Kind beschäftigt sich nie allein

    • (1) 26.11.17 - 06:01

      Hallo zusammen,
      Ich würde gerne eure Meinung hören und vielleicht ein paar Tipps.
      Mein Sohn ist 2 Jahre und 3 Monate alt. Er ging mit 12 Monaten zur Tagesmutter und jetzt seit Oktober in den Kindergarten.
      Er konnte und kann sich in der Fremdbetreuung gut allein beschäftigen. Es bleibt ihm ja wahrscheinlich dort auch nichts anderes übrig.
      Nur zu Hause klappt das einfach überhaupt nicht. Wenn ich in der Wohnung zu tun habe (Aufräumen etc.) dann ist es noch am Einfachsten. Dann ist er einfach dabei, hilft auch manchmal bei kleineren Sachen mit, läuft einfach von Raum zu Raum. Hüpft beim Wäsche sortieren in den Wäscheberg etc.
      Wenn ich mich aber mal auf die Couch setze und Pause mache, passt ihm das gar nicht. Er zerrt nur an mir rum, hüpft und klettert auf mir und um mich herum. Tut mir dabei (unabsichtlich) weh und tobt. Will Hoppehoppe Reiter spielen etc.
      Beim gemeinsamen Spiel klappt es wenige Minuten (kommt auf Tagesstimmung und Spielzeug an), aber ich muss dabei sein.
      Häufig jammert er auch viel, will immer auf den Arm.
      Insgesamt ist er ein sehr aktives und energiegeladenes, aber auch ziemliches Mama Kind. Er braucht / verlangt viel Aufmerksamkeit.
      Manchmal denke ich er langweilt sich. Rausgehen hilft oft am Besten, aber bei der aktuellen Jahreszeit natürlich nicht so möglich wie noch im Sommer.
      Ich finde dieses Verhalten, dass er sich wirklich so gut wie gar nicht (zu Hause) alleine beschäftigt nicht normal. Oder ist es das doch?
      Ich bin von klein auf immer auf ihn eingegangen. Nehme auf seine Bedürfnisse Rücksicht. Er bekommt sehr viel Aufmerksamkeit. Aber keine 5 Minuten mal sitzen zu dürfen nervt langsam. Ich lese aktuell das gewünschteste Wunschkind und versuche vieles umzusetzen, aber manchmal denke ich doch, dass er vielleicht ein bisschen verzogen ist...
      Was denkt ihr, erwarte ich zu viel von ihm?

      • Mit 12 Monaten in Fremdbetreung ist ja auch ne Hausnummer, da will er dann auch Mamas Aufmerksamkeit, wenn er sie haben kann.
        Kinder lernen sehr schnell, dass mit unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Regeln gelten.
        Dass er den "Nervfaktor" von Rumzerren etc nicht wahrnimmt ist altersgemäß. Sag ihm, wenn er Dir weh tut.
        Insgesamt erwartest Du viel von einem Zweijährigen, finde ich. Aber Du musst ihm jetzt klar machen was geht und was nicht, damit er es lernen kann.

        So ähnlich war es auch bei meiner Tochter. Die war allerdings zu Hause bis knapp 3. Solange sie ein Einzelkind war, hat sie nie allein gespielt. Und ich habe sie auch nicht dazu "gezwungen". Rückblickend denke ich, dass das vielleicht gar nicht so schlecht gewesen wäre.

        Mit dem kleinen Bruder hab ich es ab einem Jahr so gehandhabt: wenn die Große im KiGa war, hab ich erst eine Weile mit ihm gespielt. Dann hab ich mich demonstrativ aufs Sofa gesetzt (er konnte mich sehen), gesagt: Mama hat Pause. Und in eine Zeitung geguckt und nicht auf ihn reagiert. Wenn er auf mich geklettert ist, hab ich ihn wortlos wieder auf den Boden gesetzt. Ich wäre nur eingeschritten, wenn er sich in eine gefährliche Situation gebracht hätte. Dann hat er zwar etwas rumgemault, aber fing dann zum Beispiel an mit Blauklötzen zu spielen. Hab die Zeit dann langsam gesteigert. Jetzt ist er zwei und spielt problemlos auch mal 30 Minuten selber. Ich muss allerdings im Raum sein. Danach möchte er meist kuscheln oder ein Buch lesen und das darf er dann auch.

        Nachmittags ist die große Schwester zu Hause, da kann ich die beiden dann auch mal alleine spielen lassen und was anderes im Haus erledigen.

