wirklich vielen lieben Dank für die schnellen und tollen Antworten. Dann besteht ja noch Hoffnung.

        Da wir bis jetzt ohne irgendwelche "Strafen" oder besser gesagt Konsequenzen ausgekommen sind, stehe ich auch auf dem Schlauch was solche Maßnahmen betrifft. Wie handhabt ihr das so? ZB heute kamen wir vom einkaufen zurück und der Kleine hat in seinem Maxicosi geschlafen. Ich hab ihn ins Wohnzimmer gestellt und wollte den Einkauf wegräumen. Komme wieder und sehe genau, wie der große ihn absichtlich wach ärgert. Das sind dann so Situationen, da könnte ich aus der Haut fahren...

    Hallo,

    viele gute Beiträge hast Du bekommen. Die Kleinen sind süß, werden bewundert, wenn der nächste Meilenstein geschafft ist, aber zu schnell vergißt man das ältere Geschwisterkind. Es fordert auch seinen gerechten Anteil an Aufmerksamkeit und Lob. Vergiß bitte nicht, daß auch Dein Älterer eben nicht nur der Musterknabe sein kann. Zu schnell fordert man gern vom Älteren, daß er plötzlich verständnisvoller, vernünftiger...sich einfach wie ein großes Kind verhalten und benehmen soll. (Habe ich auch gemacht. #hicks)
    Ich finde es toll, daß Dein Älterer sich um den Kleinen kümmert, aber es kann verflixt anstrengend sein immer nur lieb und toll zu sein. Macht mit ihm was allein, zeigt ihm auch die Vorteile älter zu sein und lobt ihn.

    LG
    Mistel

    Hallo
    Hat er die Möglichkeit sich zurückzuziehen und Freiräume (in denen das gebaute sicher ist usw.)?
    Bei meinen ist der Abstand zwar relativ klein, sie sind von der Entwicklung aber noch sehr weit ausseinander und das ältere Kind findet die jüngeren teilweise einfach zu aufdringlich. Und ich kann das auch verstehen. Es gibt Situationen da müssen sie sich miteinander abfinden, dann gibt es aber auch Situationen bei denen ich klar achte dass die Zuglandschaft der älteren heil b

    • Ahh, heil bleibt und eben dass die kleinen eben auch ihr Spielzeug haben dürfen.
      Ich finde die älteren sind bei so einem Abstand in einer nicht so einfachen Situationen. Wenn sie sich noch nicht so gut ausdrücken können und auch das jüngere Kind noch sehr klein ist, ist es nicht einfacher!

      LG

      • Ja, der große hat sein eigenes Zimmer und dort bleibt alles unangetastet vom Baby. Unser Leben findet aber größtenteils im Erdgeschoss statt. Der Große ist eigentlich selten in seinem Zimmer und wenn dort etwas aufgebaut wird, bleibt es auch für ihn erhalten.

        Das Problem ist dieses extrem provozierende Verhalten von ihm. Was ich nicht kenne und wofür ich keine angemessene Konsequenz finde.

        Vielleicht hört es sich ein wenig so an, als ob er zu wenig Lob, Aufmerksamkeit etc bekommen würde. Aber das ist nicht der Fall. Wir unternehmen mindestens einmal die Woche nur etwas mit dem Grossen. Er bekommt sein Lob und die Aufmerksamkeit für alles. Selbstverständlich nicht mehr in gleichen Maß, wie vor seinem Bruder...

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