        Hallo, ich habe von Geburt an Selbstbeschäftigung stark respektiert und auch darauf geachtet, dass ein älteres Geschwisterkind ein jüngeres nicht stört, während dieses konzentriert etwas macht, gerade zufrieden seibe Händchen anguckt, etwas baut o.ä. Außerdem waren mir kleine Inseln im Alltag (10 min lesen, Kaffee trinken, eben telefonieren...) immer wichtig - gerade mit Kindern. Das habe ich von Anfang an gemacht und bin nicht wg. Langeweile sofort aufgesprungen. Auch Mama hat mal eine Auszeit, egal wie alt das Kind ist.
        An mir zerren lassen oder auf mir hüpfen, während ich kurz Kaffee trinke oder telefoniere, sowas gäbe es hier überhaupt nicht, in keinem Alter. Ich denke schon, sowas hat mit Erziehung / Gewöhnung zutun. Wenn du etwas ändern willst, fang an :-). Erst 2-3 min, dann ausdehnen. Ich lächle immer ein bisschen über das häufig bei Urbia fallende Wort "bedürfnisorientiert" - alles schön und gut, aber außer dem Prinzen/der Prinzessin ;-) haben auch ANDERE Menschen Bedürfnisse, die respektiert werden sollten (bzw. wenn nicht sofort, dann mit der Zeit), da müssen eben immer wieder neue Prioritäten gesetzt werden. Mit mehreren Kindern lernt man das blitzschnell :-).
        VG

        • Hallo,

          das war eins der wenigen Dinge, bei denen ich meiner Schwiegermutter von Anfang an eine klare Ansage gemacht habe (sie wohnt bei uns und die Kinder sind häufig bei ihr): solang die Kinder sich zufrieden selbst beschäftigen, lass sie einfach in Ruhe!

      Hallo.
      Mein Sohn ist August 13 geboren, also 2 Jahre älter als deiner. Und bei ihm war es änlich.
      Er beschäftigt sich am besten alleine, wenn ich in der Küche ( liegt neben seinem Zimmer) zu tun habe.

      Ich denke rückblickend das ich mich nicht gut genug, deutlich abgegrenzt habe.
      Er War auch mit 14 Monaten in der Krippe.
      Wenn wir Zuhause waren habe ich mich nur um ihn gekümmert.
      Ich habe im immer wieder gesagt er soll alleine spielen. ( wir haben kein Tablett, TV gibt's nur sehr begrenzt)
      Er hat es immer wieder gemacht, mal länger mal nur kurz. Dann kam er kuschel, Mama ärgern, oder irgendwas womit er Aufmerksamkeit bekommt.

      Mitlerweile ist er 4 und spielt Stunden alleine lego. Er kommt immer noch zwischendurch und kuschelt oder will das ich mit spiele.
      Das mache ich dann...wir entwickeln eine neue Idee und ich gehe. Er spielt weiter.

      Ich denke dein Sohn wird es auch leeren, allerdings muss man so manches Kind auch " zwingen". Gibt halt verschiedene Typen, der eine zieht sich gerne zurück, den anderen muss man schuppsen.

      LG

    • Hallo,

      ja Du erwartest zuviel, denn Dein Kind kommt ja schon in der Kita lange Zeit ohne Mama zurecht und beschäftigt sich alleine. Und er braucht eben noch Mama und Aufmerksamkeit, und wenn er sein "Pensum" Selbstbeschäftigung im Kindergarten schon aufgebraucht hat braucht er halt zu Hause Aufmerksamkeit.

      Auf der einen Seite musst Du Dich abgrenzen, Dir die 5 Minuten nehmen und ihm dann auch sagen "Lass Mama mal durchschnaufen, hier ein Puzzle, und wenn Du das fertig gepuzzled hast ist Mama wieder fit und beschäftigt sich mit Dir. Da auch das KLettern verbieten, aber etwas anbieten was er selber macht. Malen, mit Kinderstempeln Blätter verzieren oder ein Puzzle waren hier die "5 Minuten Durchschnauf"

      Er muss es klar lernen, aber Du musst auch Verständnis haben dass er einfach Mama braucht.

      Hallo, Ich denke der kleine Mann ist einfach nicht ausgelastet. Warm anziehen und raus. Wir gehen auch im Herbst und Winter jeden Tag stundenlang raus.
      Daheim ein Trampolin, ein Klettergerüst, eine Hüpfmatte aufstellen und ihn toben lassen.
      Er geht in die Krippe und möchte natürlich Mamas Aufmerksamkeit. Er ist noch so klein. Du erwartest zu viel von ihm!

      Hallo.

      Ich sehe das Ganze etwas anders als meine Vorschreiberinnen.

      Ich war mit meinen zwei Terroristinnen bereits bei drei Anlaufstellen und habe mich beraten lassen, weil ich so auf dem Zahnfleisch gehe. Die Tipps hätte ich mir sparen können, aber zumindest mein Bauchgefühl lag richtig und ich kann mich zumindest theoretisch entspannen.

      Also bei uns ist es so, die Große beschäftigt sich auch überhaupt nicht allein. Das wurde mir so richtig bewusst und es wurde lästig nach ihrem zweiten Geburtstag. Vorher ist es mir so bewusst nicht aufgefallen. Sie hat halt viel im Haushalt mitgewuselt oder wurde von uns bespaßt, durfte aber auch mal fernsehen etc. Allein gespielt hat sie nie. Auch draussen immer nur in unserer Begleitung. Sie ist wild und laut, immer.

      Im Kindergarten ist sie beliebt und präsent. Die Erzieher sehen sie überhaupt nicht auffällig, aber da ist ja auch immer Jemand zum spielen und sie hält sich auch da an Erzieher, wenn es möglich ist, spielt sonst mit Älteren Rollenspiele (fordert sie auch zu Hause sehr oft ein) oder sie kümmert sich um Jüngere. Alleine macht sie wenig.

      Ihre jüngere Schwester ist mega anstrengend von der ersten Sekunde an. Schreit immer, fordert totale Aufmerksamkeit, das wird nun mit knapp 2 etwas besser. Aber(!!!) WENN sie mal gut gelaunt ist UND nicht gestört wird, kann sie sich super selbst beschäftigen. Das war auch bereits als Baby so. Sie findet völlig unbedeutende Alltagssituationen und analysiert das total und macht ein Spiel draus. Dabei ist sie ruhig, konzentriert und ausdauernd. Leider findet sie diese Zufriedenheit nur, wenn ihr Vater und ihre Schwester nicht zu Hause sind und sie weder müde noch hungrig ist.

      Sie wird mit 2.5 in den Kindergarten gehen, ihre große Schwester ging mit 3.

      Was ich damit sagen will. Ich denke absolut nicht, dass man das beeinflussen kann, es ist Typsache. In keiner erdenklich anderen Familienkostellation wäre meine Große eine introvertierte Leseratte geworden, die stundenlang knetet oder malt. Sie ist extrovertiert, impulsiv und lebt vom dauernden kommunikativen Austausch. Manche Kinder schaukeln einfach und andere rufen ständig nach Mama, um dabei auch gesehen zu werden. Meine Kleine buddelt ewig zufrieden im Sand, meine Große möchte, dass ich mit ihr im Sand buddele und ist dabei wuselig und will dauernd MIT MIR etwas anderes machen.

      Bestimmt kann man das je nach Charakterstärke eines Kindes "aberziehen", aber meiner Meinung nach unterdrückt man damit eben nur eine genetische Typsache des Kindes. Damit meine ich jetzt natürlich nicht, dass man Nuancen verfeinern kann. Meine Große will am liebsten immer mit un spielen. Sie wird niemals vollkommen glücklich sein, wenn sie immer ohne uns spielen soll. Natürlich lernt Sie, dass wir einfach nicht immer mitspielen, aber auch durch frühere andere Herangehensweise hätte ich daran nichts geändert.

      Puh, ich hoffe, das war irgendwie nachvollziehbar, nach dem Wochenende zu viert zu Hause bin ich echt auf ;-)

      LG

      Hallo, ich habe drei Kinder und habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
      Kind 1 konnte sich nie allein beschäftigen, war immer an mir dran, forderte und war immer präsent.
      Kind 2 konnte sich gut früh schon allein beschäftigen und zog so ihre zwei Jahre ältere Schwester mit.
      Kind 3 ist gut 21 Monate alt und spielt von Anfang an lange allein. Ich sitze in der Nähe, aber das reicht ihm. Wenn ich koche, sitzt er dabei und puddelt vor sich hin. Er hat eine wahnsinnige Geduld und ruht in sich. Muss er von meinem Mann haben.
      Unsere Große konnte es einfach nicht, das hat mich jahrelang frustriert. Bei den anderen Kindern lief es dann viel besser.
      Ich denke, kleine Auszeiten wie Kaffee trinken sind wichtig und sollten auch gemacht werden. Dehne die Zeiten immer weiter aus und bleib konsequent. Das Geturne auf dir würde ich klar unterbinden. Er muss lernen, dass auch du Pausen brauchst. Natürlich geht das Programm anschließend weiter, und das kannst du ihm ja in Aussicht stellen.
      Mein Sohn hat heute eine halbe Stunde Puzzleteile hin- und her getragen. Ich habe ihm nur zugeschaut, weil es total toll war, ihm zuzusehen bei dieser banalen Beschäftigung. Er war zufrieden, und ich war es auch. LG

      Vielen Dank für eure Beiträge. Ich habe auf jeden Fall mehrere Denkanstöße bekommen und versuche einiges langsam umzusetzen. Es tut gut ernst- und gutgemeinte Reaktionen von anderen Mamis zu bekommen. Herzlichen Dank

      Bei uns ist es genauso, der Text könnte meiner sein. Unser Kind ist jetzt schon etwas älter als deins und ab und zu und immer öfter kommen die Momente, wo es einfach alleine spielt. Aber wirklich fast nur, wenn wir Erwachsenen vertieft beschäftigt sind.
      Ich habe auch viel überlegt ob ich es "verzogen" habe. Jetzt habe ich aber beim Geschwisterkind gesehen, das ist einfach so im Kind drin. Kind 1 konnte sich schon mit 5 Monaten nicht alleine beschäftigen, man musste immer dabei sein und mitspielen, sonst gab es nur Geschrei.
      Kind 2 lege ich in dem Alter einfach auf den Boden und es beschäftigt sich stundenlang, ohne mein Zutun. Mit einem Jahr hat man manchmal nur gedacht "Wo ist mein Kind eigentlich?" und dann hat es irgendwo im Haus was zum Spielen gefunden und sich da beschäftigt. Für das größere Kind ist es Höchststrafe allein in einem Raum zu sein.
      Ich glaube, das ist einfach ein Charakterzug.

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